IDC zählt knapp 25.000 ausgelieferte Humanoide im ersten Halbjahr, chinesische Hersteller liefern mehr als 95%

Die weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter stiegen im ersten Halbjahr 2026 laut IDC um 432,1% auf knapp 25.000 Einheiten, der Marktwert lag bei mehr als 740 Millionen Dollar. China nahm rund 77,9% der Geräte ab, chinesische Anbieter stellten mehr als 95%, und IDC hob seine Prognose für 2030 um etwa 50% auf über 750.000 Einheiten an.
Humanoide Roboter verlassen die Labore schneller als erwartet, und fast alle stammen aus China. Im ersten Halbjahr 2026 wurden weltweit knapp 25.000 Humanoide ausgeliefert, 432,1% mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Marktforschungsunternehmen IDC am 29. September mit. Der Marktwert stieg um 322,7% auf mehr als 740 Millionen Dollar.
Den Großteil des Wachstums trug China. Dort wurden laut IDC mehr als 19.000 Einheiten ausgeliefert, ein Plus von 426,3%, was einem Anteil von rund 77,9% am Weltmarkt entspricht. Nach Herkunft der Hersteller gerechnet stammten mehr als 95% aller weltweit ausgelieferten Humanoiden von chinesischen Anbietern.
- Auslieferungen weltweit (Einheiten)
- 25.000
- 432,1
- Auslieferungen China (Einheiten)
- 19.000
- 426,3
- Marktwert weltweit (Mio. USD)
- 740
- 322,7
- Anteil Chinas an Auslieferungen (%)
- 77,9
- Keine Daten
- Anteil chinesischer Hersteller (%)
- 95
- Keine Daten
- Anteil Forschung, Lehre, Shows, Staat, H1 2026 (%)
- 69
- Keine Daten
- Derselbe Anteil, Gesamtjahr 2025 (%)
- 83,8
- Keine Daten
- Prognose Auslieferungen 2030 (Einheiten)
- 750.000
- Keine Daten
- Implizite Auslieferungen H1 2025 (Einheiten, berechnet)
- 4.698
- Keine Daten
- Durchschnittswert je Einheit H1 2026 (USD, berechnet)
- 29.600
- -20,6
Quelle IDC, 29.09.2026, gerundete Werte. Berechnungen von MEKAWIRE: Einheiten H1 2025 = 25.000 / (1 + 4,321); Wert je Einheit = 740.000.000 / 25.000; Veränderung je Einheit = (1 + 3,227) / (1 + 4,321) minus 1. Richtwerte.
Stand: 1. Okt. 2026
IDC hob daraufhin seine Langfristprognose an. Für 2030 erwarten die Marktforscher nun mehr als 750.000 ausgelieferte Humanoide, rund 50% mehr als in der vorherigen Prognose. Lily Li, Research Manager bei IDC China, verwies auf die schnelle Weiterentwicklung von Embodied-AI-Modellen, eine reifere Lieferkette und weiter sinkende Kosten, die es Humanoiden erlaubten, ihren wirtschaftlichen Nutzen in mehr realen Einsatzfeldern zu belegen. Der Wettbewerb verlagere sich von Mechanik und Hardwarekennzahlen hin zur Gesamtleistung der verkörperten Intelligenz.
Die Käuferstruktur beginnt sich zu verschieben. Forschung und Lehre, Shows und Ausstellungen sowie staatliche Datenerfassungszentren machten 2025 zusammen 83,8% der Auslieferungen aus, im ersten Halbjahr 2026 waren es noch 69%. Als neue Einsatzfelder nennt IDC Industriefertigung, Handel, Transport und Logistik, Freizeit und Tourismus sowie private Haushalte. AgiBot, UBTech und Galbot konzentrieren sich laut IDC auf industrielle Anwendungen.
Aus den gerundeten IDC-Zahlen lässt sich auch die Preisentwicklung grob ablesen. Teilt man den Marktwert durch die Stückzahl, ergibt sich ein durchschnittlicher Umsatz von rund 29.600 Dollar je Humanoid, eine Berechnung von MEKAWIRE. Da die Stückzahlen schneller wuchsen als der Wert, sank der Durchschnittswert je Einheit gegenüber dem Vorjahr um etwa 21%. Die Wachstumsrate impliziert für das erste Halbjahr 2025 eine Basis von rund 4.700 Einheiten. Das passt zu einem höheren Anteil günstiger Modelle, eine Aufschlüsselung nach Preis oder Größe veröffentlichte IDC allerdings nicht.
Die börsennotierten chinesischen Hersteller bestätigen den Trend. UBTech meldete für das erste Halbjahr 2026 den Verkauf von 921 Humanoiden in voller Größe, Unitree nahm beim Börsengang am Shanghaier STAR Market im August 6,1 Milliarden Yuan ein.
Außerhalb Chinas sind die Zahlen deutlich kleiner. Agility Robotics, einer der kommerziell am weitesten fortgeschrittenen US-Hersteller, wies im S-4-Dokument für den geplanten Nasdaq-Gang einen Umsatz von 1,8 Millionen Dollar für 2025 aus. Figure AI sammelte im September 2025 eine Milliarde Dollar bei einer Bewertung von 39 Milliarden Dollar nach der Finanzierung ein. Südkoreas Regierung bezifferte am 30. September Chinas Anteil am Humanoid-Markt auf 87%, den der USA auf 3% und den Koreas auf 1%.
- UBTech
- CN
- Verkaufte Humanoide in voller Größe, H1 2026 (Einheiten)
- 921
- 2026-08-28
- Unitree
- CN
- Emissionserlös STAR Market (Mrd. RMB)
- 6,1
- 2026-08-18
- Agility Robotics
- US
- Umsatz 2025 (Mio. USD)
- 1,8
- 2026-09-04
- Figure AI
- US
- Bewertung nach Serie C (Mrd. USD)
- 39
- 2025-09-16
Angaben laut Halbjahresbericht, Börsenunterlagen, S-4 und Finanzierungsmitteilung der Unternehmen. Kennzahlen unterscheiden sich und sind nicht direkt vergleichbar.
Stand: 1. Okt. 2026
Für Europas Industrie sind die Zahlen ein Weckruf. Zulieferer von Getrieben, Antrieben, Lagern und Sensoren treffen auf einen Kundenkreis, der fast ausschließlich in China sitzt, und europäische Humanoid-Entwickler wie Neura Robotics oder Humanoid in London werden an chinesischen Kostenkurven gemessen, bei Stückzahlen, die sie noch nicht erreichen. Für Autohersteller und Mittelständler, die über Humanoide in der Fertigung nachdenken, verschiebt sich damit auch die Frage nach dem Lieferanten.
Die Zahlen haben Grenzen. IDC zählt Auslieferungen, nicht Roboter im bezahlten Einsatz, und mehr als zwei Drittel der Halbjahresmenge gingen noch an Forschung, Lehre, Vorführungen und staatliche Datenzentren, wo oft für Datensammlung oder Präsentation gekauft wird. Weil IDC gerundete Werte veröffentlicht, sind daraus abgeleitete Stückwerte nur Richtgrößen. Auch die Marktanteile hängen von der Quelle ab, da Koreas 87% für China und IDCs 77,9% nach Zielmarkt sowie 95% nach Herstellern auf unterschiedlichen, nicht offengelegten Grundlagen beruhen.
Die nächsten Prüfsteine sind Unternehmensberichte. Am STAR Market notierte Firmen wie Unitree müssen ihre Quartalsberichte innerhalb eines Monats nach Quartalsende vorlegen, also bis zum 31. Oktober. UBTech muss seine Jahreszahlen nach Hongkonger Regeln bis Ende März 2027 veröffentlichen, die IDC-Daten für das Gesamtjahr 2026 dürften Anfang nächsten Jahres folgen.
MEKAWIRE-Analyse
Chinas Vorsprung bei Humanoiden ist zu einem Mengenvorsprung geworden, doch die Käuferstruktur zeigt einen Markt, der noch von Forschung und staatlicher Nachfrage getragen wird und nicht von nachgewiesener Rentabilität in Fabriken.
Für die erste Hälfte dieser These sprechen 432,1% Wachstum, ein Anteil chinesischer Hersteller von mehr als 95% und eine um rund die Hälfte angehobene Prognose für 2030. Für die zweite Hälfte spricht, dass 69% der Geräte weiterhin an Forschung, Lehre, Ausstellungen und staatliche Datenzentren gingen.
Das stärkste Gegenargument ist die Richtung. Nach MEKAWIRE-Berechnung auf Basis der IDC-Anteile stieg der Anteil kommerzieller und neuer Einsatzfelder von 16,2% im Jahr 2025 auf 31% im ersten Halbjahr 2026, und das auf einer viel größeren Basis. Hält diese Dynamik an, endet die Phase der Forschungs- und Vorführgeräte früher als von Skeptikern erwartet.
Im optimistischen Szenario öffnen sinkende Stückpreise die Nachfrage in Fabriken, Handel und Logistik, chinesische Hersteller melden steigende Bruttomargen bei Industrieaufträgen, und die IDC-Prognose von 750.000 Einheiten für 2030 wirkt vorsichtig. Am meisten profitieren Zulieferer in chinesischen Stücklisten.
Im pessimistischen Szenario lassen Aufträge aus staatlichen Datenzentren und dem Bildungssektor nach, sobald die ersten Budgets verbraucht sind, kleinere Hersteller bauen Lagerbestände auf, und Preissenkungen überholen die Kostensenkungen. Die Auslieferungen würden die tatsächliche Nutzung dann überzeichnen.
Worauf zu achten ist
- 31. Oktober 2026: Quartalsbericht von Unitree am STAR Market, erster öffentlicher Befund zur Nachfrage im zweiten Halbjahr.
- 31. März 2027: Frist für UBTechs Jahreszahlen 2026 einschließlich der verkauften Humanoide.
- Anfang 2027: IDC-Jahresdaten 2026 und Veränderung der Käuferstruktur.
- knapp 25.000 Einheiten (+432,1%)
- über 740 Mio. Dollar (+322,7%)
- über 19.000 Einheiten (+426,3%)
- rund 77,9%
- über 95%
- 69% im H1 2026 nach 83,8% im Jahr 2025
- über 750.000 Einheiten, rund 50% über Vorprognose
- IDC, 29. September 2026
Warum das wichtig ist
Es ist die erste unabhängige Halbjahreszählung, die Humanoid-Volumina im fünfstelligen Bereich belegt. Mit mehr als 95% Anteil chinesischer Hersteller entstehen die Skaleneffekte dieser Branche fast vollständig in einem Land.
Die um 50% angehobene Prognose für 2030 beeinflusst auch Investitionsentscheidungen. Zulieferer, Chiphersteller und Investoren planen Kapazitäten anhand solcher Prognosen, und ein Markt von 750.000 Einheiten rechtfertigt eigene Fertigungslinien für Aktuatoren und Getriebe.
Wettbewerbsanalyse
Unter den chinesischen Herstellern nennt IDC AgiBot, UBTech und Galbot als Anbieter mit Fokus auf Industrie, während der börsennotierte Hersteller Unitree vor allem kleinere und Forschungsplattformen liefert. UBTechs 921 Geräte in voller Größe zeigen, dass große Humanoide nur einen Teil des Volumens ausmachen.
In Europa und den USA ist der Markt in einer früheren Phase. Agility Robotics meldete 1,8 Millionen Dollar Umsatz für 2025, Figure AIs Bewertung von 39 Milliarden Dollar beruht auf künftiger Produktion, und europäische Anbieter wie Neura Robotics und Humanoid stehen erst am Anfang der Serienfertigung.
Bewertungskontext
Der von MEKAWIRE berechnete Durchschnittsumsatz von rund 29.600 Dollar je Einheit, etwa 21% weniger als im Vorjahr, prägt die Bewertungsdebatte. Chinesische Hersteller konkurrieren über Menge und Preis, westliche Anbieter werden nach der erwarteten Leistung je Roboter bewertet.
Mit Unitree und UBTech gibt es börsennotierte Vergleichswerte. Westliche Unternehmen müssen sich nun an den Stückkosten chinesischer Wettbewerber messen lassen, die Tausende Einheiten ausliefern.
Folgen für die Lieferkette
Bei einem Anteil chinesischer Hersteller von über 95% konzentriert sich die Nachfrage nach Humanoid-Komponenten auf chinesische Stücklisten. Heimische Anbieter von Motoren, Getrieben, Gewindetrieben und Sensoren gewinnen zuerst an Größe und senken ihre Kosten weiter.
Für europäische Zulieferer wie Getriebe- und Lagerhersteller stellt sich die Frage des Zugangs. Wenn Länder wie Südkorea heimische Teile in öffentlichen Ausschreibungen bevorzugen, könnte die Lieferkette in einen chinesischen und einen nichtchinesischen Strang zerfallen.
Worauf jetzt zu achten ist
Unitrees Quartalsbericht bis 31. Oktober ist der erste öffentliche Test der Nachfrage im zweiten Halbjahr. UBTechs Jahreszahlen bis Ende März 2027 zeigen, ob der Absatz großer Humanoide Schritt hält.
Die IDC-Jahresdaten Anfang 2027 zeigen, ob der Anteil von Forschung, Lehre und staatlichen Käufern weiter unter 69% fällt.
Analystensicht
These: Das chinesische Humanoid-Volumen ist real und beschleunigt sich, seine kommerzielle Qualität ist aber unbewiesen. Zuversicht mittel. IDC ist ein unabhängiger Zähler mit konsistenter Methode, veröffentlicht aber nur gerundete Summen ohne Preis- oder Größenaufschlüsselung.
Wir würden die Zuversicht erhöhen, wenn Unternehmensberichte zeigen, dass Industriekunden und Folgeaufträge schneller wachsen als Verkäufe an Forschung und Lehre. Wir würden sie senken, wenn die Auslieferungen im zweiten Halbjahr nachlassen, weil staatliche Budgets erschöpft sind.
Offene Fragen
Wie viele der 25.000 Einheiten sind Humanoide in voller Größe und wie viele kleinere Forschungs- und Lehrmodelle, und wie unterscheiden sich deren Preise?
Welcher Anteil der ausgelieferten Roboter arbeitet täglich gegen Bezahlung? Wie stark hängt Chinas Volumen von staatlichen Datenzentren ab, und wie lange reicht deren Finanzierung?