Was macht Hugging Face in der Robotik? LeRobot, Reachy Mini und die Pollen-Übernahme erklärt
Das Robotikgeschäft von Hugging Face besteht aus der Open-Source-Software LeRobot und günstiger Hardware von Pollen Robotics, das im April 2025 übernommen wurde. Ziel ist nicht, Figure oder Physical Intelligence mit besseren Robotern zu schlagen, sondern der Ort zu werden, an dem Roboter-Policies und Datensätze geteilt werden.
LeRobot hatte am 16. Oktober 2026 28.209 GitHub-Sterne und 5.893 Forks; die Juli-Version brachte Weltmodell-Policies, Nvidias GR00T N1.7 und ein Werkzeug, das Fehler im Einsatz in Trainingsdaten verwandelt.
Hugging Face verkauft einen Tischroboter für 399 Dollar und einen Humanoiden für 70.000 Dollar, doch die Hardware ist nicht der Kern. Das Robotikgeschäft des Unternehmens heißt LeRobot, eine Open-Source-Bibliothek, mit der sich Roboterdaten aufzeichnen, Policies trainieren und auf echten Maschinen ausführen lassen. Die Hardware soll mehr Entwickler zu dieser Software bringen. Laut öffentlicher GitHub-API hatte das LeRobot-Repository am 16. Oktober 2026 28.209 Sterne und 5.893 Forks und zählt damit zu den meistgenutzten offenen Codebasen im Roboterlernen.
Das ist relevant, weil das Kapital in der Roboter-KI zu geschlossenen Laboren fließt. Figure AI wurde in der Series C im September 2025 mit 39 Mrd. Dollar bewertet, Skild AI im Januar 2026 mit 14 Mrd. Dollar, wie die Unternehmen mitteilten. Hugging Face setzt darauf, dass sich unter diesen Laboren eine gemeinsame offene Schicht bildet. Im Folgenden geht es darum, was gebaut wurde, womit Geld verdient wird und wo die Wette scheitern kann.
Ein Softwarehaus kauft sich einen Roboterkörper
Hugging Face betreibt die größte öffentliche Plattform für KI-Modelle und Datensätze. Das LeRobot-Repository entstand im Januar 2024 unter Apache-2.0-Lizenz. Am 14. April 2025 gab das Unternehmen die Übernahme von Pollen Robotics bekannt, dem 2016 in Bordeaux gegründeten Hersteller der offenen Reachy-Humanoiden, nannte es seine fünfte Übernahme und kündigte Reachy 2 für 70.000 Dollar als ersten eigenen Roboter an. Konditionen wurden nicht genannt.
Am 9. Juli 2025 öffneten beide die Bestellungen für Reachy Mini, einen ausdrucksstarken Tischroboter von 28 cm Höhe und 1,5 kg, geliefert als Bausatz. Laut Blog kostet die Lite-Version 399 Dollar, die kabellose Version mit Raspberry Pi 4, Akku und Beschleunigungssensor 499 Dollar, jeweils zuzüglich Steuern und Versand, mit rund 90 Tagen Lieferzeit und dem Hinweis auf ein frühes Entwicklungsstadium.
Was verbindet einen 399-Dollar-Bausatz mit einem Forschungshumanoiden für 70.000 Dollar?
Das Produkt ist LeRobot, und es deckt den ganzen Lernkreislauf ab
LeRobot 0.6.0 vom 7. Juli 2026 zeigt den Umfang: drei Weltmodell-Policies (VLA-JEPA, LingBot-VA, FastWAM), neue Vision-Language-Action-Modelle wie Nvidias GR00T N1.7 und MolmoAct2 des Allen Institute for AI, eine Schnittstelle für Belohnungsmodelle, sechs Simulations-Benchmarks unter einem Evaluationsbefehl und das Werkzeug lerobot-rollout, das menschliche Korrekturen im Einsatz nach DAgger-Art aufzeichnet und Fehler so zu Trainingsdaten macht. Trainiert werden kann auf der kostenpflichtigen Rechenplattform HF Jobs. Nvidia kündigte einen Tag zuvor an, GR00T, Isaac Teleop, Isaac Lab-Arena und Jetson-Thor-Unterstützung in LeRobot zu bringen. Version 0.6.1 folgte am 3. August.
Die Dokumentation führt die günstigen Arme SO-100 und SO-101 als unterstützte Hardware; die Release-Notes zeigen MolmoAct2 darauf ohne Nachtraining. Im Juni 2025 veröffentlichte Hugging Face zudem SmolVLA, ein kompaktes VLA, trainiert auf mit LeRobot gesammelten Community-Daten.
- LeRobot
- Open-Source-Bibliothek (Apache 2.0)
- Repository seit 26.01.2024
- Kostenlos, optional kostenpflichtige HF Jobs
- Pollen Robotics
- Übernahme (Bordeaux, gegr. 2016)
- 14.04.2025
- Nicht genannt
- Reachy 2
- Mobiler Forschungshumanoide
- Verkauf seit April 2025
- 70.000 Dollar
- SmolVLA
- Kompaktes VLA aus LeRobot-Community-Daten
- 03.06.2025
- Offenes Modell
- Reachy Mini Lite / kabellos
- Tischroboter-Bausatz, 28 cm, 1,5 kg
- Bestellstart 09.07.2025
- 399 / 499 Dollar zzgl. Steuern und Versand
- LeRobot 0.6.0
- Weltmodelle, VLAs, Belohnungsmodelle, 6 Benchmarks
- 07.07.2026
- Kostenlos
Quellen: Hugging-Face-Blog (Pollen-Übernahme, Reachy Mini, LeRobot 0.6.0), GitHub-API. Preise laut Unternehmen.
Stand: 16. Okt. 2026
Ob von Nvidia, AI2 oder Hochschulen: Neue Modelle kommen als LeRobot-Policy, die jeder mit eigenen Daten nachtrainieren und zurück auf die Plattform laden kann. Offen bleibt die Geschäftsfrage.
MEKAWIRE-Analyse
Hugging Face baut kein Robotikunternehmen, sondern das GitHub des Roboterlernens: Der Hebel liegt dort, wo Daten und Policies getauscht werden, die Hardware ist Kundengewinnungsaufwand.
Die Preisleiter belegt das. Reachy Mini Lite kostet 0,57 Prozent eines Reachy 2 (399 geteilt durch 70.000) und 6,8 Prozent des Unitree-Humanoiden R1 zum internationalen Startpreis von 5.900 Dollar. Robotikumsätze sind nicht veröffentlicht, und MEKAWIRE hat keine verifizierte Finanzierungsrunde von Hugging Face, daher lässt sich die Sparte nicht separat bewerten. Messbar ist die Verbreitung: Seit Januar 2024 kamen im Schnitt rund 860 Sterne pro Monat hinzu (28.209 in 32,7 Monaten), zwischen 27. Februar und 3. August 2026 erschienen fünf Releases.
- Hugging Face / Pollen
- Reachy Mini Lite
- 399 Dollar
- Jul. 2025
- Unternehmenspreis
- Unitree
- R1-Humanoide (international)
- 5.900 Dollar
- Jul. 2025
- Unternehmenspreis
- Hugging Face / Pollen
- Reachy 2
- 70.000 Dollar
- Apr. 2025
- Unternehmenspreis
- Physical Intelligence
- Series B, Post-Money
- 5,6 Mrd. Dollar
- Nov. 2025
- Berichtet
- Skild AI
- Series C, Post-Money
- 14 Mrd. Dollar
- Jan. 2026
- Unternehmensangabe
- Figure AI
- Series C, Post-Money
- 39 Mrd. Dollar
- Sep. 2025
- Unternehmensangabe
Verifizierte MEKAWIRE-Daten. Anteil Reachy Mini Lite an Reachy 2 = 399/70.000 = 0,57 %, an Unitree R1 = 399/5.900 = 6,8 %. LeRobot-Sterne je Monat = 28.209 / 32,7 Monate seit 26.01.2024. Bewertung von Hugging Face nicht in verifizierten MEKAWIRE-Daten.
Stand: 16. Okt. 2026
Das stärkste Gegenargument: Offene Bibliotheken schöpfen selten den Wert ab, den sie schaffen. Physical Intelligence veröffentlicht pi0 und pi0.5 im eigenen Repository, Nvidia verteilt GR00T über die eigenen Isaac-Werkzeuge. Auch die Forschung zeigt das: Ein Preprint der Shanghai Jiao Tong University vom 15. Oktober baut sein Reinforcement-Learning-System am realen Roboter auf pi0.5 von Physical Intelligence auf, nicht auf einem Hugging-Face-Modell.
Für Europa hat die Wette eigenes Gewicht. Hugging Face und Pollen haben französische Wurzeln, und offene Werkzeuge senken die Einstiegshürde für Mittelständler, Integratoren und Anbieter wie Neura Robotics, RobCo oder Agile Robots, die keine eigenen Foundation-Model-Teams in US-Größe finanzieren können. Bull-Case: LeRobot wird Standardformat für Roboterdatensätze, Hugging Face verdient an Rechenleistung, Enterprise-Hosting und Hardware. Bear-Case: Große Labore halten ihre besten Daten zurück, China konsolidiert um eigene Werkzeuge, LeRobot bleibt Lehrmittel.
Drei Signale entscheiden: ob 2027 ein kommerzielles Robotikprodukt mit über LeRobot trainierter und verteilter Policy erscheint, ob die von Nvidia im Juli als bald angekündigte Cosmos-3-Integration noch 2026 in einem Release landet und ob Hugging Face bei der nächsten Finanzierung Robotikumsätze oder Reachy-Mini-Stückzahlen nennt.
- Open-Source-Bibliothek LeRobot (Apache 2.0, Repository seit 26. Januar 2024) plus Hardware von Pollen Robotics
- 28.209 GitHub-Sterne und 5.893 Forks am 16. Oktober 2026 (GitHub-API)
- Bekanntgabe am 14. April 2025, fünfte Übernahme, Konditionen nicht genannt
- Reachy Mini Lite 399 Dollar, kabellos 499 Dollar (zzgl. Steuern und Versand); Reachy 2 70.000 Dollar
- LeRobot 0.6.0 am 7. Juli 2026 (Weltmodelle, GR00T N1.7, MolmoAct2, Belohnungsmodelle, sechs Benchmarks); 0.6.1 am 3. August
- GR00T, Isaac Teleop, Isaac Lab-Arena und Jetson Thor in LeRobot (Nvidia, 6. Juli 2026)
- Nicht veröffentlicht
Warum das wichtig ist
Das Roboterlernen spaltet sich in geschlossene vertikale Stacks (Figure, Tesla, 1X) und eine offene Schicht, in der Modelle, Datensätze und Evaluation geteilt werden. Hugging Face ist die meistgenutzte Heimat dieser offenen Schicht; seine Formate, Lizenzen und Hardware bestimmen, was Hochschulen, Start-ups und Integratoren ohne Lizenz eines Großlabors bauen können.
Für europäische Industrie und Automobilzulieferer ist das eine Frage der Souveränität: Offene Werkzeuge mit europäischen Wurzeln verringern die Abhängigkeit von US- und chinesischen Plattformen.
Wettbewerbsanalyse
Nvidia ist Partner und potenzieller Rivale: Es liefert GR00T und Isaac-Werkzeuge in LeRobot und betreibt zugleich einen eigenen Entwicklerkanal. Physical Intelligence veröffentlicht Gewichte über openpi, Google DeepMind öffnet sein Gemini-Robotics-SDK nur ausgewählten Testern.
Bei Hardware konkurrieren Unitree R1 für 5.900 Dollar und günstige chinesische Arme um dieselben Hochschulbudgets wie Reachy Mini und SO-101.
Bewertungskontext
MEKAWIRE hat keine verifizierte Finanzierungsrunde von Hugging Face und nennt daher keine Bewertung. Unternehmen, die Modelle direkt vermarkten, liegen bei 5,6 Mrd. Dollar (Physical Intelligence, berichtet), 14 Mrd. (Skild AI) und 39 Mrd. (Figure AI). Die Robotiksparte von Hugging Face ist eher eine Option auf Plattformerlöse (Rechenleistung, Enterprise-Hosting) als auf Modelllizenzen.
Der Pollen-Kaufpreis ist nicht bekannt.
Folgen für die Lieferkette
Reachy Mini nutzt Standardteile, in der kabellosen Version einen Raspberry Pi 4, Weitwinkelkamera, vier Mikrofone und einen 5-W-Lautsprecher, und wird als Bausatz verkauft. Reachy 2 fertigt Pollen in Frankreich. High-End-Einsatz hängt an Nvidias Jetson-Thor-Modulen, die SO-100/101-Arme an günstigen seriellen Servos, meist aus China.
Worauf jetzt zu achten ist
1) Ob die von Nvidia im Juli als bald angekündigte Cosmos-3-Unterstützung vor Ende 2026 in einem LeRobot-Release erscheint. 2) Ob Hugging Face Reachy-Mini-Stückzahlen oder Robotikumsätze offenlegt. 3) Ob 2027 ein kommerzielles Robotikprodukt mit über LeRobot trainierter und verteilter Policy erscheint.
Analystensicht
These: Hugging Face baut Vertrieb für Roboterlernen, keine Roboter. Zuversicht: mittel. Verbreitungsdaten (Sterne, Forks, Release-Takt, Nvidia-Integration) stützen die Plattformrolle; fehlende Umsatzangaben und die leichte Abwanderung von Modellanbietern begrenzen die Wertabschöpfung.
Offene Fragen
Welcher Anteil der HF-Jobs-Rechenleistung entfällt auf Robotiktraining? Wie viele Reachy Mini wurden gegenüber Bestellungen ausgeliefert? Sollen LeRobot-Datenformate in Normungsgremien eingebracht werden? Kommt ein kostenpflichtiges Supportangebot für Fabriken und Integratoren?