Seoul National University: Dynin-Robotics erreicht 78,4 Prozent am Franka-Arm und liegt knapp vor pi0.5 und NVIDIA GR00T
Ein Labor der Seoul National University meldet für sein Robotik-Foundation-Modell Dynin-Robotics 78,4 Prozent mittlere Erfolgsquote in vier realen Manipulationsszenarien an einem Franka Research 3, vor pi0.5 (76,9 Prozent) und NVIDIAs GR00T-N1.6 (73,0 Prozent) im selben Test.
Das für die NeurIPS 2026 angenommene Preprint vereint Anweisungsverständnis, Szenenvorhersage und Aktionserzeugung in einem Masked-Diffusion-Modell.
Das AIDAS-Labor von Professor Do Jae-young an der Seoul National University hat das Robotik-Foundation-Modell Dynin-Robotics vorgestellt. Laut dem auf arXiv veröffentlichten Paper und der Projektseite erreichte es an einem Franka Research 3 des Münchner Herstellers Franka Robotics in vier realen Manipulationsszenarien im Mittel 78,4 Prozent Erfolg. Im selben Test kamen pi0.5 von Physical Intelligence auf 76,9 Prozent, NVIDIAs Cosmos Policy auf 73,6 Prozent und NVIDIAs GR00T-N1.6 auf 73,0 Prozent. Die Arbeit ist für die NeurIPS 2026 im Dezember angenommen; koreanische Medien berichteten am 17. Oktober über die Mitteilung der Universität.
Der Vorsprung ist klein, aufschlussreich ist seine Herkunft. Gegenüber pi0.5 lag Dynin-Robotics beim Greifen und Ablegen von Obst um 1,0, beim Sortieren von Würfeln um 2,0 und beim Stapeln in vorgegebener Farbreihenfolge um 4,5 Prozentpunkte vorn, beim freien Stapeln 1,5 Punkte zurück. Am deutlichsten führt das Modell dort, wo die Anweisung eine Reihenfolge festlegt.
Ein Modell, das die Szene vor der Bewegung vorhersagt
pi0.5 und GR00T setzen einen Aktionskopf auf ein Vision-Language-Modell, Cosmos Policy baut auf einem Videogenerator auf. Dynin-Robotics basiert auf dem im März veröffentlichten omnimodalen Masked-Diffusion-Modell Dynin-Omni des Labors und legt Sprache, Kamerabilder, Zielbilder und quantisierte Roboteraktionen in eine gemeinsame Tokenfolge. Je nachdem, welche Abschnitte maskiert werden, lernt dasselbe Netz Aktionen zu erzeugen, das nächste Bild nach einer Aktion vorherzusagen, den Endzustand zu imaginieren und eine Trajektorie in Worten zu beschreiben.
Zur Laufzeit lassen sich diese Fähigkeiten kombinieren. Laut Paper verbesserte die Kombination aus Zielbildführung und gemeinsamer Erzeugung von Aktion und nächstem Bild die Erfolgsquote bei umformulierten Anweisungen gegenüber reiner Aktionserzeugung, während jede Komponente allein schlechter abschnitt.
Die Zahlen hinter dem Anspruch
Vortrainiert wurde auf rund 1,33 Millionen Trajektorien aus 48 Open-X-Embodiment-Datensätzen, angepasst wurde je Benchmark getrennt. In LIBERO erreicht das Modell 98,1 Prozent, gleichauf mit X-VLA, und im gestörten LIBERO-Plus zero-shot 73,0 Prozent, unter den 81,6 Prozent von ABot-M0; Kamera- und Roboterstörungen bleiben mit 59,8 und 48,2 Prozent Schwachstellen. Ein beschleunigter Decoder auf Basis von dInfer steigerte den modellseitigen Aktionsdurchsatz auf einer NVIDIA B200 um das 29,15-Fache auf 268,8 Aktionseinheiten pro Sekunde, gegenüber 7,35 für pi0.5. Gewichte und Code sollen folgen.
- Dynin-Robotics (SNU)
- 97,5
- 85,5
- 62,0
- 68,5
- 78,4
- pi0.5 (Physical Intelligence)
- 96,5
- 83,5
- 63,5
- 64,0
- 76,9
- Cosmos Policy (NVIDIA)
- 98,0
- 87,0
- 67,5
- 42,0
- 73,6
- GR00T-N1.6 (NVIDIA)
- 91,0
- 78,0
- 59,5
- 63,5
- 73,0
- Mimic-Video
- 96,5
- 84,5
- 64,0
- 39,5
- 71,1
Quelle: arXiv 2609.13053, Tabelle 5. Alle Modelle vom SNU-Team am selben Arbeitsplatz angepasst und getestet; Versuchszahl je Szenario nicht angegeben.
Stand: 17. Okt. 2026
MEKAWIRE-Analyse
Koreanische Hochschulen bauen inzwischen Robotik-Foundation-Modelle auf dem Niveau US-amerikanischer Firmenmodelle; der Engpass ist nicht mehr die Architektur, sondern Daten und Einsatz.
Für europäische Anwender ist bemerkenswert, dass alle Vergleichsmodelle auf deutscher Hardware getestet wurden: Der Franka Research 3 ist zum Standardarm der Robotik-KI-Forschung geworden. In der MEKAWIRE-Datenbank stehen 2026 zwei koreanische Foundation-Modelle. Tomorrow Robotics nannte am 7. Oktober 99,55 Prozent in LIBERO, eine von koreanischen Medien wiedergegebene Firmenangabe; Dynin-Robotics belegt 98,1 Prozent mit vollständigen Tabellen. Alle Modelle liegen im gesättigten Bereich, Unterschiede zeigen erst Realtests und Störszenarien.
- Habilis Brain 0
- Tomorrow Robotics (KR)
- 99,55
- Firmenangabe laut koreanischen Medien, 7. Okt.
- Dynin-Robotics
- Seoul National University (KR)
- 98,1
- Paper, Tabelle 2
- X-VLA
- Forschung (CN)
- 98,1
- Laut SNU-Paper
- GR00T-N1.6
- NVIDIA (US)
- 97,0
- Laut SNU-Paper
- pi0.5
- Physical Intelligence (US)
- 96,9
- Laut SNU-Paper
MEKAWIRE-Zusammenstellung aus dem SNU-Paper und der eigenen Datenbank.
Stand: 17. Okt. 2026
Das stärkste Gegenargument ist Größe. pi0.5 und GR00T werden mit weit mehr als 1,33 Millionen öffentlichen Trajektorien trainiert und an Kunden geliefert; ein je Benchmark angepasstes Hochschulmodell an einem Arm hat noch keine Fabrik gesehen. Die Zahl der Versuche je Szenario nennt das Paper nicht.
Im positiven Szenario wird das offene Modell eine Option für Integratoren, auch in Europa, die Mehrschrittaufgaben wie Kommissionierung planen wollen, ohne von US-Anbietern abzuhängen. Im negativen bleibt es ohne Datenmaschine ein Ranglisteneintrag. Zu beobachten sind die Freigabe von Gewichten und Code, erste Industriepiloten und die NeurIPS-Präsentation im Dezember.
- Seoul National University, AIDAS Lab (Prof. Do Jae-young)
- 78,4 Prozent über vier Szenarien am Franka Research 3 (pi0.5 76,9, Cosmos Policy 73,6, GR00T-N1.6 73,0 Prozent)
- 98,1 Prozent; LIBERO-Plus zero-shot 73,0 Prozent
- Rund 1,33 Mio. Trajektorien aus 48 Open-X-Embodiment-Datensätzen
- Bis zu 29,15-fach schnellere modellseitige Aktionsdekodierung mit dInfer
- NeurIPS 2026 (Dezember); arXiv 2609.13053
Warum das wichtig ist
Eine koreanische Universität hat ein Foundation-Modell mit eigener Architektur vorgelegt, das im gleichen Realtest mit Physical Intelligence und NVIDIA mithält. Für Europa, das um eigene Robotik-KI ringt, zeigt das, dass ein gut ausgestattetes Hochschullabor diese Leistungsklasse erreichen kann.
Zudem verschiebt sich der Maßstab: LIBERO ist gesättigt, entscheidend werden Robustheit, Realaufgaben und Inferenzgeschwindigkeit.
Wettbewerbsanalyse
Gegenüber pi0.5 gewinnt Dynin-Robotics drei von vier Realszenarien mit 1 bis 4,5 Punkten. Cosmos Policy schlägt es nur beim Stapeln nach Farbfolge, dort aber um 26,5 Punkte. In LIBERO-Plus liegt es 8,6 Punkte hinter ABot-M0.
Bewertungskontext
Ein Unternehmen oder eine Bewertung gibt es nicht. Entscheidend ist der Kapitalabstand: Physical Intelligence und NVIDIA investieren in Datensammlung in einer Größenordnung, die kein Hochschullabor erreicht.
Folgen für die Lieferkette
Rechenleistung von NVIDIA (B200), Testarm von Franka Robotics aus Deutschland. Europäische Komponenten sind damit Teil der Referenzinfrastruktur, die Rechenebene bleibt US-amerikanisch.
Worauf jetzt zu achten ist
Freigabe von Gewichten und Code; NeurIPS-Präsentation im Dezember; Industriepiloten mit dem Modell; Erweiterung um Kraftsensorik oder weitere Roboterkörper.
Analystensicht
Wir halten das Ergebnis für glaubwürdig und den Vorsprung für bescheiden, mit klarer Stärke bei sprachlich vorgegebenen Reihenfolgen und großem Tempogewinn. Mittlere Zuversicht, da Versuchszahlen fehlen.
Offene Fragen
Wie viele Versuche liegen Tabelle 5 zugrunde? Enthalten die freigegebenen Gewichte den Realroboter-Adapter? Testen Industriepartner das Modell? Wie schneidet es auf mobilen oder zweiarmigen Plattformen ab?