Amazon nimmt seinen millionsten Roboter in Japan in Betrieb und startet DeepFleet, ein KI-Modell, das die Fahrzeiten der Flotte um 10 Prozent senken soll
Amazon hat am 1. Juli 2025 mitgeteilt, dass der millionste Roboter an ein Logistikzentrum in Japan ausgeliefert wurde; die Flotte arbeitet damit in mehr als 300 Standorten weltweit. Zugleich stellte der Konzern DeepFleet vor, ein mit AWS-Werkzeugen entwickeltes generatives KI-Basismodell, das den Roboterverkehr koordiniert und nach Unternehmensangaben die Fahrzeiten der Flotte um 10 Prozent verbessert.

Amazon setzt in seinem Logistiknetz inzwischen mehr als eine Million Roboter ein. In einem Beitrag im Unternehmensnewsroom vom 1. Juli 2025 schrieb Scott Dresser, Vice President von Amazon Robotics, der millionste Roboter sei an ein Fulfillment Center in Japan ausgeliefert worden und gehöre nun zu einer Flotte, die in mehr als 300 Einrichtungen weltweit arbeitet. Im selben Beitrag stellte Amazon DeepFleet vor, ein generatives KI-Basismodell, das die Bewegungen der Roboter in einem Gebäude koordiniert. Es soll die Fahrzeiten der Roboterflotte um 10 Prozent verbessern.
Das Wachstum ist beachtlich. Am 18. Oktober 2023 hatte Amazon von mehr als 750.000 Robotern gesprochen, die mit den Beschäftigten zusammenarbeiten. Zwischen beiden Angaben kamen in rund 20 Monaten 250.000 Maschinen hinzu, ein Plus von etwa 33 Prozent nach MEKAWIRE-Berechnung. Wie sich die Flotte auf Robotertypen verteilt, wie viele Einheiten in einzelnen Gebäuden stehen und was das Programm gekostet hat, legte Amazon nicht offen. Eine Million Roboter verteilt auf 300 Standorte ergibt im Schnitt höchstens etwa 3.300 Roboter je Standort, ebenfalls nach MEKAWIRE-Berechnung; da Amazon nur von mehr als 300 Standorten spricht, ist der Wert eine Obergrenze.
- 2023-10-18
- Vorstellung von Sequoia und Digit
- 750.000
- Keine Daten
- 2025-07-01
- Millionster Roboter in Japan, Start von DeepFleet
- 1.000.000
- 300
- 2025-07-31
- Zahlen zum zweiten Quartal 2025
- 1.000.000
- Keine Daten
Roboterzahlen sind Amazons Schwellenangaben (mehr als 750.000; millionster Roboter; mehr als eine Million), Standorte 'mehr als 300'. Zuwachs 2023 bis 2025 = 1.000.000 minus 750.000 = 250.000 bzw. 33,3 Prozent (MEKAWIRE-Berechnung). Durchschnitt je Standort höchstens rund 3.333 = 1.000.000 / 300 (MEKAWIRE-Berechnung, Obergrenze). Veröffentlichte Werte, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Amazon beschreibt DeepFleet als Verkehrsleitsystem für die Lagerhallen. Das Modell sagt voraus, wie sich Roboter bewegen und wo sich Staus bilden, damit Routen an Engpässen vorbeigeplant werden können. Gebaut wurde es nach Konzernangaben mit Amazon SageMaker und weiteren AWS-Werkzeugen auf Basis eigener Daten zu Warenbewegungen; es lerne im Betrieb weiter. Schnellere Roboter bedeuten aus Sicht des Unternehmens eine schnellere Auftragsabwicklung und geringere Betriebskosten. In den Zahlen zum zweiten Quartal am 31. Juli wiederholte Amazon die 10 Prozent und schrieb, DeepFleet lasse die mehr als eine Million Roboter bessere Wege finden und Engpässe verringern.
Technische Einzelheiten folgten am 11. August. Joey Durham, Senior Manager für angewandte Wissenschaft bei Amazon Robotics, erläuterte im Blog Amazon Science und in einem Papier auf arXiv, dass das Team mit Millionen Stunden an Daten aus Fulfillment- und Sortierzentren vier Architekturen verglichen hat. Am besten schnitt ein robotenzentriertes Modell mit 97 Millionen Parametern ab, das jeden Roboter zusammen mit den nächsten 30 Robotern, 100 Rasterzellen und 100 Objekten betrachtet. Ein Modell mit 840 Millionen Parametern, das Roboter und Hallenboden getrennt kodiert, lag bei einer Zeitmetrik vorn; ein graphbasiertes Modell mit 13 Millionen Parametern hielt für seine Größe gut mit, ein bildbasierter Ansatz mit Bodenzellen als Pixel funktionierte dagegen nicht gut. Mit mehr Trainingsdaten wurden die Ergebnisse besser, was die Bezeichnung Basismodell rechtfertigt. Zunächst dienen die Modelle der Stauvorhersage; langfristig sollen sie Robotern konkrete Kommissionieraufträge zuweisen.
Amazon setzt seit 2012 Roboter im Versandnetz ein. Zur Flotte gehören heute Hercules-Antriebseinheiten, die bis zu 1.250 Pfund Ware heben, Pegasus-Roboter, die einzelne Pakete auf Präzisionsförderbändern transportieren, und Proteus, nach Amazons Worten der erste vollständig autonome mobile Roboter des Konzerns, der sicher zwischen Menschen arbeitet. Im Oktober 2024 eröffnete Amazon in Shreveport im US-Bundesstaat Louisiana einen fünfstöckigen Standort mit mehr als 3 Millionen Quadratfuß und zehnmal so viel Robotik wie in älteren Anlagen. Dort sanken die Bearbeitungszeiten laut Amazon um bis zu 25 Prozent, für die Spitzensaison erwartete der Konzern um 25 Prozent bessere Kosten je Auftrag. Im Quartalsbericht hob Amazon zudem Vulcan hervor, seinen ersten Roboter, der Sehen und Tasten verbindet.
Kein externer Anbieter kommt an diese Größenordnung heran. Die norwegische AutoStore meldete am 14. August rund 1.750 installierte Systeme bei etwa 1.250 Kunden, der Umsatz im zweiten Quartal sank jedoch um 13,1 Prozent auf 133,9 Millionen Dollar. Geek+ aus China, seit Juli 2025 in Hongkong notiert (Code 2590), meldete am 29. August mehr als 66.000 eingesetzte Roboter in über 40 Ländern und Regionen sowie einen Halbjahresumsatz von 1,025 Milliarden Yuan, 31,0 Prozent mehr. Symbotic steigerte den Umsatz im dritten Geschäftsquartal um 26 Prozent auf 592 Millionen Dollar. Das Robotiksegment von Teradyne mit Universal Robots aus Dänemark und MiR setzte im zweiten Quartal 75 Millionen Dollar um.
- Amazon Robotics (eigener Betrieb)
- Stand 2025-07-01
- Keine Daten
- Keine Daten
- Keine Daten
- 1.000.000 Roboter, 300+ Standorte
- Geek+
- H1 2025
- 1025
- RMB
- 31
- 66.000+ Roboter, 40+ Länder und Regionen
- Symbotic
- Q3 GJ2025 (bis 2025-06-28)
- 592
- USD
- 26
- Keine Daten
- AutoStore
- Q2 2025
- 133,9
- USD
- -13,1
- Rund 1.750 Systeme, rund 1.250 Kunden
- Teradyne Robotics
- Q2 2025
- 75
- USD
- Keine Daten
- Keine Daten
Angaben aus den Ergebnismitteilungen (Geek+ 29. August 2025, Symbotic 6. August 2025, AutoStore 14. August 2025, Teradyne 29. Juli 2025). Amazon weist keinen Robotikumsatz aus. Teradyne nannte keinen Vorjahreswert für das Robotiksegment. — = nicht veröffentlicht.
Stand: 1. Okt. 2026
Für europäische Intralogistiker und den Mittelstand verschiebt sich damit der Wettbewerb von der Hardware zur Flottensoftware. Anbieter von Lagertechnik und fahrerlosen Transportsystemen verkaufen ihre Anlagen an viele Kunden, deren Daten getrennt bleiben, und können deshalb kaum Bewegungsdaten in Amazons Größenordnung bündeln. Zur Beschäftigung verweist Amazon auf Weiterbildung: Seit 2019 seien mehr als 700.000 Beschäftigte qualifiziert worden, und die neuen Standorte bräuchten 30 Prozent mehr Personal in Instandhaltung, Zuverlässigkeit und Technik.
Offen bleibt die Messmethode. Die 10 Prozent stammen von Amazon selbst; Basiswert, betroffene Standorte und Wirkung in der Spitzensaison nannte der Konzern nicht. Das arXiv-Papier spricht von Trainingsdaten aus Hunderttausenden Robotern, DeepFleet deckt also offenbar noch nicht die gesamte Flotte ab. Ob Amazon das Modell über AWS auch anderen Lagerbetreibern anbieten wird, ist ebenfalls offen.
Als Nächstes zählen die Quartalszahlen Ende Oktober 2025, die Spitzensaison im vierten Quartal, in der sich kürzere Fahrzeiten im Durchsatz zeigen müssten, und Belege dafür, dass DeepFleet von der Stauvorhersage zur Auftragszuweisung übergeht.
MEKAWIRE-Analyse
Amazons Vorsprung in der Lagerrobotik liegt inzwischen weniger in den Maschinen als in den Bewegungsdaten von einer Million Robotern, und DeepFleet ist das erste Produkt, das diese Daten in einen Vorteil verwandelt, den Zulieferer nicht kopieren können.
Dafür spricht das Trainingsverfahren. Laut Amazon Science wurde DeepFleet mit wachsender Datenmenge besser, und nur Amazon besitzt Verkehrsdaten von Hunderttausenden Robotern an mehr als 300 Standorten. Geek+, der größte börsennotierte Anbieter mobiler Roboter in diesem Vergleich, hat mehr als 66.000 Roboter bei über 850 Endkunden im Einsatz, jeder mit eigenen Datenrechten.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass 10 Prozent bescheiden und nicht unabhängig geprüft sind. Fahrzeit ist nur ein Faktor des Durchsatzes; ist das Lager an Kommissionierung, Verpackung oder Laderampe begrenzt, bringen schnellere Roboter keine 10 Prozent mehr Leistung. Klassische Routenplanung und Simulation erreichen ebenfalls gute Werte.
Bull Case: DeepFleet übernimmt wie angekündigt die Auftragszuweisung, die Effekte summieren sich über eine Flotte von mehr als einer Million Einheiten und senken die Kosten je versandter Einheit bis 2026. Amazon könnte den Ansatz zudem über AWS vermarkten.
Bear Case: Nach den leicht lösbaren Staus schrumpft der Gewinn, die Pflege der Modelle für unterschiedliche Hallenlayouts wird teuer. Verlagern sich die Investitionen auf Standorte wie Shreveport, flacht das Flottenwachstum ab, und die Million bleibt ein Höchststand statt eines Trends.
- Ende Oktober 2025: ob Amazons Zahlen zum dritten Quartal Durchsatz- oder Kostendaten zu DeepFleet enthalten.
- Spitzensaison im vierten Quartal 2025: ob Amazon schnellere Abwicklung an Robotikstandorten meldet.
- Nächstes Update auf Amazon Science oder arXiv: Belege, dass DeepFleet Aufträge zuweist und nicht nur Staus vorhersagt.
- Millionster Roboter an ein Fulfillment Center in Japan ausgeliefert
- 1. Juli 2025, Newsroom-Beitrag von Scott Dresser, VP Amazon Robotics
- Mehr als 300 Einrichtungen weltweit
- DeepFleet, generatives KI-Basismodell zur Flottenkoordination
- 10 Prozent bessere Fahrzeiten der Roboterflotte
- Amazon SageMaker und AWS, eigene Daten zu Warenbewegungen
- Robotenzentriertes Modell mit 97 Millionen Parametern
- Mehr als 750.000 Roboter
- 250.000 Roboter, rund 33 Prozent
- Mehr als 700.000 Beschäftigte seit 2019
Warum das wichtig ist
Die Million ist der erste öffentliche Beleg, dass ein einzelner Betreiber mehr mobile Roboter steuern kann, als die meisten börsennotierten Anbieter zusammen installiert haben. Amazon wird damit vom größten Kunden der Lagerautomatisierung zu ihrem größten Betreiber, mit einem Datenbestand, der mit jeder Schicht wächst.
Wichtiger als die runde Zahl ist DeepFleet. Erstmals überträgt Amazon die Methode der Basismodelle, große, mit breiten Daten trainierte Modelle, die mit der Größe besser werden, auf den Verkehr vieler Roboter statt auf einen einzelnen Arm. Hält der Fahrzeitgewinn von 10 Prozent und reicht er bis zur Auftragszuweisung, verbessert sich die Wirtschaftlichkeit eines Lagers, ohne dass ein zusätzlicher Roboter gekauft wird.
Wettbewerbsanalyse
AutoStore ist für Europa der naheliegende Vergleich: Würfellager mit rund 1.750 Systemen bei etwa 1.250 Kunden, verkauft über Integratoren, mit 47,6 Prozent bereinigter EBITDA-Marge, aber einem Umsatzrückgang von 13,1 Prozent im zweiten Quartal. Geek+ hat mehr als 66.000 mobile Roboter verteilt auf über 850 Endkunden. Symbotic verkauft komplette Lagersysteme mit eigener Software.
Für Intralogistiker in Deutschland und Europa ist die Bedrohung indirekt. Amazon verkauft keine Roboter an Dritte, setzt aber Maßstäbe für softwaregetriebene Effizienz. Anbieter, die vor allem über Mechanik und Projektgeschäft konkurrieren, müssen künftig messbare Flotteneffekte nachweisen, wenn große Handels- und Paketkunden Amazons Werte als Referenz nehmen.
Bewertungskontext
Amazon weist Robotikinvestitionen nicht gesondert aus, die Million Roboter lässt sich daher aus Veröffentlichungen nicht bewerten. Die Vergleichsunternehmen zeigen die Spanne: AutoStore mit 47,6 Prozent bereinigter EBITDA-Marge, Symbotic mit 45 Millionen Dollar bereinigtem EBITDA, aber 32 Millionen Dollar Nettoverlust im dritten Geschäftsquartal, Geek+ mit erstmals positivem bereinigtem EBITDA von 11,62 Millionen Yuan im ersten Halbjahr.
Für Amazon schlägt sich DeepFleet in niedrigeren Kosten je versandter Einheit nieder, nicht im Umsatz. Für Shreveport erwartete der Konzern um 25 Prozent bessere Kosten je Auftrag in der Spitzensaison. Solange Amazon die 10 Prozent nicht mit Kosten verknüpft, sollten Investoren sie als Betriebs- und nicht als Finanzkennzahl lesen.
Folgen für die Lieferkette
DeepFleet läuft auf AWS-Werkzeugen, die Rechenkette liegt also im Konzern. Die Hardwarekette ist weniger sichtbar. Amazon nennt keine Komponentenlieferanten für Antriebseinheiten wie Hercules oder für Proteus.
Dass der millionste Roboter nach Japan ging, zeigt die globale Ausrichtung der Flotte. Roboter, die mit gemeinsamen Modellen arbeiten, brauchen länderübergreifend einheitliche Hallenkarten, Markierungen und Sensoren, was eine Standardplattform gegenüber einem Lieferantenmix begünstigt. Europäische Zulieferer von Motoren, Getrieben, Batterien und Sensoren profitieren vom Volumen, verlieren aber Verhandlungsmacht gegenüber einem dominanten Abnehmer.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens jede Amazon-Angabe, die DeepFleet mit Durchsatz, Kosten je Einheit oder Liefergeschwindigkeit verknüpft, am ehesten in Quartalszahlen oder bei Logistikveranstaltungen im Herbst. Zweitens Folgeveröffentlichungen auf arXiv und Amazon Science; als nächsten Schritt nennt das Team die Zuweisung von Kommissionieraufträgen.
Drittens das Flottenwachstum: Bis Mitte 2025 kamen in rund 20 Monaten etwa 250.000 Roboter hinzu. Die nächste Angabe zeigt, ob das Tempo hält, während sich Investitionen auf mehrstöckige Robotikstandorte verlagern. Viertens, ob AWS oder Partner Flottenbasismodelle für andere Betreiber anbieten, was Amazon in direkten Wettbewerb mit Software von Intralogistikanbietern brächte.
Analystensicht
These: DeepFleet ist strategisch wichtiger als die Million, weil es zeigt, wie Amazon Flottengröße in einen Datenvorteil umsetzt. Zuversicht: mittel. Flottenzahlen und Modellarchitekturen stammen direkt von Amazon und stützen die Richtung. Hoch ist die Zuversicht nicht, weil die 10 Prozent ohne Basiswert berichtet werden, das arXiv-Papier auf Hunderttausende statt aller Roboter verweist und keine finanziellen Effekte veröffentlicht sind.
Wir würden die Zuversicht erhöhen, wenn Amazon Kosten- oder Durchsatzwerte für DeepFleet nennt oder die Modelle produktiv Aufträge zuweisen. Wir würden sie senken, wenn spätere Angaben DeepFleet nicht mehr erwähnen oder das Flottenwachstum stockt.
Offene Fragen
Welcher Basiswert und welche Standorte liegen der Verbesserung um 10 Prozent zugrunde, und hält sie in der Spitzensaison?
Welcher Anteil der Million Roboter arbeitet bereits mit DeepFleet-Vorhersagen im laufenden Betrieb?
Wird Amazon Flottenbasismodelle über AWS an andere Lagerbetreiber verkaufen, und zu welchen Datenbedingungen?
Wie verteilt sich die Flotte auf Antriebseinheiten, Sortierroboter, Roboterarme und autonome mobile Roboter, und welche Gruppe wächst am schnellsten?