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Figure stellt eigenes KI-Modell Helix vor, das den gesamten Oberkörper eines Humanoiden mit zwei Bord-GPUs steuert

MEKAWIRE-Redaktion
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Figure stellt eigenes KI-Modell Helix vor, das den gesamten Oberkörper eines Humanoiden mit zwei Bord-GPUs steuert (Illustration: MEKAWIRE)

Der US-Humanoidenhersteller Figure AI hat am 20. Februar 2025 sein Vision-Language-Action-Modell Helix vorgestellt. Es koppelt ein Sprachbildmodell mit 7 Milliarden Parametern bei 7 bis 9 Hz mit einer Steuerungspolitik von 80 Millionen Parametern bei 200 Hz und regelt 35 Freiheitsgrade.

Trainiert wurde es nach Firmenangaben mit rund 500 Stunden Teleoperationsdaten, gerechnet wird ausschließlich auf zwei sparsamen Embedded-GPUs im Roboter.

Der amerikanische Humanoidenentwickler Figure AI hat am 20. Februar 2025 Helix vorgestellt, ein sogenanntes Vision-Language-Action-Modell (VLA). In einem technischen Beitrag auf seiner Website schreibt das Unternehmen, Helix steuere allein aus Kamerabildern und Sprachbefehlen den gesamten Oberkörper seines Roboters, greife Haushaltsgegenstände, die es nie zuvor gesehen habe, und erlaube zwei Robotern, eine Aufgabe gemeinsam zu erledigen.

Die offengelegten Kennzahlen sind konkret. Helix besteht aus zwei Ebenen. Das langsamere System 2 ist ein quelloffenes Sprachbildmodell mit offenen Gewichten und 7 Milliarden Parametern, vortrainiert auf Daten im Internetmaßstab, das mit 7 bis 9 Hz arbeitet. Das schnelle System 1 ist ein Encoder-Decoder-Transformer mit Cross-Attention und 80 Millionen Parametern, der mit 200 Hz läuft. Gemeinsam geben sie Befehle für 35 Freiheitsgrade aus, darunter Handgelenkposen, Beugung und Spreizung der Finger sowie Zielvorgaben für Rumpf und Kopf.

Als Trainingsgrundlage nennt Figure rund 500 Stunden teleoperierter Roboterbewegungen, nach eigener Darstellung weniger als 5 Prozent früherer VLA-Datensätze. Um die Aufnahmen mit Sprache zu verknüpfen, ließ das Unternehmen ein automatisches Beschriftungsmodell jeden Videoclip betrachten und gewissermaßen rückwärts fragen, welche Anweisung die gezeigte Handlung hervorgebracht hätte. Trainiert wurde durchgängig von Rohpixeln und Text bis zu kontinuierlichen Aktionen, mit einer gewöhnlichen Regressionsverlustfunktion, in einer einzigen Trainingsstufe und mit einem einzigen Gewichtssatz.

Die Vorführungen spielen in einer Küche. In Figures Videos packen zwei Roboter eine Tüte mit unbekannten Lebensmitteln aus, räumen sie ein und reichen sich auf Zuruf Gegenstände, etwa eine Kekspackung an den Roboter zur Rechten. Figure bezeichnet Helix als erstes VLA, das gleichzeitig auf zwei Robotern läuft, und als erstes, das den gesamten Oberkörper eines Humanoiden mit hoher Frequenz kontinuierlich steuert. Zudem könnten die Roboter nun Tausende neuer Objekte in unaufgeräumter Umgebung greifen, von Glaswaren und Spielzeug bis zu Werkzeug und Kleidung, wobei alle Trainingsobjekte von den Tests ausgeschlossen worden seien. Unabhängig überprüft sind diese Angaben nicht.

Ebenso bedeutsam ist die Hardware. Laut Figure läuft Helix vollständig an Bord auf zwei stromsparenden Embedded-GPUs, je eine für System 2 und System 1. Das Unternehmen nennt Helix deshalb das erste VLA dieser Art und sofort reif für den kommerziellen Einsatz. Sechs Tage später, am 26. Februar 2025, legte Figure Logistikzahlen nach. Eine mit 8 Stunden Demonstrationen trainierte Helix-Politik erreiche einen effektiven Durchsatz von über 1,1, sei also 10 Prozent schneller als die menschlichen Vorführungen, aus denen sie gelernt habe. Möglich machten dies Stereosehen, mehrskalige Bildmerkmale, eine erlernte Selbstkalibrierung und ein Beschleunigungsmodus namens Sport Mode.

Figure verfügt über erhebliche Mittel. Am 29. Februar 2024 meldete das Unternehmen eine Series B über 675 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 2,6 Milliarden Dollar, unter anderem mit Microsoft, dem OpenAI Startup Fund, NVIDIA und Bezos Expeditions, und kündigte eine Kooperationsvereinbarung mit OpenAI zur Entwicklung neuer KI-Modelle für Humanoide an. Der Helix-Beitrag erwähnt OpenAI nicht und präsentiert das Modell als Figures eigene Arbeit. Im September 2025 sammelte Figure nach eigenen Angaben 1 Milliarde Dollar in einer Series C bei einer Post-Money-Bewertung von 39 Milliarden Dollar ein.

Der Wettbewerb um Roboter-Grundmodelle ist dicht. Physical Intelligence aus San Francisco stellte am 31. Oktober 2024 π0 vor, aufgebaut auf einem Sprachbildmodell mit 3 Milliarden Parametern, das per Flow Matching bis zu 50 Motorbefehle pro Sekunde erzeugt und auf acht Roboterkonfigurationen trainiert wurde. Code und Gewichte veröffentlichte das Start-up später unter Apache-2.0-Lizenz im Repository openpi, dessen Basismodelle nach Firmenangaben auf mehr als 10.000 Stunden Roboterdaten vortrainiert sind. Google DeepMind folgte am 12. März 2025 mit Gemini Robotics und Gemini Robotics-ER auf Basis von Gemini 2.0. Nach Angaben von DeepMind erreicht Gemini Robotics auf einem umfassenden Generalisierungstest mehr als die doppelte Leistung anderer moderner VLAs. Humanoidenpartner ist Apptronik.

Roboter-Grundmodelle zum Startzeitpunkt im Vergleich
  • Helix
    Entwickler
    Figure AI
    Vorgestellt
    2025-02-20
    Sprach-Backbone (Mrd. Parameter)
    7
    Steuerungspolitik (Mio. Parameter)
    80
    Max. Regeltakt (Hz)
    200
    Roboterdaten (Stunden)
    500
  • π0
    Entwickler
    Physical Intelligence
    Vorgestellt
    2024-10-31
    Sprach-Backbone (Mrd. Parameter)
    3
    Steuerungspolitik (Mio. Parameter)
    Keine Daten
    Max. Regeltakt (Hz)
    50
    Roboterdaten (Stunden)
    10.000
  • Gemini Robotics
    Entwickler
    Google DeepMind
    Vorgestellt
    2025-03-12
    Sprach-Backbone (Mrd. Parameter)
    Keine Daten
    Steuerungspolitik (Mio. Parameter)
    Keine Daten
    Max. Regeltakt (Hz)
    Keine Daten
    Roboterdaten (Stunden)
    Keine Daten

Angaben der Entwickler auf eigenen Seiten: figure.ai/news/helix, pi.website/blog/pi0, GitHub-Repository openpi (Basismodelle auf mehr als 10.000 Stunden vortrainiert, Untergrenze) und Beitrag von Google DeepMind vom 12. März 2025. — bedeutet nicht veröffentlicht. Keine Schätzungen.

Stand: 1. Okt. 2026

Die Architektur folgt einem aus der Psychologie entlehnten Prinzip. Eine langsame, abwägende Ebene deutet Szene und Auftrag und übergibt eine kompakte Zusammenfassung an eine schnelle, reflexhafte Ebene, die Finger und Handgelenke führt. Bei Helix ist diese Zusammenfassung ein einzelner kontinuierlicher latenter Vektor, den System 1 mit eigenen Bildmerkmalen verbindet. Dessen vollständig faltendes Bildverarbeitungsnetz wurde laut Figure ausschließlich in der Simulation vortrainiert. So denkt das große Modell in einem Takt, den Embedded-Hardware tragen kann, während die kleine Politik Arme und Hände mit 200 Hz ruhig hält.

Für Europas Industrie ist das ein Warnsignal. Deutsche Autobauer und Maschinenbauer testen Humanoide, kaufen die Intelligenz dafür aber bislang meist zu. Figure zeigt, dass ein Hardwarehersteller den gesamten Stapel aus Körper, Daten und Modell selbst kontrollieren will, was die Verhandlungsposition von Anwendern und Zulieferern verschiebt. Offen bleibt vieles. Figure nennt weder das offene Modell in System 2 noch Erfolgsquoten der Küchenvorführung, GPU-Typ oder Leistungsaufnahme. Helix steuert nur den Oberkörper, die Fortbewegung bleibt außen vor, und 500 Stunden Daten sind wenig im Vergleich zu den mehr als 10.000 Stunden, die Physical Intelligence anführt.

MEKAWIRE-Analyse

Helix zeigt, dass das entscheidende Kapital eines Humanoidenherstellers ein eigenes, an Bord lauffähiges Modell ist, und Figure setzt darauf, dass die enge Kopplung von Körper, Daten und Netz mehr bringt als bloße Datenmenge.

Belege liefern Figures eigene Zahlen. Ein Oberkörper mit 35 Freiheitsgraden, gesteuert mit 200 Hz aus rund 500 Stunden Daten auf zwei Embedded-GPUs, ist eine Effizienzaussage. Der Logistikbeitrag vom 26. Februar ergänzt, dass 8 Stunden kuratierter Vorführungen genügten, um bei einer Aufgabe 10 Prozent schneller als der menschliche Vorführer zu sein. Datenqualität und ein bekannter Roboterkörper ersetzen hier Datenvolumen.

Das stärkste Gegenargument lautet, dass Figure Videos und ausgewählte Kennzahlen veröffentlicht hat, aber keinen Benchmark. Physical Intelligence gab Gewichte frei, die Dritte prüfen können, Google DeepMind legte ein vergleichendes Generalisierungsergebnis vor. Solange Figure keine Fehlerquoten bei ungeplanten Aufgaben zeigt, lässt sich der Vorsprung nicht messen.

Optimistisches Szenario. Verbessert sich Helix weiter mit bescheidenen Datenmengen, kann Figure neue Fähigkeiten per Softwareupdate auf jeden gebauten Roboter verteilen, und die Bewertung von 39 Milliarden Dollar aus dem September 2025 ruht auf einem Modell, das Kunden anderswo nicht bekommen. Inferenz an Bord spart zudem Netzlatenz und Cloudkosten.

Pessimistisches Szenario. Ein geschlossenes, auf eine einzige Bauform trainiertes Modell könnte an Grenzen stoßen, die breit trainierte Modelle vermeiden. Offene Alternativen wie openpi verbilligen ausreichende Intelligenz für alle Rivalen. Generalisieren Nachfolger von Gemini Robotics oder π0 besser, trägt Figure die Kosten eines Spitzenmodells allein.

Drei datierte Prüfsteine für diese These:

  • 26. Februar 2025, Figures Helix-Logistikupdate mit ersten Durchsatzwerten aus realer Arbeit.
  • 12. März 2025, Start von Gemini Robotics bei Google DeepMind mit Apptronik als erstem großen Konkurrenzmodell für Humanoide.
  • 16. September 2025, Figures Series C über 1 Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar Bewertung als Urteil des Kapitalmarkts.

Gute oder schlechte Nachricht für das Unternehmen?

 

Eckdaten
Vorgestellt
20. Februar 2025
System 2
Sprachbildmodell mit 7 Mrd. Parametern, offene Gewichte, 7 bis 9 Hz
System 1
Transformer mit 80 Mio. Parametern, 200 Hz
Aktionsraum
35 Freiheitsgrade, gesamter Oberkörper
Trainingsdaten
rund 500 Stunden Teleoperation (unter 5 Prozent früherer VLA-Datensätze, laut Figure)
Rechenleistung an Bord
zwei stromsparende Embedded-GPUs
Vorführung
zwei Roboter räumen gemeinsam unbekannte Lebensmittel ein
Logistik-Nachtrag
26. Februar 2025, 8 Stunden Daten, Durchsatz über dem 1,1-Fachen des Vorführers
Quellen
MEKAWIRE Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Mit Helix hört Figure auf, sich als Roboterkörper auf der Suche nach einem Gehirn zu präsentieren. Das Unternehmen veröffentlichte einen vollständigen Steuerungsstapel vom Sprachverständnis bis zur Fingerspreizung und verknüpfte ihn mit eigener Hardware. Für Kunden in Automobilbau und Logistik bedeutet das, dass neue Aufgaben als Modellupdate statt als Integrationsprojekt kommen und die Inferenz ohne Netzverbindung im Roboter stattfindet.

    Auch der Maßstab für Offenlegung verschob sich. Vor Helix waren Humanoidenvorführungen meist ferngesteuert oder eng geskriptet. Mit Parametern, Taktraten und Datenmengen lässt sich das Modell eines Humanoidenherstellers erstmals direkt mit denen von Physical Intelligence und Google DeepMind vergleichen.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Am nächsten liegt Physical Intelligence. Dessen π0 vom 31. Oktober 2024 kombiniert ein Sprachbild-Backbone mit 3 Milliarden Parametern und Flow Matching, läuft auf acht Roboterkonfigurationen mit bis zu 50 Hz und ist über openpi unter Apache-2.0 frei anpassbar. Physical Intelligence setzt auf Breite über viele Körper, Figure auf Tiefe auf einem Körper.

    Google DeepMind bringt mit Gemini Robotics (12. März 2025) die größte Modellfamilie, den Hardwarepartner Apptronik und Testpartner wie das Münchner Unternehmen Agile Robots, Agility Robotics, Boston Dynamics und Enchanted Tools ein. Parameter und Regeltakt nannte DeepMind nicht, ein direkter Vergleich mit Helix ist aus Primärquellen daher nicht möglich. Für europäische Anbieter wie Agile Robots stellt sich damit die Frage, ob sie auf fremde Grundmodelle setzen oder eigene entwickeln.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Figures Finanzierungsrunden zeigen, wofür Investoren zahlten. Im Mai 2023 kamen 70 Millionen Dollar in der Series A, im Februar 2024 675 Millionen Dollar bei 2,6 Milliarden Dollar Bewertung und im September 2025 1 Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar Post-Money. Zwischen den letzten beiden Marken stieg die Bewertung um das 15-Fache (39 geteilt durch 2,6), nach Helix und den Logistiknachträgen. Der Markt bewertete Figure damit wie ein KI-Unternehmen mit eigenem Modell.

    Diese Prämie birgt Risiken. Eine auf Modellführerschaft gestützte Bewertung hält nur, solange Figure offenen Alternativen und Googles Finanzkraft voraus bleibt.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    Zwei Embedded-GPUs pro Roboter verlagern einen Teil der Rechenkosten in die Stückliste. Figure nannte den Chip nicht, doch die Auslegung bindet das Unternehmen an einen Lieferanten leistungsstarker Embedded-Module, deren Leistungsaufnahme und Wärmegrenzen die Größe von System 2 an Bord begrenzen.

    Auch Daten sind eine Lieferkette. Figures Ansatz beruht auf Teleoperationsplätzen, menschlichen Bedienern und automatischer Beschriftung. Reichen 500 Stunden, ist die knappe Ressource sorgfältige Erfassung am Zielkörper, nicht Massendaten. Für deutsche Zulieferer von Antrieben, Getrieben und Sensorik heißt das, dass ihre Komponenten über Modelle angesprochen werden, die sie selbst nicht kontrollieren.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Drei Daten prägten die Bewertung von Helix. Am 26. Februar 2025 veröffentlichte Figure Logistikwerte mit 8 Stunden Trainingsdaten und über 1,1-fachem Durchsatz. Am 12. März 2025 startete Google DeepMind Gemini Robotics mit Apptronik. Am 16. September 2025 schloss Figure eine Series C über 1 Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar ab.

    In späteren Veröffentlichungen gilt es zu verfolgen, was Figure im Februar 2025 offenließ, nämlich die Identität des System-2-Backbones, gemessene Erfolgsquoten bei unbekannten Objekten, die Ausweitung auf die Beine sowie GPU-Typ und Energiebudget.

  6. 06

    Analystensicht

    These. Helix machte Figure zu einem vertikal integrierten Humanoiden-KI-Unternehmen, das sich über effiziente Ganzkörpersteuerung des Oberkörpers an Bord abhebt, nicht über Datenmengen. Zuversicht mittel. Die technischen Angaben sind konkret und stimmig, der Logistiknachtrag lieferte binnen einer Woche Zahlen. Dagegen stammen fast alle Belege aus Figures eigenen Beiträgen und Videos, ohne externen Benchmark oder freigegebene Gewichte.

    Wir würden die Zuversicht erhöhen, wenn Figure Erfolgsquoten bei zurückgehaltenen Objekten veröffentlichte oder externe Tests zuließe, und senken, wenn offene Modelle wie die in openpi auf Humanoidenhardware gleichzögen.

  7. 07

    Offene Fragen

    Welches offene Modell mit 7 Milliarden Parametern steckt in System 2, und unter welcher Lizenz? Wie hoch war die Erfolgsquote bei den Tausenden neuer Objekte, die Figure nennt? Welche GPU treibt welches System mit welcher Leistungsaufnahme an?

    Wie behandelt Helix Fortbewegung und Gleichgewicht, die der Beitrag vom Februar 2025 nicht abdeckt? Und wie schnell lässt sich mit dem 8-Stunden-Ansatz aus der Logistik eine neue Aufgabe hinzufügen?