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Google DeepMind bringt Gemini Robotics direkt auf den Roboter und gibt das Modell erstmals zum Feintuning frei

MEKAWIRE-Redaktion
Veröffentlicht 4 Min. Lesezeit
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Google DeepMind bringt Gemini Robotics direkt auf den Roboter und gibt das Modell erstmals zum Feintuning frei (Illustration: MEKAWIRE)

Google DeepMind hat am 24. Juni 2025 Gemini Robotics On-Device vorgestellt, ein Vision-Language-Action-Modell, das ohne Netzverbindung lokal auf dem Roboter läuft. Es ist das erste VLA-Modell des Labors, das externe Entwickler über ein neues SDK für ausgewählte Tester feintunen dürfen; DeepMind übertrug es nach eigenen Angaben auf einen zweiarmigen Franka FR3 und den Humanoiden Apollo von Apptronik.

Google DeepMind hat am 24. Juni 2025 Gemini Robotics On-Device vorgestellt, eine Variante seines Robotersteuerungsmodells, die vollständig auf der Maschine selbst rechnet. Das Unternehmen will seine Gemini-Modelle damit aus dem Rechenzentrum holen und in Werkhallen, Lager und Haushalte bringen, wo Funkverbindungen unzuverlässig sind und jede Millisekunde Latenz zählt.

In einem von Carolina Parada gezeichneten Beitrag beschreibt DeepMind das Modell als Basismodell für zweiarmige Roboter, das mit wenig Rechenleistung auskommt und ohne Netzanbindung mit geringer Latenz arbeitet. Zugleich ist es das erste Vision-Language-Action-Modell (VLA) von DeepMind, das externe Entwickler feintunen dürfen. Bei der Vorstellung der cloudbasierten Gemini-Robotics-Familie drei Monate zuvor hatte das Labor diesen Schritt noch nicht gewagt.

Nach Angaben von DeepMind lernt das Modell neue Aufgaben mit 50 bis 100 Demonstrationen. Getestet wurde das an sieben feinmotorischen Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeit, darunter das Zuziehen eines Reißverschlusses an einer Brotdose, das Ziehen einer Spielkarte und das Ausgießen von Salatdressing. In Tests zur Generalisierung, bei denen Umgebung, Formulierung der Anweisung und geforderte Bewegung variiert wurden, übertraf On-Device laut DeepMind die bisher besten lokal laufenden VLA-Modelle. Konkrete Werte nannte das Labor nur in Diagrammen, nicht im Text.

Trainiert wurde ausschließlich auf ALOHA, einer günstigen zweiarmigen Forschungsplattform. Anschließend übertrug DeepMind dasselbe Modell auf zwei sehr unterschiedliche Maschinen. Auf einem zweiarmigen Franka FR3 des Münchner Herstellers Franka Robotics faltete es ein Kleid und erledigte eine präzise industrielle Riemenmontage. Auf dem Humanoiden Apollo von Apptronik folgte es Anweisungen in natürlicher Sprache und griff auch unbekannte Gegenstände. Diese Übertragbarkeit zwischen Roboterkörpern entscheidet darüber, ob ein einmal trainiertes Modell auf vielen Plattformen eingesetzt werden kann.

Parallel startete DeepMind ein Gemini Robotics SDK. Entwickler können damit das Modell an eigenen Aufgaben prüfen, es im Physiksimulator MuJoCo testen und an neue Einsatzfelder anpassen. Der Zugang ist beschränkt: Interessenten müssen sich für das Trusted-Tester-Programm von DeepMind bewerben. Der SDK-Code liegt unter Apache-2.0-Lizenz offen auf GitHub, die Modellgewichte selbst veröffentlicht DeepMind nicht.

Die Ankündigung baut auf dem Programm auf, das am 12. März 2025 begann. Damals stellte DeepMind Gemini Robotics und Gemini Robotics-ER auf Basis von Gemini 2.0 vor, benannte Apptronik als Humanoid-Partner und führte Agile Robots aus München, Agility Robotics, Boston Dynamics und Enchanted Tools als Tester. Apptronik hatte im Februar 2025 eine Series A über 350 Millionen US-Dollar unter Beteiligung von Google eingesammelt und im März weitere 53 Millionen US-Dollar nachgelegt, wie das Unternehmen mitteilte.

Der Wettbewerb ist dicht. Figure AI erklärte im Februar, sein VLA-Modell Helix laufe vollständig auf zwei sparsamen eingebetteten GPUs im Roboter; ein Sprach-Bild-Modell mit 7 Milliarden Parametern arbeitet dort mit einem Regler mit 80 Millionen Parametern zusammen, der 35 Freiheitsgrade mit 200 Hertz ansteuert. NVIDIA öffnete im März Isaac GR00T N1, auf Hugging Face als Modell mit 2 Milliarden Parametern ausgewiesen. Hugging Face veröffentlichte am 3. Juni das offene Modell SmolVLA mit 450 Millionen Parametern, das auch auf einer CPU läuft. Physical Intelligence stellt die Gewichte von π0 über sein openpi-Repository bereit.

Für die europäische Industrie ist die Nachricht zweischneidig. Mit Franka Robotics und Agile Robots stehen zwei Münchner Firmen in der Nähe des Programms, und für Maschinenbauer im Mittelstand, die keine eigene KI-Abteilung aufbauen können, wäre ein feintunbares Modell aus dem Regal attraktiv. Zugleich liefe die Steuerungsintelligenz dann über ein Programm eines US-Konzerns mit geschlossenen Gewichten, was Fragen nach Abhängigkeit, Datenhoheit und Nachweisführung gegenüber Aufsichtsbehörden aufwirft. Europäische Hersteller mit eigenen Softwareplänen dürften unter Druck geraten, schneller eigene Modelle vorzuweisen.

Beim Thema Sicherheit setzt DeepMind auf mehrere Ebenen. Die semantische Sicherheit soll über die Gemini Live API abgedeckt werden, auf dem Roboter kommen klassische Sicherheitsregler hinzu. Entwicklern empfahl das Labor Tests mit Sicherheits-Benchmarks und Red-Teaming vor jedem Einsatz. Parameterzahl, Hardwareanforderungen, Latenzwerte und kommerzielle Konditionen blieben offen.

MEKAWIRE-Analyse

Gemini Robotics On-Device ist Googles erster ernsthafter Versuch, seine Robotermodelle zu einer Plattform für fremde Hardwarehersteller zu machen, und die geschlossenen Gewichte sind eine bewusste Wette darauf, dass Modellqualität am Ende mehr zählt als Offenheit.

Dafür spricht die Art der Vorführung. DeepMind zeigte das Modell nicht auf einem Google-Roboter, sondern auf Plattformen dreier verschiedener Hersteller, ALOHA, Franka und Apptronik, und lieferte ein SDK mit Simulation und Feintuning gleich mit. So verhält sich ein Zulieferer, der um Integratoren wirbt; die Testerliste vom März mit Agile Robots, Agility Robotics und Boston Dynamics passt dazu.

Das stärkste Gegenargument ist das Tempo offener Modelle. SmolVLA und GR00T N1 lassen sich ohne Warteliste herunterladen, prüfen und einsetzen. Ein Hersteller, der planbare Lizenzen braucht, dürfte ein offenes Modell unter eigener Kontrolle einem Google-Modell vorziehen, das nur über ein Programm erreichbar ist.

Optimistisches Szenario: Die 50 bis 100 Demonstrationen bestätigen sich beim Kunden, Tester werden zu zahlenden Integratoren, und Gemini Robotics wird zum Standardgehirn für Humanoid-Hersteller ohne eigenes KI-Team. Google verdient dann wie bei Android an vielen Marken mit.

Pessimistisches Szenario: Hardwarebedarf, Latenz und Preise bleiben unklar, Integratoren können keine Produkte darauf planen. Offene Modelle holen auf, und die Zugangshürde treibt Entwickler zu NVIDIA und Hugging Face.

Signale, die zu beobachten sind:

  • Ob DeepMind im zweiten Halbjahr 2025 Hardwareanforderungen, Latenz und Lizenzbedingungen für On-Device veröffentlicht und das Testerprogramm ausweitet.
  • Neue Roboterplattformen jenseits von ALOHA, Franka FR3 und Apollo, insbesondere bei den vier im März genannten Testern.
  • Ergebnisse auf der CoRL 2025 und der Humanoids 2025, die vom 27. September bis 2. Oktober 2025 in Seoul stattfinden und vergleichbare VLA-Benchmarks liefern dürften.
Roboter-Basismodelle für den Betrieb auf dem Roboter, Stand Juni 2025
  • Gemini Robotics On-Device
    Entwickler
    Google DeepMind
    Vorgestellt
    2025-06-24
    Parameter (Mrd.)
    Keine Daten
    Offene Gewichte
    Nein (Tester)
    Lokal lauffähig
    Ja
  • Helix
    Entwickler
    Figure AI
    Vorgestellt
    2025-02-20
    Parameter (Mrd.)
    7,08
    Offene Gewichte
    Nein
    Lokal lauffähig
    Ja, zwei eingebettete GPUs
  • Isaac GR00T N1
    Entwickler
    NVIDIA
    Vorgestellt
    2025-03-17
    Parameter (Mrd.)
    2
    Offene Gewichte
    Ja, nichtkommerzielle Lizenz
    Lokal lauffähig
    Ja, Jetson als kompatibel genannt
  • SmolVLA
    Entwickler
    Hugging Face
    Vorgestellt
    2025-06-03
    Parameter (Mrd.)
    0,45
    Offene Gewichte
    Ja
    Lokal lauffähig
    Ja, CPU oder Consumer-GPU
  • π0 (openpi)
    Entwickler
    Physical Intelligence
    Vorgestellt
    Keine Daten
    Parameter (Mrd.)
    Keine Daten
    Offene Gewichte
    Ja
    Lokal lauffähig
    Ja, GPU mit mehr als 8 GB

Angaben laut eigenen Seiten der Entwickler; — bedeutet nicht offengelegt oder nicht verifiziert. Helix-Parameter = 7 Mrd. Sprach-Bild-Modell + 0,08 Mrd. (80 Mio.) Regler. Größe und Datum von GR00T N1 laut NVIDIA-Modellkarte auf Hugging Face.

Stand: 24. Juni 2025

Gute oder schlechte Nachricht für das Unternehmen?

 

Eckdaten
Modell
Gemini Robotics On-Device (VLA)
Vorgestellt
24. Juni 2025
Betrieb
Lokal auf dem Roboter, ohne Netz
Feintuning
Erstes DeepMind-VLA mit Freigabe für Entwickler
Anpassungsdaten
50 bis 100 Demonstrationen je neuer Aufgabe
Testaufgaben
7 feinmotorische Aufgaben
Plattformen
ALOHA (Training), zweiarmiger Franka FR3, Apptronik Apollo
Zugang
Gemini Robotics SDK im Trusted-Tester-Programm
Simulator
MuJoCo
Nicht offengelegt
Parameterzahl, Hardware, Latenz, Preise
Quellen
MEKAWIRE Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Bis Juni 2025 waren DeepMinds Robotermodelle Forschungsergebnisse, die in Videos gezeigt und wenigen Partnern überlassen wurden. On-Device ändert die Lieferform. Ein Modell, das auf dem Roboter läuft und sich mit 50 bis 100 Demonstrationen anpassen lässt, kann ein Integrator in ein Produkt einbauen. Das SDK verschafft DeepMind zudem einen Kanal, über den Testergebnisse von Plattformen zurückfließen, die das Labor selbst nicht besitzt.

    Der lokale Betrieb räumt den größten praktischen Einwand gegen Cloud-Gehirne aus: Ein Roboter in der Fertigung darf nicht stehen bleiben, wenn das Netz ausfällt. Damit tritt DeepMind direkt gegen Figures Helix und NVIDIAs Jetson-orientierten GR00T-Stack an.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Figure AI ist vertikal integriert und hat keinen Grund, Helix zu lizenzieren. Der unmittelbare Rivale im Entwicklergeschäft ist NVIDIA: GR00T N1 ist herunterladbar, laut Modellkarte unter nichtkommerzieller Lizenz, und bindet Entwickler an NVIDIA-Chips. SmolVLA bedient mit 450 Millionen Parametern Hochschulen und Anwender günstiger Roboterarme.

    In Europa stellt sich für Roboterhersteller und Systemintegratoren die Frage, ob sie Intelligenz zukaufen oder selbst entwickeln. Für Franka Robotics und Agile Robots ist die Nähe zu DeepMind ein Vertriebsargument, für Anbieter eigener Steuerungssoftware eine neue Konkurrenz.

  3. 03

    Bewertungskontext

    DeepMind gehört zu Alphabet, eine eigene Bewertung des Robotikgeschäfts gibt es nicht. Nächster Marktindikator sind die Finanzierungen der Partner. Apptronik meldete im Februar 2025 eine Series A über 350 Millionen US-Dollar und im März weitere 53 Millionen US-Dollar, ohne Bewertung.

    Für Investoren in Roboterhardware zählt die Verteilung der Marge. Wenn brauchbare Gehirne als anpassbare Module von Google oder NVIDIA erhältlich sind, schrumpft der Spielraum zur Differenzierung über Hardware, und Wert wandert zu dem, der Modell und Datenkreislauf kontrolliert.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    DeepMind nannte keinen Prozessor für On-Device, Hersteller können die Rechenleistung daher nicht dimensionieren. Die Vorführungen liefen auf ALOHA, Franka-FR3-Armen und Apptroniks Apollo, was auf eingebettete GPU-Klasse statt Spezialchips hindeutet.

    Das SDK setzt auf den von DeepMind offengelegten Simulator MuJoCo, nicht auf NVIDIAs Isaac Sim und Omniverse. Für Automobilzulieferer und Maschinenbauer, die bereits auf Omniverse-Zwillinge standardisiert haben, entstehen dadurch Wechselkosten.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Erstens die Offenlegung von Laufzeitanforderungen und Konditionen, die zeigt, ob On-Device für Serienprodukte gedacht ist. Zweitens neue Plattformen über das SDK; ein europäischer Industriearm-Hersteller außerhalb der März-Liste wäre ein Zeichen echter Nachfrage.

    Drittens die CoRL 2025 in Seoul vom 27. bis 30. September 2025 und die anschließende Humanoids 2025, auf denen VLA-Gruppen vergleichende Benchmarks vorstellen.

  6. 06

    Analystensicht

    These: On-Device ist ein glaubwürdiger erster Schritt zu einem lizenzierbaren Robotergehirn, für die meisten Integratoren aber wegen geschlossener Gewichte und fehlender Laufzeitdaten noch keine Produktentscheidung. Zuversicht: mittel. Die Modellherkunft und die Demonstration auf drei Plattformen stützen die These; fehlende Angaben zu Parametern, Latenz und Preis sowie Benchmarks allein aus DeepMind-Diagrammen begrenzen sie.

    Höhere Zuversicht wäre gerechtfertigt, wenn Tester unabhängig Erfolgsquoten auf eigenen Robotern veröffentlichen oder DeepMind Hardwareziele nennt, die zu verbreiteten eingebetteten GPUs passen.

  7. 07

    Offene Fragen

    Welche Rechenplattform braucht On-Device, und mit welcher Latenz läuft es dort? Wird pro Roboter, pro Einsatz oder über Google Cloud abgerechnet?

    Halten die Ergebnisse mit 50 bis 100 Demonstrationen außerhalb der DeepMind-Labore und bei mehrstufigen Aufgaben? Wie lässt sich ein geschlossenes Modell in die Konformitätsbewertung nach der europäischen Maschinenverordnung einbinden?