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Japans erste klinische Fernoperation: Hirosaki meldet 5 Eingriffe mit hinotori

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Die Universität Hirosaki hat nach eigener Mitteilung vom 15. Oktober Japans erste klinische robotische Fernoperation durchgeführt: 5 Eingriffe bei Krebs des Verdauungstrakts seit August, mit Medicaroids hinotori über eine kommerzielle Leitung von NTT East und Unterstützung durch einen Chirurgen an einem anderen Klinikum. Registriert als jRCTs022240038.

In Japan ist erstmals ein Patient mit Unterstützung eines entfernt sitzenden Chirurgen robotisch operiert worden. Die Universität Hirosaki teilte am 14. Oktober 2026 auf einer Pressekonferenz und am 15. Oktober in einer Mitteilung mit, sie habe als erste Einrichtung des Landes die klinische Anwendung der Fernchirurgie begonnen. Dabei unterstützt ein erfahrener Chirurg über eine Datenleitung und einen OP-Roboter einen Eingriff an einem anderen Ort. Der erste Fall lief im August, bislang wurden 5 Operationen sicher abgeschlossen.

Die Meldung ist sechs Tage alt, markiert aber eine Schwelle. Die Arbeit der Japan Surgical Society zur Fernchirurgie war nach Angaben der Universität bisher ein Demonstrationsprogramm, dies ist die erste Anwendung am Patienten im Land. Was genau genehmigt wurde und warum das für Japans eigenen OP-Roboter wichtiger ist als für Netzwerktechniker, zeigt der folgende Überblick.

Eine kommerzielle Glasfaserleitung statt eines Forschungsnetzes

Die Studie verbindet das Universitätsklinikum Hirosaki mit dem Tsugaru General Hospital in Goshogawara in der Präfektur Aomori über den WAN-Dienst "Interconnected WAN" von NTT East. Behandelt werden Patienten mit Krebs des Verdauungstrakts, die für eine Operation mit dem hinotori Surgical Robot System in Frage kommen. Ein Arzt am entfernten Standort unterstützt über das Netz, am Patienten steht ein Chirurg vor Ort. Die Fotos der Universität zeigen auf der einen Seite eine Fernkonsole mit OP-Video und EKG-Monitor, auf der anderen eine Assistenz und den Operateur am Roboter.

Die Studie wurde von der zertifizierten Ethikkommission der Universität genehmigt und im japanischen Register jRCT unter jRCTs022240038 eingetragen. Sie folgt als spezifizierte klinische Studie der zweiten Fassung der Fernchirurgie-Leitlinie der Fachgesellschaft. Distanz, Latenz und OP-Dauer nennt die Mitteilung nicht.

Fünf Haushaltsjahre Vorarbeit mit AMED-Geld

Grundlage ist ein von der Agentur AMED finanziertes Demonstrationsprogramm der Fachgesellschaft aus den Haushaltsjahren 2020 bis 2024. Getestet wurden Latenz und Stabilität der Verbindung, die sichere Bedienung des Roboters und das Vorgehen im Notfall; die Ergebnisse flossen in die Leitlinie ein.

Als Ziel nennt die Universität den Zugang zur Versorgung. Japan fehlen Chirurgen, und Spezialisten für komplexe Eingriffe sitzen in den Städten. Langfristig will man japanische OP-Kompetenz und Medizintechnik auch ins Ausland bringen. Damit rückt der Roboter selbst in den Blick.

Der Roboter kommt aus Japan

hinotori stammt von Medicaroid aus Kobe, 2013 gemeinsam von Kawasaki Heavy Industries und Sysmex gegründet, wie die Firmenchronik ausweist. Das System erhielt 2020 die japanische Zulassung, 2022 die Erweiterung auf Viszeralchirurgie und Gynäkologie, 2024 auf Thoraxchirurgie, dazu Zulassungen in Singapur (2023), Malaysia (2024) und Vietnam (2026) sowie 2026 eine CE-Kennzeichnung nach der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR). Kawasaki unterzeichnete im September zudem eine Absichtserklärung mit der Gemelli-Klinik in Rom ([MEKAWIRE berichtete](/news/kawasaki-gemelli-university-hospital-mou-kic-eu-strasbourg-hinotori-nyokkey-forro-rome-20260914)).

Nach MEKAWIRE-Rechnung lagen zwischen japanischer Zulassung (2020) und erstem klinischen Ferneingriff (August 2026) rund 6 Jahre. Im Oktober kamen drei Fernchirurgie-Meldungen in unsere Datenbank.

Robotische Fernchirurgie in MEKAWIRE, Oktober 2026
  • Universitätsklinikum Hirosaki und Tsugaru General Hospital (Japan)
    Zeitpunkt
    Erster Eingriff Aug. 2026, bekanntgegeben 14. bis 15. Okt.
    Roboter
    hinotori (Medicaroid)
    Fälle
    5 Patienten, Verdauungstrakt-Krebs
    Distanz
    Nicht genannt
    Quellenlage
    Mitteilung der Universität
  • Korea University Anam Hospital, Seoul nach Shanghai
    Zeitpunkt
    16. Okt. 2026
    Roboter
    Toumai (MicroPort MedBot)
    Fälle
    Tiermodell
    Distanz
    Rund 870 km
    Quellenlage
    Mitteilung der Klinik
  • Universität Kyushu, Fukuoka nach Beppu (Japan)
    Zeitpunkt
    Bericht vom 13. Okt., Test bis 2027
    Roboter
    Mikrochirurgie-Roboter
    Fälle
    Test, keine Fälle berichtet
    Distanz
    Rund 110 km
    Quellenlage
    Medienbericht, unbestätigt

Auf Basis der MEKAWIRE-Berichte und ihrer Primärquellen. Distanzen laut Quelle.

Stand: 20. Okt. 2026

Das Korea University Anam Hospital [steuerte aus Seoul einen Roboter im rund 870 km entfernten Shanghai](/news/korea-university-anam-hospital-cross-border-telesurgery-seoul-shanghai-870km-microport-toumai-20261019), allerdings an einem Tiermodell. [Der 110-km-Test der Universität Kyushu](/news/kyushu-university-iown-apn-remote-microsurgery-robot-beppu-110km-20261013) beruht auf Medienberichten. Hirosaki geht die kürzeste Strecke, aber als einzige am Patienten.

MEKAWIRE-Analyse

Japans erste klinische Fernoperation ist eher ein regulatorischer als ein technischer Meilenstein: Sie bahnt den Weg aus Leitlinie, Ethikvotum und registrierter Studie auf einer gewöhnlichen kommerziellen Leitung und gibt einem heimischen Roboter den ersten klinischen Nachweis des Landes.

Netz, Distanz und der Chirurg am Tisch zeigen, dass hier keine technischen Grenzen ausgereizt werden. Neu ist, dass Fachgesellschaft, Ethikkommission und Register die Fernsteuerung eines Roboters am Patienten freigegeben haben. Diese Vorlage lässt sich schneller kopieren als ein neues Netz bauen.

Für Europa ist das relevant, weil hinotori seit 2026 eine CE-Kennzeichnung trägt und Medicaroid eine Tochter in Düsseldorf hat. Intuitive hatte Ende Juni 2026 weltweit 11.710 da-Vinci-Systeme installiert ([MEKAWIRE-Erklärstück zu OP-Robotern](/news/surgical-robots-market-2026-explained-11710-da-vinci-systems-8400-surgical-robots-sold-challengers-backed-by-medtech-giants-20261017)); Medicaroid nennt keine Installationsbasis. Ein Nachzügler gewinnt nicht über Stückzahlen, kann aber einen Anwendungsfall besetzen.

Das stärkste Gegenargument: 5 Fälle mit Operateur vor Ort sagen wenig darüber, was bei einem Leitungsausfall passiert, und die Mitteilung enthält keine Daten zu Latenz, Eingriffen des Fernchirurgen oder Komplikationen. Signale: Ergebnisse unter jRCTs022240038, Patientenfälle aus dem Kyushu-Test bis 2027 und der erste Ferneinsatz von hinotori außerhalb Japans.

Gute oder schlechte Nachricht für das Unternehmen?

 

Eckdaten
Bekanntgabe
Pressekonferenz 14. Okt. 2026, Mitteilung 15. Okt.
Fälle
5 Eingriffe seit August 2026
Roboter
hinotori Surgical Robot System (Medicaroid)
Leitung
WAN-Dienst Interconnected WAN von NTT East
Kliniken
Universitätsklinikum Hirosaki und Tsugaru General Hospital
Rahmen
Leitlinie Fernchirurgie, 2. Fassung; jRCTs022240038
Nicht genannt
Distanz, Latenz, OP-Dauer, Komplikationen
Quellen
MEKAWIRE Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    The first clinical telesurgery cases in Japan turn a decade of guideline work into a registered, reviewable study on patients. The precedent is procedural: any hospital pair that can meet the Japan Surgical Society's second-edition guideline, obtain certified review-board approval and register in jRCT now has a template. That lowers the barrier for regional hospitals far more than any network upgrade would.

    It also ties the first patient data to a domestic platform. In a market where Intuitive's installed base sets the scale, being the robot named in the country's first clinical telesurgery is a differentiator Medicaroid can use with Japanese hospitals and in the four markets where hinotori is approved.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Intuitive (11,710 da Vinci systems installed on June 30, 2026, per its Q2 release) dominates installed base; MEKAWIRE has no verified record of a clinical da Vinci telesurgery in Japan, so the comparison is about firsts, not capability. MicroPort MedBot's Toumai has been used for long-distance and cross-border demonstrations, including Korea University Anam Hospital's Seoul to Shanghai animal-model case on Oct 16. Kyushu University's IOWN trial points to a parallel Japanese track focused on microsurgery and photonic networks.

    The Hirosaki model is the most conservative of the three: regional distance, commercial line, local surgeon present. Its advantage is regulatory standing, not reach.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Medicaroid is a private joint venture of Kawasaki Heavy Industries and Sysmex and discloses neither revenue nor installed base, so no valuation comparison is possible. Its value to the parents shows up in approvals (Japan 2020, Singapore 2023, Malaysia 2024, Vietnam 2026, CE mark 2026) and in clinical firsts such as this one. Investors in Kawasaki and Sysmex should treat the news as a qualitative milestone without a disclosed financial effect.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    The study uses a Japanese robot and a Japanese carrier's commercial WAN service. The network layer is an ordinary enterprise product, which means the binding constraints are clinical governance and staffing, not components. For component suppliers to surgical robots, a growing telesurgery use case raises the value of low-latency video, haptic and control electronics, but the release gives no technical data that would size that demand.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Results or updates filed under jRCTs022240038. Whether the Kyushu University IOWN trial, which runs through 2027, produces a university release with patient cases. Medicaroid's first remote use of hinotori outside Japan, now that it holds a CE mark. A decision by Japanese payers on recognising remote support during robotic surgery.

  6. 06

    Analystensicht

    Thesis: the milestone is governance, not engineering, and it strengthens a domestic platform at home. Confidence: medium. The facts are primary and clear, but five cases and no published latency or intervention data leave the clinical value open. A data release showing frequent, meaningful remote interventions would raise confidence; a study that stalls at a handful of cases would lower it.

  7. 07

    Offene Fragen

    How often did the remote surgeon actually intervene in the five cases, and what latency did the link show? What is the fallback procedure if the link drops mid-operation? Will Medicaroid offer telesurgery support as a service with hinotori sales abroad? How many more hospital pairs are preparing under the same guideline?