Omron kauft US-Industrie-PC-Hersteller OnLogic für 675 Millionen Dollar und zahlt rund das 30-Fache des EBITDA für Physical-AI-Edge-Rechner
Omron hat am 13. Oktober in einer Pflichtmitteilung an der Tokioter Börse die Übernahme der Interlogic, Inc., Muttergesellschaft des Industrie-PC-Herstellers OnLogic aus Vermont, für 675 Millionen US-Dollar auf Unternehmenswertbasis angekündigt, bar und überwiegend aus vorhandener Liquidität.
Der Preis entspricht dem 4,4-Fachen des OnLogic-Umsatzes 2025 von 154,2 Millionen Dollar und rund dem 30-Fachen des EBITDA. Omron will auf den Rechnern eine Physical-AI-Plattform aufbauen; der Abschluss wird um Januar 2027 erwartet.
Omron zahlt rund das 30-Fache des EBITDA für ein Unternehmen, das Computer in Metallgehäuse baut. Der Automatisierungskonzern aus Kyoto teilte am 13. Oktober in einer Pflichtmitteilung an der Tokioter Börse mit, er habe die Übernahme der Interlogic, Inc. vereinbart, der Muttergesellschaft des Industrie-PC-Herstellers OnLogic aus Vermont. Der Preis liegt bei 675 Millionen US-Dollar auf Unternehmenswertbasis, umgerechnet zu 155 Yen je Dollar rund 104,6 Milliarden Yen.
Entscheidend ist das Bewertungsniveau. Industrie-PCs gelten als reifes, hart umkämpftes Hardwaresegment, doch nach Omrons eigenen Zahlen entspricht der Kaufpreis dem 4,4-Fachen des OnLogic-Umsatzes 2025. Die Mitteilung zeigt so deutlich wie bisher kein anderer großer japanischer Automatisierer, wo er die Wertschöpfung der Physical AI erwartet.
Barkauf eines Familienunternehmens, strukturiert für 167 Kleinaktionäre
Omrons Verwaltungsrat stimmte am 10. Oktober japanischer Zeit zu, am selben Tag wurde der Vertrag unterzeichnet. Eine neu gegründete Omron-Tochter in Delaware verschmilzt auf Interlogic, die als hundertprozentige Tochter fortbesteht, ein sogenannter Reverse Triangular Merger. Omron begründet die Struktur mit 167 Mitarbeiteraktionären, die 8,06 Prozent halten; die Verschmelzung erlaubt den Erwerb aller Anteile auf einmal. Die Gründer Roeland und Lisa Groeneveld halten 91,94 Prozent der Anteile und 99,11 Prozent der Stimmrechte. Bezahlt wird bar, überwiegend aus vorhandenen Mitteln; der Vollzug wird vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen um Januar 2027 erwartet. Auf das Ergebnis des Geschäftsjahres bis März 2027 erwartet Omron nur geringe Auswirkungen.
- Umsatz
- 129,6
- 122,3
- 154,2
- EBITDA
- 15,9
- 11,6
- 22,6
- Bereinigtes EBITDA (Omron-Referenzwert)
- 20,6
- 16,1
- 27,1
- EBITDA-Marge
- 12,3 %
- 9,5 %
- 14,7 %
- Eigenkapital
- 56,7
- 56,1
- 70,1
- Bilanzsumme
- 122,2
- 115,5
- 133,2
Quelle: Omron-Mitteilung vom 13. Oktober 2026. Marge = EBITDA / Umsatz, Multiple = 675 Mio. USD / Kennzahl (Berechnung MEKAWIRE).
Stand: 13. Okt. 2026
Der Umsatz von Interlogic sank 2024 um 5,6 Prozent und stieg 2025 um 26,1 Prozent auf 154,2 Millionen Dollar, das EBITDA verdoppelte sich nahezu auf 22,6 Millionen Dollar. Omron nennt zudem ein bereinigtes EBITDA von 27,1 Millionen Dollar ohne Kosten, die nach der Übernahme entfallen sollen. Nach Berechnung von MEKAWIRE entspricht der Kaufpreis dem 29,9-Fachen des ausgewiesenen und dem 24,9-Fachen des bereinigten EBITDA 2025.
Was OnLogic verkauft und warum Omron vor allem den Vertriebsweg will
OnLogic wurde 2003 gegründet, baut robuste, frei konfigurierbare Industrie-PCs auf Bestellung und verkauft sie überwiegend direkt, ohne Distributoren. Ende März 2026 hatte das Unternehmen 301 Beschäftigte und sieben Standorte, zwei davon Fertigungen, mit Töchtern in den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien, Taiwan und Malaysia. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes stammen aus Amerika und Europa. OnLogic behält Marke und Direktvertrieb und wird weiter von CEO Sean Larkin und dem bisherigen Management geführt.
Omron nennt drei Ziele: OnLogics Rechner mit eigener Präzisionssteuerung verbinden, um eine Physical-AI-Plattform der nächsten Generation schneller zu entwickeln; über OnLogics Kundenbasis in Amerika und Europa Produkte beider Seiten quer verkaufen; und eigene Sensorik und Robotik, darunter die mobilen LD-Roboter, über die MEKAWIRE am 2. Oktober berichtete, mit OnLogic-Hardware zu gemeinsamen Lösungen bündeln.
Warum der Edge-Rechner die umkämpfte Schicht ist
Ein Physical-AI-Modell, ob Bildverarbeitung für die Qualitätsprüfung oder eine Steuerungspolitik für einen Roboterarm, muss nah an der Maschine laufen. Der Umweg über die Cloud ist für geschlossene Regelkreise zu langsam und zu störanfällig, also findet die Inferenz auf einem Industrie-PC oder einer Steuerung neben der Linie statt. Wer diesen Rechner liefert, sitzt zwischen Modellanbieter und Roboter und kann Software, Updates und Service obendrauf verkaufen. Omrons Steuerungssparte vertreibt bereits SPS und Motion Controller; OnLogic bringt konfigurierbare x86-Rechner mit KI-Beschleunigern und direkte Beziehungen zu Tausenden Ingenieuren im Westen.
MEKAWIRE-Analyse
Omron kauft einen Direktvertrieb in amerikanische und europäische Fabriken und den Ort, an dem Physical-AI-Modelle laufen, und zahlt dafür ein Software-Multiple, weil es erwartet, dass der Rechner neben dem Roboter mehr Wert abschöpft als der Roboter selbst.
In den Daten von MEKAWIRE mieten japanische Automatisierer die KI-Schicht und behalten die Hardware. Yaskawa holte Google DeepMinds Gemini-Robotics-Modell in MOTOMAN NEXT, FANUC baute einen Schweißagenten auf Google Cloud, Hitachi koppelte eigene Edge-KI-Chips mit FANUC-Robotern. Omron kauft dagegen die Hardware, auf der fremde Modelle laufen.
- 2026-09-28
- AMD
- World Labs (Weltmodelle)
- rund 8,2 Mrd. USD in Aktien
- 2026-01-06
- Mobileye
- Mentee Robotics (Humanoide)
- 900 Mio. USD
- 2026-10-13
- Omron
- Interlogic/OnLogic (Industrie-PCs)
- 675 Mio. USD Unternehmenswert, bar
- 2026-01-20
- Serve Robotics
- Diligent Robotics (Klinikroboter)
- 29 Mio. USD in Aktien
- 2026-04-15
- Skild AI
- Fetch Robotics von Zebra (AMR)
- 20 Mio. USD
Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen in MEKAWIRE, 1. Januar bis 16. Oktober 2026; Deals ohne Dollarpreis nicht enthalten.
Stand: 17. Okt. 2026
Unter den von MEKAWIRE verifizierten Übernahmen 2026 im Bereich Robotik und Physical AI mit Dollarpreis ist der Omron-Deal der drittgrößte nach AMDs rund 8,2 Milliarden Dollar für World Labs und Mobileyes 900 Millionen Dollar für Mentee Robotics, und Omron ist der erste japanische Käufer der Liste. Für deutsche Anbieter ist das unmittelbar relevant: Siemens mit SIMATIC IPC und Beckhoff mit PC-basierter Steuerung verkaufen Rechner und Steuerungssoftware längst aus einer Hand. Omron kauft sich dieses Bündel nun im Westen zu, mit einer OnLogic-Tochter in Deutschland als Brückenkopf.
Das stärkste Gegenargument ist der Preis. Im Industrie-PC-Markt konkurrieren Advantech, Siemens, Beckhoff und Kontron, OnLogics Umsatz schrumpfte 2024, und ein 30-faches Multiple lässt wenig Spielraum, falls die Erholung 2025 ein Einmaleffekt war. Im positiven Szenario öffnet der Direktvertrieb Omron-Steuerungen, Sensoren und Robotern westliche Werke, die bisher keine japanische Automatisierung kauften. Im negativen Szenario bestimmen KI-Beschleuniger den Wert, nicht das Gehäuse, und Chiphersteller bündeln Referenzrechner direkt mit Roboterbauern.
Drei Termine werden die These prüfen: Genehmigungen und Vollzug um Januar 2027; die erste Physical-AI-Plattform aus OnLogic-Hardware und Omron-Steuerungen; und ob Omrons Zahlen für das Geschäftsjahr bis März 2028, das erste volle Jahr der Konsolidierung, für OnLogic ein Wachstum über den 26,1 Prozent von 2025 zeigen. Offen bleibt, ob Omron die Gründerkultur von OnLogic erhalten kann, während es das Unternehmen als Vertriebskanal für Produkte aus Kyoto nutzt.
- Omron, Pflichtmitteilung an der TSE, 13. Oktober 2026
- 675 Mio. USD Unternehmenswert (rund 104,6 Mrd. Yen), bar, überwiegend aus vorhandenen Mitteln
- Reverse Triangular Merger über eine neue Delaware-Gesellschaft
- Gründerehepaar Groeneveld (91,94 %) und 167 Mitarbeiteraktionäre (8,06 %)
- Umsatz 154,2 Mio. USD (+26,1 %), EBITDA 22,6 Mio. USD, bereinigt 27,1 Mio. USD
- 4,4-facher Umsatz, 29,9-faches EBITDA, 24,9-faches bereinigtes EBITDA (Berechnung MEKAWIRE)
- Gegründet 2003, 301 Beschäftigte, 7 Standorte, über 90 % Umsatz in Amerika und Europa, Tochter in Deutschland
- Vollzug um Januar 2027 erwartet
Warum das wichtig ist
Der Deal gibt der Edge-Schicht der Physical AI einen Preis. Strategische Käufer zahlten 2026 viel für Modelle (AMD, Mobileye) und wenig für Roboterhardware (Skild AI zahlte 20 Mio. Dollar für Fetch). Dass Omron das 30-fache EBITDA für Industrie-PCs zahlt, zeigt, dass ein großer Automatisierer den Rechner neben der Maschine als strategisch einstuft.
Zugleich ist es ein Vertriebsdeal: Über 90 Prozent des OnLogic-Umsatzes entstehen direkt in Amerika und Europa, wo Omron Kunden bislang meist über Händler erreicht.
Wettbewerbsanalyse
OnLogic konkurriert mit Advantech, Siemens SIMATIC IPC, Beckhoff und Kontron. Siemens und Beckhoff verkaufen PC und Steuerungssoftware bereits gemeinsam; Omron kauft sich dieses Bündel im Westen zu.
Für den deutschen Mittelstand bedeutet das einen weiteren Anbieter, der Steuerung, Sensorik, Robotik und Edge-Rechner aus einer Hand anbietet. Kontron als europäischer Anbieter steht damit stärker unter Druck, eigene Physical-AI-Partnerschaften vorzuweisen.
Bewertungskontext
675 Mio. Dollar entsprechen dem 4,4-fachen Umsatz 2025, dem 29,9-fachen EBITDA und dem 24,9-fachen bereinigten EBITDA. Auf Basis des EBITDA 2024 von 11,6 Mio. Dollar wären es das 58-Fache; der Preis setzt also auf eine anhaltende Erholung.
Omron erwartet nur geringe Effekte im Geschäftsjahr bis März 2027, passend zum Vollzug kurz vor Ende des Geschäftsjahres.
Folgen für die Lieferkette
OnLogic fertigt in zwei Werken auf Bestellung und hat Töchter in Taiwan und Malaysia, nah an der Lieferkette für x86-Boards und Beschleunigermodule. Omron erhält eine westliche Montage für Edge-Rechner, nützlich bei Zöllen und Ursprungsregeln.
Der Wert je Gerät stammt aber zunehmend aus fremden Prozessoren und KI-Beschleunigern. Omrons Marge hängt davon ab, wie viel Steuerungssoftware und Service es dazu verkaufen kann.
Worauf jetzt zu achten ist
1. Genehmigungen und Vollzug, erwartet um Januar 2027 2. Erste Physical-AI-Plattform aus OnLogic-Rechnern mit Omron-Steuerungen, Sensoren oder LD-Robotern 3. Omron-Zahlen für das Geschäftsjahr bis März 2028 und eine mögliche OnLogic-Umsatzangabe
Analystensicht
These: Omron kauft Direktvertrieb im Westen und den Edge-Rechner für Physical-AI-Modelle und zahlt ein Software-Multiple, weil es dort Wertschöpfung erwartet. Zuversicht: mittel. Die Logik ist klar und das Ziel profitabel, doch das Multiple setzt anhaltendes Wachstum in einem umkämpften Hardwaremarkt voraus, und Omron nennt kein Umsatzsynergieziel.
Offene Fragen
Welche Umsatzsynergien erwartet Omron aus dem Cross-Selling und bis wann? Werden OnLogic-Rechner mit vorinstallierter Omron-Steuerungssoftware ausgeliefert? Wie bleibt der Direktvertrieb auf Bestellung erhalten, wenn Omron-Produkte in den Katalog kommen? Welche KI-Beschleuniger unterstützt die Plattform?