Robot Era sammelt 1 Milliarde Yuan von Samsung, Singtel und weiteren Investoren ein, Bewertung über 10 Milliarden Yuan

Die Tsinghua-Ausgründung Robot Era hat zwei Monate nach ihrer letzten Finanzierung eine strategische Runde über 1 Milliarde Yuan abgeschlossen; neu dabei sind Samsung, Singtel und eine Gesellschaft der Woori Financial Group.
Der Pekinger Humanoiden-Hersteller meldet mehr als 500 Millionen Yuan Auftragsbestand, zur Hälfte aus dem Ausland, und lieferte 2025 knapp 1.000 Roboterhände aus.
Der Pekinger Humanoiden-Entwickler Robot Era, eine Ausgründung der Tsinghua-Universität, hat eine strategische Finanzierungsrunde über 1 Milliarde Yuan abgeschlossen und wird nun mit mehr als 10 Milliarden Yuan bewertet. Das Unternehmen gab die Runde am 5. März bekannt, wie die Verwaltung der Zhongguancun Science City im Pekinger Bezirk Haidian mitteilte. Neu an Bord sind Samsung, der Telekomkonzern Singtel aus Singapur und eine Beteiligungsgesellschaft der südkoreanischen Woori Financial Group. Damit gehört die Runde zu den wenigen chinesischen Finanzierungen im Bereich verkörperter KI mit nennenswerter Beteiligung strategischer Investoren aus anderen asiatischen Ländern.
Nach Angaben der Behörde lagen zwischen dieser und der vorherigen Runde nur zwei Monate. Neben den drei ausländischen Geldgebern stiegen CICC Porsche, die SMIC-nahe Juyuan Capital, Fenghe Capital, Wuxi Venture Capital, GF Qianhe und die Hongrui Group ein; die Altgesellschafter CDH VGC und Tsinghua Holdings Tiancheng stockten auf. Insgesamt zählt Robot Era nun 16 industrielle Investoren, darunter Geely Capital, Alibaba, Lenovo, Haier, BAIC und Shijijinyuan.
Das Geld soll vor allem in schnellere Technologieentwicklung und die Skalierung der Produkte fließen, mit Schwerpunkt auf Onlinehandel, industrieller Fertigung und Pharmalogistik. Robot Era meldet einen kumulierten Auftragsbestand von mehr als 500 Millionen Yuan, die Hälfte davon aus dem Ausland. Neun der zehn nach Börsenwert größten Technologiekonzerne der Welt seien Kunden. Die als eigenständiges Produkt verkaufte Roboterhand wurde 2025 knapp 1.000 Mal ausgeliefert. Ein einzelner Logistikauftrag überstieg 50 Millionen Yuan, und in einigen Logistikszenarien erreiche die Betriebseffizienz 70 %. Ein gemeinsam mit SF Express entwickeltes Prüfsystem für grenzüberschreitende Sendungen ist bereits beim Zoll im Einsatz.
Unternehmen und Technik
Robot Era wurde im August 2023 gegründet und am Institute for Interdisciplinary Information Sciences der Tsinghua-Universität inkubiert. Laut Haidian-Verwaltung ist es der einzige Humanoiden-Hersteller, an dem die Universität selbst beteiligt ist. Auf der CES in Las Vegas zeigte das Unternehmen im Januar eine Palette aus sechs Produkten. Der zweibeinige L7 ist 171 cm groß, wiegt 70 kg, hat 55 Freiheitsgrade und trägt mit beiden Armen 20 kg. Der Q5 ist ein radgetriebener Humanoide mit 44 Freiheitsgraden für Servicetätigkeiten. Die Fünffingerhand XHAND1 arbeitet vollständig mit Direktantrieben, hat 12 aktive Freiheitsgrade, 80 N Greifkraft je Hand und hebt laut Hersteller bis zu 25 kg. Robot Era gab damals mehr als 600 ausgelieferte Einheiten an und nannte Skild AI, Humanoid, Extend Robotics, die UC Berkeley, das MIT und ByteDance Seed als Nutzer der Hand.
- L7 Humanoide in Menschengröße
- 171
- 70
- 55
- 20
- Keine Daten
- Q5 Humanoide auf Rädern
- Keine Daten
- Keine Daten
- 44
- Keine Daten
- Keine Daten
- XHAND1 Roboterhand
- Keine Daten
- Keine Daten
- 12
- 25
- 80
Laut CES-2026-Mitteilung vom 8. Januar 2026. L7-Nutzlast für beide Arme zusammen; XHAND1-Freiheitsgrade sind aktive Freiheitsgrade, Hebeleistung als Höchstwert. Leer = nicht offengelegt.
Stand: 5. März 2026
Beim Direktantrieb sitzt der Motor unmittelbar im Fingergelenk, ohne Seilzüge oder Kleinstgetriebe. Das kostet etwas Drehmomentdichte, beseitigt aber Getriebespiel und erlaubt eine feinfühlige Kraftregelung, die lernbasierte Greifstrategien ausnutzen können. Mit dem Verkauf der Hand an andere Roboterentwickler verdient Robot Era an den Forschungsbudgets der Konkurrenz, während die eigenen Humanoiden noch am Anfang der Serienanwendung stehen.
Wettbewerb in China
Die Runde fällt in eine Woche großer Finanzierungen in Chinas Robotikbranche. Galbot, ebenfalls aus Haidian, sammelte in derselben Woche 2,5 Milliarden Yuan bei einer Bewertung von 20 Milliarden Yuan ein, unter anderem vom staatlichen KI-Industriefonds. X Square Robot aus Shenzhen schloss am 12. Januar eine Serie-A++-Runde über 1 Milliarde Yuan mit ByteDance, HongShan und Shenzhen Capital Group ab, LimX Dynamics meldete am 2. Februar eine Serie B über 200 Millionen US-Dollar. In den USA nahm Skild AI im Januar 1,4 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 14 Milliarden Dollar auf.
- Robot Era
- CN
- 2023
- Strategic
- 1000
- CNY
- 10
- 2026-03-05
- Galbot
- CN
- 2023
- Unnamed round
- 2500
- CNY
- 20
- 2026-03-02
- X Square Robot
- CN
- Keine Daten
- Series A++
- 1000
- CNY
- Keine Daten
- 2026-01-12
- LimX Dynamics
- CN
- Keine Daten
- Series B
- 200
- USD
- Keine Daten
- 2026-02-02
- Skild AI
- US
- 2023
- Series C
- 1400
- USD
- 14
- 2026-01-14
Angaben laut Unternehmen oder chinesischen Behörden, weder geschätzt noch umgerechnet. Die Bewertung von Robot Era ist nur als „über 10 Mrd. Yuan“ offengelegt, 10 ist daher eine Untergrenze. Maximale Verwässerung = Rundenbetrag / Post-Money-Bewertung: Robot Era höchstens 10 % (1/10), Galbot 12,5 % (2,5/20). Galbot laut Behörde Zhongguancun Science City, LimX Dynamics und Skild AI laut Unternehmensmitteilungen.
Stand: 5. März 2026
Für Europas Industrie ist zweierlei bemerkenswert. Erstens entsteht in China ein Zulieferer, der Roboterhände in vierstelliger Jahresstückzahl an Dritte verkauft, ein Segment, das für Greiferspezialisten aus dem deutschen Mittelstand zum direkten Wettbewerbsfeld werden kann. Zweitens setzt Robot Era mit dem Ziel Pharmalogistik und industrielle Fertigung auf Anwendungen, die auch für deutsche Automobil- und Logistikkonzerne relevant sind, und gewinnt mit Samsung einen Gesellschafter, der Vertriebswege außerhalb Chinas öffnen könnte.
Offene Fragen bleiben. Robot Era nannte nicht, welcher Teil der 500 Millionen Yuan bereits ausgeliefert oder als Umsatz verbucht ist, nannte die neun Technologiekunden nicht und legte die Bewertung der Vorrunde nicht offen. In Chinas Humanoidenbranche enthalten Auftragsbücher häufig Rahmenverträge, die nur langsam in Umsatz münden, und die 70-Prozent-Angabe bezieht sich ohne Vergleichsbasis nur auf einzelne Szenarien.
MEKAWIRE-Analyse
Robot Era baut rund um seine Roboterhand ein exportorientiertes Hardwaregeschäft auf, und diese Runde liefert die ausländischen strategischen Gesellschafter, die diese Strategie braucht.
Dafür spricht die Struktur des Geschäfts. Die Hälfte der Aufträge kommt aus dem Ausland, die Hand geht an US-Kunden wie Skild AI und das MIT, und drei der zehn neuen Investoren sind Konzerne aus Korea und Singapur. Galbot dagegen holte zuletzt den staatlichen KI-Fonds, Sinopec und SAIC an Bord, was auf heimische Industrieanwendungen deutet.
Das stärkste Gegenargument ist die Größe. Die Untergrenze von 10 Milliarden Yuan entspricht der Hälfte der Galbot-Bewertung, mehr als 600 ausgelieferte Einheiten sind für diese Bewertung wenig, und rund 1.000 verkaufte Hände im Jahr tragen allein keine zweistellige Milliardenbewertung.
Positivszenario: Die XHAND1 wird außerhalb Chinas zur Standardhand für Forschung und Serie, Samsung und Singtel öffnen Beschaffungskanäle in Korea und Südostasien, und Logistikpiloten wie das Zollsystem mit SF Express führen zu Folgeaufträgen. Dann ist vor einem Börsengang eine weitere Bewertungsstufe möglich.
Negativszenario: Exportkontrollen oder Zölle auf chinesische Robotikkomponenten treffen die Auslandshälfte des Auftragsbuchs, während im Inland Wettbewerber mit stärkerer staatlicher Rückendeckung den Ton angeben. Bestehen die Aufträge vor allem aus Rahmenverträgen, bleibt der Umsatz deutlich hinter den Schlagzeilen zurück.
- Signal 1: Ob Robot Era bis Mitte 2026 neben Aufträgen auch Umsatz oder ausgelieferte Stückzahlen veröffentlicht.
- Signal 2: Ob Samsung oder Singtel 2026 einen kommerziellen Einsatz oder Vertriebsvertrag mit Robot Era bekanntgeben.
- Signal 3: Ob die XHAND1-Auslieferungen 2026 zum Jahresende deutlich über rund 1.000 Stück aus 2025 liegen.
- Strategisch, 1 Mrd. Yuan
- Über 10 Mrd. Yuan
- 2026-03-05
- Samsung, Singtel, Beteiligungsgesellschaft der Woori Financial Group
- 16
- Über 500 Mio. Yuan, 50 % Ausland
- Knapp 1.000
- August 2023, Inkubation an der Tsinghua-Universität (IIIS)
Warum das wichtig ist
Bedeutsam ist weniger die Höhe der Runde als der Kreis der Geldgeber. Chinesische Humanoiden-Finanzierungen wurden Anfang 2026 von Staatsfonds, Autoherstellern und Internetkonzernen dominiert. Robot Era holt mit Samsung, Singtel und einer Woori-Gesellschaft strategische Investoren aus Südkorea und Singapur an Bord.
Auch die Kennzahlen deuten auf ein anderes Geschäftsmodell. Die Hälfte von mehr als 500 Millionen Yuan Auftragsbestand stammt aus dem Ausland, und die Roboterhand wird als Komponente an andere Entwickler verkauft, darunter Skild AI in den USA. Robot Era ist damit Wettbewerber und Zulieferer der globalen Humanoidenbranche zugleich.
Wettbewerbsanalyse
Galbot sammelte in derselben Woche 2,5 Milliarden Yuan bei 20 Milliarden Yuan Bewertung, unter anderem vom staatlichen KI-Industriefonds, Sinopec, CITIC, SAIC und SMIC Juyuan. Laut Haidian-Verwaltung arbeitet Galbot in mehr als 100 Convenience Stores in über 20 Städten und in 40 Apotheken in 24 Städten. Robot Era ist kleiner bewertet, aber stärker exportorientiert.
X Square Robot setzt mit dem Modell WALL-A auf Software und wird von ByteDance, Meituan und Alibaba finanziert. Aus europäischer Sicht ist der direkte Vergleich eher bei Komponenten zu ziehen: Robot Era verkauft eine direkt angetriebene Fünffingerhand in vierstelligen Stückzahlen, ein Volumen, an dem sich europäische Anbieter mehrfingriger Hände künftig messen lassen müssen.
Bewertungskontext
Offengelegt ist nur eine Untergrenze von mehr als 10 Milliarden Yuan. Daraus folgt, dass die neue Milliarde höchstens 10 % des Kapitals nach der Runde ausmacht, gegenüber 12,5 % bei Galbot. Da der Preis der Vorrunde nicht veröffentlicht wurde, lässt sich ein Bewertungssprung aus Primärquellen nicht berechnen.
Gemessen am Auftragsbestand von mehr als 500 Millionen Yuan liegt die Bewertung beim mindestens 20-Fachen. Aufträge sind kein Umsatz, geprüfte Abschlüsse gibt es nicht; ein Umsatzmultiplikator wird daher nicht angegeben.
Folgen für die Lieferkette
Die XHAND1 ist vollständig direkt angetrieben und verlagert die Nachfrage auf kleine drehmomentstarke Motoren, Encoder und Treiber in jedem Fingergelenk statt auf Getriebe oder Seilzüge. Knapp 1.000 Hände im Jahr 2025 machen Robot Era zu einem relevanten Abnehmer von Mikroaktoren.
Die Beteiligung von SMIC Juyuan verbindet die Runde mit Chinas Halbleiter-Investitionsnetz. Ob Samsung als Lieferant von Sensorik, Speicher oder Rechenchips ins Spiel kommt, ist offen; eine entsprechende Vereinbarung wurde nicht bekanntgegeben.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens, ob Robot Era Umsatz oder Auslieferungen für 2025 oder 2026 veröffentlicht, was die Umwandlung des Auftragsbestands zeigen würde. Zweitens, ob mit Samsung, Singtel oder Woori Einsatz- oder Vertriebsvereinbarungen folgen. Drittens, ob das Unternehmen formale Schritte in Richtung Börsengang einleitet, etwa eine Beratungsmeldung bei der Wertpapieraufsicht.
Zudem lohnt der Blick darauf, ob das Zollprüfsystem mit SF Express auf weitere Standorte ausgeweitet wird und ob europäische Humanoiden-Entwickler auf der Kundenliste der XHAND1 auftauchen.
Analystensicht
These: Robot Era ist das exportorientierteste der Pekinger Humanoiden-Start-ups, und die ausländischen strategischen Investoren dieser Runde stützen diese Positionierung. Zuversicht: mittel. Gründe: Die zentralen Geschäftszahlen sind vom Unternehmen gelieferte und von einer Lokalbehörde wiedergegebene Auftrags- und Kundenangaben ohne geprüften Umsatz, die Bewertung ist nur als Untergrenze bekannt, und die neun Technologiekunden bleiben ungenannt.
Dass namentlich bekannte Käufer wie Skild AI und das MIT die Hand eines Wettbewerbers kaufen, ist der unabhängigste Beleg für die Produktqualität. Die nächste Bewährungsprobe ist, ob L7 und Logistiksysteme in wiederkehrende Großaufträge münden.
Offene Fragen
Welcher Anteil der mehr als 500 Millionen Yuan Aufträge war bis März 2026 ausgeliefert und als Umsatz verbucht?
Welche Samsung-Gesellschaft hat investiert, und ist die Beteiligung an eine kommerzielle Vereinbarung geknüpft?
Wie hoch war die Bewertung der Vorrunde zwei Monate zuvor, und welchen Aufschlag bedeutet der neue Preis?
Wie stark ist die Auslandshälfte des Auftragsbuchs US-amerikanischen oder europäischen Beschränkungen für chinesische Robotikhardware ausgesetzt?