1X nimmt Vorbestellungen für den Haushaltsroboter NEO an: 20.000 Dollar Kaufpreis oder 499 Dollar im Monat, Auslieferung in den USA ab 2026

Der US-Hersteller 1X Technologies hat am 27. Oktober 2025 die Vorbestellung seines humanoiden Haushaltsroboters NEO geöffnet. Der Roboter kostet 20.000 Dollar oder 499 Dollar im Monat, wird ab 2026 in den USA und ab 2027 international ausgeliefert und lässt sich bei unbekannten Aufgaben von 1X-Experten aus der Ferne anleiten.
Der kalifornische Robotikhersteller 1X Technologies hat am 27. Oktober 2025 die Vorbestellung für NEO geöffnet und damit erstmals einen öffentlichen Preis für einen humanoiden Roboter für Privathaushalte genannt. Wer 20.000 Dollar zahlt, erwirbt den Roboter und erhält ihn bevorzugt im Jahr 2026; wer sich für ein Abonnement zu 499 Dollar im Monat entscheidet, muss länger warten, teilte das Unternehmen aus Palo Alto über Business Wire mit. Eine Anzahlung von 200 Dollar sichert den Platz in der Warteschlange, laut Bestellseite ist sie voll erstattbar.
Die ersten Geräte sollen 2026 an Kunden in den Vereinigten Staaten gehen, die internationale Expansion beginnt nach Angaben von 1X im Jahr 2027. Die Mitteilung nennt ein Gewicht von 66 Pfund (29,94 Kilogramm), eine Hebeleistung von 154 Pfund (69,85 Kilogramm) und eine Tragkraft von 55 Pfund (24,95 Kilogramm). Jede Hand hat 22 Freiheitsgrade, das Betriebsgeräusch beziffert 1X auf 22 Dezibel und vergleicht es mit einem modernen Kühlschrank. NEO funkt über WLAN, Bluetooth und 5G und ist in Hellbraun, Grau und Dunkelbraun erhältlich. Die Produktseite gibt eine Körpergröße von 5 Fuß 6 Zoll an, rund 1,68 Meter.
Die beiden Preismodelle unterscheiden sich nicht nur in der Zahlungsweise. Laut Bestellseite gehören zum Kauf für 20.000 Dollar drei Jahre Garantie und bevorzugte Lieferung, zum Abo für 499 Dollar ein sogenanntes Starter-Produktivitätspaket und Standardlieferung. Aufs Jahr gerechnet kostet das Abo 5.988 Dollar, der Kaufpreis entspricht also gut 40 Monatsraten. Wie viele Vorbestellungen 1X erwartet, wie viele Roboter das Unternehmen 2026 bauen kann und was nach Ablauf eines Abos mit dem Gerät geschieht, ließ es offen.
Bei den Fähigkeiten zum Liefertermin formuliert 1X vorsichtig. Die Bestellseite verspricht frühen Kunden eine grundlegende Autonomie, die per Software-Update wachsen soll. Die Mitteilung beschreibt eine Aufgabenfunktion, bei der der Besitzer eine Liste anlegt, eine Uhrzeit wählt und die Wohnung danach aufgeräumt vorfindet. Als Beispiele nennt 1X Wäsche falten, Regale ordnen und Aufräumen. Zu den ersten Fähigkeiten zählen Türen öffnen, Gegenstände holen und Licht schalten. Ein eingebautes Sprachmodell führt Gespräche, erkennt Geräusche und Objekte und merkt sich frühere Unterhaltungen.
Für Aufgaben, die NEO noch nicht beherrscht, gibt es den Expert Mode. Ein Spezialist von 1X überwacht den Roboter zu vom Kunden gebuchten Zeiten aus der Ferne, und das Unternehmen stellt dies als einen der Wege dar, auf denen NEO Neues lernt. Frühe Käufer erwerben damit eine teilweise ferngesteuerte Maschine, und während solcher Sitzungen sieht ein 1X-Mitarbeiter über die Kameras in die Wohnung. Wie die Privatsphäre dabei geschützt wird, erläutert die Mitteilung nicht im Detail.
Technisch setzt 1X auf Nachgiebigkeit statt Steifigkeit. NEO nutzt nach Firmenangaben den patentierten Tendon Drive, bei dem Motoren mit hoher Drehmomentdichte über Sehnengetriebe ziehen und so sanfte Bewegungen erzeugen, dazu eine weiche Hülle aus 3D-Gitterpolymer. Gesteuert wird der Roboter von Redwood AI, einem Vision-Language-Transformer mit 160 Millionen Parametern, den 1X am 10. Juni 2025 vorstellte. Das Modell läuft vollständig auf der eingebauten GPU mit etwa 5 Hertz und wurde mit ferngesteuerten und autonomen Episoden der 1X-Roboter EVE und NEO trainiert, darunter Demonstrationen aus den Büros und Wohnungen von Mitarbeitern.
1X wurde 2014 in Norwegen gegründet und sitzt heute in Palo Alto. Der OpenAI Startup Fund führte 2023 eine Series A2 über 23,5 Millionen Dollar an, im Januar 2024 folgte eine Series B über 100 Millionen Dollar unter Führung von EQT Ventures. Gründer und Vorstandschef Bernt Børnich sagte in der Mitteilung, Humanoide seien lange Science-Fiction und dann Forschung gewesen und würden mit NEO nun zum Produkt.
Die Konkurrenz zielt ebenfalls auf den Haushalt, nennt aber keinen Preis. Figure AI stellte am 9. Oktober 2025 Figure 03 vor, mit waschbaren Textilbezügen, Schaumpolstern gegen Quetschstellen und kabellosem Laden mit 2 Kilowatt, und gab die Anfangskapazität seines Werks BotQ mit 12.000 Robotern im Jahr an. Figure hatte im September 2025 eine Milliarde Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 39 Milliarden Dollar eingesammelt. Apptronik schloss Anfang 2025 Series-A-Mittel von 403 Millionen Dollar ab, Agility Robotics meldete zuletzt 2022 eine Series B über 150 Millionen Dollar.
- 1X Technologies
- 2014
- Series B
- 100
- Keine Daten
- 2024-01
- 20.000 US$ oder 499 US$/Monat
- Figure AI
- Keine Daten
- Series C
- 1000
- 39
- 2025-09
- Keine Daten
- Apptronik
- 2016
- Series A (zwei Closings)
- 403
- Keine Daten
- 2025-03
- Keine Daten
- Agility Robotics
- 2015
- Series B
- 150
- Keine Daten
- 2022-04
- Keine Daten
- Skild AI
- 2023
- Series A
- 300
- 1,5
- 2024-07
- Keine Daten
Finanzierungsdaten wie von Unternehmen oder Leadinvestoren veröffentlicht, nicht geschätzt. Apptronik: Betrag = 350 Mio. US$ Series A (Feb. 2025) + 53 Mio. US$ zusätzliches Closing (März 2025). Skild AI entwickelt Robotermodelle, keinen eigenen Humanoiden, und dient als Finanzierungsvergleich. — = nicht offengelegt. Endkundenpreis laut 1X-Mitteilung vom 27. Oktober 2025; kein Wettbewerber hatte bis zu diesem Tag einen Endkundenpreis genannt.
Stand: 27. Okt. 2025
Für Europa ist der Vorstoß ein Prüfstein. Europäische Humanoidentwickler wie Neura Robotics aus Metzingen, das im Januar 2025 eine Series B über 120 Millionen Euro bekannt gab, richten sich bislang vor allem an Industrie und Logistik, wo deutsche Autobauer und der Mittelstand als Pilotkunden dienen. Ein ferngesteuertes Abomodell im Wohnzimmer trifft in der EU zudem auf die Datenschutz-Grundverordnung. Wenn Mitarbeiter eines Herstellers per Kamera in Wohnungen blicken, braucht es klare Einwilligungen, Speicherfristen und Zugriffsprotokolle. Erfüllt 1X diese Anforderungen bis zum geplanten internationalen Start 2027, hätte das Unternehmen auch für europäische Anbieter einen Maßstab gesetzt.
Die Risiken liegen auf der Hand. 1X hat weder Erfolgsquoten noch den Anteil der Aufgaben veröffentlicht, die NEO ohne Expert Mode erledigt, und kein Servicenetz für Reparaturen beschrieben. Ein Roboter, der 154 Pfund heben kann und sich zwischen Kindern und Haustieren bewegt, wird Aufsichtsbehörden und Versicherer beschäftigen; eine Zertifizierung durch Dritte nennt die Mitteilung nicht.
Als Nächstes zählen der Lieferbeginn in den USA 2026, Angaben zu Vorbestellungen und Fertigungskapazität, erste Erfahrungen von Kunden mit dem Expert Mode und der internationale Start 2027.
MEKAWIRE-Analyse
Mit dem Preis wird der Haushaltshumanoide zu einem Produkt, das sich an der Lieferung messen lassen muss, doch 2026 kaufen Kunden ebenso sehr einen Fernsteuerungsdienst wie Autonomie.
Belege liefert 1X selbst. Die Bestellseite verspricht eine grundlegende Autonomie, die mit der Zeit wächst; der Expert Mode holt bei unbekannten Aufgaben einen Menschen in die Schleife; Redwood wurde zu großen Teilen mit ferngesteuerten Episoden trainiert. Jede Fernsitzung ist damit zugleich Datenerhebung in echten Wohnungen, ein Zugang, den im Oktober 2025 kein Wettbewerber in dieser Breite hatte. Öffentlicher Preis und erstattbare Anzahlung liefern zudem ein Nachfragesignal, das Finanzierungsrunden allein nicht geben.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass frühe Käufer ein Forschungsprogramm finanzieren und kein fertiges Haushaltsgerät. Muss bei den meisten Aufgaben weiterhin ein Mensch aus der Ferne eingreifen, ähnelt das Geschäft einem Fernreinigungsdienst mit teurer Hardware, und Datenschutzbedenken könnten die Nachfrage bremsen, bevor das Modell reift.
Bull-Szenario: Die Daten aus dem Expert Mode lassen den Autonomieanteil 2026 rasch steigen, und das Abo für 499 Dollar schafft wiederkehrende Umsätze, bevor Figure oder Tesla Endkundenpreise nennen. Eine sichtbare Flotte in Haushalten stärkt zudem die nächste Finanzierungsrunde.
Bear-Szenario: Lieferungen verzögern sich, die Hardware hält dem Alltag in unaufgeräumten Wohnungen nicht stand, und ein Datenschutz- oder Sicherheitsvorfall macht das Fernsteuerungsmodell zur Belastung. Mit einer Series B über 100 Millionen Dollar als letzter offengelegter Runde hat 1X weit weniger Kapital als Figure, um einen langsamen Hochlauf durchzustehen.
Signale, auf die zu achten ist:
- 2026: Lieferbeginn an US-Kunden und ob 1X Stückzahlen nennt
- 2026: Daten zum Anteil der Aufgaben ohne Expert Mode und Datenschutzregeln für Fernsitzungen
- 2027: Beginn der internationalen Auslieferung, einschließlich der Frage nach dem EU-Markt
- 27. Oktober 2025, Palo Alto (Mitteilung von 1X über Business Wire)
- NEO, humanoider Roboter für den Haushalt
- 20.000 Dollar Kauf (Early Access) oder 499 Dollar Monatsabo
- 200 Dollar, laut 1X voll erstattbar
- USA ab 2026, internationale Expansion ab 2027
- 29,94 kg (66 lb); hebt 69,85 kg (154 lb), trägt 24,95 kg (55 lb)
- 22 Freiheitsgrade je Hand; 22 dB
- Expert Mode, ein 1X-Spezialist überwacht NEO zu vereinbarten Zeiten aus der Ferne
- Redwood AI, Vision-Language-Transformer mit 160 Mio. Parametern (vorgestellt am 10. Juni 2025)
- Drei Jahre beim Kaufmodell für 20.000 Dollar (Bestellseite)
Warum das wichtig ist
Bis zum 27. Oktober 2025 verkauften westliche Humanoidhersteller an Fabriken, Lager oder Forschungslabore, einen Endkundenpreis hatte keiner genannt. 1X legt nun Preis, Anzahlung, Lieferjahr und Garantie offen und macht den Haushaltshumanoiden damit von einer Demo-Kategorie zu einem Produkt, das bestellt und später an der Lieferung gemessen werden kann.
Das Abomodell wiegt dabei so schwer wie der Preis. 499 Dollar im Monat konkurrieren mit Haushaltsdienstleistungen, nicht mit Hausgeräten, und halten den Roboter für Updates und Expert Mode dauerhaft mit 1X verbunden. So entstehen wiederkehrende Erlöse und ein stetiger Strom von Daten aus Wohnungen, genau die zwei Größen, auf die Investoren in Roboter-Basismodelle achten.
Wettbewerbsanalyse
Am nächsten liegt Figure AI. Figure 03, vorgestellt am 9. Oktober 2025, wurde mit waschbaren Bezügen, Schaumpolstern und kabellosem Laden für den Haushalt ausgelegt, und Figure verfügt nach der Series C über eine Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar Bewertung über weit mehr Kapital. Einen Haushaltspreis oder Liefertermin nannte Figure jedoch nicht.
Apptronik und Agility Robotics konzentrieren sich auf Industrie und Logistik. In Europa verfolgt Neura Robotics mit seinem Humanoiden ebenfalls zuerst industrielle Anwendungen. Kurzfristig konkurriert NEO daher vor allem mit Saugrobotern und Reinigungskräften, eine hohe Hürde bei Preis und Zuverlässigkeit.
Bewertungskontext
Die letzte offengelegte Runde von 1X ist die Series B über 100 Millionen Dollar vom Januar 2024 unter Führung von EQT Ventures, davor stand 2023 eine Series A2 über 23,5 Millionen Dollar mit dem OpenAI Startup Fund an der Spitze. Für keine der Runden wurde eine Post-Money-Bewertung veröffentlicht; ein Vergleich mit Figures 39 Milliarden Dollar wäre Schätzung, auf die MEKAWIRE verzichtet.
Ein Kaufgerät zu 20.000 Dollar entspricht gut 40 Monatsraten (20.000 Dollar / 499 Dollar). Weil Bestellzahlen, Bruttomargen und Fertigungskapazität nicht offengelegt sind, lässt sich der Umsatz für 2026 aus öffentlichen Daten nicht ableiten.
Folgen für die Lieferkette
1X fertigt seine Antriebe selbst. Der Tendon Drive kombiniert Motoren hoher Drehmomentdichte mit Sehnengetrieben und verringert so die Abhängigkeit von Präzisionsgetrieben, wie sie in Industrierobotergelenken üblich sind. Für europäische Getriebe- und Lagerhersteller, die auf Humanoide als Wachstumsfeld setzen, ist das ein Hinweis, dass nicht jede Architektur ihre Komponenten braucht.
Die Rechenleistung sitzt im Roboter. Redwood AI läuft auf der eingebauten GPU mit etwa 5 Hertz, nur die Sprachverarbeitung übernimmt ein externes Sprachmodell. Die Stückliste von NEO konzentriert sich damit auf GPU-Module, Batterien, Kameras und Motoren, ein Feld, in dem europäische Zulieferer wie Motorenspezialisten aus dem Mittelstand mitbieten könnten.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens der Lieferbeginn in den USA 2026 und ob 1X Stückzahlen veröffentlicht. Zweitens Kennzahlen zur Autonomie, etwa der Anteil der Aufgaben ohne Expert Mode, durchschnittliche Ausführungszeiten und Fehlerquoten in echten Haushalten.
Drittens die Regulierung. Fernzugriffe auf Kameras in Wohnungen werden Datenschutzbehörden in den US-Bundesstaaten und Verbraucherschützer beschäftigen. Viertens der internationale Start 2027, bei dem sich zeigen wird, ob das Abomodell mit DSGVO und EU-Maschinenrecht vereinbar ist.
Analystensicht
These: Die Vorbestellung macht den Haushaltshumanoiden zum Produkt mit Preisschild, doch die Geräte des Jahres 2026 werden stark auf menschliche Fernhilfe angewiesen sein; der kurzfristige Wert liegt in Daten und Markenposition, nicht im Ersatz von Hausarbeit. Zuversicht: mittel.
Mittel, weil Preis, Konditionen und Redwood-Architektur auf den Seiten von 1X belegt sind, die wichtigsten Größen wie Bestellvolumen, Autonomiequote und Kapazität aber fehlen. Mehrere tausend Auslieferungen mit steigender Autonomie würden die Einschätzung verbessern, Lieferverzug oder ein Datenschutzvorfall sie verschlechtern.
Offene Fragen
Wie viele Vorbestellungen liegen vor, und wie hoch ist der Abo-Anteil? Welche Fertigungskapazität hat 1X für 2026 gesichert?
Welcher Anteil der gezeigten Haushaltsaufgaben gelingt ohne Expert Mode? Wie steuern Kunden, wann Fernspezialisten über die Kameras in die Wohnung sehen dürfen, und nach welchen Sicherheitsnormen wurde NEO für Haushalte mit Kindern und Haustieren geprüft?