ABB will Robotiksparte mit 2,3 Milliarden Dollar Umsatz 2026 separat an die Börse bringen
ABB hat am 17. April 2025 angekündigt, der Generalversammlung 2026 eine vollständige Abspaltung der Division Robotics vorzuschlagen; der Handel soll im zweiten Quartal 2026 beginnen. Die nach ABB-Angaben weltweite Nummer zwei der Robotik setzte 2024 rund 2,3 Milliarden US-Dollar bei 12,1% operativer EBITA-Marge um. Im ersten Quartal stiegen die Aufträge des Geschäftsbereichs um 14%, die Marge fiel auf 9,9%.

Der Schweizer Technologiekonzern ABB will seine Robotiksparte abspalten und als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen. Das gab ABB am 17. April 2025 in Zürich zusammen mit den Zahlen für das erste Quartal bekannt. Der Verwaltungsrat will der Generalversammlung 2026 eine vollständige Abspaltung vorschlagen, der Handel mit den Aktien des neuen Unternehmens soll im zweiten Quartal 2026 beginnen. Die ABB-Aktionäre sollen die Robotik-Aktien als Sachdividende im Verhältnis ihres Bestands erhalten, ABB selbst behält keine Beteiligung.
Was abgespalten wird
Die Division Robotics erzielte 2024 nach Angaben von ABB einen Umsatz von rund 2,3 Milliarden US-Dollar, etwa 7% des Konzernumsatzes, bei einer operativen EBITA-Marge von 12,1%. Sie beschäftigt rund 7.000 Mitarbeitende. In der Ergebnispräsentation bezeichnet ABB die Sparte als globale Nummer zwei der Robotikbranche, mehr als 80% des Angebots seien software- oder KI-gestützt. Das Portfolio reicht von Industrierobotern über kollaborative Roboter bis zu autonomen mobilen Robotern. Rund zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf den Direktvertrieb, etwa 18% auf Service.
Nach Angaben von ABB erzielte die Division seit dem ersten Quartal 2019 in den meisten Quartalen eine zweistellige operative EBITA-Marge und steigerte die Bruttomarge von 2022 bis 2024 um 600 Basispunkte. Gefertigt wird in Schweden, China und den USA, die als Drehscheiben für Europa, Asien und Amerika dienen. Ein neuer europäischer Standort in Schweden nimmt 2025 den Betrieb auf. Die Investitionen in das Geschäft summierten sich von 2019 bis 2024 auf rund 200 Millionen US-Dollar.
Der Ablauf der Trennung
Robotics bildet heute zusammen mit der Division Machine Automation den Geschäftsbereich Robotics & Discrete Automation. Machine Automation soll vom ersten Quartal 2026 an in den Geschäftsbereich Process Automation wechseln, wo ABB klare Vertriebs- und Technologiesynergien bei Software und Steuerungstechnik sieht. Nach der Abspaltung wird ABB aus drei Geschäftsbereichen bestehen. Einen Börsenplatz für die Robotik-Aktien nannte ABB nicht, ebenso wenig Kosten der Trennung oder Details der Kapitalstruktur, die das Unternehmen lediglich als solide beschrieb.
Konzernchef Morten Wierod begründete den Schritt mit begrenzten geschäftlichen und technologischen Synergien zwischen Robotics und den übrigen Divisionen sowie mit unterschiedlichen Nachfrage- und Marktmerkmalen. Verwaltungsratspräsident Peter Voser erklärte, eine separate Notierung erlaube beiden Unternehmen, mit fokussierter Governance und eigener Kapitalallokation Kundennutzen zu schaffen, zu wachsen und Talente zu gewinnen.
Schwaches Quartal, bessere Aufträge
Die am selben Morgen veröffentlichten Quartalszahlen zeigen, warum Investoren das Robotikgeschäft anders bewerten dürften als den Rest von ABB. Robotics & Discrete Automation verbuchte Aufträge über 799 Millionen US-Dollar, ein Plus von 14% (vergleichbar 17%). Der Umsatz sank jedoch um 14% auf 744 Millionen US-Dollar, das operative EBITA um 35% auf 74 Millionen US-Dollar. Die Marge fiel um 330 Basispunkte auf 9,9%, vor allem wegen geringerer Volumina bei Machine Automation. Der Auftragsbestand lag mit 1,518 Milliarden US-Dollar 21% unter dem Vorjahr, das Book-to-Bill-Verhältnis bei 1,07.
ABB sprach von einer Trendwende. Die Robotik-Aufträge wuchsen trotz eines schwierigen Automobilsegments zweistellig, getragen von Kunden, die Fertigung in neue Länder verlagern, vor allem bei Lackieranlagen, sowie von Unterhaltungselektronik, Lebensmittel und Getränken, Mode und Maschinenbau. In Amerika sowie in Asien, Nahost und Afrika stiegen die Bestellungen kräftig, in Europa gingen sie im niedrigen einstelligen Prozentbereich zurück. Der Konzern insgesamt kam auf Aufträge von 9,213 Milliarden und einen Umsatz von 7,935 Milliarden US-Dollar bei einer operativen EBITA-Marge von 20,2%, fast dem Doppelten des Robotikbereichs.
Das Wettbewerbsumfeld
- ABB
- Division Robotics
- 2024-12
- USD
- 2.300
- Keine Daten
- 12,1
- Operatives EBITA
- FANUC
- Robotersparte
- 2025-03
- JPY
- 329.566
- -13,5
- Keine Daten
- Keine Daten
- Yaskawa Electric
- Robotiksegment
- 2025-02
- JPY
- 237.413
- 1,2
- 10
- Segmentergebnis
- KUKA
- Konzern
- 2024-12
- EUR
- 3.700
- -7,9
- 2,1
- EBIT
Von den Unternehmen veröffentlichte Zahlen. ABB-Umsatz als rund 2,3 Mrd. US-Dollar angegeben. Yaskawa-Marge = Segmentergebnis 23.751 Mio. Yen / Segmentumsatz 237.413 Mio. Yen; KUKA-Marge = EBIT 76,5 Mio. Euro / Umsatz 3,7 Mrd. Euro (gerundeter Umsatz); beides MEKAWIRE-Berechnungen. Margendefinitionen unterscheiden sich. KUKA-Zahlen betreffen den Gesamtkonzern.
Stand: 23. Apr. 2025
Ein börsennotiertes ABB Robotics würde direkt mit wenigen reinen Robotikwerten und Konzernen mit großen Robotiksparten verglichen. FANUC meldete für das Geschäftsjahr bis März 2025 einen Umsatz der Robotersparte von 329,6 Milliarden Yen, 13,5% weniger, und verwies auf schwächere Nachfrage aus der chinesischen E-Auto- und allgemeinen Industrie sowie geringere Verkäufe in Europa und Amerika. Bei Yaskawa Electric wuchs das Robotiksegment im Geschäftsjahr bis Februar 2025 um 1,2% auf 237,4 Milliarden Yen, der Segmentgewinn lag bei 23,8 Milliarden Yen. Die Augsburger KUKA, die zum chinesischen Midea-Konzern gehört, meldete für 2024 einen Umsatzrückgang um 7,9% auf 3,7 Milliarden Euro und mehr als halbierten EBIT von 76,5 Millionen Euro.
Für die deutsche Industrie ist der Schritt aus zwei Gründen relevant. Ein eigenständiger Anbieter muss um Kunden aus der Autoindustrie, deren Segment ABB als schwierig beschreibt, ohne den Rückhalt eines Elektrotechnikkonzerns werben. Zugleich wäre ABB Robotics neben KUKA einer der wenigen großen europäischen Roboterhersteller, allerdings im Unterschied zu KUKA ohne chinesischen Mehrheitseigner.
Risiken und offene Fragen
Die Abspaltung fällt in eine zyklische Schwächephase. ABB selbst nennt das Automobilsegment schwierig, FANUC macht die schwache Nachfrage in China für den Rückgang verantwortlich. Offen sind der Börsenplatz, die Verschuldung des neuen Unternehmens und die Kosten, die nach dem Wegfall der Konzernfunktionen anfallen. Zudem muss die Generalversammlung 2026 zustimmen.
Worauf zu achten ist
Die Zahlen zum zweiten Quartal im Juli 2025 zeigen, ob die Robotik-Aufträge weiter wachsen und sich die Bereichsmarge von 9,9% erholt. Vor der Generalversammlung 2026 muss ABB Börsenplatz, Kapitalstruktur und eigene Abschlüsse für die Sparte vorlegen. Der Wechsel von Machine Automation erfolgt im ersten Quartal 2026, der erste Handelstag ist für das zweite Quartal 2026 geplant.
MEKAWIRE-Analyse
ABB setzt darauf, dass ein reiner Robotikwert höher bewertet wird als eine Sparte, die die Marge eines 20-Prozent-Konzerns verwässert, doch der Start aus einem Zyklustief stellt diese These auf die Probe.
Für die Logik spricht der Abstand zwischen beiden Geschäften. Robotics & Discrete Automation erzielte im ersten Quartal eine operative EBITA-Marge von 9,9%, der Konzern 20,2%. ABB betont selbst, dass Robotik einem anderen Zyklus folgt, getrieben von Investitionen der Auto- und Elektronikindustrie statt von Elektrifizierung und Netzausbau. Die Trennung entfernt eine Belastung aus der Konzernmarge und gibt Anlegern direkten Zugang zur globalen Nummer zwei bei Industrierobotern.
Das stärkste Gegenargument sind Zeitpunkt und Größe. Rund 2,3 Milliarden US-Dollar Umsatz und ein um 21% geschrumpfter Auftragsbestand lassen wenig Puffer für Standalone-Kosten, und an der Börse wird die Sparte direkt mit FANUC und Yaskawa verglichen, deren Robotiksparten ähnlich groß sind und eine längere öffentliche Ergebnishistorie haben.
Bull Case. Das vergleichbare Auftragsplus von 17% markiert den Boden des Zyklus, die Notierung 2026 fällt in eine Erholung mit Margen wieder über 12%. Ein reiner Robotikwert mit mehr als 80% software- oder KI-gestütztem Angebot zieht Anleger an, die Automatisierung außerhalb Japans und Chinas suchen.
Bear Case. Die Autonachfrage bleibt schwach, chinesische Wettbewerber gewinnen in Asien Anteile, und Standalone-Kosten drücken die Marge in den einstelligen Bereich. Die Notierung gelingt dann nur mit Abschlag, oder ABB sucht stattdessen einen Käufer.
Signale, die zu beobachten sind.
- Juli 2025: Robotik-Aufträge und Bereichsmarge in den Zahlen zum zweiten Quartal.
- Ende 2025 bis Anfang 2026: Wahl des Börsenplatzes und erste separate Abschlüsse der Sparte.
- Zweites Quartal 2026: Abstimmung der Generalversammlung und geplanter erster Handelstag.
- Aufträge (Mio. US-Dollar)
- 799
- 701
- 14
- Umsatz (Mio. US-Dollar)
- 744
- 864
- -14
- Operatives EBITA (Mio. US-Dollar)
- 74
- 113
- -35
- Operative EBITA-Marge (%)
- 9,9
- 13,2
- Keine Daten
- Auftragsbestand (Mio. US-Dollar)
- 1518
- 1918
- -21
Von ABB am 17. April 2025 veröffentlicht. Veränderung nominal in US-Dollar; vergleichbar wuchsen die Aufträge um 17%, der Umsatz sank um 11%. Marge minus 330 Basispunkte.
Stand: 17. Apr. 2025
- 17. April 2025, Zürich, mit den Q1-Zahlen
- 100-prozentige Abspaltung per Sachdividende, ABB behält keine Beteiligung
- Antrag an die Generalversammlung 2026, Handelsstart im zweiten Quartal 2026
- rund 2,3 Mrd. US-Dollar, etwa 7% des Konzerns
- 12,1%
- rund 7.000
- mehr als 80%
- Aufträge 799 Mio. US-Dollar (+14%), Umsatz 744 Mio. US-Dollar (-14%), Marge 9,9%
- wechselt ab Q1 2026 zu Process Automation
- nicht genannt
Warum das wichtig ist
Mit der Abspaltung entstünde einer der wenigen börsennotierten reinen Industrieroboterhersteller außerhalb Japans und Chinas. ABB bezeichnet die Sparte als globale Nummer zwei. Anders als bei FANUC und Yaskawa, deren Robotik in größeren Konzernen steckt, und bei KUKA, die von Midea kontrolliert wird, gäbe es damit eine eigenständige Alternative mit Sitz in Europa.
Für ABB geht es auch um die Konzernbewertung. Im ersten Quartal 2025 lag die operative EBITA-Marge von Robotics & Discrete Automation bei 9,9%, die des Konzerns bei 20,2%. Ohne den Robotikzyklus, der den Investitionen von Auto- und Elektronikindustrie folgt, bleibt ABB ein Elektrifizierungs- und Automatisierungskonzern mit stabilerer Nachfrage.
Wettbewerbsanalyse
FANUCs Robotersparte setzte im Geschäftsjahr bis März 2025 329,6 Milliarden Yen um, 13,5% weniger, belastet durch China und schwächere Verkäufe in Europa und Amerika. Yaskawas Robotiksegment wuchs dank großer Systemprojekte aus dem Auftragsbestand und Wafer-Transferrobotern für die Halbleiterindustrie um 1,2% auf 237,4 Milliarden Yen, der Segmentgewinn sank jedoch um 5,6% auf 23,8 Milliarden Yen.
KUKA meldete für 2024 einen Umsatzrückgang um 7,9% auf 3,7 Milliarden Euro und einen EBIT-Rückgang um 51,6% auf 76,5 Millionen Euro, bei um 1,3% gestiegenem Auftragseingang von 4,1 Milliarden Euro und Rekordumsatz in Asien. ABB Robotics liegt mit rund 2,3 Milliarden US-Dollar Umsatz und 12,1% Marge in der Größenordnung von FANUCs Robotersparte und nach den veröffentlichten Kennzahlen deutlich profitabler als KUKA, wobei die Margendefinitionen abweichen.
Bewertungskontext
Eine Bewertung oder einen Ausgabepreis nannte ABB nicht. Anleger haben einen Umsatz von rund 2,3 Milliarden US-Dollar für 2024, eine operative EBITA-Marge von 12,1%, zweistellige Margen in den meisten Quartalen seit 2019 und eine um 600 Basispunkte verbesserte Bruttomarge von 2022 bis 2024. Daraus ergibt sich ein jährliches operatives EBITA von rund 280 Millionen US-Dollar, eine MEKAWIRE-Berechnung aus gerundetem Umsatz mal Marge.
Das erste Quartal 2025 trübt das Bild. Umsatz minus 14%, Auftragsbestand minus 21%, Aufträge plus 14%. Wer 2026 die Aktie zeichnet, bezahlt eine Erholung, die sich bisher nur im Auftragseingang zeigt.
Folgen für die Lieferkette
ABB fertigt Roboter in Schweden, China und den USA, ein neuer europäischer Standort in Schweden startet 2025. Unter US-Zöllen gewinnt das an Gewicht. Wierod sagte, 75% bis 80% des US-Umsatzes von ABB würden lokal produziert, und ABB kündigte 120 Millionen US-Dollar neue Fertigungsinvestitionen in den USA an, ohne sie Divisionen zuzuordnen.
Wie die Wettbewerber hängt ABB Robotics an einer konzentrierten Zulieferbasis für Präzisionsgetriebe, Servomotoren und Antriebe. Ein eigenständiges Unternehmen braucht eigene Einkaufsmacht und Übergangsverträge mit ABB, die im April nicht beschrieben wurden. Für deutsche Antriebs- und Getriebehersteller kann ein neu aufgestellter Einkauf Chancen eröffnen.
Worauf jetzt zu achten ist
Im Juli 2025 zählen bei den Zahlen zum zweiten Quartal das Auftragswachstum der Robotik, die Bereichsmarge gegenüber 9,9% im ersten Quartal und neue Angaben zu Trennungskosten. Für das zweite Quartal stellte ABB eine weitgehend stabile Konzernmarge von rund 19% in Aussicht.
Vor der Generalversammlung 2026 muss ABB Börsenplatz, historische Einzelabschlüsse, Kapitalstruktur und Management des neuen Unternehmens vorlegen. Der Wechsel von Machine Automation zu Process Automation im ersten Quartal 2026 zeigt, wie sauber sich beide Geschäfte trennen lassen.
Analystensicht
These: Die Abspaltung ist ein glaubwürdiger Weg, Wert für ABB-Aktionäre zu heben, doch die Sparte startet aus einem Zyklustief, und ihre Bewertung hängt davon ab, ob das Auftragsplus des ersten Quartals im zweiten Halbjahr 2025 zu Umsatz wird. Zuversicht: mittel.
Gründe: Begründung, Struktur, Zeitplan und Kernzahlen für 2024 hat ABB offengelegt, die Auftragswende ist sichtbar. Börsenplatz, Trennungskosten, Schuldenaufteilung und Standalone-Kosten sind dagegen offen, und die Zahlen von FANUC und KUKA zeigen eine Branche, die 2024 noch schrumpfte.
Offene Fragen
An welcher Börse wird ABB Robotics notiert, und bleibt die Aktie für Indizes qualifiziert, in denen ABB heute steckt? Welche Schulden, Pensions- und Leasingverpflichtungen gehen auf das neue Unternehmen über?
Welche Standalone-Kosten entstehen ohne die Konzerndienste, und was bedeuten sie für die Marge von 12,1%? Kann das von Amerika und Asien getragene Auftragsplus die Schwäche in Europa und im Autosegment ausgleichen?