Humanoiden-Hersteller Apptronik sammelt 350 Millionen Dollar ein, Google steigt ein

Das texanische Robotikunternehmen Apptronik hat am 13. Februar 2025 eine Series-A-Finanzierung über 350 Millionen US-Dollar bekanntgegeben, angeführt von B Capital und Capital Factory, mit Beteiligung von Google.
Die Runde entspricht dem 12,5-Fachen der bis dahin eingesammelten 28 Millionen Dollar und soll Produktion und Einsatz des Humanoiden Apollo ausweiten, den Mercedes-Benz bereits erprobt.
Der US-Humanoidenhersteller Apptronik aus Austin, Texas, hat am 13. Februar 2025 eine Series-A-Finanzierungsrunde über 350 Millionen US-Dollar bekanntgegeben. Angeführt wird sie gemeinsam von B Capital und dem texanischen Investor Capital Factory, Google beteiligt sich. Das Geld soll nach Angaben des Unternehmens in die Weiterentwicklung des humanoiden Roboters Apollo, den Ausbau der Fertigung und die Einstellung von Ingenieuren fließen.
Gemessen an der eigenen Historie ist die Summe ungewöhnlich hoch. Laut Mitteilung hatte Apptronik zuvor insgesamt 28 Millionen Dollar eingeworben. Die Series A allein beträgt damit das 12,5-Fache aller seit der Gründung 2016 aufgenommenen Mittel. Eine Bewertung nannte das Unternehmen nicht, auch die Leadinvestoren veröffentlichten keine weiteren Konditionen.
Als Verwendungszwecke nennt Apptronik die Entwicklung der nächsten Humanoiden-Generation und neuer Apollo-Versionen, die Ausweitung von Logistik und Fertigung auf spätere Einsätze in Pflege und Gesundheitswesen, den Ausbau der Produktion sowie das Wachstum der derzeit mehr als 150 Beschäftigten. Für 2025 kündigte das Unternehmen eine Ausweitung der Apollo-Einsätze an. Mitgründer und Vorstandschef Jeff Cardenas sprach davon, Humanoide zu bauen, die als echte Partner des Menschen arbeiten. Capital-Factory-Chairman Gordon Daugherty hob das zugängliche Design hervor, B-Capital-Chair Howard Morgan verwies auf gesellschaftliche Aufgaben von Katastrophenhilfe bis Raumfahrt.
Apptronik ging 2016 aus dem Human Centered Robotics Lab der University of Texas at Austin hervor. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen 15 Robotersysteme entwickelt, darunter Arbeiten am Nasa-Humanoiden Valkyrie, und kooperiert seit 2022 mit der Nasa. Apollo ist laut der Mercedes-Mitteilung vom März 2024 rund 1,73 Meter groß, wiegt etwa 73 Kilogramm und hebt bis zu 25 Kilogramm. Apptronik setzt auf wechselbare Akkus und eine eigene Aktorik, die auf kostengünstige Serienfertigung ausgelegt sein soll.
Für die deutsche Autoindustrie ist vor allem ein Kunde relevant. Mercedes-Benz schloss am 15. März 2024 eine kommerzielle Vereinbarung mit Apptronik, um Apollo beim Anliefern von Montagekits an die Linie und beim Transport von Kleinladungsträgern mit vorkommissionierten Teilen zu testen. Der Logistikdienstleister GXO erklärte am 20. Juni 2024, Apollo zunächst im Labor in einem frühen Machbarkeitsnachweis zu prüfen, bevor ein Einsatz in einem US-Verteilzentrum in Frage komme. Zudem arbeitet Apptronik mit Nvidia an Feinmanipulation und Omniverse-Digitalzwillingen und hat eine strategische Partnerschaft mit dem Robotikteam von Google Deepmind, dessen KI-Modelle auf Apollo laufen sollen. Mit dem Einstieg von Google wird aus der Forschungskooperation eine Kapitalbeziehung.
Der Wettbewerb ist dicht besetzt. Figure AI sammelte im Februar 2024 in einer Series B 675 Millionen Dollar ein, der Softwareanbieter Skild AI im Juli 2024 300 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden Dollar. Agility Robotics meldete zuletzt im April 2022 eine Series B über 150 Millionen Dollar, 1X Technologies im Januar 2024 100 Millionen Dollar. In Deutschland verkündete Neura Robotics aus Metzingen am 15. Januar 2025, vier Wochen vor Apptronik, eine Series B über 120 Millionen Euro unter Führung von Lingotto. Der Abstand bei den Rundengrößen zwischen amerikanischen und europäischen Humanoiden-Firmen bleibt damit erheblich.
- Apptronik
- 2016
- Series A
- 350.000.000
- Keine Daten
- 2025-02-13
- Figure AI
- Keine Daten
- Series B
- 675.000.000
- Keine Daten
- 2024-02-29
- Skild AI
- 2023
- Series A
- 300.000.000
- 1.500.000.000
- 2024-07-09
- Agility Robotics
- 2015
- Series B
- 150.000.000
- Keine Daten
- 2022-04-22
- 1X Technologies
- 2014
- Series B
- 100.000.000
- Keine Daten
- 2024-01-13
- Sanctuary AI
- 2018
- Series A
- 58.500.000
- Keine Daten
- 2022-03-02
Letzte veröffentlichte Finanzierungsrunde je Unternehmen zum 13. Februar 2025 laut Unternehmens- oder Investorenmitteilung. Bewertungen nur, wenn offengelegt; — bedeutet nicht veröffentlicht. Apptroniks Runde entspricht dem 12,5-Fachen der bisherigen 28 Mio. Dollar (350 / 28).
Stand: 13. Feb. 2025
MEKAWIRE-Analyse
Mit der Runde rückt Apptronik in die Spitzengruppe der finanzstarken Humanoiden-Hersteller auf, doch das Geld ist eine Wette auf Fertigungskosten, und bezahlte Serienstückzahlen hat das Unternehmen noch nicht gezeigt.
Für diese These spricht, worauf Apptronik den Schwerpunkt legt. Im Mittelpunkt der Mittelverwendung stehen Produktionsausbau und Bezahlbarkeit, nicht ein neues Modell oder eine neue Vorführung, und das Unternehmen betont seit Langem, seine Aktoren seien für die Großserie konstruiert. Die beiden genannten Industriekunden Mercedes-Benz und GXO befinden sich nach eigener Darstellung in der Testphase. Wer bei 28 Millionen Dollar Gesamtfinanzierung 350 Millionen nachlegt, finanziert einen Fabrikplan, kein Labor.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass Apptronik gar nicht über die Hardware gewinnen muss. Google ist Investor und über Deepmind zugleich Lieferant der KI-Modelle. Apptronik könnte so zum bevorzugten Roboterkörper eines führenden KI-Konzerns werden, ähnlich wie Figure AI, das mit seiner Series B im Februar 2024 eine Kooperation mit OpenAI vereinbarte. In dieser Lesart zählt weniger der Stückpreis als die Rolle als Plattform für Googles Software.
Bull-Szenario: Die Piloten bei Mercedes-Benz und GXO werden 2025 zu bezahlten Flotten, die Deepmind-Kooperation verschafft Apollo einen Vorsprung bei allgemeinen Aufgaben, und das frische Kapital drückt die Kosten auf ein Niveau, das mit einer Schicht menschlicher Arbeit konkurrieren kann. Bear-Szenario: Die Piloten bleiben im Machbarkeitsstadium stecken, Figure und Tesla investieren mehr in die Produktion, Googles Modelle stehen allen Herstellern offen, und Apptronik bleibt ein Hardwareanbieter mit dünnen Margen.
Signale, die zu beobachten sind:
- 2025: Ob Apptronik einen Auftragsfertiger oder Produktionsstandort für die angekündigte Skalierung benennt.
- Bis Ende 2025: Ob Mercedes-Benz oder GXO Apollo vom Piloten in den bezahlten Einsatz überführen.
- 2025: Ob Google Deepmind Apollo öffentlich mit seinen Robotikmodellen zeigt.
- Series A
- 350 Mio. US-Dollar
- 13. Februar 2025
- B Capital, Capital Factory
- 28 Mio. US-Dollar
- mehr als 150
- 2016, Ausgründung der UT Austin
- Apollo, 1,73 m, 73 kg, 25 kg Traglast
- Mercedes-Benz (Pilot seit März 2024)
Warum das wichtig ist
Die Series A gehört zu den größten Humanoiden-Finanzierungen Anfang 2025 und erreicht gut die Hälfte der Series B von Figure AI aus dem Jahr 2024. Damit verfügen mindestens drei US-Humanoidenhersteller (Figure, Apptronik, Agility) über neunstellige Runden.
Für Europa ist der Vergleich unbequem. Neura Robotics aus Metzingen verkündete vier Wochen zuvor 120 Millionen Euro. Gleichzeitig sichert sich Google mit dem Einstieg einen Roboterkörper für seine Modelle, ohne selbst Hardware zu bauen.
Wettbewerbsanalyse
Figure AI ist der naheliegende Vergleich: ein Allzweck-Humanoid für Industriekunden mit deutlich größerer Series B über 675 Millionen Dollar im Februar 2024. Agility Robotics, gegründet 2015, baut den Logistik-Humanoiden Digit, finanzierte sich zuletzt aber 2022.
Tesla entwickelt Optimus mit eigenen Mitteln und eigener Fabrik als Abnehmer. Neura Robotics konkurriert um europäische Industriekunden, darunter Autohersteller, die Apptronik über Mercedes-Benz erreicht. Für Zulieferer aus dem Mittelstand der Antriebstechnik entsteht damit eine Kundengruppe, die sich über den Atlantik verteilt.
Bewertungskontext
Apptronik nannte keine Post-Money-Bewertung. Die einzige verifizierte Bewertung im Vergleich ist Skild AI mit 1,5 Milliarden Dollar nach der Series A über 300 Millionen Dollar im Juli 2024. Investoren zahlen also bereits vor Hardwareumsätzen Unicorn-Preise für Robotersoftware.
Messbar ist der Kapitalsprung: das 12,5-Fache der bisherigen Finanzierung in einer Runde. Solche Relationen finanzieren typischerweise Investitionen in Anlagen, was zur Betonung der Fertigung passt.
Folgen für die Lieferkette
Apptronik beschreibt seine Aktorik als auf günstige Großserie ausgelegt, nennt aber in der Mitteilung keinen externen Fertiger. Für eine Serienproduktion braucht es Elektromotoren, Getriebe, Encoder, Akkus und Rechenmodule in großen Stückzahlen.
Für europäische Antriebs- und Getriebespezialisten öffnet sich damit ein potenzieller Abnehmer mit Budget für mehrjährige Lieferverträge. Nvidia ist Technologiepartner für Simulation, Google Deepmind für KI-Forschung.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens die Produktion: Ein benannter Fertigungspartner oder Standort 2025 zeigt, dass das Kapital in die Skalierung fließt. Zweitens die Umwandlung der Piloten bei Mercedes-Benz und GXO in bezahlte Einsätze.
Drittens die Software: Eine öffentliche Vorführung von Apollo mit Deepmind-Modellen würde die Tiefe der Partnerschaft belegen, ein Deepmind-Abkommen mit einem Rivalen würde Apptroniks Vorteil schwächen.
Analystensicht
These: Apptronik hat sich Zeit und Glaubwürdigkeit gekauft, die nächsten zwölf Monate hängen davon ab, zwei Piloten in bezahlte Flotten zu verwandeln und die Kostenversprechen zu belegen. Zuversicht: mittel. Finanzierung und Partnerschaften sind über Unternehmensseiten belegt, Umsatz, Stückzahlen und Bewertung aber nicht offengelegt.
Die Google-Verbindung ist ein echtes Unterscheidungsmerkmal. Das Risiko: Humanoiden-Kapital konzentriert sich auf wenige Firmen, und ein Hardwarehersteller ohne exklusive Software hat es schwer, Margen zu halten.
Offene Fragen
Zu welcher Bewertung investierten B Capital und Capital Factory, und wie groß ist Googles Anteil? Enthält die Deepmind-Partnerschaft Exklusivitätsklauseln?
Wann verlässt Apollo bei Mercedes-Benz und GXO den Pilotstatus, und zu welchem Preis pro Roboter oder Stunde? Wo und mit welchem Fertiger will Apptronik in Serie bauen?