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Peking schreibt verkörperte KI erstmals in den Regierungsbericht und erklärt sie zur Zukunftsindustrie

MEKAWIRE-Redaktion
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Peking schreibt verkörperte KI erstmals in den Regierungsbericht und erklärt sie zur Zukunftsindustrie (Illustration: MEKAWIRE)

Ministerpräsident Li Qiang hat im Regierungsarbeitsbericht 2025 am 5. März verkörperte künstliche Intelligenz neben Biofertigung, Quantentechnologie und 6G als Zukunftsindustrie benannt. Zugleich sollen intelligente Roboter als neue Generation smarter Endgeräte gefördert werden. Im Bericht für 2024 kam der Begriff noch nicht vor.

China hebt Roboter mit eigener Wahrnehmung und Handlungsfähigkeit auf die oberste Ebene seiner jährlichen Wirtschaftsplanung. Ministerpräsident Li Qiang kündigte am 5. März vor der dritten Tagung des 14. Nationalen Volkskongresses in Peking an, einen Mechanismus für wachsende Investitionen in Zukunftsindustrien zu schaffen. Namentlich genannt wurden Biofertigung, Quantentechnologie, verkörperte künstliche Intelligenz und 6G.

Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt die Tragweite. Im Volltext des Regierungsarbeitsberichts 2024, den das zentrale Regierungsportal veröffentlicht hat, taucht der Begriff verkörperte KI nicht auf. Damals war lediglich von einem Plan für Zukunftsindustrien und neuen Feldern wie Quantentechnologie und Lebenswissenschaften die Rede. Nun steht die Robotik in einem Satz mit dem Quantencomputing.

Der Bericht verankert Roboter zudem als Massenprodukt. Im Rahmen der fortgesetzten Initiative KI Plus will die Regierung den breiten Einsatz großer Modelle unterstützen und vernetzte Elektrofahrzeuge, KI Smartphones und Computer sowie intelligente Roboter als neue Generation smarter Endgeräte kräftig ausbauen, ergänzt um intelligente Fertigungsausrüstung. Roboter erscheinen damit zugleich als Forschungswette und als Produktkategorie, die Stückzahlen erreichen soll.

Die fiskalischen Rahmendaten schaffen Spielraum. Die Defizitquote soll bei rund 4% des Bruttoinlandsprodukts liegen, einen Prozentpunkt höher als im Vorjahr, das Defizit bei 5,66 Billionen Yuan. Geplant sind ultralange Sonderstaatsanleihen über 1,3 Billionen Yuan, 300 Milliarden Yuan mehr als 2024, sowie Sonderanleihen der Lokalregierungen über 4,4 Billionen Yuan. Peking verspricht außerdem eine differenzierte Aufsicht über Wagniskapitalfonds, mehr Förderbankfinanzierung und den Ausbau von sogenanntem geduldigem Kapital. Industrielle Modernisierung und der großflächige Austausch von Anlagen in der Fertigung sollen fortgesetzt werden. Das Wachstumsziel liegt bei rund 5%.

Die industrielle Basis ist bereits groß. Nach dem am 28. Februar veröffentlichten Statistikkommuniqué des Nationalen Statistikamts produzierte China 2024 insgesamt 556.000 Industrieroboter, 14,2% mehr als im Vorjahr, sowie 10,519 Millionen Serviceroboter, ein Plus von 15,6%. Die Produktion von Elektrofahrzeugen stieg um 38,7%, die von integrierten Schaltkreisen um 22,2%. Die Wertschöpfung der Hochtechnologiefertigung wuchs um 8,9%, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erreichten 3,613 Billionen Yuan oder 2,68% des BIP.

Chinas Produktion 2024: Roboter und strategische Vergleichsprodukte
  • Industrieroboter (Sätze)
    Produktion 2024 (Einheiten)
    556.000
    Veränderung zum Vorjahr (%)
    14,2
  • Serviceroboter (Sätze)
    Produktion 2024 (Einheiten)
    10.519.000
    Veränderung zum Vorjahr (%)
    15,6
  • Elektrofahrzeuge (NEV)
    Produktion 2024 (Einheiten)
    Keine Daten
    Veränderung zum Vorjahr (%)
    38,7
  • Integrierte Schaltkreise
    Produktion 2024 (Einheiten)
    Keine Daten
    Veränderung zum Vorjahr (%)
    22,2

Nationales Statistikamt, Statistikkommuniqué 2024 (28. Februar 2025) und Jahresdaten 2024 (17. Januar 2025). NEV Produktion laut Regierungsbericht über 13 Millionen, hier ohne Stückzahl. Offengelegte Werte, keine Schätzungen.

Stand: 5. März 2025

Auf Ministeriumsebene ist das Thema nicht neu. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hatte im November 2023 Leitlinien für humanoide Roboter vorgelegt. Bis 2025 sollte ein erstes Innovationssystem stehen, eine Reihe von Schlüsseltechnologien durchbrochen und die Versorgung mit Kernkomponenten gesichert sein, bis 2027 sollte die Branche insgesamt Weltniveau erreichen. Der Regierungsbericht hebt diesen Fachplan im Jahr seiner ersten Frist auf die Ebene des Staatsrats.

In der klassischen Automatisierung ist China längst führend. Die International Federation of Robotics zählte 2023 in China 276.288 neu installierte Industrieroboter, 51% der weltweit 541.302 Einheiten. Deutschland kam auf 28.355 Installationen, Japan auf 46.106, die USA auf 37.587 und Südkorea auf 31.444. Der Bestand in China lag laut IFR bei rund 1,8 Millionen Einheiten.

Neu installierte Industrieroboter 2023: China und wichtige Vergleichsländer
  • China
    Installationen 2023
    276.288
    Anteil weltweit (%)
    51
  • Japan
    Installationen 2023
    46.106
    Anteil weltweit (%)
    8,5
  • USA
    Installationen 2023
    37.587
    Anteil weltweit (%)
    6,9
  • Südkorea
    Installationen 2023
    31.444
    Anteil weltweit (%)
    5,8
  • Deutschland
    Installationen 2023
    28.355
    Anteil weltweit (%)
    5,2

IFR Pressemitteilung vom 24. September 2024. Anteil = Installationen des Landes / weltweit 541.302 Einheiten, auf eine Nachkommastelle gerundet.

Stand: 5. März 2025

Für deutsche Maschinenbauer und Zulieferer hat die Verschiebung zwei Seiten. China ist der mit Abstand größte Absatzmarkt für Automatisierungstechnik, auf den fast zehnmal so viele Neuinstallationen entfallen wie auf Deutschland. Fließen lokale Fördergelder aber gezielt in heimische Getriebe, Motoren und Sensoren für Humanoide, dürfte der Druck auf europäische Komponentenhersteller und Systemanbieter im chinesischen Markt steigen. Für die Automobilindustrie, die in China selbst Roboter in großer Zahl einsetzt, könnten billigere chinesische Humanoide mittelfristig zur Konkurrenz für eigene Automatisierungskonzepte werden.

Auf chinesischer Seite profitieren börsennotierte Hersteller und junge Start ups. UBTECH Robotics, gegründet 2012 und seit Dezember 2023 in Hongkong notiert, kündigte am 27. Februar eine Platzierung neuer H Aktien an. Unitree Robotics wurde 2016 gegründet, AgiBot und Galbot 2023; Galaxea AI meldete am 20. Februar eine Series A Runde. Der Bericht selbst nennt allerdings weder Unternehmen noch ein eigenes Budget für verkörperte KI. Offen bleiben auch die Definition des Begriffs, die Finanzierung des Investitionsmechanismus und konkrete Produktionsziele. Details dürften aus Ministerien, Provinzen und dem 15. Fünfjahresplan für 2026 bis 2030 kommen.

MEKAWIRE-Analyse

Der Bericht macht verkörperte KI von einem Ministeriumsprogramm zur Priorität des Staatsrats und dürfte lokales Kapital schneller zu chinesischen Humanoid Herstellern lenken, als die Nachfrage es aufnehmen kann.

Dafür spricht die Struktur des Textes. Verkörperte KI steht in der Liste der Zukunftsindustrien neben einem neuen Investitionsmechanismus, intelligente Roboter erscheinen zusätzlich in der Liste der Endgeräte unter KI Plus. Provinzen erhalten damit zwei Anknüpfungspunkte für Subventionen, und eine Defizitquote von 4% sowie 1,3 Billionen Yuan an ultralangen Anleihen geben finanziellen Spielraum.

Das stärkste Gegenargument lautet, dass ein Satz kein Budget ersetzt. Auch 2024 nannte der Bericht Quantentechnologie und Lebenswissenschaften als neue Felder, ohne einen bezifferten nationalen Fonds. Die MIIT Ziele von 2023 waren zudem qualitativ formuliert.

Positives Szenario: Provinzen und kommunale Investitionsplattformen lesen den Satz als Auftrag, Wagniskapital folgt, und Zulieferer skalieren auf Basis der Produktion von 556.000 Industrierobotern. China erreicht das Ziel für 2027 mit einem Kostenvorsprung bei der Hardware.

Negatives Szenario: Doppelte Projekte in vielen Städten erzeugen zu viele Humanoid Anbieter für einen kleinen Markt, Bewertungen eilen den Umsätzen voraus, und Lücken bei Robotik Basismodellen und Präzisionsteilen bleiben bestehen.

Signale, die zu beobachten sind:

  • Mitte März 2025: Produktionsdaten des Statistikamts für Januar und Februar, der erste Wert für Industrie und Serviceroboter im Jahr 2025.
  • Bis 31. Dezember 2025: ob das MIIT die Erreichung der Ziele für 2025 aus seinen Humanoid Leitlinien bewertet.
  • 2025 bis 2026: ob der 15. Fünfjahresplan verkörperte KI als Zukunftsindustrie mit eigener Finanzierung führt.

Gute oder schlechte Nachricht für das Unternehmen?

 

Eckdaten
Dokument
Regierungsarbeitsbericht 2025 des chinesischen Staatsrats
Vorgelegt
5. März 2025, Li Qiang, 3. Tagung des 14. Volkskongresses
Verkörperte KI
Erstmals als Zukunftsindustrie genannt, neben Biofertigung, Quantentechnologie und 6G
Finanzierung
Mechanismus für wachsende Investitionen in Zukunftsindustrien (ohne Betrag)
Endgeräte
Intelligente Roboter neben vernetzten E-Autos, KI Smartphones und KI PCs
Roboterproduktion 2024
556.000 Industrieroboter (+14,2%), 10,519 Mio. Serviceroboter (+15,6%)
Haushalt
Defizitquote rund 4%, 1,3 Billionen Yuan ultralange Sonderanleihen
Wachstumsziel 2025
rund 5%
Quellen
MEKAWIRE Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Der Regierungsarbeitsbericht ist der jährliche Arbeitsplan des Staatsrats. Ministerien, Provinzen und staatliche Banken nutzen seine Formulierungen als Begründung für Haushaltsmittel und Kredite. Mit dem Schritt von den MIIT Leitlinien vom November 2023 in dieses Dokument erhalten Provinzführungen eine Referenz auf Kabinettsebene, wenn sie Industrieparks, staatliche Lenkungsfonds oder Pilotbeschaffungen für Humanoide und Serviceroboter genehmigen.

    Kommerziell womöglich noch wichtiger ist die Einordnung intelligenter Roboter als Endgeräte unter KI Plus. Sie folgt derselben Logik wie bei vernetzten Elektroautos, KI Smartphones und KI PCs, wo China mit Subventionen, Eintauschprogrammen und lokaler Beschaffung rasch Volumen aufgebaut hat. Die NEV Produktion wuchs 2024 laut Statistikamt um 38,7%, der Bericht beziffert sie auf über 13 Millionen Fahrzeuge.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Unter Chinas Humanoid Herstellern verfügt UBTECH (gegründet 2012, seit Dezember 2023 in Hongkong notiert) über den direktesten Kapitalmarktzugang und kündigte am 27. Februar 2025 eine Platzierung neuer H Aktien an. Unitree (gegründet 2016) ist vor allem für Vierbeiner und humanoide Hardware bekannt. AgiBot, Galbot (beide 2023 gegründet) und Galaxea AI (Series A am 20. Februar 2025) stehen für die jüngere Welle mit verkörperten Basismodellen.

    Für europäische Anbieter bedeutet die Lage, dass sie in China nicht nur gegen einzelne Wettbewerber, sondern gegen ein abgestimmtes Geflecht aus Staatsrat, Ministerien, Provinzen und staatlichen Finanzierern antreten. Ein Vergleich mit Dokumenten der EU oder der Bundesregierung wurde für diesen Artikel nicht vorgenommen.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Der Bericht enthält keine Bewertungsangaben und nennt keine Unternehmen. Relevant sind die makroökonomischen Hebel: ein Defizit von 5,66 Billionen Yuan, ultralange Sonderanleihen über 1,3 Billionen Yuan, lokale Sonderanleihen über 4,4 Billionen Yuan sowie die Zusage, Wagniskapital und geduldiges Kapital auszubauen.

    Das Risiko liegt darin, dass das politische Etikett private Bewertungen vor den Umsätzen nach oben treibt. Viele Finanzierungsrunden chinesischer Start ups für verkörperte KI Anfang 2025 nannten weder Betrag noch Bewertung. Börsennotierte Werte wie UBTECH werden zum sichtbaren Gradmesser.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    Mit 556.000 Industrierobotern und 10,519 Millionen Servicerobotern im Jahr 2024 verfügt China bereits über eine breite Basis an Motoren, Getrieben, Steuerungen und Sensoren. Die MIIT Leitlinien von 2023 nannten die gesicherte Versorgung mit Kernkomponenten bis 2025 als Ziel, der Regierungsbericht stützt diese Importsubstitution mit dem Fokus auf intelligente Fertigungsausrüstung und Anlagenmodernisierung.

    Für deutsche Mittelständler in Antriebstechnik, Präzisionsgetrieben und Sensorik ist das ein Warnsignal. Bei Präzisionsgetrieben, rahmenlosen Drehmomentmotoren und taktilen Sensoren sind europäische und japanische Anbieter noch stark, chinesische Hersteller wollen jedoch Anteile gewinnen, und Lokalförderung beschleunigt diesen Prozess.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Mitte März 2025 liefert das Statistikamt die Produktionsdaten für Januar und Februar. Liegen die Zuwächse über den 14,2% und 15,6% des Jahres 2024, wäre das ein erster Hinweis auf politische Zugkraft.

    Im Laufe des Jahres 2025 sind Umsetzungspläne und Fondsgründungen in Peking, Shanghai, Shenzhen und Hangzhou zu beobachten. Zum Jahresende folgen die Bilanz des MIIT zu den Zielen für 2025 und die Konturen des 15. Fünfjahresplans für 2026 bis 2030.

  6. 06

    Analystensicht

    These: Der Bericht ist eher ein Koordinationssignal als ein Finanzierungsereignis, doch im chinesischen System bewegen solche Signale verlässlich lokales Kapital. Zuversicht: mittel. Gründe: Die Formulierung ist eindeutig und gegenüber 2024 neu, die Fiskalpolitik expansiv. Es fehlen aber Budget und Produktionsziele, und der Investitionsmechanismus ist nicht definiert.

    Erste messbare Effekte erwarten wir bei lokalen Lenkungsfonds und Beschaffungspiloten, nicht in der nationalen Statistik. Auf Sicht von zwei bis drei Jahren sind Überkapazitäten und Preiskampf unter Humanoid Herstellern das größere Risiko als Unterfinanzierung.

  7. 07

    Offene Fragen

    Wie wird der Investitionsmechanismus für Zukunftsindustrien ausgestaltet, als nationaler Fonds, steuerliche Maßnahme oder Vorgabe an die Provinzen?

    Veröffentlicht die Regierung ein quantitatives Ziel für Humanoide oder Serviceroboter, und erfasst das Statistikamt künftig Humanoide gesondert?

    Wie trennt die Politik Grundlagenforschung zur verkörperten KI von preisgetriebenen Roboter Endgeräten, und welches Ministerium führt jeweils?