Reha-Spezialist Fourier stellt mit GR-3 einen gepolsterten Pflege-Humanoiden mit 55 Freiheitsgraden vor

Das Shanghaier Robotikunternehmen Fourier hat am 6. August 2025 den Humanoiden GR-3 vorgestellt, der 165 cm misst, 71 kg wiegt und bis zu 55 Freiheitsgrade, 31 Tastsensoren sowie eine weich gepolsterte Hülle hat.
Fourier nennt ihn seinen ersten vollwertigen Care-bot für Begleitung im öffentlichen Raum, für Kinder und ältere Menschen; Rehabilitation und Gesundheitsüberwachung sollen später folgen. Einen Preis nannte das Unternehmen nicht.
Der chinesische Robotikhersteller Fourier, der sein erstes Jahrzehnt mit Rehabilitationsgeräten für Kliniken verbracht hat, hat am 6. August 2025 den Humanoiden GR-3 präsentiert. In einer Mitteilung mit Ortsmarke Peking bezeichnete das Unternehmen das Modell als seinen ersten vollwertigen "Care-bot". Vorgesehen ist er nach Firmenangaben für soziale Begleitung im öffentlichen Raum, Serviceaufgaben sowie den Umgang mit Kindern und älteren Menschen; assistierende Pflege, Mobilitätsunterstützung, Gesundheitsüberwachung und physische Rehabilitation stehen auf der Agenda für später.
GR-3 ist die dritte Generation der GRx-Baureihe. Laut Produktseite misst der Roboter 165 cm, wiegt 71 kg und verfügt über 55 Freiheitsgrade: zwei im Kopf, drei in der Hüfte, je sieben pro Arm, je sechs pro Bein und je sechs in der Basishand. Optional ist eine Hand mit 12 Freiheitsgraden erhältlich. Die Entwicklerdokumentation nennt eine Traglast von rund 3 kg pro Hand und ein maximales Gelenkspitzenmoment von 440 Nm.
Der Entwicklungsschwerpunkt liegt auf Sensorik statt Kraft. 31 Tastsensoren, 16 im Kopf und 15 im Rumpf, registrieren Berührungen. Ein Array aus vier Mikrofonen ortet Sprecher aus jeder Richtung, dreht den Roboter zu ihnen und unterdrückt Echos. Ein Kameramodul aus RGB- und Strukturlicht-Tiefensensorik erkennt Gesichter und steuert eine dynamische Blickverfolgung. Fourier fasst dies als multimodales Interaktionssystem zusammen, in dem ein Aufmerksamkeitsmanagement die Prioritäten der Eingänge festlegt.
Softwareseitig arbeitet GR-3 nach Firmenangaben zweigleisig: regelbasierte Reflexe für sofortige Reaktionen, ein großes Sprachmodell für Gespräche im Kontext. Zu den Gangarten zählen normales Gehen, Bücken, Hocken, Laufen, ein energiesparender "Ermüdungsmodus" und ein federnder Gang. Als Rechner nennt die Dokumentation einen AMD Ryzen 7 8845HS unter Ubuntu 22.04. Die Lithium-Ionen-Akkus kommen auf 702 Wh plus 234 Wh, die Laufzeit liegt bei rund drei Stunden, die Ladezeit bei rund 1,5 Stunden. Laut Mitteilung lassen sich die Akkus im Betrieb tauschen.
Auch das Äußere ist Teil des Konzepts. Fourier bezieht den Roboter mit Alcantara über GFOAM-Polsterung auf einem Rahmen aus Aluminiumlegierung und technischem Kunststoff, in warmen neutralen Tönen und unter dem Leitsatz "Love, above all functionality". Die chinesische Produktseite führt inzwischen eine Variante GR-3C mit Lidar und gehärteter Hülle für präzisere Arbeiten in komplexer Umgebung. Preis, Liefertermin und Kunden nannte Fourier zum Start nicht. Die Gehgeschwindigkeit gibt die Produktseite mit 5,5 km/h an, die Entwicklerdokumentation mit 6,1 km/h.
Die Wahl des Marktes erklärt sich aus der Firmengeschichte. Laut eigener Chronik wurde Fourier 2015 gegründet, brachte 2016 einen Reha-Roboter für die oberen Extremitäten und 2017 das Exoskelett X1 für die unteren Extremitäten auf den Markt, nach eigenen Angaben das erste kommerzielle Produkt dieser Art in China. 2018 folgte eine Gesellschaft in Singapur, 2019 der Start des Humanoid-Projekts, 2022 der erste Prototyp. Fourier beliefert nach eigenen Angaben mehr als 2.000 Einrichtungen und Kliniken in über 40 Ländern und Regionen.
Die Humanoid-Reihe hat seither jährlich eine Generation hervorgebracht. GR-1 ging 2023 in Serie, mit selbst entwickelten FSA-Aktoren, rund 52 kg, 44 Freiheitsgraden und etwa einer Stunde Laufzeit. GR-2 folgte 2024 mit 175 cm, 63 kg, bis zu 53 Freiheitsgraden und rund zwei Stunden Laufzeit. GR-3 ist kleiner als GR-2, aber schwerer als beide Vorgänger und bietet mit rund 936 Wh die längste angegebene Laufzeit.
- GR-1
- 2023
- 165
- 52
- 44
- 5
- 230
- 483
- 1
- GR-2
- 2024
- 175
- 63
- 53
- 5
- 436
- 950
- 2
- GR-3
- 2025
- 165
- 71
- 55
- 5,5
- 440
- 936
- 3
Angaben von Fourier auf fftai.com und support.fftai.com. GR-3 Akku = 702 Wh + 234 Wh. Gehgeschwindigkeit GR-3 laut Produktseite 5,5 km/h, laut Entwicklerdokumentation 6,1 km/h; gezeigt ist der Wert der Produktseite. GR-1 Laufzeit rund 60 Minuten. Einführungsjahre laut Firmenchronik. Offengelegte Werte, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Im Heimatmarkt ist die Konkurrenz groß. UBTech (gegründet 2012), Unitree (2016), AgiBot und Galbot (beide 2023) sowie LimX Dynamics haben Humanoide auf den Markt gebracht. Ein Großteil der Branchenkommunikation kreist um Fabrik, Logistik und Forschung. Fourier setzt dagegen auf Akzeptanz in gemeinsam genutzten Räumen, und sein Klinikvertrieb ist ein Kanal, den kaum ein Humanoid-Start-up besitzt.
- Fourier
- 2015
- Keine Daten
- Keine Daten
- Keine Daten
- UBTech Robotics
- 2012
- Placing (new H shares)
- 2025-11-25
- Keine Daten
- Unitree Robotics
- 2016
- IPO (STAR Market)
- 2026-08-18
- Keine Daten
- AgiBot
- 2023
- Strategic
- 2025-08-01
- Keine Daten
- Galbot
- 2023
- Growth (unnamed)
- 2025-06-24
- Keine Daten
- LimX Dynamics
- Keine Daten
- Pre-IPO
- 2026-07-14
- 200.000.000
Aus dem verifizierten MEKAWIRE-Unternehmensdatensatz, Stand 2026-10-01; Runden nach dem GR-3-Start dienen als Kontext. Nicht in USD offengelegte Beträge leer. Für Fourier ist keine Runde erfasst.
Stand: 1. Okt. 2026
Für Europa ist der Ansatz aufschlussreich. Pflegeheime und Reha-Kliniken suchen angesichts des Fachkräftemangels nach Entlastung, doch ein 71 kg schwerer, gehender Roboter in unmittelbarer Nähe von Menschen müsste sich hierzulande an der Maschinenregulierung und an Normen für Service- und Medizinroboter messen lassen. Für Zulieferer aus dem Automobilumfeld ist bemerkenswert, dass Fahrzeuginterieur-Materialien wie Alcantara in die Stückliste eines Humanoiden wandern.
Offene Fragen bleiben. Pflege und Rehabilitation stellte Fourier als künftige Anwendungen dar; zum Start ist GR-3 ein Begleit- und Serviceroboter, kein Medizinprodukt, und das Unternehmen veröffentlichte weder klinische Daten noch Zulassungsunterlagen. Drei Stunden Laufzeit begrenzen den Schichteinsatz auch mit Wechselakkus, und zur Sicherheitszertifizierung schweigen die Startunterlagen. Ohne Preis lässt sich der Roboter nicht mit günstigeren Servicerobotern vergleichen.
Beobachten sollten Investoren und Klinikeinkäufer einen veröffentlichten Preis, erste namentlich genannte Einsätze in Pflegeheimen oder Kliniken und Belege dafür, dass GR-3 die versprochenen Assistenzfunktionen liefert. Ein Zertifizierungsverfahren nach Medizin- oder Servicerobotik-Normen würde den Schritt vom Schaustück zum Produkt markieren.
MEKAWIRE-Analyse
Mit GR-3 versucht Fourier, ein Jahrzehnt Klinikzugang in einen Humanoid-Markt zu übersetzen, den fabrikorientierte Rivalen nicht bedienen, doch zum Start ist das Produkt ein Begleiter und noch kein Pflegewerkzeug.
Die Belege stehen im Datenblatt. Fourier investierte in 31 Tastsensoren, Mikrofon-Array, Blickverfolgung und Polsterung, während die Traglast mit rund 3 kg pro Hand auf dem Niveau von GR-1 und GR-2 bleibt. Mehr als 2.000 Einrichtungen und Kliniken als Kunden bilden einen Vertriebsweg in Reha-Zentren und Pflegeeinrichtungen, den die meisten chinesischen Humanoid-Hersteller nicht haben.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass die Pflege der schwierigste Einsatzort für Humanoide ist. Heben, Umlagern und Stützen verlangen Kraft, zertifizierte Sicherheit und Zuverlässigkeit, die GR-3 zum Start nicht beansprucht, und reine Begleitung leisten auch kleinere, billigere Roboter oder Tablets.
Bull-Case: Fourier gewinnt Reha-Kunden für GR-3-Pilotprojekte, sammelt Interaktionsdaten im echten Pflegealltag und ergänzt Reha-Funktionen über bestehende Klinikbeziehungen. Akzeptieren Pflegeheime den Roboter, besetzt Fourier eine verteidigbare Nische, während Rivalen um Fabrikaufträge kämpfen.
Bear-Case: GR-3 bleibt ein Empfangs- und Messeroboter, die Pflegefunktionen bleiben auf der Roadmap, und preisaggressive Anbieter wie Unitree ziehen Forschungs- und Bildungskunden ab. Ohne offengelegte Verkaufszahlen droht die Reihe zu einer teuren Markenübung für ein Reha-Unternehmen zu werden.
Signale:
- Bis 31. Dezember 2025: ob Fourier erste zahlende Kunden aus Pflege, Klinik oder öffentlichem Raum sowie einen Preis nennt.
- CES im Januar 2026: ob Fourier GR-3 international einführt und in welchen Märkten.
- Erstes Halbjahr 2026: ob Reha- oder Mobilitätsfunktionen samt Sicherheitszertifizierung in die Produktdokumentation wandern.
- 6. August 2025 (Peking)
- GR-3, dritte GRx-Generation, erster Care-bot von Fourier
- 165 cm, 71 kg
- 55 (optional Hand mit 12)
- 31 (16 Kopf, 15 Rumpf)
- 702 Wh + 234 Wh, rund 3 h, tauschbar
- AMD Ryzen 7 8845HS, Ubuntu 22.04
- Begleitung im öffentlichen Raum, Service, Kinder und Senioren; Reha später
- Nicht genannt
- Gegründet 2015, mehr als 2.000 Einrichtungen und Kliniken in über 40 Ländern und Regionen
Warum das wichtig ist
GR-3 ist ein vollwertiger Humanoid, dessen Spezifikation sich um Tastsinn, Gehör und Erscheinung dreht statt um Traglast oder Tempo. Fourier hat bewusst ein Segment gewählt, in dem die Akzeptanz durch Menschen wichtiger ist als der Durchsatz. Öffnet sich dieser Markt, sind Anbieter mit klinischem Vertrieb im Vorteil, und Fourier verkauft bereits Reha-Systeme an Kliniken.
Bemerkenswert ist auch das Tempo. Seit 2023 bringt Fourier jährlich eine Generation, jede mit mehr Akku und mehr Gelenken. Die angegebene Laufzeit stieg von rund einer Stunde bei GR-1 auf rund drei Stunden bei GR-3, das Minimum, um einen relevanten Teil einer Pflegeschicht abzudecken.
Wettbewerbsanalyse
Unter den chinesischen Herstellern sind die in Hongkong notierte UBTech (gegründet 2012) und Unitree (2016) die Volumenanbieter; AgiBot und Galbot (beide 2023) sowie LimX Dynamics sind jüngere Herausforderer. Die ausdrückliche Pflegepositionierung hebt GR-3 von der dominierenden Fabrik-, Logistik- und Forschungserzählung ab.
In Europa verfolgen Anbieter wie Neura Robotics oder PAL Robotics ebenfalls Service- und Assistenzszenarien, doch kaum einer verbindet einen Humanoiden mit einem etablierten Reha-Vertrieb. Fouriers Polsterung und Interaktionssoftware sind leicht kopierbar, die Klinikbasis nicht.
Bewertungskontext
Im verifizierten MEKAWIRE-Datensatz ist keine Finanzierungsrunde von Fourier erfasst, und in den geprüften Primärquellen findet sich keine Bewertung. Ein Vergleich über Bewertungsmultiplikatoren ist daher nicht möglich. Unter den Wettbewerbern sind Unitree und UBTech börsennotiert, LimX meldete im Juli 2026 eine Pre-IPO-Runde über 200 Mio. USD.
Für Investoren ist GR-3 ein Test, ob Fourier Humanoide an seine Reha-Kunden verkaufen kann. Sollte das Unternehmen einen Börsengang anstreben, wäre die Offenlegung des Umsatzmixes der erste harte Beleg dafür, ob die Humanoid-Sparte Geld verdient oder verbrennt.
Folgen für die Lieferkette
Laut Entwicklerdokumentation rechnet in GR-3 ein x86-Prozessor AMD Ryzen 7 8845HS unter Ubuntu 22.04 statt eines NVIDIA-Jetson-Moduls. Das deutet darauf hin, dass der Bordrechner Steuerung und Interaktion übernimmt und rechenintensive Sprachmodelle extern laufen könnten; die Aufteilung legt Fourier nicht offen.
Seit GR-1 nutzt Fourier selbst entwickelte FSA-Aktoren und führt Kernkomponenten als eigene Produktlinie. Die Kombination aus Alcantara und GFOAM bringt Lieferanten aus dem Fahrzeuginterieur in die Stückliste, ein Feld, in dem europäische Automobilzulieferer und Mittelständler Kompetenz besitzen.
Worauf jetzt zu achten ist
Ein veröffentlichter Preis und erste namentlich genannte Kunden aus Pflege, Klinik oder öffentlichem Raum würden zeigen, ob GR-3 die Demonstrationsphase verlassen hat. Die Lidar-Variante GR-3C auf der Produktseite deutet auf funktionale Serviceaufgaben.
Regulatorisch wäre eine Sicherheitszertifizierung oder ein Medizinprodukte-Antrag für die versprochenen Reha-Funktionen das stärkste Signal, dass die Pflegepositionierung Substanz hat. Für einen Markteintritt in der EU wäre die Konformität mit der Maschinenverordnung Voraussetzung.
Analystensicht
These: GR-3 ist ein glaubwürdiger erster Schritt in die Pflegerobotik durch ein Unternehmen mit echtem klinischem Vertrieb, zum Start aber ein Begleitroboter mit Pflegeambitionen. Zuversicht: mittel.
Begründung: Die veröffentlichten Daten passen zu einem interaktionsorientierten Design, und die Klinikbasis ist auf der Firmenwebsite belegt. Höher fällt die Zuversicht nicht aus, weil Preis, Kunden, klinische Daten und Liefermengen fehlen und die Pflegefunktionen nur als künftige Anwendungen beschrieben sind.
Offene Fragen
Was kostet GR-3, und verkauft Fourier ihn oder bietet ihn als Dienstleistung für Einrichtungen an? Welche Reha-Kunden testen ihn zuerst?
Wie will Fourier einen 71 kg schweren, gehenden Roboter für den engen Kontakt mit Senioren und Kindern zertifizieren, und wann kommen Reha-, Mobilitäts- und Überwachungsfunktionen?