Südkorea erhebt Physical AI zum nationalen Megaprojekt und will bis 2030 unter die drei führenden KI-Roboternationen

Die Regierung in Seoul hat am 29. Juni Physical AI neben Halbleitern und KI-Rechenzentren zu einem von drei nationalen Megaprojekten erklärt. Der sogenannte 3M-Plan sieht zehn branchenspezifische Humanoide bis 2028, 1.000 Roboter-Einsatzorte pro Jahr und eine Roboter-Foundry in Saemangeum vor, angestoßen durch Investitionen von Hyundai.
Südkorea stellt Roboter in den Mittelpunkt seiner Industriepolitik. Bei einer nationalen Präsentation am 29. Juni 2026 erklärte die Regierung Physical AI zu einem von drei Megaprojekten, wie aus einem vom Ministerium für Handel, Industrie und Energie veröffentlichten Bericht hervorgeht. Die beiden anderen Projekte sind Halbleiter und KI-Rechenzentren.
Das Papier nennt als Ziel, Korea bei KI-Robotern unter die drei weltweit führenden Länder zu bringen und bis 2030 die globale Führung bei Physical AI zu erreichen. Die Regierung beschreibt den Kurs als Wechsel von einem Land, das Roboter gut nutzt, zu einem Land, das sie baut.
Die Ausgangslage in Zahlen
Das Ministerium zitiert Daten der International Federation of Robotics, nach denen Korea mit 1.220 Robotern je 10.000 Beschäftigte die höchste Roboterdichte der Welt hat, vor Singapur mit 770 und China mit 470. Am weltweiten Roboterausstoß hat Korea dennoch nur einen Anteil von 1%. Bei Humanoiden kam Korea 2025 laut zitierten OMNIA-Zahlen ebenfalls auf 1%, China auf 86% und die USA auf 4%. Eine Prognose der Bank of America sieht die kumulierte Humanoiden-Produktion von 20.000 Einheiten 2025 auf 300 Millionen bis 2040 steigen.
- Südkorea
- 1
- 1220
- China
- 86
- 470
- USA
- 4
- Keine Daten
- Singapur
- Keine Daten
- 770
Humanoid-Anteile laut OMNIA, Roboterdichte laut IFR, jeweils zitiert im Bericht des Ministeriums vom 29. Juni 2026. Offengelegte Werte, keine Schätzungen; —, wo das Dokument keine Zahl nennt.
Stand: 1. Okt. 2026
Was der 3M-Plan festlegt
Die erste Säule, M.AX, nutzt die bestehende Allianz für KI in der Fertigung als Plattform für den Robotereinsatz in allen Branchen. Geplant sind spezialisierte KI-Roboter je Branche und zehn branchenspezifische Humanoide, die 2028 kommerzialisiert werden sollen. Verknüpft mit dem staatlichen KI-Fabrik-Programm sollen jährlich 1.000 Einsatzorte ausgestattet und die Lösungen anschließend exportfähig gemacht werden.
Die zweite Säule, Master, betrifft die Kernkompetenzen. Für zehn Branchen sollen Datenfabriken entstehen. Ein koreanisches Foundation Model für zehn Kernindustrien soll die Abhängigkeit von Plattformen verhindern, die laut Papier NVIDIA und Google anführen. Für Aktuatoren, Roboterhände und Sensoren, die das Ministerium als Schwachstellen gegenüber Wettbewerbern sieht, wird eigene Forschung aufgelegt. Stärken wie Halbleiter und Batterien sollen rasch auf Roboter zugeschnitten werden, etwa mit Festkörperbatterien. Zudem sollen 10.000 Robotik-Fachkräfte ausgebildet werden.
Die dritte Säule, Mass Production, ist regional verankert. In Saemangeum an der Westküste soll eine Roboter-Foundry für Start-ups ohne eigene Fertigung entstehen, dazu ein Zuliefercluster, der nach der vom Papier genannten Großinvestition von Hyundai Motor weitere Investitionen von Autozulieferern anziehen soll. Die Region Daegu und Gyeongbuk erhält ein Testfeld, das an Auto-, Werft- und Elektronikstandorte angebunden ist, sowie Hilfen für Kfz-Zulieferer, die auf Roboterkomponenten umsteigen. Hinzu kommen ein ressortübergreifendes Team zur Nachfrageerschließung, Kaufzuschüsse, der Ersatz alter Roboter, die Normung von Humanoid-Komponenten wie Batterien und Händen sowie Finanzierung über den National Growth Fund.
Die Entwicklungsbehörde von Saemangeum teilte am 24. Juni mit, dass Hyundai Motor Group im Februar eine Investitionsvereinbarung unterzeichnet habe, die KI-Rechenzentren, Robotik und grünen Wasserstoff umfasst. Eine Summe nannte sie nicht.
Daten und das K-Modell
Ein eigenes Kapitel erklärt Physical AI zur strategischen Schlüsselindustrie. Vorgesehen sind eine große Infrastruktur für synthetische Daten, ein Weltmodell für physikalisch konsistente Trainingsdaten, regionale digitale Zwillinge, eine ressortübergreifende Datenbibliothek und ein allgemeines Spitzenmodell, das sogenannte K-Modell, aus dem mit wenig Felddaten Spezialmodelle etwa für Schweißen oder Paketsortierung abgeleitet werden.
Am selben Tag veröffentlichten die Ministerien für Industrie, Wissenschaft und Mittelstand die Strategie 'Fertigungs-KI 2030'. Sie sieht bis 2030 öffentliche und private Investitionen von 20 Billionen Won und eine Wertschöpfung von mehr als 100 Billionen Won vor und verweist auf den 150 Billionen Won schweren National Growth Fund. Zu ihren Aufgaben zählt die Kommerzialisierung fertigungsspezialisierter Humanoide.
Bedeutung für Europa
Für europäische Anbieter von Industrierobotern und den Maschinenbau ist der Plan ein zweischneidiges Signal. Koreas Fabriken zählen zu den dichtesten Roboterstandorten der Welt und damit zu den wichtigen Absatzmärkten. Öffentliche Vorkäufe und Kaufzuschüsse zielen ausdrücklich auf heimische Produkte. Gleichzeitig ähnelt der Ansatz, Humanoide über die eigene Automobil- und Zulieferindustrie zu skalieren, dem Weg, den deutsche Zulieferer wie Schaeffler mit Beteiligungen an Humanoid-Herstellern einschlagen. Für den Mittelstand bei Antrieben, Getrieben und Sensorik entsteht eine Nachfrage, die Korea selbst als Lücke benennt.
Risiken und offene Fragen
Das Papier nennt weder ein Gesamtbudget für das Roboterkapitel noch einen Robotik-Anteil am National Growth Fund oder die Höhe der Hyundai-Investition. Das Humanoid-Ziel für 2028 hängt an Komponentenprogrammen, deren Finanzierung im Haushalt 2027 festgelegt werden muss, und das staatliche K-Modell konkurriert mit privat finanzierten US-Entwicklern.
MEKAWIRE-Analyse
Der 3M-Plan ist beim Einsatz von Robotern glaubwürdig, bei den beiden Faktoren, die über die Wirtschaftlichkeit von Humanoiden entscheiden, Komponentenkosten und Modellhoheit, aber lückenhaft.
Für den Einsatz spricht viel. Korea hat bereits die höchste Roboterdichte, der Plan nutzt vorhandene Kanäle wie das KI-Fabrik-Programm und die M.AX-Allianz, und 1.000 Einsatzorte pro Jahr sind erreichbar. Die Foundry in Saemangeum adressiert einen echten Engpass junger Hersteller ohne Fertigung.
Die Schwäche liegt darin, dass Aktuatoren, Hände und Sensoren als Lücken benannt werden, ohne Mittel zu beziffern. Mit 1% Anteil an der Humanoid-Produktion fehlt koreanischen Zulieferern das Volumen, das in China die Kosten senkt.
Das stärkste Gegenargument lautet, Korea müsse nicht über Volumen gewinnen. Auto-, Werft- und Elektronikwerke bilden eine sichere Binnennachfrage, die spezialisierte Humanoide auch zu höheren Preisen aufnehmen kann.
Optimistisches Szenario. Finanziert der Haushalt 2027 die Komponentenforschung und zieht Hyundai seine Zulieferer in die Robotik, könnte bis 2028 eine heimische Humanoid-Lieferkette entstehen, die zuerst eigene Werke und dann den Export bedient. Die Binnennachfrage lieferte die fehlende Lernkurve.
Pessimistisches Szenario. Ohne offengelegte Mittel bleibt der Plan eine Absichtserklärung, während chinesische Hersteller die Preise weiter senken und US-Modellentwickler ihren Vorsprung ausbauen. Koreanische Fabriken kauften dann weiter ausländische Roboter und Modelle.
Signale, die zu beobachten sind.
- Der Haushaltsentwurf 2027 mit dem Posten für Humanoid-Komponenten, im Herbst 2026.
- Die Ausweisung der Roboter-Sonderzone und die Wahl des Foundry-Betreibers in Saemangeum im zweiten Halbjahr 2026.
- Erste Feldergebnisse der zehn branchenspezifischen Humanoide vor dem Zieljahr 2028.
- 29. Juni 2026, nationale Präsentation der drei Megaprojekte
- Ministerium für Handel, Industrie und Energie
- Top drei bei KI-Robotern, Führung bei Physical AI bis 2030
- 10 Typen, Kommerzialisierung 2028
- 1.000 Standorte pro Jahr
- 10.000 Robotik-Spezialisten
- Aktuatoren, Roboterhände, Sensoren
- Foundry in Saemangeum, Testfeld Daegu und Gyeongbuk
- China 86%, USA 4%, Korea 1%
- 20 Billionen Won Investitionen, über 100 Billionen Won Wertschöpfung
Warum das wichtig ist
Erstmals steht Robotik in Korea auf derselben Prioritätsstufe wie Speicherchips. Der Status als Megaprojekt bringt Aufmerksamkeit des Präsidialamts, ressortübergreifende Steuerung und Zugriff auf den National Growth Fund, was schwerer wiegt als jedes Einzelbudget.
Auch die Ausrichtung ändert sich. Frühere Pläne förderten vor allem Anschaffung und Verbreitung. Der 3M-Plan zielt auf Produktionsanteile, Komponenten- und Modellhoheit und macht koreanische Firmen zu Anbietern im Wettbewerb mit chinesischen Humanoid-Herstellern und US-Modellentwicklern.
Wettbewerbsanalyse
China ist der ausdrückliche Maßstab, mit 86% der Humanoid-Produktion 2025 laut zitierten Zahlen. Die Taktik, zuerst in Serie zu gehen und später nachzubessern, ist von dort übernommen. Koreas Antwort ist Spezialisierung auf zehn Branchen statt eines Universalroboters.
In Europa verfolgen Zulieferer wie Schaeffler und Bosch über Beteiligungen eine ähnliche Logik, Humanoide über bestehende Industriekunden zu skalieren. Beim Modell nennt das Papier NVIDIA und Google als Taktgeber, das K-Modell dürfte sich auf branchenspezifisches Feintuning mit koreanischen Werksdaten konzentrieren.
Bewertungskontext
Ohne Robotik-Budget wirkt der Plan vor allem über Erwartungen. Börsennotierte Hersteller wie Doosan Robotics, Rainbow Robotics und Robotis profitieren zuerst von öffentlichen Vorkäufen und Kaufzuschüssen.
Der National Growth Fund wird in der Strategie Fertigungs-KI 2030 mit 150 Billionen Won beziffert, ein Robotik-Anteil steht in den Primärdokumenten nicht. Analystenschätzungen dazu sind bis zu einer offiziellen Angabe als unbestätigt zu behandeln.
Folgen für die Lieferkette
Für Zulieferer ist die Liste der Schwachstellen entscheidend: Aktuatoren, Hände und Sensoren. Batterien und Halbleiter gelten als Stärken, die angepasst werden. Davon profitieren koreanische Hersteller von Motoren, Getrieben und Sensoren sowie Batteriehersteller mit Roboterzellen.
Für deutsche Anbieter von Präzisionsgetrieben und Sensorik bleibt Korea vorerst Absatzmarkt. Mittelfristig zielen die Umstellungsprogramme für Kfz-Zulieferer in Daegu und Saemangeum sowie die Normung von Komponenten darauf, Importe zu ersetzen.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens der Haushalt 2027 mit dem Posten für Humanoid-Komponenten. Zweitens der Betreiber der Foundry in Saemangeum, der zeigt, ob Hyundai selbst einsteigt.
Drittens die ersten Datenfabriken und ihre Regeln zur Datenweitergabe. Viertens eine mögliche offizielle Robotik-Quote im National Growth Fund.
Analystensicht
These: Der Plan wird beim Einsatz und bei der Nachfrage schneller wirken als bei Komponenten- und Modellunabhängigkeit. Zuversicht: mittel. Gründe: Die Einsatzhebel existieren und sind günstig, die Ziele bei Komponenten und Modellen sind nicht finanziert und treffen auf kapitalstärkere Konkurrenz.
Das größte Aufwärtsrisiko für diese Sicht ist Hyundai. Umfasst die Investition in Saemangeum eigene Aktuator- und Humanoid-Fertigung, könnte die Lieferkette schneller wachsen als es staatliche Mittel allein erlauben.
Offene Fragen
Wie viel des National Growth Fund geht an Robotikfirmen und zu welchen Bedingungen? Wer besitzt und betreibt die Foundry in Saemangeum?
Welche zehn Branchen erhalten Datenfabriken und Spezial-Humanoide, und stehen die dort erzeugten Daten allen Allianzmitgliedern offen?