Physical Intelligence lässt mit π0.5 Roboter in fremden Wohnungen Küchen und Schlafzimmer aufräumen, 97,6 Prozent der Trainingsdaten stammen aus anderen Quellen
Das kalifornische Start-up Physical Intelligence hat am 22. April 2025 das Vision-Language-Action-Modell π0.5 vorgestellt. Mobile Zweiarmroboter räumten damit in drei Wohnungen, die nicht im Trainingsdatensatz vorkamen, Zimmer in 10 bis 15 Minuten auf. Das Unternehmen führt die Generalisierung auf gemeinsames Training mit Daten anderer Roboter, aus dem Web und aus gesprochenen Anleitungen zurück.

Das Robotik-KI-Unternehmen Physical Intelligence aus San Francisco hat am 22. April 2025 π0.5 veröffentlicht, ein Vision-Language-Action-Modell (VLA), das nach eigenen Angaben Küchen und Schlafzimmer in Wohnungen aufräumen kann, die es nie zuvor gesehen hat. In einem Blogbeitrag und einem begleitenden Preprint auf arXiv zeigte das Unternehmen zweiarmige mobile Roboter, die in drei realen, vom Training ausgeschlossenen Wohnungen Geschirr in die Spüle stellen, Betten machen, Verschüttetes aufwischen und Schlafzimmerböden freiräumen.
Die Zahlen im Papier sind konkret. Die mobilen Roboter lernten aus rund 400 Stunden Haushaltsdaten, gesammelt in etwa 100 Wohnungen. Zugleich heißt es im Papier, dass 97,6 Prozent der Trainingsbeispiele in der ersten Trainingsphase nicht von mobilen Manipulatoren bei Haushaltsarbeiten stammten. Den Rest bildeten Daten stationärer Roboterarme in Wohnungen, Laborroboterdaten einschließlich des öffentlichen Datensatzes Open X-Embodiment, Webdaten für Bildbeschreibung, Fragebeantwortung und Objektlokalisierung, manuell annotierte Teilaufgaben sowie eine kleine Menge gesprochener Anleitungen. Einzelaufgaben dauerten etwa 2 bis 5 Minuten, das Aufräumen eines ganzen Zimmers 10 bis 15 Minuten.
Die Architektur baut auf π0 auf, der ersten Generalisten-Policy des Unternehmens vom 31. Oktober 2024. π0.5 startet mit einem Vision-Language-Modell mit 2 Milliarden Parametern, initialisiert mit Gewichten von Googles PaliGemma, und ergänzt einen sogenannten Action Expert mit 300 Millionen Parametern. Das Modell formuliert zunächst in Textform die nächste Teilaufgabe, etwa das Aufheben eines Kissens, und erzeugt dann die passenden Motorbefehle. Diese entstehen als Blöcke von 50 Schritten, die eine Sekunde Bewegung abdecken, per Flow Matching mit 10 Entrauschungsschritten. Trainiert wurde zweistufig mit 280.000 Gradientenschritten auf diskreten Tokens und anschließend 80.000 Schritten mit kontinuierlichem Flow-Matching-Kopf.
Die Hardware ist bescheiden. Das Papier beschreibt zwei mobile Plattformen mit je zwei Armen mit sechs Freiheitsgraden und Parallelgreifern, einer holonomen Radbasis, einem Torsohub und vier Kameras, zwei davon an den Handgelenken. Der Zustands- und Aktionsraum umfasst je nach Plattform 18 oder 19 Dimensionen. Ziel seien nicht neue Fertigkeiten oder hohe Geschicklichkeit, sondern die Übertragung auf neue Umgebungen, erklärte das Unternehmen.
Am aufschlussreichsten ist die Ablationsstudie. In einem Test zur Befolgung sprachlicher Anweisungen in unbekannten Wohnungen befolgte das vollständige π0.5 laut Blogbeitrag bei vertrauten Objektkategorien 86 Prozent der Anweisungen und war in 83 Prozent erfolgreich, bei neuen Objektkategorien in beiden Kennzahlen zu 94 Prozent. Ohne Webdaten blieb der Wert für vertraute Objekte nahezu gleich, der Erfolg bei neuen Objekten sank jedoch auf 74 Prozent. Ohne Laborroboterdaten fiel er auf 49 Prozent, ohne Daten stationärer Roboter aus vielen Wohnungen auf 31 Prozent.
- π0.5 (vollständiger Mix)
- 86
- 83
- 94
- 94
- ohne Webdaten (no WD)
- 86
- 82
- 80
- 74
- ohne Laborroboterdaten (no CE)
- 74
- 67
- 67
- 49
- ohne Multi-Umgebungs-Daten stationärer Roboter (no ME)
- 66
- 57
- 33
- 31
Werte laut Blogbeitrag von Physical Intelligence vom 22. April 2025; Papier arXiv 2504.16054. Eigene Messung des Unternehmens, nicht unabhängig geprüft.
Stand: 3. Okt. 2026
Auch die Zahl der Umgebungen zählt. Die Forscher trainierten Varianten mit Daten mobiler Roboter aus 3, 12, 22, 53, 82 und 104 Orten, und die Leistung stieg mit der Zahl der Orte im Allgemeinen an. Das 104-Orte-Modell erreichte ähnliche Werte wie ein Kontrollmodell, das direkt mit Daten aus den Testwohnungen trainiert worden war. Laut Papier übertraf π0.5 zudem π0 und eine verbesserte π0-Variante deutlich, selbst bei einem auf 300.000 Schritte verlängerten π0-Training. Das vollständige Modell schlug sogar eine Variante, bei der ein Mensch die Teilaufgaben vorgab, während GPT-4 als Planer ohne Zusatztraining am schlechtesten abschnitt.
Der Wettbewerb ist dicht. Figure AI präsentierte am 20. Februar 2025 sein VLA Helix mit einem 7-Milliarden-Parameter-Modell bei 7 bis 9 Hertz und einem 80-Millionen-Parameter-Regler bei 200 Hertz, trainiert mit rund 500 Stunden Teleoperation. Google DeepMind folgte am 12. März 2025 mit Gemini Robotics auf Basis von Gemini 2.0, Nvidia am 18. März mit dem offenen Humanoidenmodell GR00T N1. In Europa sammelte die Metzinger Neura Robotics am 15. Januar 2025 in einer von Lingotto angeführten Serie B 120 Millionen Euro ein und meldete einen Auftragsbestand von 1 Milliarde Euro. Die französische Genesis AI meldete 105 Millionen Dollar für ein universelles Robotik-Grundmodell.
- Physical Intelligence
- Serie B (CapitalG führt)
- Keine Daten
- Keine Daten
- 2025-11-20
- Skild AI
- Serie C
- 1400
- 14
- 2026-01-14
- Figure AI
- Serie C
- 1000
- 39
- 2025-09-16
- FieldAI
- Zwei Runden kombiniert
- 405
- Keine Daten
- 2025-08-20
- Generalist AI
- Wachstumsrunde (unbenannt)
- 400
- Keine Daten
- 2026-06-04
- Dyna Robotics
- Serie A
- 120
- Keine Daten
- 2025-09-15
- Genesis AI
- Startrunde (unbenannt)
- 105
- Keine Daten
- 2025-06-30
Angaben der Unternehmen oder Lead-Investoren. Die Serie B von Physical Intelligence gab Lead-Investor CapitalG bekannt, ohne Betrag oder Bewertung. — = nicht offengelegt. Keine Schätzungen.
Stand: 3. Okt. 2026
Physical Intelligence benennt die Grenzen offen. Das Papier nennt ungewohnte Schubladengriffe, schwer zu öffnende Schränke, einen Arm, der den aufzuwischenden Fleck verdeckt, und eine Planung, die dieselbe Schublade mehrfach öffnet und schließt. Die Auswertung umfasste drei Wohnungen mit je 10 Versuchen pro Aufgabe, eine kleine Stichprobe, und alle Ergebnisse stammen vom Unternehmen selbst. Im September 2025 stellte Physical Intelligence Checkpoints von π0.5 in sein unter Apache-2.0 lizenziertes openpi-Repository, darunter ein Basismodell sowie Varianten, die auf den Benchmark LIBERO und den Datensatz DROID feinabgestimmt sind.
MEKAWIRE-Analyse
π0.5 verlagert den Wettbewerb um Robotermodelle vom Sammeln immer größerer Datenmengen auf dem Zielroboter hin zum geschickten Mischen vieler günstiger Datenquellen, und das spielt europäischen Herstellern mit heterogenen Maschinenparks in die Hände.
Die Belege liefern die Zahlen des Unternehmens. 97,6 Prozent der Beispiele der ersten Phase stammten nicht von mobilen Haushaltsrobotern, und ohne Daten stationärer Roboter oder aus dem Labor fiel der Erfolg bei neuen Objekten von 94 auf 31 beziehungsweise 49 Prozent. Dass das 104-Orte-Modell mit einem auf den Testwohnungen trainierten Modell gleichzieht, ist der stärkste Einzelbeleg für den Vorrang der Vielfalt vor der Menge.
Das stärkste Gegenargument ist die Stichprobe. Drei Wohnungen, 10 Versuche pro Aufgabe und zwei Eigenbau-Roboter belegen nicht, dass das Modell in beliebigen Haushalten funktioniert. Über Teilaufgaben gemittelte Erfolgsquoten können zudem Fehlschläge ganzer Aufgaben verdecken, die ein zahlender Kunde bemerken würde.
Bull-Szenario. Hält der Effekt des gemeinsamen Trainings, verbessert jeder neu eingesetzte Roboter alle anderen, und wer zuerst über eine große, gemischte Roboterflotte verfügt, profitiert vom Zinseszinseffekt. Für Mittelständler mit Maschinen verschiedener Hersteller würde der Datenschatz der eigenen Anlagen wertvoller.
Bear-Szenario. Das Aufräumen eines Zimmers dauert 10 bis 15 Minuten, und Probleme mit Griffen und Verdeckung sind genau jene Ausreißer, an denen Konsumprodukte scheitern. Wettbewerber mit eigener Hardware und viel Kapital wie Figure können Daten auf dem Zielroboter in großem Stil sammeln und brauchen den gemischten Ansatz womöglich nicht.
Signale, die zu beobachten sind:
- Unabhängige Reproduktionen der π0.5-Ergebnisse mit den im September 2025 veröffentlichten openpi-Checkpoints, vor allem außerhalb von LIBERO und DROID.
- Ob spätere Modelle von Physical Intelligence in mehr als drei Wohnungen und mit Erfolgsquoten ganzer Aufgaben evaluiert werden.
- Ob europäische Anbieter wie Neura Robotics oder Genesis AI eigene Ablationsdaten zu gemeinsamem Training über Robotertypen hinweg veröffentlichen.
- 22. April 2025 (Blogbeitrag und arXiv-Preprint 2504.16054)
- π0.5, Vision-Language-Action-Modell auf Basis von π0
- Vision-Language-Modell mit 2 Mrd. Parametern aus PaliGemma, dazu Action Expert mit 300 Mio. Parametern
- Blöcke mit 50 Schritten für 1 Sekunde, Flow Matching mit 10 Entrauschungsschritten
- rund 400 Stunden aus etwa 100 Wohnungen
- 97,6 Prozent der Beispiele der ersten Phase nicht von mobilen Haushaltsrobotern
- 3 unbekannte Wohnungen, 10 Versuche je Aufgabe, Zimmer in 10 bis 15 Minuten
- 94 % vollständiges Modell; 74 % ohne Webdaten; 31 % ohne Multi-Umgebungs-Daten
- pi05_base, pi05_libero, pi05_droid in openpi (Apache-2.0), September 2025
Warum das wichtig ist
π0.5 ist einer der bislang klarsten öffentlichen Belege dafür, dass eine Roboter-Policy in einer Wohnung funktionieren kann, ohne dort Daten gesammelt zu haben. Für ein Unternehmen, das ein Robotergehirn statt eines Roboters verkauft, ist das die Geschäftsgrundlage, und das Papier unterlegt sie mit Zahlen statt mit Videos.
Es verschiebt zugleich die Debatte über Roboterdaten. Wenn 97,6 Prozent der Beispiele aus anderen Aufgaben stammen und stationäre Roboter sowie Labordaten für den Erfolg im Haushalt wichtiger sind als Webdaten, dann hängt der Wert eines Datensatzes von der Vielfalt der Maschinen und Orte ab. Für die deutsche Industrie, deren Fabriken Roboter vieler Hersteller betreiben, ist das ein relevanter Befund.
Wettbewerbsanalyse
Figure AI geht mit Helix vom 20. Februar 2025 den entgegengesetzten Weg: rund 500 Stunden Teleoperation auf dem eigenen Humanoiden und eine Zweistufenarchitektur mit 7-Milliarden-Planer und 80-Millionen-Regler bei 200 Hertz. Das ist vertikale Integration, passend für Großkunden aus der Autoindustrie.
Google DeepMind (Gemini Robotics, 12. März 2025) und Nvidia (GR00T N1, 18. März 2025) setzen auf große Modellfamilien und, im Fall Nvidias, auf offene Verbreitung. In Europa positioniert sich Neura Robotics mit eigener Hardware und 120 Millionen Euro Serie-B-Kapital, Genesis AI mit einem simulationsgestützten Grundmodell. Physical Intelligence differenziert sich über robotertypübergreifendes Training und seit September 2025 über offene π0.5-Gewichte.
Bewertungskontext
CapitalG erklärte am 20. November 2025, die Serie B von Physical Intelligence anzuführen; Betrag und Bewertung nennt die Seite nicht, daher bleiben sie in der Tabelle leer. Offengelegte Runden der Konkurrenz reichen von Skild AIs Serie C über 1,4 Milliarden Dollar bei 14 Milliarden Dollar Post-Money im Januar 2026 bis zu Figures Serie C über 1 Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar im September 2025.
Für einen reinen Softwareanbieter ist π0.5 der Kernwert hinter der Bewertung. Offene Gewichte senken die Einstiegshürde, setzen das Modell aber dem direkten Vergleich mit offenen Alternativen aus. Künftige Finanzierungen dürften davon abhängen, ob neue Modelle einen messbaren Vorsprung halten.
Folgen für die Lieferkette
π0.5 läuft auf schlichter Hardware: zwei Arme mit sechs Freiheitsgraden und Parallelgreifern, holonome Radbasis, Torsohub und vier Kameras. Im Haushalt begünstigt das Hersteller günstiger Arme, Greifer und Mobilplattformen gegenüber Zulieferern teurer Humanoiden-Komponenten. Für deutsche Greifer- und Antriebsspezialisten öffnet das einen Markt jenseits des Humanoiden.
Beim Rechenbedarf nennt das openpi-Repository mehr als 8 GB GPU-Speicher für die Inferenz und mehr als 70 GB für vollständiges Feintuning auf A100- oder H100-Karten. Inferenz ist damit auf Consumer-Grafikkarten wie der RTX 4090 möglich, Training bleibt Rechenzentrumsarbeit.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens unabhängige Reproduktion: Basismodell sowie LIBERO- und DROID-Varianten aus dem September 2025 zeigen, ob die Generalisierung über die eigenen Roboter des Unternehmens hinaus trägt.
Zweitens der Umfang der Evaluation. Ergebnisse aus Dutzenden Wohnungen mit Erfolgsquoten ganzer Aufgaben würden die These deutlich stärken. Drittens die Kommerzialisierung: namentlich genannte Kunden, die Modelle von Physical Intelligence auf fremder Hardware betreiben.
Analystensicht
These: π0.5 etabliert gemeinsames Training mit heterogenen Daten als praktikablen Weg zu generalisierenden Roboter-Policies; der Vorsprung von Physical Intelligence beruht auf Datenvielfalt, nicht auf Modellgröße. Zuversicht: mittel.
Nicht hoch, weil die Evaluation nur drei Wohnungen und eigene Roboter umfasst. Nicht niedrig, weil die Effekte groß sind, mit einem Rückgang des Erfolgs bei neuen Objekten von 94 auf 31 Prozent ohne Multi-Umgebungs-Daten, und weil offene Checkpoints externe Prüfung erlauben.
Offene Fragen
Wie schneidet π0.5 in von Dritten ausgewählten Wohnungen ab, gemessen an ganzen Aufgaben statt Teilaufgaben?
Wie viele Haushalts- und Stationärrobotikdaten müsste ein Neukunde mit anderer Roboterkonstruktion sammeln, um die berichteten Werte zu erreichen? Wie will Physical Intelligence mit einem Modell Geld verdienen, dessen Gewichte offen verfügbar sind? Und können europäische Industriekunden ihre gemischten Maschinenparks als Datenquelle nutzen?