FieldAI sammelt in zwei Runden 405 Millionen Dollar ein und verkauft ein physikbasiertes Robotergehirn für jede Bauform
Das kalifornische Robotiksoftware-Unternehmen FieldAI hat am 20. August 2025 nach eigenen Angaben 405 Millionen Dollar in zwei aufeinanderfolgenden Finanzierungsrunden eingeworben, unter anderem von Bezos Expeditions, BHP Ventures, Intel Capital, Khosla Ventures, NVIDIAs NVentures und Temasek. Eine Bewertung nannte das Unternehmen nicht. Seine Field Foundation Models laufen laut FieldAI bereits auf Vierbeinern, Humanoiden, Radrobotern und Fahrzeugen in Pkw-Größe in Japan, Europa und den USA.

Das Robotiksoftware-Unternehmen FieldAI aus Irvine in Kalifornien hat am 20. August 2025 mitgeteilt, in zwei aufeinanderfolgenden Finanzierungsrunden insgesamt 405 Millionen Dollar eingesammelt zu haben. Die jüngere Runde sei nach rascher Kundenakzeptanz und mehreren Erweiterungsverträgen überzeichnet gewesen, erklärte das Unternehmen. Eine Bewertung und die Aufteilung der Summe auf die beiden Runden veröffentlichte FieldAI nicht.
Die Geldgeber
Namentlich genannt werden Bezos Expeditions, BHP Ventures, Canaan Partners, Emerson Collective, Intel Capital, Khosla Ventures, NVentures als Wagniskapitalarm von NVIDIA, Prysm und Temasek sowie weitere, nicht genannte Investoren. Gates Frontier und Samsung führt FieldAI als frühere Geldgeber. Die Liste trägt eine industrielle Handschrift. BHP Ventures gehört zu einem der größten Bergbaukonzerne der Welt, Intel Capital und NVentures stehen für die Rechenhardware, auf der Robotermodelle laufen.
Das Geld soll nach Angaben von FieldAI in internationales Wachstum, in die Produktentwicklung für Fortbewegung und Manipulation sowie in Neueinstellungen fließen. Bis Ende 2025 will das Unternehmen seine Belegschaft verdoppeln.
Was FieldAI anbietet
Kern des Angebots sind die sogenannten Field Foundation Models, kurz FFM. FieldAI beschreibt sie als physikbasierte Modelle, die Unsicherheit, Risiko und physikalische Grenzen der realen Welt verarbeiten. Roboter sollen sich damit ohne vorab erstellte Karte, ohne GPS und ohne festgelegte Route auf einem Gelände bewegen. Laut Mitteilung wurden die FFM auf Vierbeinern, Humanoiden, Radrobotern und Fahrzeugen in Pkw-Größe erprobt und in Hunderten komplexer Industrieumgebungen getestet und eingesetzt, in Bau, Energie, Fertigung, urbaner Zustellung und Inspektion, in Japan, Europa und den USA. Die Unternehmensbeschreibung nennt zusätzlich Bergbau, Logistik und Aufträge der US-Bundesbehörden.
Gründer und Vorstandschef Ali Agha grenzt den Ansatz davon ab, große Sprach- und Bildmodelle in Roboter zu zwängen und deren Halluzinationen nachträglich zu reparieren. FieldAI habe risikobewusste Architekturen von Grund auf entworfen, sagte er. Vinod Khosla von Khosla Ventures hob die Geschwindigkeit hervor, mit der FieldAI ausrollen könne. Jay Park von Prysm Capital nannte risikobewussten Einsatz eine entscheidende Voraussetzung für die Skalierung von KI.
Herkunft aus NASA und DARPA
Die Geschichte des Teams ist älter als die Firma. Nach der eigenen Chronik reicht sie zum NASA-Projekt BRAILLE der Jahre 2016 bis 2018 zurück, das autonome Erkundung unterirdischer Hohlräume im Lava Beds National Monument als Mars-Analogon erprobte. Danach trat die Gruppe in der DARPA Subterranean Challenge an. FieldAI zufolge gewann sie 2020 den Urban Circuit, koordinierte bis zu elf laufende, fahrende und fliegende Roboter und schaffte die erste vollautonome Erkundung über mehrere Kilometer mit einem Vierbeiner. Im Geländeprogramm RACER der DARPA absolvierte das Team nach Firmenangaben 2022 als erstes alle acht Strecken im ersten Versuch. Gegründet wurde FieldAI 2023. Die Führung stammt laut Mitteilung von DeepMind, Google Brain, Tesla Autopilot, NASA JPL, SpaceX, Zoox, Cruise, Amazon, DARPA und dem Toyota Research Institute.
Einordnung im Wettbewerb
Mit der Summe zählt FieldAI zu den am besten finanzierten Entwicklern von Robotergehirnen. Skild AI, ebenfalls Anbieter eines allgemeinen Modells für viele Roboterkörper, sammelte im Juli 2024 in einer Series A 300 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden Dollar ein. Unter den Humanoid-Herstellern holte Figure im Februar 2024 in einer Series B 675 Millionen Dollar, Apptronik im Februar 2025 eine Series A über 350 Millionen Dollar mit einer Nachzeichnung über 53 Millionen Dollar im März. Das Schweizer Unternehmen ANYbotics, Hersteller vierbeiniger Inspektionsroboter, meldete im Dezember 2024 zusätzliche 60 Millionen Dollar. Nach MEKAWIRE-Berechnung entsprechen die 405 Millionen Dollar von FieldAI dem 1,35-Fachen der Series A von Skild AI und dem 6,75-Fachen der jüngsten Tranche von ANYbotics.
Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich. Humanoid-Hersteller verkaufen Körper und Steuerungssoftware zusammen. FieldAI verkauft nur das Gehirn und legt sich nach eigener Aussage auf keine Bauform fest. Die ersten Märkte sind keine Autofabriken mit festen Stationen, sondern Baustellen, Tagebaue und Anlagen im Freien, wo Staub, Schlamm, wechselnde Wege und fehlender Satellitenempfang den Alltag bestimmen.
- FieldAI
- USA
- 2023
- Zwei Runden (zusammen)
- 2025-08-20
- 405
- Keine Daten
- Skild AI
- USA
- 2023
- Series A
- 2024-07-09
- 300
- 1,5
- Figure AI
- USA
- Keine Daten
- Series B
- 2024-02-29
- 675
- Keine Daten
- Apptronik
- USA
- 2016
- Series A mit Nachzeichnung
- 2025-02-13 und 2025-03-18
- 403
- Keine Daten
- Agility Robotics
- USA
- 2015
- Series B
- 2022-04-22
- 150
- Keine Daten
- ANYbotics
- Schweiz
- 2016
- Zusätzliche Finanzierung
- 2024-12-12
- 60
- Keine Daten
Jüngste vor dem 20.08.2025 gemeldete Runde je Unternehmen, laut Unternehmensmitteilungen. Apptronik ist eine MEKAWIRE-Berechnung: Series A 350 Mio. USD (13.02.2025) + Nachzeichnung 53 Mio. USD (18.03.2025). FieldAI veröffentlichte weder Bewertung noch Aufteilung der Runden. Verhältnisse im Text: 405 / 300 = 1,35; 405 / 60 = 6,75. Offengelegte Zahlen, keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Bedeutung für Europas Industrie
Für europäische Anbieter von Inspektions- und Baurobotern ist das Modell zweischneidig. Hersteller wie ANYbotics liefern Hardware und eigene Autonomie aus einer Hand. Ein Softwareanbieter, der dieselben Aufgaben auf fremder Hardware lösen will, könnte die Wertschöpfung von der Mechanik zur Software verschieben. Für Bauindustrie, Energieversorger und Mittelstand mit Fachkräftemangel auf Außenbaustellen wäre ein bauformunabhängiges Gehirn dagegen eine Chance, vorhandene Maschinen zu automatisieren. FieldAI nennt allerdings weder Umsatz noch Zahl der Roboter, Kundennamen oder Preise.
MEKAWIRE-Analyse
Die Runde von FieldAI zeigt, dass Investoren für ein Robotergehirn, das auf rauen Industriegeländen Geld verdient, bevor es einen Humanoiden steuert, Summen in Humanoid-Größenordnung zahlen.
Dafür spricht die Zusammensetzung der Geldgeber. Der Wagniskapitalarm eines Bergbaukonzerns, Intel Capital und der NVIDIA-Fonds stehen neben Khosla Ventures und Temasek, was auf Nachfrage nach Autonomie für bereits eingesetzte Außenmaschinen hindeutet. Die Ergebnisse aus DARPA SubT und RACER wurden ohne GPS und Karten in Tunneln, Höhlen und Gelände erzielt, ein Feldnachweis, den wenige Start-ups für Basismodelle vorweisen können.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass Bauformunabhängigkeit leicht behauptet und schwer belegt ist. Jede neue Plattform bringt eigene Fehlerbilder. Wer Vierbeiner, Fahrzeuge und Humanoide zugleich bedient, verteilt seine Ingenieure dünn, während die Hardwarepartner die Kundenbeziehung behalten.
Optimistisches Szenario. Bau, Bergbau und Energie zahlen täglich für Inspektion und Arbeit vor Ort und besitzen oft bereits Laufroboter und Fahrzeuge. Machen die FFM diese Maschinen ohne vorherige Kartierung autonom, kann FieldAI Softwareumsätze erzielen, lange bevor Humanoide in Stückzahlen kommen, und mit den Daten in die Manipulation vordringen.
Pessimistisches Szenario. Zwei Runden ohne veröffentlichte Bewertung lassen Raum für Verwässerung und Vorzugsrechte, die Außenstehende nicht sehen. Plattformanbieter wie NVIDIA, zugleich Investor, oder Konkurrenten wie Skild AI könnten Navigationsautonomie zur Massenware machen, sodass FieldAI auf margenschwache Integrationsdienste ausweichen müsste.
Signale mit Datum.
- Bis 31. Dezember 2025: ob FieldAI die angekündigte Verdopplung der Belegschaft meldet.
- Erstes Halbjahr 2026: ob einer der erwähnten Erweiterungsverträge mit Kunde und Flottengröße öffentlich wird.
- Im Lauf des Jahres 2026: eine öffentliche Vorführung von FFM bei Manipulationsaufgaben, dem zweiten Entwicklungsfeld der neuen Mittel.
- 405 Mio. US-Dollar
- Zwei aufeinanderfolgende Runden, die jüngere überzeichnet
- 20. August 2025, 10:00 Uhr US-Ostküstenzeit
- Nicht veröffentlicht
- Bezos Expeditions, BHP Ventures, Canaan Partners, Emerson Collective, Intel Capital, Khosla Ventures, NVentures (NVIDIA), Prysm, Temasek
- Gates Frontier, Samsung
- Field Foundation Models (FFM)
- Vierbeiner, Humanoide, Radroboter, Fahrzeuge in Pkw-Größe
- Verdopplung der Belegschaft bis Ende 2025
- 2023, Irvine (Kalifornien)
Warum das wichtig ist
FieldAI ist das deutlichste Beispiel eines Anbieters von Robotergehirnen, der Kapital in Humanoid-Größenordnung einwirbt, aber vor allem Nicht-Humanoide bedient. Die Mitteilung nennt Vierbeiner, Radroboter und Fahrzeuge neben Humanoiden, die Zielbranchen sind Bau, Energie, Bergbau und Inspektion. Die Wette lautet, dass verkörperte KI zuerst dort Geld verdient, wo Personal fehlt, das Gelände gefährlich ist und keine Hände gebraucht werden.
Zugleich prüft die Runde, ob ein Modell, das Risiko und Unsicherheit explizit abbildet, gegen den Vision-Language-Action-Ansatz der meisten Wettbewerber bestehen kann. Wenn Kunden vorhersehbares Fehlverhalten höher gewichten als Aufgabenbreite, könnte sich der Markt in risikobewusste Navigationsmodelle für die Schwerindustrie und allgemeine Manipulationsmodelle für Fabrik und Haushalt teilen.
Wettbewerbsanalyse
Der direkteste Rivale ist Skild AI mit einem allgemeinen Modell für viele Bauformen und einer Series A über 300 Millionen Dollar bei 1,5 Milliarden Dollar Bewertung im Juli 2024. Physical Intelligence verfolgt ein ähnliches Ziel mit Schwerpunkt Manipulation. Humanoid-Hersteller wie Figure, Apptronik und Agility Robotics entwickeln eigene Modelle, binden sie aber an ihre Hardware.
In Europa verbindet ANYbotics Hardware und Autonomie für Inspektion in Anlagen. FieldAI setzt dagegen auf reine Software über fremde Plattformen, gestützt auf seine DARPA-Ergebnisse. Die Schwäche bleibt die Manipulation, die laut Mitteilung erst mit dem neuen Geld ausgebaut werden soll.
Bewertungskontext
Ohne veröffentlichte Bewertung lässt sich aus Primärquellen kein Bewertungssprung berechnen. Die 405 Millionen Dollar liegen zwischen der Series A von Skild AI und der Series B von Figure. Nach MEKAWIRE-Berechnung entspricht das dem 1,35-Fachen (405/300) beziehungsweise dem 0,60-Fachen (405/675).
Zwei Runden hintereinander statt einer bepreisten Runde deuten darauf hin, dass zunächst Kapital zu einem Preis und nach sichtbarer Nachfrage eine größere Tranche aufgenommen wurde. Ohne Angaben zu Aufteilung und Konditionen bleibt offen, wie stark der Preis der zweiten Runde stieg.
Folgen für die Lieferkette
Als Softwarehaus ist FieldAI bei den Körpern auf Hardwarepartner und bei der Inferenz vor Ort auf Edge-Rechner angewiesen. Mit NVentures und Intel Capital sitzen zwei große Chiplieferanten im Gesellschafterkreis, die Mitteilung nennt aber keinen konkreten Chip.
Auf der Nachfrageseite öffnet BHP Ventures den Bergbau mit großen Fahrzeugflotten und langen Inspektionswegen. Für europäische Zulieferer von Antrieben, Sensoren und Fahrzeugplattformen könnte ein bauformunabhängiges Gehirn neue Integrationspartner schaffen.
Worauf jetzt zu achten ist
Der 31. Dezember 2025 ist die selbst gesetzte Frist für die Verdopplung der Belegschaft. Eine Meldung dazu zeigt, ob das Kapital im versprochenen Tempo in Entwicklungs- und Feldkapazität umgesetzt wird.
Im ersten Halbjahr 2026 wäre ein namentlich genannter Kunde mit Flottengröße oder ein Humanoid-Hardwarepartner das wichtigere Signal. Interessant wäre auch, ob europäische Bau- oder Energiekonzerne als Referenzen auftauchen.
Analystensicht
These: FieldAI ist besser als die meisten Gehirn-Start-ups positioniert, früh Umsatz zu erzielen, weil es bei der Navigation auf rauem Gelände ansetzt, für die Kunden bereits zahlen. Zuversicht: mittel. DARPA-Ergebnisse und industrielle Investoren stützen die These, Umsatz, Kunden und Stückzahlen fehlen jedoch.
Gegen hohe Zuversicht spricht, dass alle Angaben aus einer einzigen Mitteilung stammen. Bis Unternehmen oder Kunden Einsatzdetails veröffentlichen, beruht der Geschäftsfall auf der Selbstdarstellung von FieldAI.
Offene Fragen
Wie verteilen sich die 405 Millionen Dollar auf die beiden Runden, und zu welchen Preisen? Welche Kunden stehen hinter den erwähnten Erweiterungsverträgen, und wie viele Roboter umfassen sie?
Auf welchen Humanoiden liefen die FFM, mit welchen Aufgaben? Verdient FieldAI über Lizenzen, Abonnements pro Roboter oder integrierte Lösungen mit Hardwarepartnern?