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Roboter-Vermieter Formic sammelt 50 Mio. Dollar ein und zielt auf Universalroboter

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Der US-Anbieter Formic teilte am 22. Oktober mit, 50 Mio. US-Dollar Wachstumskapital eingesammelt zu haben: eine von Mercato Partners angeführte Serie B mit Light Ray Ventures, Lightscape Partners und Citi sowie Fremdkapital von S2G Investments.

Die Aufteilung nannte das Unternehmen nicht. Formic meldet mehr als 750.000 Produktionsstunden in über 100 US-Werken, 99,6 Prozent Verfügbarkeit und 97 Prozent Vertragsverlängerungen und arbeitet mit Physical Intelligence an Robotik-Basismodellen für die Fertigung.

Formic aus Chicago, das US-Fertigern Industrieroboter vermietet statt verkauft, hat nach eigenen Angaben 50 Mio. US-Dollar Wachstumskapital eingesammelt. Das teilte das Unternehmen am 22. Oktober in einer Pressemitteilung mit. Das Paket besteht aus einer Serie B unter Führung von Mercato Partners, an der sich Light Ray Ventures, Lightscape Partners, Citi sowie weitere neue und bestehende Investoren beteiligten, und aus Fremdkapital von S2G Investments. Wie sich die Summe auf Eigen- und Fremdkapital verteilt, nannte Formic nicht, ebenso wenig eine Bewertung.

Aussagekräftiger als das Volumen ist die Betriebsbilanz. Formic beziffert die Produktionszeit seiner Roboter auf mehr als 750.000 Stunden. In der Finanzierungsmitteilung vom Juni 2024 waren es 100.000 Stunden. Das entspricht einer Versiebeneinhalbfachung in rund 28 Monaten, und genau diesen Bestand will Formic nun zu mehr als einem Mietgeschäft ausbauen.

Vom Palettierer zum Universalroboter

Heute automatisiert Formic einzelne Arbeitsschritte. Das Unternehmen installiert Roboter für Palettieren, Verpacken, Maschinenbeschickung, Kommissionierung und Montagehilfe in Werken der Lebensmittel-, Konsumgüter-, Chemie-, Luftfahrt-, Rüstungs- und Verpackungsindustrie. Anlage, Inbetriebnahme-Software, Außendienst, Wartung, Finanzierung und Leistungsüberwachung rechnet es über eine feste Monatsrate ab, der Kunde investiert kein eigenes Kapital. Nach Firmenangaben laufen Hunderte Roboter in mehr als 100 Standorten in über 30 Bundesstaaten, bei 99,6 Prozent Flottenverfügbarkeit und 97 Prozent Vertragsverlängerungen.

Mit dem neuen Geld soll die Plattform in Richtung Universalrobotik wachsen, sodass mehr Robotertypen über dasselbe Servicemodell anspruchsvollere Aufgaben übernehmen, erklärte das Unternehmen. Hinzu kommen die Metallbearbeitung als neues Feld und ein stärkeres Geschäft in Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Medizintechnik und Energie. Formic montiert und prüft seine Roboter in einem neuen Werk in Bolingbrook, Illinois, und entwickelt in einem Forschungszentrum in Oakland, Kalifornien. Neue Anlagen gingen heute etwa dreimal so schnell in Produktion wie vor einem Jahr.

Warum die Kooperation mit Physical Intelligence zählt

Strategisch am wichtigsten ist eine Partnerschaft. Formic kombiniert nach eigenen Angaben die Robotik-Basismodelle von Physical Intelligence mit seinen Produktionsdaten und seiner Betriebserfahrung, um die Modelle an Fertigungsaufgaben anzupassen. Physical Intelligence, das im November 2025 eine Serie B über 600 Mio. US-Dollar abschloss, habe Formic in der Ankündigung seiner Pi-API-Beta hervorgehoben. Ein solches Basismodell ist ein einziges neuronales Netz, trainiert auf vielen Robotern und Aufgaben, das sich mit weit weniger Programmieraufwand als eine klassische Roboterzelle auf neue Tätigkeiten einstellen lässt. Der MEKAWIRE-Erklärtext zu VLA-Modellen beschreibt die Technik.

Entscheidend ist die Arbeitsteilung. Modellentwickler haben Software, aber keine Werkshallen; Formic hat Standorte, Servicetechniker und Finanzierung, und jeder installierte Roboter erzeugt Daten zu Aufgaben, Bedingungen und Korrekturen. Mercato-Managing-Director Ryan Sanders, der in den Board von Formic einzieht, verortet den Engpass inzwischen an der Laderampe statt im Labor.

Einordnung der Runde

Offengelegte Finanzierungen von Formic
  • 2022-01-18
    Runde
    Serie A
    Betrag (USD)
    26,5 Mio.
    Lead
    Lux Capital
  • 2024-06-25
    Runde
    Serie-A-Erweiterung
    Betrag (USD)
    27,4 Mio.
    Lead
    Blackhorn Ventures
  • 2026-10-22
    Runde
    Serie B und Fremdkapital
    Betrag (USD)
    50 Mio. (inkl. Fremdkapital, Anteil offen)
    Lead
    Mercato Partners; Fremdkapital S2G Investments

Pressemitteilungen des Unternehmens. Offengelegte Summe 103,9 Mio. US-Dollar (inkl. Fremdkapital der jüngsten Runde). Abstand zwischen den Runden 29 und 28 Monate.

Stand: 23. Okt. 2026

Seit Januar 2022 hat Formic 103,9 Mio. US-Dollar offengelegt, die Summe der drei gemeldeten Beträge, wobei die jüngste Runde einen nicht bezifferten Fremdkapitalanteil enthält. Zwischen den Runden lagen 29 und 28 Monate.

Industrieroboter-Runden ab 50 Mio. US-Dollar in der MEKAWIRE-Datenbank, letzte 12 Monate
  • 2026-03-11
    Unternehmen
    Mind Robotics
    Runde
    Serie A
    Betrag (USD)
    500 Mio.
  • 2026-05-13
    Unternehmen
    Mind Robotics
    Runde
    Serie A-1
    Betrag (USD)
    400 Mio.
  • 2026-06-09
    Unternehmen
    Standard Bots
    Runde
    Serie C
    Betrag (USD)
    200 Mio.
  • 2026-02-04
    Unternehmen
    Machina Labs
    Runde
    Serie C
    Betrag (USD)
    124 Mio.
  • 2026-01-27
    Unternehmen
    Vention
    Runde
    Finanzierungsrunde
    Betrag (USD)
    110 Mio.
  • 2026-01-29
    Unternehmen
    RobCo
    Runde
    Serie C
    Betrag (USD)
    100 Mio.
  • 2026-10-06
    Unternehmen
    Multiply Labs
    Runde
    Serie B
    Betrag (USD)
    75 Mio.
  • 2026-10-22
    Unternehmen
    Formic
    Runde
    Serie B und Fremdkapital
    Betrag (USD)
    50 Mio.

Verifizierte MEKAWIRE-Daten, Unternehmen mit Hauptkategorie Industrieroboter, 23. Oktober 2025 bis 22. Oktober 2026. Offengelegte Beträge, keine Schätzungen.

Stand: 23. Okt. 2026

Im Vergleich mit den Industrierobotik-Unternehmen der MEKAWIRE-Datenbank ist die Runde klein. Standard Bots sammelte im Juni eine Serie C über 200 Mio. US-Dollar ein, das Münchner Unternehmen RobCo, das Roboter ebenfalls im Abonnement anbietet, im Januar 100 Mio. US-Dollar. Unter den acht Runden ab 50 Mio. US-Dollar der vergangenen zwölf Monate ist die von Formic die kleinste.

MEKAWIRE-Analyse

Formic finanziert die Auslieferungsschicht der Physical AI und keinen Roboter: Universalmodelle erreichen die Fabrik nach dieser Wette über denjenigen, der Flotte, Servicekräfte und Finanzierung bereits besitzt.

Belege liefern Formics eigene Zahlen. Die Verlängerungsquote lag in den Mitteilungen von 2024 und 2026 jeweils bei 97 Prozent, während die Produktionsstunden um das 7,5-Fache stiegen. Das Servicemodell wächst offenbar, ohne Kunden zu verlieren.

Das Gegenargument ist Kapital. Beim Mietmodell liegen die Anlagen in Formics Bilanz, deshalb enthält die Runde Fremdkapital, und deshalb kam schon 2022 ein Anlagenfinanzierungsrahmen von über 100 Mio. US-Dollar hinzu. Ohne Angaben zu Eigenkapitalanteil und Bewertung lässt sich der tatsächliche Zufluss an Wachstumskapital kaum beurteilen.

Für den deutschen Mittelstand ist das Modell lehrreich. Integratoren und Maschinenbauer verkaufen Zellen meist als Investitionsgut; RobCo zeigt in Deutschland, dass Abo-Modelle Abnehmer finden. Formics Kennzahlen deuten darauf hin, dass im Mittelstandssegment Betriebsdaten und Verfügbarkeit stärker zählen als der Anlagenpreis.

Positivszenario: Universalmodelle verkürzen die Inbetriebnahme erneut, Formics Flotte wird zur Datenquelle, für die Modellentwickler zahlen, und die nächste Runde bewertet das Unternehmen als Plattform. Negativszenario: Anlagen- und Servicekosten wachsen mit der Flotte, Wettbewerber mit Runden über 100 Mio. US-Dollar steigen in die Vermietung ein, und die Modellkooperation bleibt ein Pilot.

Drei Signale sind zu beobachten: ein erster öffentlicher Werkseinsatz mit Modellen von Physical Intelligence, eine Offenlegung, die Eigen- und Fremdkapital trennt, und ob die nächste Meldung über 100 Standorte und 30 Bundesstaaten hinausgeht.

Gute oder schlechte Nachricht für das Unternehmen?

 

Eckdaten
Volumen
50 Mio. US-Dollar (22. Oktober 2026), Aufteilung Eigen- und Fremdkapital nicht genannt
Eigenkapital
Serie B unter Führung von Mercato Partners; Light Ray Ventures, Lightscape Partners, Citi u. a.
Fremdkapital
S2G Investments
Flotte
Hunderte Roboter in über 100 Werken in mehr als 30 US-Bundesstaaten
Betriebsdaten
Über 750.000 Produktionsstunden, 99,6 Prozent Verfügbarkeit, 97 Prozent Verlängerungsquote
Modell
Robotics-as-a-Service: Anlage, Software, Wartung und Finanzierung zur festen Monatsrate
Nächste Schritte
Universalrobotik und Metallbearbeitung; Kooperation mit Physical Intelligence
Aufsichtsgremium
Ryan Sanders, Managing Director bei Mercato Partners, zieht in den Board ein
Quellen
MEKAWIRE Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Formic gehört zu den wenigen US-Robotikfirmen, die eine laufende kommerzielle Flotte statt Pilotprojekten mit Zahlen belegen: Hunderte Roboter, über 100 Werke, mehr als 750.000 Produktionsstunden, 99,6 Prozent Verfügbarkeit, 97 Prozent Verlängerungen. Genau das fehlt Modellentwicklern. Damit Basismodelle in mittelgroße US-Werke kommen, muss jemand Hardware finanzieren, installieren und warten, und Formic positioniert sich für diese Rolle.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    Standard Bots (200 Mio. US-Dollar, Serie C, Juni 2026) und RobCo (100 Mio. US-Dollar, Serie C, Januar 2026) verkaufen eigene Roboter, RobCo auch im Abonnement. Vention (110 Mio. US-Dollar) bietet eine Self-Service-Plattform für Planung und Inbetriebnahme. Formic ist herstellerunabhängig und setzt Arme von Universal Robots, FANUC, KUKA und ABB ein; Konkurrenz sind daher ebenso klassische Systemintegratoren wie Startups. In Europa verfolgen Integratoren rund um KUKA ähnliche Zellenkonzepte, meist als Kaufmodell.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Eine Bewertung wurde nicht genannt. Einzige belegte Angabe ist Formics Aussage vom Januar 2022, mit über 100 Mio. US-Dollar bewertet zu sein. Da die 50 Mio. US-Dollar Eigen- und Fremdkapital in unbekanntem Verhältnis mischen, lassen sich weder Bewertungssprung noch Verwässerung ableiten. Die offengelegten 103,9 Mio. US-Dollar enthalten dieses Fremdkapital.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    Formic baut Zellen mit Armen etablierter Hersteller (Universal Robots, FANUC, KUKA, ABB laut früheren Angaben), montiert und prüft sie in Bolingbrook, Illinois, und entwickelt in Oakland. Kostentreiber sind Armpreise und Lieferzeiten, Greifer, Bildverarbeitung, Fördertechnik und Außendienstpersonal in über 30 Bundesstaaten. Die Metallbearbeitung bringt Schweiß- und Schneidtechnik hinzu, ein Feld, in dem deutsche Ausrüster stark sind.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Erster öffentlicher Einsatz von Physical-Intelligence-Modellen in einer Formic-Zelle; eine Offenlegung, die Eigenkapital und S2G-Fremdkapital trennt; aktualisierte Flottenzahlen über 100 Standorte; erste Kunden in der Metallbearbeitung; weitere Board- oder Managementzugänge aus dem Mercato-Netzwerk.

  6. 06

    Analystensicht

    These: Der Wert der Physical AI fällt dem zu, der Inbetriebnahme, Service und Finanzierung kontrolliert. Zuversicht: mittel. Die Betriebskennzahlen sind stark und in zwei Mitteilungen konsistent, doch die Runde ist für die Kategorie klein und der Fremdkapitalanteil unbekannt, was das Wachstum einer anlagenintensiven Flotte begrenzt.

  7. 07

    Offene Fragen

    Wie viel der 50 Mio. US-Dollar ist Eigenkapital, wie viel S2G-Fremdkapital? Welchen Umsatzanteil haben die zehn größten Kunden? An welchen Standorten laufen heute Modelle von Physical Intelligence, mit welcher Erfolgsquote? Wie entwickelt sich die Bruttomarge je Roboter zwischen Vertragsjahr eins und drei? Wird Formic auch Humanoide anderer Hersteller finanzieren?