Was ist ein VLA-Modell? Robot Foundation Models erklärt, von RT-2 bis pi0.5, und warum ihre Entwickler 2026 2,94 Milliarden Dollar einsammelten
Ein Vision-Language-Action-Modell (VLA) nimmt Kamerabilder und eine schriftliche Anweisung auf und gibt direkt Motorbefehle für den Roboter aus; Google DeepMind prägte den Begriff im Juli 2023 mit RT-2.
2026 haben sechs Entwickler solcher Robot Foundation Models laut MEKAWIRE-Datenbank 2,94 Milliarden Dollar offengelegt, ein Viertel aller offengelegten Robotik-Finanzierungen und doppelt so viel wie Humanoid-Hersteller.
Ein Vision-Language-Action-Modell, kurz VLA, ist ein einziges neuronales Netz, das Kamerabilder betrachtet, eine Anweisung wie "Stell die Tasse in die Spüle" liest und daraus die nächsten Motorbefehle des Roboters erzeugt. Gebaut wird es, indem man einem mit Bildern und Texten aus dem Internet trainierten Vision-Language-Modell beibringt, neben Wörtern auch Aktionen auszugeben. 2026 haben die Entwickler solcher Robot Foundation Models laut MEKAWIRE-Datenbank in sechs Runden 2,94 Milliarden Dollar offengelegt, ein Viertel aller offengelegten Robotik-Finanzierungen des Jahres.
Das Geld setzt darauf, dass der Wert im Gehirn des Roboters liegt, nicht im Körper. Dieser Überblick erklärt Funktionsweise, Anbieter, Mittelverwendung und den Abstand zur Praxis, gestützt nur auf Papers der Entwickler, Firmenmitteilungen und verifizierte MEKAWIRE-Daten, und fragt, was das für Europas Automatisierer bedeutet.
Google schrieb 2023 die Definition, die Branche behielt sie
Google DeepMind führte den Begriff im RT-2-Paper vom 28. Juli 2023 ein. Das Rezept war schlicht: Roboteraktionen als Text-Token schreiben und ein Vision-Language-Modell gleichzeitig mit Robotertrajektorien und Web-Frage-Antwort-Daten trainieren, sodass ein Modell Fragen beantwortet und einen Arm steuert. Das Team berichtete aus 6.000 Testläufen, der Roboter befolge Befehle, die in seinen Roboterdaten nicht vorkamen, etwa einen Stein als behelfsmäßigen Hammer zu wählen.
Die offene Antwort kam im Juni 2024. OpenVLA, ein Modell mit 7 Milliarden Parametern auf Basis von Metas Llama 2 mit DINOv2- und SigLIP-Bildencodern, wurde mit 970.000 realen Roboterdemonstrationen trainiert. Die Autoren berichteten 16,5 Punkte mehr Aufgabenerfolg als das 55-Milliarden-Modell RT-2-X über 29 Aufgaben und zeigten Feinabstimmung auf Consumer-GPUs. Damit wurde das VLA zur Forschungsplattform.
Die zweite Generation baute die Aktionshälfte um
Text-Token sind ein grobes Mittel, um einen siebenachsigen Arm flüssig zu bewegen. pi0 von Physical Intelligence, veröffentlicht am 31. Oktober 2024, behielt das vortrainierte Vision-Language-Modell für das Verstehen, erzeugte aber kontinuierliche Aktionsblöcke per Flow Matching und zeigte Wäschefalten und Kartonmontage auf ein- und zweiarmigen sowie mobilen Robotern. Der Nachfolger pi0.5 vom 22. April 2025 trainierte gemeinsam auf Roboter-, Web- und Teilaufgabendaten und räumte nach Firmenangaben Küchen und Schlafzimmer in unbekannten Wohnungen auf.
NVIDIAs GR00T N1 (18. März 2025) teilt die Arbeit in ein Vision-Language-System 2, das die Szene deutet, und ein Diffusion-Transformer-System 1, das Bewegungen in Echtzeit erzeugt, trainiert auf Real-, Video- und synthetischen Daten und eingesetzt auf dem Humanoiden GR-1 von Fourier. Gemini Robotics von Google DeepMind (25. März 2025) basiert auf Gemini 2.0 und lernte neue kurze Aufgaben aus nur 100 Demonstrationen.
- RT-2
- Google DeepMind
- Juli 2023
- Nein
- Aktionen als Text-Token; Schlussfolgern wie die Wahl eines Steins als Hammer; 6.000 Testläufe
- OpenVLA
- Universitätsteam
- Juni 2024
- Ja, 7 Mrd.
- 970.000 Demonstrationen; plus 16,5 Punkte gegenüber RT-2-X (55 Mrd.) auf 29 Aufgaben
- pi0
- Physical Intelligence
- Okt. 2024
- Im Paper nicht angegeben
- Flow-Matching-Aktionen auf einem VLM; Wäschefalten, Kartonmontage
- GR00T N1
- NVIDIA
- März 2025
- Ja
- VLM plus Diffusion Transformer; Real-, Video- und synthetische Daten; Fourier GR-1
- Gemini Robotics
- Google DeepMind
- März 2025
- Nein
- Basis Gemini 2.0; neue kurze Aufgaben aus 100 Demonstrationen
- pi0.5
- Physical Intelligence
- April 2025
- Im Paper nicht angegeben
- Co-Training auf heterogenen Daten; Aufräumen in unbekannten Wohnungen
Quellen: die genannten arXiv-Papers. Ergebnisse sind Eigenangaben der Entwickler, keine unabhängigen Tests.
Stand: 17. Okt. 2026
Die Modelle teilen eine Architekturidee und unterscheiden sich darin, was sie herausgeben. Dieser Unterschied prägt die Finanzierung.
Wohin die 2,94 Milliarden Dollar flossen
Sechs Foundation-Model- und VLA-Firmen haben 2026 Runden offengelegt. Die Series C von Skild AI über 1,4 Milliarden Dollar zu 14 Milliarden Dollar Post-Money, angeführt von SoftBank Group und am 14. Januar verkündet, macht allein 47,6 Prozent der Summe aus und entspricht dem 9,3-Fachen der Bewertung der Series A vom Juli 2024 über 1,5 Milliarden Dollar, 18 Monate zuvor. Es folgen Rhoda AI (450 Millionen), Generalist AI (400 Millionen), Walden Robotics (300 Millionen Seed bei 1,1 Milliarden Bewertung) und Spirit AI (280 Millionen). Aus Stuttgart kommt Sereact mit 110 Millionen Dollar.
- Skild AI
- USA
- 14. Jan.
- Series C
- 1.400,0
- 14,0
- SoftBank Group
- Spirit AI
- China
- 25. Feb.
- Sonstige
- 280,0
- k. A.
- k. A.
- Rhoda AI
- USA
- 10. März
- Series A
- 450,0
- k. A.
- k. A.
- Sereact
- Deutschland
- 27. April
- Series B
- 110,0
- k. A.
- Headline
- Generalist AI
- USA
- 4. Juni
- Wachstum
- 400,0
- k. A.
- Radical Ventures
- Walden Robotics
- USA
- 15. Juli
- Seed
- 300,0
- 1,1
- Deviation Capital
- Summe
- Keine Daten
- Keine Daten
- 6 Runden
- 2.940,0
- Keine Daten
- Keine Daten
Stand 17. Oktober 2026. Nur verifizierte Beträge aus Firmen- oder Investorenmitteilungen. X Square Robot und ROBOTERA (je zwei Runden 2026) fehlen, weil die Beträge nicht als verifizierte Werte gespeichert sind; Physical Intelligence fehlt, weil die Runden nur aus Presseberichten bekannt sind. Methode: Anteil = 2.940,0 / 11.468,8 (alle 57 offengelegten Robotik-Runden 2026), Durchschnitt = Summe / Anzahl.
Stand: 17. Okt. 2026
Die durchschnittliche offengelegte Runde liegt in dieser Gruppe bei 490,0 Millionen Dollar, gegenüber 201,2 Millionen über alle 57 Robotik-Runden des Jahres und 181,6 Millionen bei Humanoid-Herstellern. Vier der sechs sind amerikanisch und stehen für 86,7 Prozent des Geldes. Sereact ist der einzige europäische Vertreter; die französische Genesis AI sammelte ihre 105 Millionen Dollar bereits im Juni 2025. Physical Intelligence fehlt in der Tabelle, weil das Unternehmen seine Rundengrößen nicht selbst veröffentlicht hat.
MEKAWIRE-Analyse
Das VLA wird zur gemeinsamen Betriebsschicht der Robotikbranche, und Investoren bezahlen für die Kontrolle über den vortrainierten Checkpoint und die Daten, die ihn verbessern, nicht für Arme oder Beine.
Unsere Paper-Datenbank zeigt, wie sich diese Schicht bildet. Von 585 seit dem 1. September erfassten Robotik-Papers sind 101 (17,3 Prozent) VLA-Arbeiten, und die drei am 17. Oktober besprochenen setzen alle auf pi0.5 auf und ergänzen etwas darum herum: ForkCast der MBZUAI prognostiziert, ob die Kamera bewegt oder der Arm neu geplant werden soll, LTM von Beihang und BAAI gibt der Policy ein Gedächtnis, und ein Verifikator von Seoul National University, KAIST und Dnotitia entscheidet, wie vielen geplanten Aktionen zu trauen ist. Dieser Verifikator lief auf einem Franka-Arm aus Deutschland. Forschung verschiebt sich vom Bauen von VLAs zum Einhüllen, ein typisches Zeichen dafür, dass ein Basismodell zum Standard wird.
Das stärkste Gegenargument steckt in denselben Papers. Eine feinabgestimmte pi0.5 schaffte ohne Zusatzmodule 13,3 Prozent gestörter Simulationsepisoden und 11,25 Prozent realer Zählversuche; die Verbesserungen kamen aus aufgabenspezifischen Daten und Engineering. Hängt der Erfolg im Feld von Standortdaten und Integration ab, fließt der Wert zu denen, die Roboterflotten und Kundenstandorte besitzen. Das spräche für Integratoren und Industriekonzerne wie Siemens, Kuka oder Schaeffler, die Fabriken und Kundenbeziehungen haben, und gegen reine Modell-Start-ups.
Im optimistischen Szenario wird ein Checkpoint, der je Aufgabe mit rund hundert Demonstrationen nachtrainiert wird, billiger als klassische Roboterprogrammierung, und die Modellbesitzer kassieren bei jedem Einsatz mit. Im pessimistischen Szenario schließen offene Modelle wie OpenVLA und GR00T N1 die Lücke, VLA-Fähigkeiten werden binnen zwei Jahren zur Massenware, und Bewertungen von 14 Milliarden Dollar treffen auf Softwaremargen ohne Software-Lock-in.
Unsere Einschätzung würde sich durch Belege aus Kundenwerken ändern, nicht durch Benchmarks. Zu beobachten sind: ob ein VLA-Entwickler bis 31. Dezember 2026 Erfolgsquoten je Aufgabe bei einem zahlenden Kunden veröffentlicht, ob Physical Intelligence eine Runde über eigene Kanäle bekanntgibt und ob der VLA-Anteil in MEKAWIREs Novemberzählung über dem Oktoberwert liegt.
- Google DeepMind introduced the term vision-language-action model with RT-2 (arXiv, July 28, 2023), which writes robot actions as text tokens inside a vision-language model and was tested in 6,000 evaluation trials.
- OpenVLA (arXiv, June 13, 2024) is a 7-billion-parameter open model trained on 970,000 real robot demonstrations; its authors report it beat the 55-billion-parameter RT-2-X by 16.5 points of task success across 29 tasks.
- Physical Intelligence's pi0 (Oct 31, 2024) added a flow-matching action generator on top of a vision-language model; pi0.5 (Apr 22, 2025) co-trained on robot, web and semantic data and cleaned kitchens and bedrooms in homes it had never seen.
- NVIDIA's GR00T N1 (Mar 18, 2025) is an open VLA with a vision-language System 2 and a diffusion-transformer System 1, deployed on Fourier's GR-1 humanoid; Gemini Robotics (Mar 25, 2025) learned new short tasks from as few as 100 demonstrations.
- MEKAWIRE database, as of Oct 17, 2026: six robot-foundation-model and VLA companies disclosed USD 2,940.0m in 2026, 25.6% of USD 11,468.8m disclosed across 57 robotics rounds, and 2.0 times the USD 1,452.4m raised by humanoid-primary companies.
- Skild AI's USD 1.4bn Series C at a USD 14bn post-money valuation (Jan 14, 2026) is 47.6% of the 2026 foundation-model total and a 9.3-fold valuation step-up from its USD 1.5bn Series A of July 2024.
- 101 of the 585 robotics papers MEKAWIRE ingested since Sept 1, 2026 (17.3%) are VLA papers; all three briefed on Oct 17 use a frozen or fine-tuned pi0.5 as the base policy.
Warum das wichtig ist
Jeder Roboterhersteller muss entscheiden, ob er sein Manipulationsgehirn selbst baut, lizenziert oder nachtrainiert. Die sechs offengelegten Runden 2026 setzen 2,94 Milliarden Dollar auf die These, dass sich diese Schicht von der Hardware lösen und über viele Roboterkörper verkaufen lässt, wie Android über viele Telefone.
Für den Mittelstand ist die Wechselkostenfrage entscheidend. Wer ein lizenziertes Modell mit eigenen Demonstrationen nachtrainiert, besitzt die Daten, nicht die Gewichte; bei offenen Checkpoints ist es umgekehrt. Einkauf und Rechtsabteilung sollten VLA-Lizenzbedingungen jetzt strategisch behandeln, auch mit Blick auf die Haftungs- und KI-Regeln der EU.
Wettbewerbsanalyse
Drei Lager konkurrieren. Plattformkonzerne mit eigenen Chips, Clouds oder Sprachmodellen (Google DeepMind, NVIDIA) können Modelle verschenken, um Rechenleistung zu verkaufen, oder sie schließen, um Dienste zu verkaufen. Unabhängige Modelllabore (Physical Intelligence, Skild AI, Generalist AI, Rhoda AI) müssen am Modell selbst verdienen und haben die größten privaten Runden erhalten. Vertikal integrierte Roboterhersteller bauen eigene Modelle für ihre Hardware.
Europa ist mit Sereact (Stuttgart, VLA-gesteuertes Kommissionieren für die Logistik) und Genesis AI (Frankreich) vertreten, aber mit einem Bruchteil des US-Kapitals. China verbindet Modelle eng mit eigenen Humanoiden, etwa bei Spirit AI, X Square Robot und ROBOTERA, finanziert auch von Industriestrategen.
Bewertungskontext
Unter den Runden dieses Jahres haben nur Skild AI (14 Milliarden Dollar) und Walden Robotics (1,1 Milliarden Dollar beim Seed) eine Bewertung genannt. Skild stieg in 18 Monaten auf das 9,3-Fache, schneller als jeder Humanoid-Hersteller in unserer Datenbank über einen vergleichbaren Zeitraum.
Die Durchschnittsrunde von 490,0 Millionen Dollar ist 2,4-mal so groß wie der Robotikschnitt (201,2 Millionen) und 2,7-mal so groß wie der Humanoid-Schnitt (181,6 Millionen). Sereacts 110 Millionen Dollar sind gemessen daran klein, was den Kapitalabstand Europas deutlich macht.
Folgen für die Lieferkette
Ein VLA-Geschäft verbraucht GPUs für Training und Inferenz, Roboterzeit für Datensammlung und zunehmend Simulation. Die besprochenen Papers beziffern die Inferenz: pi0.5 mit Gedächtnis brauchte 66,71 Millisekunden auf einer NVIDIA H100, der Verifikator 0,45 bis 1,24 Prozent der Generierungszeit. Trainingscluster sind NVIDIA-dominiert, was die offene Freigabe von GR00T erklärt.
Auf der Roboterseite stützt sich die Forschung auf wenige Plattformen, darunter der Franka Panda aus Deutschland, AgileX PiPER aus China sowie Humanoide von Unitree und Galbot. Datensammlung per Teleoperation ist personalintensiv, was China mit staatlich geförderten Datenzentren begünstigt; europäische Anbieter müssten über Simulation und Industriedaten aus Bestandsanlagen kontern.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens: Veröffentlicht ein VLA-Entwickler bis 31. Dezember 2026 Erfolgs- und Eingriffsquoten je Aufgabe aus einem zahlenden Kundeneinsatz? Zweitens: Legt Physical Intelligence eine Runde oder Lizenzbedingungen über eigene Kanäle offen? Drittens: Bleibt der VLA-Anteil in MEKAWIREs Novemberzählung bei rund einem Sechstel oder steigt er? Für Europa zusätzlich: eine Folgerunde von Sereact oder ein Einstieg eines Industriekonzerns bei einem VLA-Entwickler.
Analystensicht
These: Das VLA wird zur gemeinsamen Betriebsschicht, Investoren bezahlen für die Kontrolle über Checkpoint und Datenkreislauf. Zuversicht: mittel. Die Architektur hat sich angenähert, die Forschung standardisiert sich auf wenige Basismodelle, doch kein Entwickler hat geprüfte Serienwirtschaftlichkeit gezeigt, und offene Modelle verkleinern den Burggraben. Wir würden die Zuversicht senken, wenn offene Checkpoints binnen zwölf Monaten bei Kundenaufgaben gleichziehen, und erhöhen, wenn ein Modellentwickler Mehrstandort-Lizenzen mit offengelegten Konditionen abschließt.
Offene Fragen
An Modellentwickler: Welcher Umsatzanteil kommt aus Lizenzen, welcher aus Engineering? Welche Erfolgsquote sehen Kunden ohne standortspezifisches Nachtraining? Wie viele Demonstrationen braucht eine neue Aufgabe im Serienbetrieb?
An deutsche Integratoren und Hersteller: Ab welcher Flottengröße lohnt ein eigenes Modell gegenüber einer Lizenz? Wie werden Haftung und Nachweispflichten unter EU-Regeln geregelt, wenn ein lizenziertes VLA die Bewegung erzeugt?