Figure schickt Figure 02 nach elf Monaten im BMW-Werk Spartanburg in Rente und setzt auf Figure 03 und eine BotQ-Linie für 12.000 Roboter im Jahr

Der US-Humanoidenhersteller Figure AI hat seinen Figure 02 nach einem elfmonatigen Einsatz im BMW-Werk Spartanburg ausgemustert, wo die Roboter nach Firmenangaben zur Produktion von mehr als 30.000 BMW X3 beitrugen.
Nachfolger ist der am 9. Oktober 2025 vorgestellte Figure 03 mit schnelleren Kameras, Tastsensoren für 3 Gramm und induktivem Laden mit 2 Kilowatt, gebaut für eine Linie mit bis zu 12.000 Einheiten pro Jahr.
Figure AI hat am 19. November 2025 Bilanz über den Einsatz seines Humanoiden Figure 02 im BMW-Werk Spartanburg in South Carolina gezogen und das Modell nach elf Monaten offiziell ausgemustert. Nach Angaben des US-Unternehmens trugen die Roboter dort zur Produktion von mehr als 30.000 BMW X3 bei. Die Veröffentlichung folgte sechs Wochen nach der Vorstellung der dritten Generation Figure 03 am 9. Oktober und ist die bislang ausführlichste öffentliche Dokumentation eines Humanoiden im Schichtbetrieb an einer laufenden Automobillinie.
Laut Figure arbeitete der Figure 02 von Montag bis Freitag in Zehn-Stunden-Schichten, kam auf mehr als 1.250 Betriebsstunden, legte mehr als 90.000 Teile ein und machte mehr als 1,2 Millionen Schritte, nach Firmenangaben über 200 Meilen. Die Taktzeit der Station lag bei 84 Sekunden, davon 37 Sekunden für das Einlegen. Ziel waren eine Platzierungsquote von mehr als 99 Prozent je Schicht, eine Toleranz von 5 Millimetern bei rund 2 Sekunden je Teil und null menschliche Eingriffe pro Schicht. Als häufigste Fehlerquelle nannte Figure den Unterarm.
Was sich mit Figure 03 ändert
Figure hat den Figure 03 nach eigenen Angaben auf sein hauseigenes Vision-Language-Action-Modell Helix und auf den Einsatz im Haushalt ausgelegt. Das neue Kamerasystem arbeitet laut Unternehmen mit doppelter Bildrate, einem Viertel der Latenz und einem um 60 Prozent größeren Sichtfeld je Kamera bei kleinerer Bauform. In jeder Handfläche sitzt eine Weitwinkelkamera, die weicheren Fingerkuppen tragen Tastsensoren, die laut Figure Kräfte ab 3 Gramm erfassen. Eine Millimeterwellenverbindung mit 10 Gbit/s erlaubt es der Flotte, große Datenmengen für das Training abzugeben.
Der Roboter ist laut Figure 9 Prozent leichter als sein Vorgänger und deutlich kompakter, Größe, Gewicht und Traglast nannte das Unternehmen nicht. Statt gefräster Hartschalen trägt er eine Textilhülle über Schaumstoff unterschiedlicher Dichte an Quetschstellen, die sich ohne Werkzeug abnehmen und waschen lässt. Der Akku ist auf Zell-, Verbindungs-, Batteriemanagement- und Packebene abgesichert und nach dem Transportstandard UN38.3 zertifiziert. Geladen wird induktiv mit 2 Kilowatt, sobald der Roboter auf eine Station tritt. Die Aktoren erreichen laut Figure bis zu doppelte Geschwindigkeit bei höherer Drehmomentdichte.
Der BMW-Bericht verknüpft eine dieser Änderungen direkt mit der Werkserfahrung. Weil der Unterarm des Figure 02 die größte Schwachstelle war, hat Figure die Handgelenkelektronik neu aufgebaut, eine Verteilerplatine und die durch das Gelenk laufende bewegte Verkabelung gestrichen und jeden Motorcontroller direkt mit dem Hauptrechner verbunden.
Auf Stückzahl konstruiert
Figure 03 ist laut Unternehmen für Druckguss, Spritzguss und Stanzen statt CNC-Fräsen ausgelegt, mit weniger Teilen und Montageschritten. Aktoren, Akkus, Sensoren, Strukturteile und Elektronik entwickelt Figure selbst. Die erste Linie der eigenen Fabrik BotQ soll bis zu 12.000 Humanoide pro Jahr bauen können, Ziel sind 100.000 Roboter in den nächsten vier Jahren. Die Herstellkosten je Einheit seien deutlich gesunken, eine Zahl, einen Preis oder einen Liefertermin nannte Figure nicht.
Im September 2025 hatte Figure eine Series-C-Runde mit Zusagen von mehr als 1 Milliarde Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 39 Milliarden Dollar bekanntgegeben, angeführt von Parkway Venture Capital. Das ist rund das 26-Fache der 1,5 Milliarden Dollar, die Skild AI für seine Series A im Jahr 2024 genannt hatte.
- Figure AI
- USA
- Series C
- 1000
- 39
- 2025-09-16
- Dyna Robotics
- USA
- Series A
- 120
- Keine Daten
- 2025-09-15
- Apptronik
- USA
- Series A, zusätzliches Closing
- 53
- Keine Daten
- 2025-03-18
- Skild AI
- USA
- Series A
- 300
- 1,5
- 2024-07-09
- 1X Technologies
- USA
- Series B
- 100
- Keine Daten
- 2024-01-13
- Agility Robotics
- USA
- Series B
- 150
- Keine Daten
- 2022-04-22
Angaben der Unternehmen zur jeweiligen Runde; —, wo keine Post-Money-Bewertung genannt wurde. Figure meldete Zusagen von mehr als 1 Mrd. USD. Apptronik ergänzte die Series A von 350 Mio. USD im Februar 2025 um 53 Mio. USD. Bewertungsmultiple Figure zu Skild = 39,0 / 1,5 = 26.
Stand: 19. Nov. 2025
Die Konkurrenz verfolgt unterschiedliche Wege. Tesla baut Optimus für die eigenen Werke, Agility Robotics setzt Digit in der Logistik ein, Apptronik erprobt Apollo mit Autoherstellern, darunter Mercedes-Benz, und 1X Technologies zielt mit NEO auf Privathaushalte. In Europa entwickeln Neura Robotics in Metzingen und andere Anbieter eigene Humanoide. Schichtdaten aus einem Autowerk hat bislang jedoch nur Figure veröffentlicht, und BMW hat die Zahlen in derselben Mitteilung nicht eigenständig bestätigt.
- Einsatzdauer
- 11
- Monate
- Schichtlänge
- 10
- Stunden, Mo bis Fr
- Laufzeit
- 1.250
- Stunden (mehr als)
- Fahrzeuge mit Beitrag
- 30.000
- BMW X3 (mehr als)
- Eingelegte Teile
- 90.000
- Teile (mehr als)
- Schritte
- 1.200.000
- Schritte (mehr als)
- Taktzeit
- 84
- Sekunden
- Einlegezeit
- 37
- Sekunden
- Platzierungstoleranz
- 5
- Millimeter
- Zielquote Platzierung
- 99
- Prozent je Schicht (mehr als)
Von Figure AI am 19. November 2025 veröffentlicht, von BMW nicht eigenständig bestätigt. Werte mit mehr als sind Untergrenzen.
Stand: 19. Nov. 2025
Die technischen Entscheidungen folgen der Logik lernender Steuerungen. Ein Modell, das aus Bildern Gelenkbefehle erzeugt, reagiert schneller, wenn Bilder häufiger und mit weniger Verzögerung eintreffen. Handflächenkameras decken den Moment ab, in dem die Hand beim Greifen die Kopfkameras verdeckt, und taktile Fingerkuppen liefern Signale zu Rutschen und Kontaktkraft, die Kameras nicht erfassen. Induktives Laden und schneller Datenabfluss ersparen zwei Handgriffe, das Einstecken und das Auslesen von Protokollen.
Für die deutsche Industrie ist die Botschaft zweischneidig. Wenn ein US-Hersteller Antriebe und Akkus selbst entwickelt, schrumpft der Markt für zugekaufte Getriebe und Servos, eine Domäne vieler Mittelständler. Zugleich wandert die Fertigung in Druckguss, Spritzguss und Stanzen, also in Prozesse, die deutsche Automobilzulieferer beherrschen. Für Hersteller in der EU kommt hinzu, dass die neue Maschinenverordnung ab Januar 2027 gilt und lernende Steuerungen ausdrücklich in die Sicherheitsbewertung einbezieht.
Wichtige Angaben fehlen. Figure hat weder Preis noch Liefertermin, Erstkunden, Größe, Gewicht, Traglast oder Laufzeit je Ladung genannt. Die BMW-Werte betreffen eine Station an einer Linie, und die Formulierung, die Roboter hätten zur Produktion von 30.000 Fahrzeugen beigetragen, sagt nichts über ersetzte Arbeitsstunden oder Kosten je Teil. Auch der Haushaltsanspruch ist bislang durch keinen Einsatz belegt.
Zu beobachten ist, ob Figure einen kommerziellen Kunden für Figure 03 nennt und nach Spartanburg zurückkehrt, ob BotQ eine Jahresleistung im vierstelligen Bereich ausweist und ob 2026 ein bezahlter Haushaltspilot folgt.
MEKAWIRE-Analyse
Figure hat den Wettlauf der Humanoiden von Vorführvideos zu dokumentierten Schichtleistungen verschoben, doch Figure 03 hängt an einem Produktionshochlauf und einem Haushaltsmarkt, die beide noch unbewiesen sind.
Die Belege sind ungewöhnlich konkret. Elf Monate, 1.250 Stunden, 90.000 Teile und 84 Sekunden Takt sind die Kennzahlen, die Werkseinkäufer verlangen, und die Neukonstruktion des Handgelenks zeigt, dass Felddaten binnen einer Generation in die Hardware zurückfließen. Der Schritt zu Druckguss und einer Linie für 12.000 Einheiten ist eine Fertigungsentscheidung, die 2025 nur ein Unternehmen mit 39 Milliarden Dollar Bewertung und mehr als 1 Milliarde Dollar frischem Kapital treffen konnte.
Das stärkste Gegenargument ist die Auslastung. Zehn Stunden an fünf Tagen über elf Monate ergäben für einen einzelnen Roboter rund 2.400 Stunden. Die veröffentlichten 1.250 Stunden deuten auf eine kleine Flotte im Teilzeitbetrieb oder lange Testphasen hin. Ohne Bestätigung durch BMW bleibt es eine Fallstudie des Lieferanten.
Optimistisches Szenario. Erreicht BotQ 2026 auch nur die Hälfte der Kapazität der ersten Linie, baut Figure mehrere tausend Roboter im Jahr und sammelt Einsatzdaten, die kein Rivale hat. Die Kostendegression aus Werkzeugteilen könnte einen Preis unter den Vollkosten eines Schichtarbeiters in den USA ermöglichen.
Pessimistisches Szenario. Wer Werkzeuge baut, bevor das Design in Stückzahl erprobt ist, zementiert Kosten, falls eine größere Überarbeitung nötig wird. Ein Haushaltsprodukt zieht Fragen zu Sicherheit, Datenschutz und Produkthaftung nach sich, die Werkspiloten nie stellen. Eine Bewertung von 39 Milliarden Dollar verzeiht keinen langsamen Hochlauf.
Signale:
- Erster namentlich genannter Kunde und Einsatzort für Figure 03 im ersten Halbjahr 2026
- Angaben zur BotQ-Produktion oder ausgelieferten Stückzahl bis Ende 2026
- Ein bezahlter Haushaltspilot oder ein veröffentlichtes Sicherheitskonzept im Jahr 2026
- 11 Monate im BMW-Werk Spartanburg
- Beitrag zu mehr als 30.000 BMW X3
- mehr als 90.000
- mehr als 1.250 Stunden, Zehn-Stunden-Schichten Mo bis Fr
- 84 s, davon 37 s Einlegen
- 9. Oktober 2025
- doppelte Bildrate, ein Viertel der Latenz, 60 Prozent mehr Sichtfeld
- Kräfte ab 3 Gramm
- induktiv, 2 kW
- bis 12.000 Roboter pro Jahr, Ziel 100.000 in vier Jahren
Warum das wichtig ist
Erstmals hat ein westlicher Humanoidenhersteller Schichtkennzahlen aus einer Serienlinie öffentlich gemacht. Einkäufer in Automobil und Logistik verlangen Taktzeiten, Eingriffsraten und Verfügbarkeit statt Videos, und Figure hat damit ein Berichtsformat gesetzt, an dem sich Wettbewerber messen lassen müssen.
Die Kopplung mit Figure 03 zeigt zudem den Rückkopplungskreis, den alle versprechen und wenige belegen: Ein Ausfallmuster im Unterarm führte zu neuer Verkabelung in der nächsten Generation. Für Investoren verschiebt sich der Fokus vom Modell zur Fertigungsdisziplin, wo die Kostenkurve entschieden wird.
Wettbewerbsanalyse
Tesla hat die breiteste Fertigungsbasis und eigene Werke als Abnehmer, hat aber keine vergleichbaren Einsatzdaten zu Optimus veröffentlicht. Agility Robotics verfügt mit Digit über die längste kommerzielle Erfahrung in der Logistik. Apptronik sammelte in seinen Series-A-Schritten 2025 insgesamt 403 Millionen Dollar ein, ein Bruchteil von Figures Mitteln.
In Europa setzen BMW und Mercedes-Benz auf Partnerschaften mit US-Anbietern, während Neura Robotics einen eigenen europäischen Pfad verfolgt. Figures Alleinstellung ist die vertikale Integration von Modell, Aktoren und Akkus, die bei Volumen die Marge hebt und ohne Volumen das Risiko.
Bewertungskontext
Mit 39 Milliarden Dollar nach der Series C wird Figure mit dem rund 26-Fachen der 1,5 Milliarden Dollar bewertet, die Skild AI 2024 nannte. Investoren preisen Figure damit als Plattform, nicht als Maschinenbauer.
Gemessen am Ziel von 100.000 Robotern in vier Jahren entspricht die Bewertung 390.000 Dollar je geplanter Einheit. Das trägt nur, wenn jeder Roboter wiederkehrende Software- oder Serviceerlöse weit über dem Hardwarepreis erzeugt. Da Figure keinen Preis nennt, bleibt jedes Erlösmodell Annahme.
Folgen für die Lieferkette
Figure entwickelt Aktoren, Akkus, Sensoren, Strukturen und Elektronik selbst und wechselt von CNC-Fräsen zu Druckguss, Spritzguss und Stanzen. Damit verschiebt sich der Einkauf von Präzisionsdrehern zu Werkzeugbauern und Gießereien aus dem Automobilumfeld, die Abhängigkeit von Katalog-Servos und Getrieben sinkt.
Lieferanten für Zellen, Magnete und Lager hat Figure nicht genannt. Für deutsche Zulieferer wie Schaeffler, die Aktorik für Humanoide anbieten, ist die Eigenentwicklung bei Figure ein Hinweis, dass die größten US-Kunden Kernkomponenten im Haus halten wollen. Die UN38.3-Zertifizierung ist Voraussetzung für Luft- und Seefracht und damit für Exporte.
Worauf jetzt zu achten ist
Ob der erste genannte Kunde für Figure 03 eine Fabrik oder ein Haushalt ist, zeigt die Reihenfolge der Kommerzialisierung. Eine Rückkehr nach Spartanburg mit Figure 03 würde belegen, dass BMW einen Wert über den Piloten hinaus sieht.
Zweiter Test ist die BotQ-Leistung, etwa eine veröffentlichte Stückzahl 2026 oder neue Werkzeug- und Standortankündigungen. Drittes Signal ist ein bezahlter Haushaltspilot mit veröffentlichtem Sicherheitskonzept.
Analystensicht
These: Figure liefert unter den US-Humanoidenherstellern den stärksten Beleg, dass seine Roboter einen Serientakt halten können, und Figure 03 ist ein glaubwürdiges Volumendesign, doch die Bewertung nimmt Hochlauf und Haushaltsmarkt vorweg. Zuversicht: mittel.
Nicht hoch, weil die BMW-Zahlen Eigenangaben sind, die Flottengröße hinter 1.250 Stunden fehlt und Preis, Traglast und Liefertermin offen sind. Nicht niedrig, weil die Konstruktionsänderungen konkret auf Felddaten zurückgehen und die Kapitalausstattung mehrere Jahre Spielraum für einen holprigen Start bietet.
Offene Fragen
Wie viele Figure 02 arbeiteten in Spartanburg, und wie hoch war ihre tatsächliche Verfügbarkeit gemessen am Zehn-Stunden-Plan? Was hat BMW gezahlt, und plant der Konzern den Einsatz von Figure 03?
Wie groß und schwer ist Figure 03, welche Traglast und Laufzeit je Ladung erreicht er, und welche Preise sind für Industrie und Haushalt geplant? Wer liefert Zellen, Magnete und Gussteile, und wo entsteht die zweite BotQ-Linie?