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Figure eröffnet Humanoiden-Fabrik BotQ mit erster Linie für 12.000 Roboter im Jahr und will Roboter in der eigenen Montage einsetzen

Figure AI hat am 15. März 2025 die vertikal integrierte Fabrik BotQ vorgestellt, deren erste Linie bis zu 12.000 Humanoide im Jahr bauen kann. Der Nachfolgeroboter wurde für Spritzguss, Druckguss und Stanzteile neu konstruiert, die Fabriksoftware selbst entwickelt, und die Lieferkette soll binnen vier Jahren für 100.000 Roboter reichen.

MEKAWIRE-Redaktion4 Min. Lesezeit

Figure eröffnet Humanoiden-Fabrik BotQ mit erster Linie für 12.000 Roboter im Jahr und will Roboter in der eigenen Montage einsetzen (Illustration: MEKAWIRE)
Zusammenfassung

Der kalifornische Humanoiden-Entwickler Figure AI hat am 15. März 2025 eine eigene Großserienfabrik für humanoide Roboter vorgestellt. Die erste Fertigungslinie des Werks mit dem Namen BotQ ist nach Angaben des Unternehmens auf bis zu 12.000 Humanoide im Jahr ausgelegt. Figure will die Kapazität darüber hinaus deutlich ausbauen und noch in diesem Jahr eigene Roboter an der Montagelinie einsetzen.

Mit der Ankündigung rückt das Unternehmen aus Sunnyvale vom Prototypenbau zur Serienfertigung mit einem genannten Kapazitätsziel vor. Figure erklärte, es habe sechs Monate lang die Softwaregrundlage der Fabrik aufgebaut und ein Team für Fertigungstechnik eingestellt. Das Werk sei vertikal integriert, damit Figure Qualität und Takt der Konstruktionsänderungen selbst steuert. Standort, Fläche, Investitionssumme und Start der Serienproduktion nannte das Unternehmen nicht.

Was Figure angekündigt hat

Die 12.000 Einheiten beziehen sich auf die erste Generation der Linie. Dahinter steht nach Angaben von Figure ein Lieferantennetz, das binnen vier Jahren auf 100.000 Roboter oder 3.000.000 Aktuatoren skalieren kann. Rechnerisch entspricht das durchschnittlich 25.000 Robotern pro Jahr, rund dem Doppelten der ersten Linie, und etwa 30 Aktuatoren pro Roboter. Figure stellt die 100.000 als Spielraum der Lieferkette dar, nicht als festen Produktionsplan.

Herzstück der Fabrik ist ein selbst entwickeltes Manufacturing Execution System, ergänzt um Systeme für Produktlebenszyklus, Ressourcenplanung und Lagerverwaltung. Laut Figure verfolgt das MES Teile vom Lieferanten bis zur Montage, dokumentiert die Herkunft jedes Bauteils, überwacht Stationseffizienz und Qualitätsprüfungen und bindet vernetzte Sensoren an der Linie ein.

Neu aufgestellt hat Figure ein Sicherheitsteam, ein Zuverlässigkeitsteam, das in BotQ beschleunigte Lebensdauertests mit Hochtemperaturöfen, Aktuatorprüfständen und Werkzeugen zur Fehleranalyse fährt, sowie ein Team für Fertigungstechnik, das die Montage in Unterstationen gliedert, Fügewerkzeuge auswählt und Vorrichtungen konstruiert.

BotQ in Zahlen
  • Kapazität erste Linie (Humanoide pro Jahr)
    Wert
    12.000
  • Skalierungsziel Lieferkette (Roboter, vier Jahre)
    Wert
    100.000
  • Rechnerischer Jahresdurchschnitt (Roboter)
    Wert
    25.000
  • Skalierungsziel Lieferkette (Aktuatoren, vier Jahre)
    Wert
    3.000.000
  • Rechnerische Aktuatoren je Roboter
    Wert
    30

Laut Figure-Mitteilung vom 15. März 2025. Jahresdurchschnitt = 100.000 Roboter / 4 Jahre; Aktuatoren je Roboter = 3.000.000 Aktuatoren / 100.000 Roboter. Die 100.000 beschreiben Spielraum der Lieferkette, kein Produktionsziel.

Stand: 15. März 2025

Ein Roboter, neu konstruiert für die Fabrik

Das aktuelle Modell Figure 02 sei als Prototyp ausgelegt und stütze sich auf langsame CNC-Bearbeitung mit engen Toleranzen, so Figure. Für den Nachfolger, den die BotQ-Mitteilung als Figure 03 und als auf Kosten und Großserie ausgelegten Produktionsroboter bezeichnet, wechselt Figure zu werkzeuggebundenen Verfahren wie Spritzguss, Druckguss, Metallpulverspritzguss und Stanzen. Teile, die zuvor mehr als eine Woche auf einer CNC-Maschine lagen, entstehen nun nach Unternehmensangaben in weniger als 20 Sekunden. Zudem sank die Teilezahl, weil jedes zusätzliche Teil Montagezeit kostet.

Weil es keine etablierte Lieferkette für Humanoide gibt, entwickelt Figure die meisten Komponenten selbst, darunter Aktuatoren, Motoren, Sensoren, Batteriepacks und Elektronik. Der Roboter umfasst mehr als drei Dutzend verschiedene Warengruppen. Die Montage der Kerntechnik, also Aktuatoren, Hände, Batterien und Endmontage, bleibt in BotQ, Einzelteile kommen von externen Zulieferern.

Automatisiert wird gezielt. Figure nennt eine automatische Fettdosierstation für Motorgetriebe, gewählt wegen der Präzision, und eine Station, die Batteriezellen vor der Packmontage scannt und prüft, gewählt wegen des Tempos. Ungewöhnlich ist der Plan, eigene Humanoide mit dem im Februar vorgestellten KI-Modell Helix in der Montage und als Materialträger zwischen den Stationen einzusetzen. Förderbänder würden damit überflüssig, so Figure.

Unternehmen und Wettbewerber

Figure wurde von Vorstandschef Brett Adcock gegründet. Im Februar 2024 sammelte das Unternehmen 675 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 2,6 Milliarden Dollar ein, unter anderem von Microsoft, dem OpenAI Startup Fund, Nvidia, Bezos Expeditions, Parkway Venture Capital und Intel Capital, und meldete eine erste kommerzielle Vereinbarung mit BMW Manufacturing über den Einsatz von Humanoiden in der Autoproduktion. Auch die Konkurrenz finanziert Wachstum. Apptronik meldete im Februar 2025 eine Series A über 350 Millionen Dollar, 1X Technologies im Januar 2024 eine Series B über 100 Millionen Dollar und Agility Robotics im April 2022 eine Series B über 150 Millionen Dollar.

Letzte veröffentlichte Finanzierungsrunde US-amerikanischer Humanoiden-Entwickler (Stand 15. März 2025)
  • Figure AI
    Rundengröße (USD)
    675.000.000
    Bewertung nach Geldzufluss (USD)
    2.600.000.000
    Bekanntgabe
    2024-02-29
    Gründungsjahr
    Keine Daten
  • Apptronik
    Rundengröße (USD)
    350.000.000
    Bewertung nach Geldzufluss (USD)
    Keine Daten
    Bekanntgabe
    2025-02-13
    Gründungsjahr
    2016
  • Agility Robotics
    Rundengröße (USD)
    150.000.000
    Bewertung nach Geldzufluss (USD)
    Keine Daten
    Bekanntgabe
    2022-04-22
    Gründungsjahr
    2015
  • 1X Technologies
    Rundengröße (USD)
    100.000.000
    Bewertung nach Geldzufluss (USD)
    Keine Daten
    Bekanntgabe
    2024-01-13
    Gründungsjahr
    2014

Angaben laut eigenen Mitteilungen der Unternehmen. Figure Series B, Apptronik Series A, Agility Robotics Series B, 1X Series B. Nicht veröffentlichte Bewertungen als null. Veröffentlichte, keine geschätzten Zahlen.

Stand: 15. März 2025

Für Europas Industrie ist das Signal zweischneidig. Die BMW Group sitzt als erster Kunde an der Quelle, während Zulieferer von Getrieben, Lagern und Antrieben einen möglichen neuen Abnehmerkreis sehen, sofern Figure Einzelteile extern vergibt. Offen bleiben die Stückkosten, die Ausbeute und der Hochlaufplan, und bislang ist nur ein kommerzieller Kunde öffentlich. Zu beobachten sind die Vorstellung des Serienroboters, der Einsatz von Humanoiden an der BotQ-Linie bis Jahresende und weitere Kundenverträge.

MEKAWIRE-Analyse

Entscheidend an BotQ ist weniger die Zahl von 12.000 Einheiten als die Neukonstruktion für Werkzeugverfahren, mit der Figures Humanoiden-Geschäft in eine überprüfbare Fertigungsphase eintritt.

Der Beleg liegt im Prozess. Der Wechsel von tagelanger CNC-Bearbeitung zu Guss- und Spritzgussteilen im Sekundentakt trennt in der Industriegeschichte Prototyp und Produkt. Dass Figure Aktuatoren, Hände und Batterien selbst montiert und das MES selbst geschrieben hat, zeigt, dass das Unternehmen häufige Änderungen und lückenlose Rückverfolgbarkeit auf Bauteilebene einplant.

Das stärkste Gegenargument lautet, dass die Kapazität vor der Nachfrage verkündet wurde. Eine Linie für 12.000 Roboter im Jahr braucht Kunden, die Tausende Einheiten abnehmen, und öffentlich bekannt ist bislang nur BMW Manufacturing. Ohne Preise, Ausbeute oder Auftragsvolumen ist die Zahl eine Obergrenze, keine Prognose.

Bull-Szenario. Bewährt sich der Serienroboter beim Kunden, verfügt Figure über eigenes Modell, eigene Aktuatoren und ein laufendes Werk und kann Kosten schneller senken als Wettbewerber, die auf Auftragsfertiger setzen. Roboter in der eigenen Montage liefern zudem ein kontrolliertes Testfeld.

Bear-Szenario. Werkzeuge legen die Konstruktion fest, bevor Felddaten vorliegen. Ein spät entdeckter Fehler würde teure Werkzeugänderungen erzwingen, und bleiben Kundeneinsätze im Pilotmaßstab, lasten die Fixkosten des Werks auf einem wagnisfinanzierten Unternehmen.

Signale, die zu beobachten sind.

  • Im Laufe des Jahres 2025 die Vorstellung des Serienroboters und seiner technischen Daten.
  • Bis 31. Dezember 2025 Belege, dass Humanoide an der BotQ-Linie montieren oder Material bewegen.
  • 2025 bis 2026 neue namentlich genannte Kunden oder eine Finanzierungsrunde, die den Hochlauf deckt.

Gute oder schlechte Nachricht für das Unternehmen?

 

Eckdaten
Angekündigt
15. März 2025
Werk
BotQ, Großserienfabrik für Humanoide
Kapazität erste Linie
Bis zu 12.000 Humanoide pro Jahr
Skalierungsziel Lieferkette
100.000 Roboter oder 3.000.000 Aktuatoren in vier Jahren
Fertigungszeit je Teil
Von über einer Woche CNC auf unter 20 Sekunden mit Werkzeugverfahren
Eigene Montage
Aktuatoren, Hände, Batterien, Endmontage
Fabriksoftware
Eigenes MES plus PLM, ERP und WMS, aufgebaut in sechs Monaten
Roboter bauen Roboter
Helix-gesteuerte Humanoide sollen 2025 in Montage und Logistik arbeiten
Nicht genannt
Standort, Fläche, Investition, Stückkosten
Quellen
    MEKAWIRE Intelligence
    1. 01

      Warum das wichtig ist

      Mit BotQ hängt Figure seinen Fertigungsplänen eine konkrete Kapazitätszahl an und untermauert sie mit Prozessdetails. Der Schritt von der Zerspanung aus dem Vollen zu Spritzguss, Druckguss, Metallpulverspritzguss und Stanzen ist die Voraussetzung dafür, dass Stückkosten mit dem Volumen sinken, und damit für jedes Humanoiden-Geschäft, das Werken und Lagern eine Amortisationsrechnung bieten muss.

      Zugleich schafft Figure überprüfbare Meilensteine. Die Linie für 12.000 Einheiten, das Vierjahresziel der Lieferkette und das Versprechen, noch 2025 Roboter in der Montage einzusetzen, werden zum Maßstab für ein Unternehmen, das zuletzt mit 2,6 Milliarden Dollar bewertet wurde.

    2. 02

      Wettbewerbsanalyse

      Unter den vier US-Anbietern in unserer Tabelle ist Figures Series B über 675 Millionen Dollar vom Februar 2024 die größte, vor Apptronik mit 350 Millionen, Agility Robotics mit 150 Millionen und 1X Technologies mit 100 Millionen Dollar. Dieser Kapitalvorsprung finanziert Werk und Komponentenentwicklung.

      Für europäische Hersteller ist der Kontrast lehrreich. Deutsche Autobauer erproben Humanoide bislang vor allem als Kunden von Start-ups, während Figure die Wertschöpfung bis zum Aktuator selbst kontrollieren will. Das ist kapitalintensiv und langsam im Aufbau, sichert aber die Kontrolle über die Teile, die Kosten und Ausfallraten bestimmen.

    3. 03

      Bewertungskontext

      Die letzte veröffentlichte Bewertung von Figure liegt bei 2,6 Milliarden Dollar aus dem Februar 2024, als das Unternehmen rund 80 Beschäftigte und keine Fabrik hatte. BotQ liefert für die nächste Runde ein Industrieobjekt und eine Kapazitätszahl.

      Umsatz, Auftragsbestand und Preise sind nicht bekannt, eine Höherbewertung müsste sich also auf technische und industrielle Fortschritte stützen. Zeitpunkt und Preis der ersten Serienauslieferungen werden zur entscheidenden Größe.

    4. 04

      Folgen für die Lieferkette

      Der Roboter umfasst mehr als drei Dutzend Warengruppen. Aktuatoren, Hände, Batterien und Endmontage bleiben im Haus, Einzelteile werden zugekauft. 3.000.000 Aktuatoren für 100.000 Roboter bedeuten rund 30 Aktuatoren je Einheit, womit Motoren, Getriebe, Lager und Drehgeber den Kern der Stückliste bilden.

      Für den deutschen Mittelstand mit Kompetenz in Präzisionsgetrieben, Lagern, Druckguss und Spritzguss eröffnet sich damit ein möglicher Markt, allerdings auf Ebene von Einzelteilen und nicht von Baugruppen. Die automatisierte Zellprüfung zeigt, dass Figure Zellen zukauft und Packs selbst baut.

    5. 05

      Worauf jetzt zu achten ist

      Erstens die Vorstellung des in der BotQ-Mitteilung als Figure 03 bezeichneten Serienroboters und seine Daten. Zweitens Belege dafür, dass bis Ende 2025 Humanoide an der BotQ-Linie arbeiten.

      Drittens Angaben zu Standort, Fläche und Belegschaft des Werks. Viertens neue Kunden neben BMW Manufacturing und eine Finanzierungsrunde, die zeigt, wie der Markt Figure nach der Fabrikankündigung bewertet.

    6. 06

      Analystensicht

      These. BotQ ist ein glaubwürdiger Schritt vom Prototyp zum Produkt, weil Figure den Roboter für Werkzeugverfahren neu konstruiert und Kernbaugruppen im Haus behält, doch die Nachfrage ist unbewiesen. Zuversicht mittel. Die Prozessangaben sind konkret und entsprechen dem üblichen Weg zur Serienhardware. Gegen hohe Zuversicht sprechen fehlende Angaben zu Stückkosten, Ausbeute, Hochlauf und Auftragsvolumen sowie nur ein öffentlich bekannter Kunde.

      Der Plan, Roboter Roboter bauen zu lassen, ist vor allem ein Test für Helix in kontrollierter Umgebung. Gelingt er, gewinnt Figure Fabrikdaten, verzögert er sich, sagt das mehr über die Reife des Modells als über das Werk.

    7. 07

      Offene Fragen

      Wo steht BotQ, wie groß ist das Werk und was hat es gekostet? Wann beginnt die Serienfertigung der ersten Linie, und welche Stückzahl erwartet Figure für 2025?

      Welche Zielkosten hat der Serienroboter, und wie viele Einheiten haben BMW Manufacturing oder andere Kunden fest bestellt? Wie steuert Figure Konstruktionsänderungen, wenn die Werkzeuge erst einmal gebaut sind?