NVIDIA verkauft Fabrikzwillinge und Thor-Roboterrechner als Werkzeug der US-Reindustrialisierung und holt Foxconn, Siemens, FANUC und vier Roboterentwickler an Bord

Auf der GTC in Washington erweiterte NVIDIA am 28. Oktober 2025 seinen Mega Omniverse Blueprint für digitale Zwillinge ganzer Werke, mit Siemens, FANUC und Foxconn unter den ersten Partnern. Figure, Agility Robotics, Amazon Robotics und Skild AI nannte der Konzern als Roboterentwickler auf seiner Plattform und stellte mit IGX Thor einen Edge-Rechner für Industrie und Medizin mit 5.581 FP4-Teraflops vor, der im Dezember 2025 kommen soll.
NVIDIA hat seine GTC-Konferenz in Washington am 28. Oktober 2025 genutzt, um digitale Fabrikzwillinge und Roboterrechner als Werkzeugkasten für die Reindustrialisierung der USA zu verkaufen. Als Anwender seiner Simulationssoftware Omniverse nannte der Konzern Foxconn, Caterpillar, Toyota, TSMC, Lucid Motors, Belden und Wistron, als Entwickler einer „kollaborativen Roboterbelegschaft“ Figure, Agility Robotics, Amazon Robotics und Skild AI.
Den Rahmen setzte NVIDIA mit einer Zahl. 2025 seien Investitionen von 1,2 Billionen Dollar in den Ausbau der US-Produktionskapazität angekündigt worden, angeführt von Elektronikherstellern, Pharmakonzernen und Chipproduzenten. Gründer und Vorstandschef Jensen Huang sagte, KI verwandle die Fabriken der Welt in „intelligente denkende Maschinen“. Am selben Tag stellte NVIDIA mit IGX Thor einen Edge-Rechner für Industrie und Medizin vor, der 5.581 FP4-Teraflops leistet. Serienprodukte und Entwicklerkits sollen im Dezember 2025 kommen.
Kern der Softwareseite ist eine erweiterte Fassung des „Mega“ NVIDIA Omniverse Blueprint, einer Referenzarchitektur, die nun Bibliotheken für Planung und Simulation ganzer Werke enthält, bevor gebaut wird. Siemens hat laut NVIDIA als erstes Unternehmen eine Digital-Twin-Software dafür entwickelt, die sich als Teil von Siemens Xcelerator im Betatest befindet. FANUC und Foxconns Industriesparte Fii gehören zu den ersten Roboterherstellern, die 3D-Zwillinge ihrer Roboter im Format OpenUSD bereitstellen, sodass Planer die Maschinen per Drag and Drop in die virtuelle Halle setzen können. Huang zeigte, wie Foxconn damit sein 242.287 Quadratfuß großes Werk in Houston plant, das NVIDIA-KI-Infrastruktur fertigen soll.
Die Industriekunden beschrieben unterschiedlich tiefe Anwendungen. Caterpillar baut Zwillinge seiner Werke und Lieferketten, sagt mit NIM-Microservices Wartungsbedarf voraus und optimiert die Lieferkette mit cuOpt. Toyota spielt mit dem Werkzeug iw.sim von idealworks Automatisierungsszenarien für sein Werk in Georgetown, Kentucky, durch. TSMC nutzt Omniverse für die Fab-Planung in Phoenix, Arizona, und die Isaac-Plattform für Robotik. Lucid modelliert seine Fabriken für Planung und Robotertraining, Wistron validiert in Fort Worth, Texas, montierte Systeme digital, und Belden setzt Accentures Physical AI Orchestrator für virtuelle Schutzzäune und Qualitätsprüfung ein.
Auf der Roboterseite kündigten Figure und NVIDIA eine Zusammenarbeit bei humanoiden Robotern der nächsten Generation an. Figure trainiert sein Vision-Language-Action-Modell Helix auf NVIDIA-Rechnern und nutzt Isaac für Simulation und Training. Agility Robotics verfeinert die Ganzkörpersteuerung seines Humanoiden Digit in Isaac Lab mit Millionen Szenarien des bestärkenden Lernens, Digit läuft auf dem Modul Jetson AGX Thor. Skild AI trainiert mit Isaac Lab und den Cosmos-Weltmodellen ein Basismodell für Lauf-, Rad- und humanoide Roboter. Zudem habe Simulationstraining Amazons Mehrarm-Manipulator Blue Jay in gut einem Jahr vom Konzept in die Produktion gebracht, so NVIDIA.
IGX Thor trägt die Blackwell-basierte Thor-Familie in regulierte Umgebungen wie Kliniken und Bahn. Laut NVIDIA-Blog kombiniert das System eine integrierte und eine diskrete Blackwell-GPU, bietet 400 GbE, liefert auf der integrierten GPU die achtfache und auf der diskreten die 2,5-fache KI-Leistung von IGX Orin und kommt mit zehn Jahren Lebenszyklus-Support sowie dem Sicherheitsstack Halos. Angeboten werden das Modul IGX T5000 und das Board-Kit IGX T7000. Frühe Anwender sind Diligent Robotics, EndoQuest Robotics, Hitachi Rail, Joby Aviation und Maven Robotics, CMR Surgical prüft den Einsatz. Einen Preis nannte NVIDIA nicht.
- IGX Thor
- 5581
- 8
- Keine Daten
- Keine Daten
- Keine Daten
- Dezember 2025 (erwartet)
- 10
- Jetson AGX Thor
- 2070
- 7,5
- 128
- 130
- 3499
- 2025-08-25
- Keine Daten
Angaben von NVIDIA. Faktor bei IGX Thor bezieht sich auf die KI-Leistung der integrierten GPU ggü. IGX Orin (diskrete GPU 2,5-fach), bei Jetson AGX Thor auf die KI-Leistung ggü. Jetson Orin. — = nicht offengelegt. Keine Schätzungen.
Stand: 1. Okt. 2026
Die Ankündigung baut auf Jetson AGX Thor auf, das NVIDIA am 25. August 2025 allgemein verfügbar gemacht hat. Das Entwicklerkit kostet ab 3.499 Dollar, das Modul leistet 2.070 FP4-Teraflops bei 130 Watt und hat 128 GB Speicher. Damals nannte NVIDIA Figure, Amazon Robotics, Boston Dynamics, Caterpillar und Agility als frühe Anwender und sprach von mehr als 2 Millionen Entwicklern auf seinem Robotik-Stack.
- Figure
- Isaac-Plattform; Rechenleistung für Helix VLA
- Series C
- 1.000.000.000
- 39.000.000.000
- 2025-09-16
- Agility Robotics
- Isaac Lab; Jetson AGX Thor
- Series B
- 150.000.000
- Keine Daten
- 2022-04-22
- Skild AI
- Isaac Lab; Cosmos
- Series A
- 300.000.000
- 1.500.000.000
- 2024-07-09
- Amazon Robotics
- Simulationstraining (Blue Jay)
- Börsennotierte Mutter (Amazon)
- Keine Daten
- Keine Daten
- Keine Daten
Gezeigt sind in der MEKAWIRE-Datenbank verifizierte Runden vor dem 28.10.2025, nicht zwingend die jeweils jüngsten. Beträge und Bewertungen laut Unternehmen, — = nicht offengelegt.
Stand: 1. Okt. 2026
NVIDIA stützt sich auf eine von ihm so genannte Drei-Computer-Architektur, je ein System zum Trainieren, zum Simulieren und im Roboter selbst. Für Europas Industrie ist die Botschaft zweischneidig. Siemens sitzt als erster Mega-Partner an der Schnittstelle zum Kunden und stärkt damit seine Position, zugleich wandert die Wertschöpfung bei Simulation und KI-Training zu einem US-Anbieter. Für Roboterbauer wie KUKA, Stäubli oder den Antriebsspezialisten Schaeffler und für den Maschinenbau im Mittelstand stellt sich die Frage, ob OpenUSD-Zwillinge ihrer Produkte bald zur Eintrittskarte in US-Werke werden.
Technisch ist ein digitaler Zwilling ein physikalisch genaues Abbild einer Fabrik im Szenenformat OpenUSD, in dem Ingenieure Layouts, Fördertechnik und Roboterzellen testen, bevor sie gebaut werden. Robotersteuerungen lernen in Isaac Lab über Millionen Simulationsläufe und werden dann auf echte Hardware übertragen. NVIDIA verspricht kürzere Entwicklungszyklen und verwies dafür auf Blue Jay.
Die Risiken stehen in der Mitteilung selbst. Die Siemens-Integration war noch im Betatest, für IGX Thor gab es keinen Preis, die Figure-Kooperation enthielt keine finanziellen Bedingungen. Die meisten Hersteller beschrieben Planungswerkzeuge und Pilotprojekte, keine Werke, die bereits auf NVIDIA-Software laufen. Anmerkung der Redaktion. In einer Aktualisierung vom 25. Februar 2026 teilte Amazon mit, Blue Jay nicht mehr im Betrieb einzusetzen, die zugrunde liegende Technik unterstütze aber weiterhin Beschäftigte im Netzwerk.
MEKAWIRE-Analyse
NVIDIA hat die US-Rückverlagerung zum Vertriebskanal für seinen Robotik-Stack gemacht, doch in Washington ging es vor allem um Planungswerkzeuge und Piloten, nicht um Roboter im Einsatz.
Für die These spricht die Gästeliste. NVIDIA stellte die Investitionssumme von 1,2 Billionen Dollar neben konkrete Werke in Texas, Kentucky und Arizona und ergänzte sie um vier Roboterentwickler, die bereits mit Isaac trainieren. Jedes neue US-Werk ist ein Kandidat für einen Omniverse-Zwilling, jeder darin trainierte Roboter ein Kandidat für einen Thor-Rechner.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass Simulation nicht gleich Einsatz ist. Blue Jay, von NVIDIA als Beleg für schnellere Entwicklung angeführt, nahm Amazon rund vier Monate später aus dem Betrieb. Kurze Entwicklungszeiten garantieren nicht, dass ein Roboter sich in der laufenden Produktion bewährt.
Bull Case. Bringt Siemens die Mega-Integration zur Serienreife und werden FANUCs OpenUSD-Modelle zum Standard, wird NVIDIA-Software zum Standardformat der Fabrikplanung, und Thor-Hardware folgt in die dort entworfenen Roboter. Mit zehn Jahren Support könnte IGX Thor zudem Kliniken und Bahn erschließen.
Bear Case. Hersteller nutzen Zwillinge nur als Planungshilfe und behalten bewährte Steuerungen von FANUC, ABB oder Siemens in der Halle, NVIDIA bliebe im Konstruktionsbüro. Humanoide Partner wie Figure und Agility liefern noch geringe Stückzahlen, die Thor-Nachfrage aus Robotern könnte der Rhetorik jahrelang hinterherlaufen.
- Dezember 2025. Ob IGX-Thor-Systeme und Entwicklerkits pünktlich und zu welchem Preis ausgeliefert werden.
- Januar 2026. CES in Las Vegas mit erwarteten Updates von NVIDIA und Partnern zu Jetson, Cosmos und GR00T.
- März 2026. GTC in San José als Test, ob Siemens' Mega-Integration die Betaphase verlässt und welche Werke Serieneinsatz melden.
- NVIDIA GTC Washington, 28. Oktober 2025
- 1,2 Bio. US$ angekündigt 2025 (NVIDIA)
- Mega Omniverse Blueprint, Siemens-Integration im Betatest
- 242.287 Quadratfuß, baut NVIDIA-KI-Infrastruktur
- Figure, Agility Robotics, Amazon Robotics, Skild AI
- 5.581 FP4-Teraflops, 10 Jahre Lebenszyklus-Support
- Dezember 2025 (erwartet)
- 2.070 FP4-Teraflops, Entwicklerkit 3.499 US$, seit 25. August 2025
Warum das wichtig ist
In Washington präsentierte NVIDIA seinen Robotik-Stack als Teil einer industriepolitischen Erzählung, nicht als Chipneuheit. Indem der Konzern die von ihm zitierten 1,2 Billionen Dollar an US-Investitionen mit Omniverse-Zwillingen und Thor-Rechnern verknüpft, positioniert er sich als Infrastruktur der Rückverlagerung. Das zählt vor allem bei Herstellern, die sich selbst nicht als Robotikkunden sehen.
Praktisch geht es um die Hoheit über Formate. Liegen Werkslayout, Robotermodelle und Trainingsumgebung in OpenUSD innerhalb von Omniverse, steigen die Wechselkosten bis hin zur Wahl des Edge-Rechners im Roboter. Dass FANUC und Fii OpenUSD-Modelle liefern, ist ein frühes Zeichen dieser Bindung. Für europäische Zulieferer, die US-Werke beliefern, kann die Bereitstellung solcher Modelle zur faktischen Pflicht werden.
Wettbewerbsanalyse
In der Fabriksimulation hat NVIDIA den etablierten Anbieter eingebunden statt ihn anzugreifen. Siemens, dessen Software in den meisten Großkonzernen bereits läuft, ist erster Mega-Partner. Dassault Systèmes und PTC wurden nicht genannt und können Kunden umwerben, die einen einzelnen Anbieter scheuen.
Bei Roboterrechnern konkurriert NVIDIA mit Chipherstellern, die Edge-Prozessoren an Roboterfirmen verkaufen, und mit Roboterbauern, die eigene Steuerungen behalten. Der Vorteil liegt in der Trainings- und Simulationssoftware oberhalb des Chips, die Schwäche in den kleinen Stückzahlen humanoider Kunden wie Figure und Agility. Europäische Anbieter wie NEURA Robotics oder Agile Robots nutzen ebenfalls NVIDIA-Werkzeuge und müssen sich über Mechanik, Sicherheit und Anwendungswissen absetzen.
Bewertungskontext
Die genannten Roboterentwickler liegen bei der Bewertung weit auseinander. Figure meldete am 16. September 2025 eine Series C über 1 Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar Post-Money. Skild AIs verifizierte Series A vom Juli 2024 brachte 300 Millionen Dollar bei 1,5 Milliarden Dollar, Agilitys letzte verifizierte Runde in unserer Datenbank ist eine Series B über 150 Millionen Dollar vom April 2022.
Vertragssummen wurden in Washington nicht genannt. Der Nutzen für NVIDIA ist indirekt, über Thor-Module, IGX-Systeme, Omniverse-Lizenzen und GPU-Nachfrage für das Training. Die Partnerliste ist als Pipeline zu lesen, nicht als gebuchter Umsatz.
Folgen für die Lieferkette
Foxconns in Omniverse geplantes Werk in Houston mit 242.287 Quadratfuß soll NVIDIA-KI-Infrastruktur bauen, NVIDIAs eigene Lieferkette wird so zum Referenzkunden der Fabriksoftware. Wistrons Standort Fort Worth spielt bei der Systemvalidierung eine ähnliche Rolle.
Bei der Hardware steht das Thor-Modul im Zentrum. NVIDIA nannte 13 Gerätepartner für IGX Thor, darunter Advantech, ADLINK und Curtiss-Wright, die das Modul zu zertifizierten Industrie- und Medizinsystemen verpacken. Deren Lieferfähigkeit ab Dezember 2025 bestimmt das Tempo, auch für europäische Medizintechnik- und Bahnkunden.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstes Signal ist die Auslieferung von IGX Thor im Dezember 2025 mit veröffentlichtem Preis. Zweites ist der Abschluss der Betaphase der Siemens-Integration, ab dem Hersteller die Funktion über bestehende Lieferbeziehungen kaufen können.
Drittes sind Belege, dass in diesen Zwillingen trainierte Roboter in den genannten Werken produktiv laufen. Amazons Aktualisierung vom 25. Februar 2026, Blue Jay nicht mehr im Betrieb zu nutzen, zeigt, warum Versprechen schnellerer Entwicklung am tatsächlichen Einsatz gemessen werden müssen.
Analystensicht
These. NVIDIA baut die Standardumgebung für Planung und Training automatisierter Fabriken auf, der Verkauf von Roboterrechnern folgt aus dieser Stellung. Zuversicht mittel. Die Partnerliste mit Siemens, FANUC, TSMC und Toyota stützt die These, doch die meisten Anwendungen waren Planung und Piloten, Vertragswerte fehlten.
Die Zuversicht stiege, wenn Siemens die Integration in Serie bringt und ein genannter Hersteller eine Linie mit in Omniverse trainierten Robotern meldet. Sie sänke, wenn FANUC und andere OpenUSD-Modelle nur als Marketing behandeln und Steuerung wie Programmierung geschlossen bleiben.
Offene Fragen
Was wird IGX Thor kosten, verglichen mit dem Jetson-AGX-Thor-Entwicklerkit für 3.499 Dollar? Welche der genannten Hersteller bringen wann simulationstrainierte Roboter in die Serienfertigung?
Welche Bedingungen hat die Kooperation mit Figure, und umfasst sie Hardwarelieferungen? Wie floss die Erfahrung mit Blue Jay, von NVIDIA als Simulationserfolg zitiert, in Amazons spätere Entscheidung ein, das System nicht mehr zu nutzen?