M&ASüdkorea

Samsung sichert sich für 267,5 Milliarden Won 35 Prozent an Rainbow Robotics und schafft ein Humanoiden-Büro beim Vorstandschef

Veröffentlicht 5 Min. Lesezeit
Quelle
Samsung sichert sich für 267,5 Milliarden Won 35 Prozent an Rainbow Robotics und schafft ein Humanoiden-Büro beim Vorstandschef (Illustration: MEKAWIRE)

Samsung Electronics hat am 31. Dezember 2024 eine Kaufoption ausgeübt und seinen Anteil an Rainbow Robotics von 14,71 auf 35,00 Prozent erhöht. Der Konzern kauft der Gründergruppe 3.935.814 Aktien für 267.462.550.960 Won ab; der Vollzug erfolgte am 12.

März 2025. Zugleich entsteht ein dem Vorstandschef unterstelltes Future Robotics Office unter Mitgründer Oh Jun-ho.

Samsung Electronics wird größter Aktionär des südkoreanischen Humanoiden-Pioniers Rainbow Robotics. Der Elektronikkonzern teilte am 31. Dezember 2024 mit, er übe eine Kaufoption aus einer Aktionärsvereinbarung von 2023 aus und erhöhe seinen Anteil von 14,7 auf 35 Prozent. Rainbow Robotics wird damit als Tochter voll konsolidiert. Am selben Tag gründete Samsung ein direkt dem Vorstandschef berichtendes Future Robotics Office und berief den Rainbow-Mitgründer und KAIST-Ehrenprofessor Oh Jun-ho an dessen Spitze.

Laut der Pflichtmitteilung von Rainbow Robotics an die Koreanische Börse wurde der Kaufvertrag am 30. Dezember 2024 unterzeichnet. Er umfasst 3.935.814 Aktien zum Gesamtpreis von 267.462.550.960 Won, im Schnitt 67.956 Won je Aktie. Der Preis je Aktie folgt nach Angaben der Mitteilung einer Formel aus der Aktionärsvereinbarung. Samsungs Bestand steigt von 2.854.136 Aktien oder 14,71 Prozent auf 6.789.950 Aktien oder 35,00 Prozent. Finanziert wird der Kauf vollständig aus eigenen Mitteln, als Zweck nennt die Mitteilung die Beteiligung an der Unternehmensführung.

Verkäufer ist die Gründergruppe. Nach der im März 2025 geänderten Vertragsfassung verkaufte Oh 2.406.586 Aktien zu je 67.471 Won, Lee Jung-ho, Heo Jung-woo, Lim Jung-soo und Yoon Hye-sun zu je 68.719 Won. Die ursprüngliche Mitteilung vom Dezember hatte sieben Verkäufer genannt, darunter Oh Su-jung und Oh Erick Soohyung; nach der Änderung fielen beide heraus, der Gesamtpreis blieb unverändert. Der Vollzug stand unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und erfolgte am 12. März 2025. Ohs eigener Anteil sank von 17,37 auf 4,97 Prozent.

Die Mitteilung zum Vollzug zeigt, wie die Kontrolle zustande kommt. Lee, Heo und Lim werden darin als nahestehende Personen des neuen Mehrheitsaktionärs geführt; zusammen hält die Samsung-Seite 8.076.414 Aktien oder 41,63 Prozent. Oh und sechs nahestehende Personen hatten vor dem Geschäft 8.517.679 Aktien oder 43,91 Prozent gehalten. Samsung kann zudem eine Kaufoption auf die verbleibenden 4.581.865 Aktien der Verkäufer ausüben, ist dazu aber nicht verpflichtet, und darf nach dem Vollzug Aufsichtsmitglieder benennen. Neue Direktoren sollten auf der 14. ordentlichen Hauptversammlung gewählt werden.

Für den ersten Anteil von 14,7 Prozent zahlte Samsung 2023 nach eigenen Angaben 86,8 Milliarden Won. Zusammen ergeben sich für 35 Prozent offengelegte Ausgaben von rund 354,3 Milliarden Won. Das Future Robotics Office soll künftige humanoide Roboter und die zugehörigen Technologien entwickeln. Oh scheidet bei Rainbow aus und wird Berater von Samsung. Ein gemeinsames Synergiegremium soll Technologie, Strategie und Marktbedarf abstimmen; Rainbow erhält Zugang zum weltweiten Vertriebsnetz von Samsung.

Rainbow Robotics wurde 2011 von Forschern des Humanoid Robot Research Center der KAIST gegründet, dem Hubo Lab, das nach Samsungs Darstellung mit HUBO den ersten zweibeinigen Laufroboter Koreas baute. Die Aktie notiert an der KOSDAQ unter dem Kürzel 277810. Samsung will Rainbows kollaborative Roboter, den zweiarmigen mobilen Manipulator und autonome mobile Roboter in der Fertigungs- und Logistikautomatisierung einsetzen und dabei KI nutzen, die aus Betriebsdaten lernt.

In Korea ist der Weg nicht neu. LG Electronics zahlte im März 2024 60 Millionen US-Dollar für 21 Prozent am US-Serviceroboterhersteller Bear Robotics samt Option auf bis zu 30 Prozent mehr und meldete am 24. Januar 2025 eine Mehrheit von 51 Prozent. Die Hyundai Motor Group schloss am 21. Juni 2021 den Kauf von 80 Prozent an Boston Dynamics von SoftBank ab, bei einer Bewertung von 1,1 Milliarden US-Dollar. Doosan Robotics, gegründet 2015, ist der börsennotierte Cobot-Hersteller des Doosan-Konzerns. International arbeiten Tesla, Figure AI und chinesische Anbieter wie Unitree an Humanoiden.

Wie koreanische Konzerne die Kontrolle über Roboterhersteller erlangten
  • Samsung Electronics
    Roboterhersteller
    Rainbow Robotics
    Gründung
    2011
    Früherer Anteil (%)
    14,71
    Anteil nach Kontrollerwerb (%)
    35
    Datum
    2025-03-12
    Offengelegter Betrag (Mrd. KRW)
    267,46
    Offengelegter Betrag (Mio. USD)
    Keine Daten
  • LG Electronics
    Roboterhersteller
    Bear Robotics
    Gründung
    2017
    Früherer Anteil (%)
    21
    Anteil nach Kontrollerwerb (%)
    51
    Datum
    2025-01-24
    Offengelegter Betrag (Mrd. KRW)
    Keine Daten
    Offengelegter Betrag (Mio. USD)
    60
  • Hyundai Motor Group
    Roboterhersteller
    Boston Dynamics
    Gründung
    1992
    Früherer Anteil (%)
    Keine Daten
    Anteil nach Kontrollerwerb (%)
    80
    Datum
    2021-06-21
    Offengelegter Betrag (Mrd. KRW)
    Keine Daten
    Offengelegter Betrag (Mio. USD)
    1100
  • Doosan-Konzern
    Roboterhersteller
    Doosan Robotics
    Gründung
    2015
    Früherer Anteil (%)
    Keine Daten
    Anteil nach Kontrollerwerb (%)
    Keine Daten
    Datum
    Keine Daten
    Offengelegter Betrag (Mrd. KRW)
    Keine Daten
    Offengelegter Betrag (Mio. USD)
    Keine Daten

Samsung: Optionskaufpreis laut Börsenmitteilung (267.462.550.960 Won). LG: Zahlung vom März 2024 für 21 Prozent, Preis der weiteren 30 Prozent nicht offengelegt. Hyundai: von SoftBank genannte Transaktionsbewertung, kein Kaufpreis. Doosan-Beteiligungsstruktur nicht verifiziert, daher leer. Offengelegte Zahlen, keine Schätzungen.

Stand: 1. Okt. 2026

Technisch kauft Samsung vor allem Mechatronik-Kompetenz. Ein kollaborativer Roboter ist ein Arm, der ohne Schutzzaun neben Menschen arbeitet; ein zweiarmiger mobiler Manipulator setzt zwei solcher Arme auf ein fahrbares Chassis und kann zwischen Stationen pendeln. Rainbow entwickelt Gelenke, Steuerungen und Laufregelung selbst, also genau die Hardware-Disziplin, die ein Humanoiden-Programm braucht. Samsung will das mit eigener KI, Software und Daten aus Fabrik und Logistik verbinden.

Für Europas Industrie ist das Signal deutlich. Ein Elektronikkonzern mit eigenen Großwerken wird zugleich Anwender, Hersteller und Vertriebskanal für Roboter. Etablierte Cobot-Anbieter wie Universal Robots und Hersteller wie KUKA, ABB und FANUC treffen damit in Asien und potenziell in Europa auf einen Wettbewerber mit konzerninterner Nachfrage. Für deutsche Mittelständler, die Cobots in kleinen Losgrößen einsetzen, könnte ein Samsung-Vertrieb das Angebot erweitern; konkrete Europapläne hat Samsung aber nicht genannt.

Offen bleiben Preis, Personal und Tempo. Nach Berechnung von MEKAWIRE aus den beiden offengelegten Zahlen liegt der Durchschnittspreis von 67.956 Won etwa beim 2,2-Fachen der rund 30.400 Won je Aktie aus dem Einstieg 2023. Die Gründer haben den Großteil ihrer Anteile verkauft, der HUBO-Erfinder wechselte zu Samsung. Rainbow bleibt börsennotiert, und keines der Unternehmen hat einen Termin für einen Humanoiden oder ein Umsatzziel veröffentlicht.

Zu beobachten ist, ob Samsung die Option auf die verbleibenden 4.581.865 Aktien zieht, wie viele Rainbow-Roboter in Samsung-Werke gehen und wann das Future Robotics Office einen Prototyp zeigt. Die nächsten Termine sind Samsungs Zahlen zum dritten Quartal Ende Oktober 2026 und Rainbows Quartalsbericht im November 2026.

MEKAWIRE-Analyse

Samsung hat ein Humanoiden-Hardwareteam zu einem Formelpreis gekauft; der Erfolg hängt davon ab, ob das Future Robotics Office daraus schneller als Hyundai und LG fabriktaugliche Roboter macht.

Dafür spricht die Struktur. Samsung zahlte keinen Bieterzuschlag, sondern übte eine 2023 vereinbarte Formel aus, behielt eine weitere Option auf 4.581.865 Aktien und holte den Gründer in eine dem Vorstandschef unterstellte Einheit. Das ist eher ein Kauf von Talent und Kontrolle als von Umsatz.

Das stärkste Gegenargument lautet, dass 267,5 Milliarden Won für Samsung klein sind und die Konsolidierung allein wenig ändert. Hyundai kontrolliert Boston Dynamics seit 2021, LG erreichte bei Bear Robotics binnen zehn Monaten 51 Prozent. Samsung startet später und hat außerhalb der eigenen Werke noch keinen erkennbaren Großkunden.

Optimistisches Szenario. Samsungs Werke werden zum exklusiven Testfeld und liefern die Daten, die ein Humanoid zum Lernen braucht, während der Konzernvertrieb Rainbow-Arme weltweit platziert. Liefert das neue Büro einen einsetzbaren Humanoiden, wird die Restoption zur günstigen Zusatzchance.

Pessimistisches Szenario. Die Gründer haben weitgehend Kasse gemacht, der Preis lag über dem Doppelten von 2023, und ein Zeitplan fehlt. Stockt die Integration, besitzt Samsung einen kleinen börsennotierten Armhersteller im Preiskampf mit Doosan Robotics und chinesischen Rivalen.

Signale.

  • Ende Oktober 2026: ob Samsung in den Quartalszahlen Robotereinsätze in eigenen Werken nennt
  • November 2026: Rainbows Quartalsbericht zu Umsätzen mit Samsung-Gesellschaften und zum Anteil von 35,00 Prozent
  • Januar 2027: ob Samsung auf der CES 2027 einen Humanoiden des Future Robotics Office zeigt

Gute oder schlechte Nachricht für das Unternehmen?

 

Eckdaten
Ankündigung
31. Dezember 2024
Vertragsdatum
30. Dezember 2024
Gekaufte Aktien
3.935.814
Kaufpreis
267.462.550.960 Won
Durchschnittspreis
67.956 Won je Aktie
Samsung-Anteil
von 14,71 auf 35,00 Prozent (41,63 Prozent mit drei nahestehenden Personen)
Vollzug
12. März 2025
Einstieg 2023
86,8 Milliarden Won für 14,7 Prozent
Restoption
4.581.865 Aktien, keine Pflicht
Neue Einheit
Future Robotics Office beim CEO, Leitung Oh Jun-ho
Quellen
MEKAWIRE Intelligence
  1. 01

    Warum das wichtig ist

    Erstmals übernimmt Samsung Electronics die Kontrolle über einen Roboterhersteller, und zwar über eine 2023 vereinbarte Option statt eines Bieterverfahrens. Der Preis folgte einer Vertragsformel; Samsung hatte den Weg zur Kontrolle also zwei Jahre vorher festgelegt und den Zeitpunkt selbst gewählt.

    Ebenso wichtig ist die Ansiedlung der Humanoiden-Entwicklung direkt beim Vorstandschef. Samsung signalisiert damit, Roboter gleichzeitig zu nutzen, zu bauen und zu verkaufen. Für europäische Automatisierer entsteht ein Wettbewerber, der eigene Großwerke als Referenzkunden mitbringt.

  2. 02

    Wettbewerbsanalyse

    LG ging bei Bear Robotics denselben Zweistufenweg: 21 Prozent für 60 Millionen US-Dollar im März 2024, Option auf 30 Prozent mehr, 51 Prozent im Januar 2025. Bear baut jedoch Serviceroboter für Gastronomie, Rainbow dagegen Humanoiden und Industriearme. Hyundai kontrolliert Boston Dynamics seit Juni 2021 bei einer Bewertung von 1,1 Milliarden US-Dollar und ist beim Einsatz in eigenen Werken am weitesten.

    Im Cobot-Segment konkurriert Rainbow mit Doosan Robotics in Korea und weltweit mit Universal Robots, ABB, FANUC und KUKA. Bei Humanoiden sind Tesla, Figure AI und Unitree die Referenzgrößen; Samsungs Differenzierung muss über KI und Fertigungsdaten kommen.

  3. 03

    Bewertungskontext

    Die offengelegten Zahlen liefern zwei Einstiegspunkte: 2023 rund 30.400 Won je Aktie (86,8 Milliarden Won für 2.854.136 Aktien), nun im Schnitt 67.956 Won für 3.935.814 Aktien. Das Verhältnis von etwa 2,2 ist eine MEKAWIRE-Berechnung; der Betrag von 2023 ist eine gerundete Angabe aus Samsungs Newsroom.

    Aus 6.789.950 Aktien gleich 35,00 Prozent ergeben sich rund 19,4 Millionen ausstehende Rainbow-Aktien. Die offengelegten Gesamtausgaben Samsungs liegen bei etwa 354,3 Milliarden Won. Umsatz- oder Gewinnmultiplikatoren werden nicht verwendet, da diese Kennzahlen nicht auf Primärquellen geprüft wurden.

  4. 04

    Folgen für die Lieferkette

    Rainbow entwickelt Gelenkmodule und Steuerungen aus der HUBO-Tradition selbst. Erste Nachfragequelle sind Samsungs eigene Werke, in denen Cobots, der zweiarmige mobile Manipulator und autonome mobile Roboter in Fertigung und Logistik laufen sollen.

    Für europäische Zulieferer von Getrieben, Sensorik und Antrieben ist offen, ob Samsung Komponenten konzernintern bündelt; Ankündigungen dazu gibt es nicht. Entscheidender für Stückzahlen dürfte Samsungs globales Vertriebsnetz sein.

  5. 05

    Worauf jetzt zu achten ist

    Erstens die Restoption auf 4.581.865 Aktien. Eine Ausübung würde Samsung deutlich über 35 Prozent heben; ein Verzicht spräche dafür, dass die heutige Quote für Konsolidierung und Kontrolle genügt.

    Zweitens Ergebnisse des Future Robotics Office, also ein Prototyp oder ein Zeitplan. Drittens die Umsätze Rainbows mit Samsung-Gesellschaften in den Periodenberichten.

  6. 06

    Analystensicht

    These: Samsung hat Ingenieurskompetenz und Kontrolle zu einem vorab fixierten Preis gekauft; Wert entsteht nur, wenn Rainbow-Hardware rasch in Samsung-Werken arbeitet. Zuversicht: mittel.

    Begründung: Die Konditionen sind vollständig offengelegt und die Absicht ist klar, doch Zeitplan, Umsatzziel und Stückzahlen fehlen, und die Führungsstärke Rainbows nach dem Wechsel des Gründers zu Samsung ist öffentlich nicht belegt.

  7. 07

    Offene Fragen

    Wann und zu welchen Bedingungen zieht Samsung die Restoption? Welche Rainbow-Produkte gehen zuerst in Samsung-Werke und in welcher Zahl?

    Wie teilen sich Future Robotics Office und Rainbow-Entwicklung die Arbeit? Wird Samsung die Mehrheit im Board stellen, und beliefert Rainbow weiter Samsung-Wettbewerber?