Unitree im dritten Quartal: Umsatz plus 70 Prozent, Gewinn minus 17 Prozent
Der chinesische Laufroboter- und Humanoidenhersteller Unitree Robotics (SSE STAR 688836) meldet für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 665,0 Millionen Yuan, 69,93 Prozent mehr als im Vorjahr. Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn sank dagegen um 17,37 Prozent auf 112,7 Millionen Yuan.
Die Forschungsausgaben stiegen um 249,58 Prozent auf 19,1 Prozent des Umsatzes, nach Angaben des Unternehmens vor allem für eigene Embodied-AI-Modelle und Rechenleistung. Die Bruttomarge der ersten neun Monate fiel nach MEKAWIRE-Rechnung von 59,7 auf 54,0 Prozent.
Unitree Robotics hat den Umsatz im dritten Quartal um fast 70 Prozent gesteigert und trotzdem weniger verdient als ein Jahr zuvor. Der Hersteller von Laufrobotern und Humanoiden aus Hangzhou, seit August am Shanghaier STAR Market notiert, teilte in seinem am 28. Oktober veröffentlichten Quartalsbericht mit, dass der Umsatz um 69,93 Prozent auf 665,0 Millionen Yuan stieg, der Nettogewinn aber um 17,37 Prozent auf 112,7 Millionen Yuan sank. Es ist der erste Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen; kurz zuvor hatte Unitree binnen einer Woche zum zweiten Mal ungewöhnliche Kursbewegungen melden müssen, bei einem historischen KGV von 465.
Der Grund steht im Bericht: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um 249,58 Prozent auf 127,0 Millionen Yuan, das sind 19,10 Prozent des Umsatzes. Unitree nennt vor allem eigene große Modelle für Embodied AI und die dafür nötige Rechenleistung sowie ein größeres Forscherteam. Die von Reuters gemeldeten Wachstums- und Gewinnzahlen decken sich mit der Pflichtmitteilung.
Neun-Monats-Zahlen verdecken das schwächere Kerngeschäft
In den ersten neun Monaten wuchs der Umsatz um 55,71 Prozent auf 1,82 Milliarden Yuan, der Nettogewinn um 270,54 Prozent auf 386,7 Millionen Yuan. Letzteres ist ein Basiseffekt: 2025 hatte Unitree einmalig hohe Kosten für aktienbasierte Vergütung gebucht. Bereinigt um Sondereffekte fiel der Gewinn um 18,78 Prozent auf 349,0 Millionen Yuan, der operative Cashflow halbierte sich nahezu auf 193,7 Millionen Yuan.
- Umsatz
- 665,0
- +69,93 %
- 1.817,3
- +55,71 %
- Nettogewinn (Aktionäre)
- 112,7
- -17,37 %
- 386,7
- +270,54 %
- Bereinigter Nettogewinn
- 105,0
- -17,42 %
- 349,0
- -18,78 %
- F&E-Ausgaben
- 127,0
- +249,58 %
- 262,9
- +191,48 %
- F&E-Quote
- 19,10 %
- +9,82 Pkt.
- 14,47 %
- +6,74 Pkt.
- Operativer Cashflow
- k. A.
- k. A.
- 193,7
- -54,69 %
Quelle: Unitree-Quartalsbericht Q3 2026 (ungeprüft), 28. Oktober 2026. Der Gewinnsprung über neun Monate beruht laut Unternehmen auf einmaligen Vergütungskosten im Vorjahr.
Stand: 30. Sept. 2026
MEKAWIRE-Analyse: Börsengeld fließt in die Modellschicht
Unitree wandelt Hardware-Marge in ein KI-Budget um, und das dritte Quartal ist das erste, in dem die Kosten sichtbar werden.
Nach MEKAWIRE-Rechnung lag die Bruttomarge der neun Monate bei 54,0 Prozent, nach 59,7 Prozent im Vorjahreszeitraum und 59,45 Prozent im Gesamtjahr 2025 laut unserem Unitree-Überblick. Die Vertriebskosten haben sich auf 229,9 Millionen Yuan verdreifacht, die Nettomarge im Quartal fiel von rund 34,8 auf 16,9 Prozent. Der Neunmonatsumsatz erreicht bereits 107 Prozent des Jahresumsatzes 2025 von 1,70 Milliarden Yuan.
- Umsatz Q3 2025 (abgeleitet)
- 391,4 Mio. Yuan
- 665,0 / 1,6993
- Nettomarge Q3
- 16,9 % (Q3 2025: 34,8 %)
- Nettogewinn / Umsatz; Vorjahr aus den Veränderungsraten
- Bruttomarge neun Monate
- 54,0 % nach 59,7 %
- (Umsatz minus Umsatzkosten) / Umsatz
- Vertriebskosten neun Monate
- 229,9 nach 76,0 Mio. Yuan (+202 %)
- Gewinn- und Verlustrechnung
- Neunmonatsumsatz / Gesamtjahr 2025
- 107 %
- 1.817,3 / 1.700
Nur aus veröffentlichten Zahlen abgeleitet, keine Schätzungen.
Stand: 28. Okt. 2026
Das Geld dafür ist vorhanden. Die liquiden Mittel stiegen bis Ende September auf 7,35 Milliarden Yuan, nach 1,42 Milliarden Ende 2025. Die Vorräte wuchsen auf 1,02 Milliarden Yuan, das 2,8-Fache des Jahresendes, die Vertragsverbindlichkeiten auf 233,1 Millionen Yuan. Unitree produziert offenbar auf Vorrat, nennt aber weder Stückzahlen noch Produktmix.
Für europäische Industriekunden und Zulieferer ist das ein Signal. Der profitabelste chinesische Humanoidenhersteller investiert jetzt ein Fünftel des Umsatzes in eigene Software, während Anbieter wie Neura Robotics oder Agile Robots ihre Modellarbeit vor allem mit Risikokapital finanzieren. Das Gegenargument liegt in der Bewertung: Ein KGV von 465 setzt steigende Gewinne voraus, nicht sinkende.
Kleine Beteiligung am Pilotzentrum in Hangzhou
Am selben Abend meldete Unitree, dass die Tochter Hangzhou Unitree Robotics 20 Millionen Yuan in das Hangzhou Embodied AI Application Pilot Base investiert, an dem sie 10 Prozent hält. Die Kapitalerhöhung umfasst insgesamt 200 Millionen Yuan, das Stammkapital steigt auf 300 Millionen Yuan; Hauptgesellschafter Hangzhou Hi-tech Sci-Innovation Group zahlt 73 Millionen, die Hangzhou Data Group 39 Millionen, Transfar 8 Millionen und eine neue Beteiligungsgesellschaft 60 Millionen Yuan. Der Anteil von Unitree bleibt bei 10 Prozent; staatliche Genehmigungen stehen aus.
Worauf es ankommt
Der Jahresbericht bis April 2027 zeigt, ob sich die Bruttomarge bei 54 Prozent stabilisiert und ob die Forschungsquote bei rund 19 Prozent bleibt. Dazu kommen mögliche Angaben zu den Humanoiden H2 und G1 sowie weitere Börsenmitteilungen, falls der Kurs der Branche weiter davonläuft.
- 665,0 Mio. Yuan, plus 69,93 %
- 112,7 Mio. Yuan, minus 17,37 %
- 127,0 Mio. Yuan, plus 249,58 %, 19,10 % vom Umsatz
- 1.817,3 Mio. Yuan, plus 55,71 %
- 54,0 % nach 59,7 %
- 7,35 Mrd. Yuan (Ende 2025: 1,42 Mrd.)
- 1,02 Mrd. Yuan, 2,8-Faches des Jahresendes
- 20 Mio. Yuan in Pilotzentrum Hangzhou, Anteil bleibt 10 %
Warum das wichtig ist
Unitree ist der erste reine Humanoidenhersteller Chinas, der ein volles Quartal als börsennotiertes Unternehmen berichtet. Die Zahlen werden zum Maßstab für AgiBot, UBTECH und die nächsten Börsengänge in Shanghai und Hongkong. Sie zeigen, dass Umsatzwachstum allein den Gewinn nicht mehr trägt, sobald ein Hardwarehersteller eigene Basismodelle finanziert.
Zudem belegt der Bericht erstmals, wie schnell Emissionserlöse in Rechenleistung fließen: F&E verdreifacht, Liquidität verfünffacht.
Wettbewerbsanalyse
UBTECH in Hongkong schreibt weiter Verluste, Unitree bleibt der profitable Referenzwert. In Europa finanzieren Neura Robotics und Agile Robots ihre KI-Arbeit über Wagniskapital; ein börsennotierter Vergleichswert mit Quartalszahlen fehlt dort.
Bewertungskontext
Das KGV von 465 aus der Börsenmitteilung vom 27. Oktober stammt aus der Zeit vor diesem Bericht. Solange F&E schneller wächst als der Umsatz, wird es kaum sinken. Bewertet werden vor allem die Liquidität und die Option auf einen eigenen Modell-Stack.
Folgen für die Lieferkette
Vorräte von 1,02 Mrd. Yuan deuten auf vorab gesicherte Motoren, Getriebe, Batterien und Rechenmodule hin. Für Komponentenlieferanten, auch aus Europa, ist entscheidend, ob diese Vorräte in Aufträge münden.
Worauf jetzt zu achten ist
1) Jahresbericht 2026 bis April 2027: Bruttomarge und F&E-Quote. 2) Angaben zu Stückzahlen und Produktmix in Investorengesprächen. 3) Weitere Börsenmitteilungen und Ende der Haltefristen.
Analystensicht
These: Unitree tauscht Hardware-Marge gegen Modellkompetenz, im dritten Quartal erstmals sichtbar. Zuversicht: mittel. Die Liquidität macht die Strategie tragfähig; entscheidend ist, ob die Modelle Umsatz außerhalb von Forschung und Lehre erschließen.
Offene Fragen
Welcher Anteil der F&E entfiel auf gemietete Rechenleistung? Wie verteilt sich der Quartalsumsatz auf Humanoide und Vierbeiner? Warum haben sich die Vorräte fast verdreifacht? Welche Rolle spielt das Pilotzentrum Hangzhou im Vertrieb?
