XPeng zeigt neuen Humanoiden IRON mit 82 Freiheitsgraden und peilt Serienfertigung bis Ende 2026 an

Der chinesische Elektroautobauer XPeng hat am 5. November 2025 in Guangzhou eine neue Generation seines Humanoiden IRON vorgestellt, mit 82 Freiheitsgraden, Händen mit je 22 Freiheitsgraden, drei eigenen Turing-Chips und einer Festkörperbatterie.
Bis Ende 2026 will das Unternehmen die Großserienfertigung erreichen; Volkswagen ist Erstkunde der zugehörigen Fahrsoftware und des Chips.
Der chinesische Elektroautohersteller XPeng hat auf seinem AI Day am 5. November 2025 im XPENG Science Park in Guangzhou die zweite Generation seines humanoiden Roboters IRON präsentiert. Das geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor. Neben einem neuen Fahrmodell, Robotaxis und Flugautos stand der Humanoide mit dem ehrgeizigsten Zeitplan im Mittelpunkt: Bis Ende 2026 will XPeng die Großserienfertigung von IRON erreichen.
Nach Unternehmensangaben verfügt der neue IRON über 82 Freiheitsgrade am ganzen Körper. Jede Hand hat 22 Freiheitsgrade und entspricht in der Größe einer menschlichen Hand, möglich gemacht nach XPeng durch das kleinste Harmonic-Gelenk der Branche. Gerechnet wird mit drei hauseigenen Turing-KI-Chips, für die XPeng eine effektive Rechenleistung von 3.000 TOPS angibt. Zudem sei IRON der erste Roboter mit Festkörperbatterie. Kapazität, Laufzeit oder Zulieferer nannte das Unternehmen nicht.
Auf der Softwareseite nutzt IRON laut XPeng ein physikalisches Weltmodell der ersten Generation und kombiniert drei Modelltypen, VLT, VLA und VLM, für Aufgabenplanung, Bewegungssteuerung und Szenenverständnis. Ein Software Development Kit soll Entwicklern weltweit offenstehen. Als erste kommerzielle Einsätze nennt XPeng Führungen, Einkaufsberatung und Besucherlenkung. Der Stahlkonzern Baosteel ist Partner für Inspektion und industrielle Anwendungen. Preis, Stückzahlziel, Größe und Gewicht blieben offen.
Der Abstand zur ersten Generation ist groß. Bei der Premiere am 6. November 2024 sprach XPeng von mehr als 60 Gelenken, 200 Freiheitsgraden, fünf Jahren Entwicklungszeit und internem Einsatz in eigenen Werken und Verkaufsräumen. Ob beide Jahre nach derselben Methode zählen, erläuterte das Unternehmen nicht. Die niedrigere Zahl von 2025 bedeutet daher nicht zwingend weniger Fähigkeiten.
IRON baut auf der Fahrzeugtechnik auf. Das Fahrmodell VLA 2.0 wurde laut derselben Mitteilung mit fast 100 Millionen Videoclips trainiert, nach XPeng-Rechnung 65.000 Jahre menschlicher Fahrpraxis, auf einem Cluster mit 30.000 Karten und einem Basismodell mit 72 Milliarden Parametern, das alle fünf Tage neu iteriert wird. Volkswagen ist Erstkunde von VLA 2.0 und für den Turing-Chip nominiert. Das Robotaxi kommt 2026 in drei Modellen mit vier Turing-Chips und 3.000 TOPS; erster Partner für Fahrdienste ist Amap.
Geld ist vorhanden. Laut Quartalsbericht vom 17. November erzielte XPeng im dritten Quartal 2025 einen Umsatz von 20,38 Milliarden Yuan, 101,8 Prozent mehr als im Vorjahr, lieferte 116.007 Fahrzeuge aus und kam auf eine Bruttomarge von 20,1 Prozent bei einem Nettoverlust von 0,38 Milliarden Yuan. Die liquiden Mittel lagen zum 30. September bei 48,33 Milliarden Yuan, die Forschungsausgaben stiegen im Quartal um 48,7 Prozent auf 2,43 Milliarden Yuan. Vorstandschef He Xiaopeng positionierte XPeng auf dem AI Day als Unternehmen für physische KI und verkörperte Intelligenz.
Der Wettbewerb ist dicht. In China nahm UBTech laut Mitteilung an die Hongkonger Börse vom 25. November rund 3.109,04 Millionen Hongkong-Dollar brutto ein, indem es 31.468.000 neue H-Aktien zu je 98,80 Hongkong-Dollar platzierte; etwa 75 Prozent sollen in Beteiligungen und Zukäufe entlang der Wertschöpfungskette fließen. In den USA schloss Figure AI im September eine Serie C über 1 Milliarde US-Dollar bei einer Bewertung von 39 Milliarden US-Dollar nach dem Investment ab.
Für Europa ist der Fall aus zwei Gründen relevant. Erstens ist mit Volkswagen ein deutscher Konzern Kunde jener Chip- und Softwarebasis, auf der auch IRON läuft; jede zusätzliche Fahrzeugstückzahl senkt die Kosten der Plattform. Zweitens verfolgen deutsche Hersteller bei Humanoiden bislang vor allem Partnerschaften, etwa BMW mit Figure und Mercedes-Benz mit Apptronik, während XPeng Chip, Modell und Fertigung im eigenen Haus bündelt. Für Zulieferer aus dem Mittelstand, etwa bei Präzisionsgetrieben und Aktorik, entsteht damit ein Kunde, der eher selbst entwickelt als zukauft.
Die Risiken liegen im Geschäftsmodell. Führungen und Einkaufsberatung sind Aufgaben mit geringer Wertschöpfung, die auch fahrbare Serviceroboter erledigen. Die Festkörperbatterie ist nicht unabhängig belegt, und außer der Partnerschaft mit Baosteel wurde kein externer Kunde genannt.
Die nächsten Wegmarken hat XPeng selbst gesetzt: VLA 2.0 im Dezember 2025 für erste Nutzer und im ersten Quartal 2026 für alle Ultra-Modelle, Robotaxis 2026 und die IRON-Großserie bis Ende 2026.
MEKAWIRE-Analyse
XPengs IRON ist der deutlichste Test, ob Chips, Modelle und Fabriken eines Autobauers den Weg zum Serienhumanoiden verkürzen können, doch der Auftritt im November 2025 belegte Fähigkeiten, keine Nachfrage.
Für die These spricht die gemeinsame Basis. Derselbe Turing-Chip treibt Robotaxi und Roboter an, derselbe Rechencluster trainiert beide Modelle, und 48,33 Milliarden Yuan an liquiden Mitteln tragen eine verlustreiche Hochlaufphase. Kaum ein Humanoiden-Start-up vereint Halbleiter, Daten und Kapital in einer Gruppe.
Das stärkste Gegenargument: Autos und Humanoide scheitern auf unterschiedliche Weise. Fahrmodelle lernen aus Millionen Flottenstunden, Manipulationsdaten für Hände mit 22 Freiheitsgraden müssen dagegen fast von Grund auf gesammelt oder simuliert werden. Zu Trainingsdaten für den Roboter machte XPeng keine Angaben.
Optimistisches Szenario. Hält der Zeitplan, kann XPeng Chip- und Batteriekosten über Fahrzeugvolumen verteilen und IRON aggressiv bepreisen. Baosteel liefert industrielle Referenzen, das offene SDK zieht Entwickler an.
Pessimistisches Szenario. Der Handel ist ein schwacher Startmarkt, die Spezifikation kann sich vor dem Serienstart ändern, und der Humanoide konkurriert mit Robotaxis und Flugautos um Kapital. Verzögert sich der Zeitplan, bleibt ein Vorführmodell ohne Umsatz.
Signale, auf die es ankommt:
- Dezember 2025: ob VLA 2.0 pünktlich bei ersten Nutzern ankommt.
- Erstes Quartal 2026: vollständiger VLA-2.0-Rollout auf Ultra-Modelle und mögliche IRON-Pilotstandorte außerhalb der eigenen Läden.
- Ende 2026: Belege für die Großserie mit Werk, Stückzahlen und Preis.
- XPeng
- CN
- Keine Daten
- Liquide Mittel des Konzerns (Q3 2025)
- RMB
- 48.330
- Keine Daten
- 2025-09-30
- UBTech Robotics
- CN
- 2012
- Platzierung neuer H-Aktien, brutto
- HKD
- 3.109,04
- Keine Daten
- 2025-11-25
- Figure AI
- US
- Keine Daten
- Serie C
- USD
- 1.000
- 39
- 2025-09-16
- Apptronik
- US
- 2016
- Serie A
- USD
- 350
- Keine Daten
- 2025-02-13
- Agility Robotics
- US
- 2015
- Serie B
- USD
- 150
- Keine Daten
- 2022-04-22
- 1X Technologies
- US
- 2014
- Serie B
- USD
- 100
- Keine Daten
- 2024-01-13
Angaben laut Unternehmen oder Börsenmitteilungen in Originalwährung, nicht umgerechnet. Bei XPeng handelt es sich um die liquiden Mittel des Konzerns zum 30. September 2025, nicht um eine Finanzierung des Robotikgeschäfts. — bedeutet nicht veröffentlicht.
Stand: 2. Okt. 2026
- Freiheitsgrade Körper
- 200
- 82
- Gelenke
- mehr als 60
- Keine Daten
- Freiheitsgrade je Hand
- Keine Daten
- 22
- Turing-KI-Chips
- Keine Daten
- 3
- Effektive Rechenleistung (TOPS)
- Keine Daten
- 3000
- Batterie
- Keine Daten
- Festkörper
- Einsatz
- intern in Werken und Läden
- Führungen, Einkaufsberatung, Besucherlenkung, Inspektion mit Baosteel
- Serienziel
- Keine Daten
- Großserie bis Ende 2026
Alle Werte laut XPeng-Mitteilungen vom 6. November 2024 und 5. November 2025. Ob die Zählweise der Freiheitsgrade vergleichbar ist, hat XPeng nicht erläutert. — bedeutet nicht veröffentlicht.
Stand: 2. Okt. 2026
- XPENG AI Day 2025, Guangzhou, 5. November 2025
- 82
- 22 je Hand, menschliche Handgröße
- 3 Turing-KI-Chips, effektiv 3.000 TOPS (Unternehmensangabe)
- Festkörper (Unternehmensangabe, keine Daten)
- Großserie bis Ende 2026
- Führungen, Einkaufsberatung, Besucherlenkung
- Baosteel (Inspektion, Industrie)
- Nicht genannt
- 48,33 Mrd. Yuan
Warum das wichtig ist
IRON ist der am genauesten spezifizierte Humanoide eines chinesischen Autobauers, und XPeng hat ihm ein festes Datum gegeben: Großserie bis Ende 2026. Damit wird aus dem Vorführmodell von 2024 eine Produktzusage, die Investoren an den Angaben des Unternehmens messen können.
Zugleich verschiebt sich die Kapitalmarktgeschichte. He Xiaopeng stellt XPeng als Konzern für physische KI dar, dessen vier Sparten Autos, Robotaxis, Humanoide und Fluggeräte auf einer Chip- und Modellfamilie beruhen. Trägt diese Logik, ist der Humanoide kein Nebenprojekt, sondern ein zweiter Absatzkanal, der die Fixkosten von Turing-Chip und VLA-Training verteilt.
Wettbewerbsanalyse
Unter den chinesischen Wettbewerbern ist UBTech der börsennotierte Spezialist; die Platzierung vom 25. November brachte rund 3,1 Milliarden Hongkong-Dollar, zu etwa 75 Prozent für Beteiligungen und Zukäufe in der Lieferkette. XPeng unterscheidet sich von reinen Robotik-Start-ups durch eigene Inferenzchips und ein Fahrzeugwerknetz.
International setzt Figure AI mit 39 Milliarden US-Dollar Bewertung die Messlatte, Tesla ist als Autobauer mit eigenen Chips und eigener Fahrsoftware das strukturell nächste Gegenstück. Europäische Autohersteller wie BMW und Mercedes-Benz setzen bislang auf Partnerschaften mit Figure und Apptronik statt auf Eigenentwicklung.
Bewertungskontext
XPeng weist das Robotikgeschäft nicht gesondert aus, eine Bewertung oder Umsätze für IRON gibt es daher nicht. Relevant sind Konzernzahlen: Umsatz von 20,38 Milliarden Yuan und Nettoverlust von 0,38 Milliarden Yuan im dritten Quartal 2025, Forschungsausgaben von 2,43 Milliarden Yuan und liquide Mittel von 48,33 Milliarden Yuan.
Anders als bei Figure AI existiert für XPengs Humanoiden-Sparte kein eigenständiger Preis. Jede Sum-of-the-Parts-Rechnung bleibt spekulativ, bis XPeng Stückzahlen, einen Preis oder eine externe Finanzierung der Sparte offenlegt.
Folgen für die Lieferkette
Drei Bauteile prägen die Stückliste. Der Turing-Chip ist eine Eigenentwicklung, die auch in Autos und Robotaxis steckt; die Rechenplattform bleibt so in eigener Hand. Die Hände nutzen das laut XPeng kleinste Harmonic-Gelenk der Branche, ein Segment, in dem japanische und chinesische Spezialisten konkurrieren; einen Zulieferer nannte XPeng nicht. Die Festkörperbatterie ist am wenigsten transparent.
Für deutsche Zulieferer zählt vor allem der Volkswagen-Bezug: Die Nominierung des Turing-Chips bei VW erhöht die Chipstückzahl und senkt damit die Kosten der Plattform, auf der auch IRON läuft. Wer Präzisionsgetriebe oder Aktorik anbietet, trifft bei XPeng auf einen Kunden mit starkem Hang zur Eigenfertigung.
Worauf jetzt zu achten ist
Erster Prüfstein ist der Dezember 2025, wenn VLA 2.0 laut XPeng an erste Nutzer geht; die Termintreue bei Software ist der beste verfügbare Hinweis auf die Termintreue beim Roboter. Zweiter Prüfstein ist das erste Quartal 2026 mit dem Rollout auf alle Ultra-Modelle.
Bei IRON selbst zählen vor Ende 2026 ein benannter Produktionsstandort, eine Jahreskapazität, ein Preis und Kunden jenseits der eigenen Läden und Baosteel. Ändert sich das Datenblatt vor Serienstart, zeigt das, wo das Design auf Fertigungsgrenzen stieß.
Analystensicht
These: XPeng hat Technik und Kapital, um schneller als die meisten Start-ups einen Humanoiden in Serie zu bringen, doch der Auftritt im November 2025 zeigte nicht die Nachfrage, die eine Großserie bis Ende 2026 rechtfertigen würde.
Zuversicht: mittel. Spezifikation und Bilanz sind durch Unternehmensmitteilungen und Quartalszahlen belegt. Begrenzend wirkt, dass Preis, Stückzahl, Laufzeit und externe Käufer fehlen und die Angaben zu Festkörperbatterie und effektiven 3.000 TOPS ohne überprüfbare Definition bleiben.
Offene Fragen
Werden die 3.000 TOPS der drei Chips im IRON genauso gemessen wie die 3.000 TOPS der vier Chips im Robotaxi, und was heißt effektiv jeweils?
Wie verhalten sich die 82 Freiheitsgrade von 2025 zu den 200 von 2024? Wer liefert Harmonic-Gelenke und Festkörperzellen, in welchem Umfang? Was bedeutet Großserie in Stück pro Jahr, und an welchem Standort?