Agile Robots holt Googles Gemini-Robotics-Modelle in die Fabrik und wird Forschungspartner von DeepMind
Der Münchner Automatisierer Agile Robots hat am 24. März 2026 eine strategische Forschungspartnerschaft mit Google DeepMind bekanntgegeben, um die Basismodelle Gemini Robotics in seine Hardware zu integrieren, zunächst für Anwendungen in der Fertigung. Das Unternehmen mit nach eigenen Angaben mehr als 20.000 installierten Robotiklösungen reiht sich nach Boston Dynamics und Apptronik in Googles Partnerkreis ein. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Der Münchner Automatisierungsspezialist Agile Robots SE hat eine strategische Forschungspartnerschaft mit Google DeepMind geschlossen. Wie das Unternehmen am 24. März 2026 mitteilte, sollen die Robotik-Basismodelle der Reihe Gemini Robotics in die Hardware von Agile Robots integriert werden. Den Anfang machen nach Firmenangaben industrielle Anwendungen in der Fertigung, wo Kunden Automatisierung verlangen, die zuverlässig läuft und sich trotzdem an wechselnde Aufgaben anpasst.
Die Mitteilung ist knapp und lässt die kommerziellen Fragen offen. Finanzielle Konditionen, eine Beteiligung oder Exklusivität nennt sie nicht, ebenso wenig, welche Modellversionen auf welche Maschinen kommen. Deutlich wird dagegen die Größe auf der Hardwareseite. Agile Robots gibt an, weltweit mehr als 20.000 Robotiklösungen installiert zu haben. Im Februar 2026 bezifferte das Unternehmen sein Team auf mehr als 1.000 Fachleute für Robotik und KI, im November 2025 erklärte es, den Umsatz seit der Gründung jedes Jahr verdoppelt zu haben, auf zuletzt 200 Millionen Euro.
Beide Seiten beschreiben das Vorhaben als Datenkreislauf. Agile Robots bringt seine Industrieplattform und reale Installationen ein, Daten aus gemeinsamen Tests und dem laufenden Betrieb verbessern die Modelle, und bessere Modelle sollen die Roboter in mehr Werke und mehr Aufgaben bringen. Gründer und Vorstandschef Zhaopeng Chen sagte, die Integration der Gemini-Robotics-Modelle bringe das Unternehmen an die Spitze der Entwicklung. Carolina Parada, Senior Director und Leiterin Robotik bei Google DeepMind, nannte die Partnerschaft einen wichtigen Schritt, um die Wirkung von KI in die reale Welt zu tragen.
Agile Robots wurde 2018 von Forschern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gegründet. Die letzte von MEKAWIRE anhand einer Primärquelle bestätigte Finanzierungsrunde ist eine Serie C über 220 Millionen Dollar unter Führung des SoftBank Vision Fund 2 vom September 2021; damals bezifferte das Unternehmen seine Bewertung auf mehr als eine Milliarde Dollar. Im November 2025 stellte es mit Agile ONE seinen ersten Humanoiden für die Industrie vor. Die Hände tragen Sensoren in den Fingerspitzen und Kraft- und Drehmomentsensorik in jedem Gelenk, die KI ist in Schichten für Aufgabenplanung, schnelle Reaktion und Feinmotorik gegliedert. Die Serienfertigung sollte Anfang 2026 in einem neuen Werk in Bayern beginnen. Am 4. Februar 2026 schaltete ein Agile ONE die Industrial AI Cloud frei, die Deutsche Telekom und NVIDIA in München errichtet haben; Agile Robots will dort als einer der ersten Kunden eigene Basismodelle trainieren.
Neu ist die Verbindung zu Google nicht. Als Google DeepMind Gemini Robotics am 12. März 2025 vorstellte, nannte es Agile Robots als einen von vier ausgewählten Testern des Reasoning-Modells Gemini Robotics-ER, neben Agility Robotics, Boston Dynamics und Enchanted Tools; als Humanoid-Partner wurde Apptronik genannt. Mit der neuen Vereinbarung rückt Agile Robots vom Tester zum Forschungspartner auf.
Damit endet ein dichtes Quartal für Googles Robotikgeschäft. Am 5. Januar kündigte Boston Dynamics auf der CES an, Gemini-Robotics-Modelle in den Humanoiden Atlas zu bringen; die gemeinsame Forschung solle binnen Monaten beginnen, zunächst mit Blick auf die Autoproduktion. Am 25. Februar holte Alphabet die 2021 als Other Bet gegründete Industrierobotik-Softwarefirma Intrinsic als eigenständige Einheit in Google, eng verzahnt mit Google DeepMind, Gemini und Google Cloud. Am 11. Februar schloss Apptronik, dessen Humanoid Apollo als Testplattform für Gemini Robotics 1.5 dient, eine Erweiterung über 520 Millionen Dollar ab, womit die Serie A auf mehr als 935 Millionen Dollar stieg.
- Agile Robots
- DE
- 2018
- Strategischer Forschungspartner (2026-03-24), Tester von Gemini Robotics-ER (2025-03-12)
- Series C
- 220
- 2021-09-10
- Apptronik
- US
- 2016
- Humanoid-Partner, Apollo als Testplattform für Gemini Robotics 1.5
- Series A extension
- 520
- 2026-02-11
- Boston Dynamics
- US
- 1992
- Forschungspartnerschaft zu Atlas (2026-01-05)
- Keine Daten
- Keine Daten
- Keine Daten
- Agility Robotics
- US
- 2015
- Tester von Gemini Robotics-ER (2025-03-12)
- Series B
- 150
- 2022-04-22
Verbindungen laut Mitteilungen von Google DeepMind, Boston Dynamics und Agile Robots. Runden sind die jüngsten Eigenkapitalrunden, die MEKAWIRE auf einer Primärquelle des Unternehmens bestätigt hat, offengelegt und nicht geschätzt; Boston Dynamics ist eine Tochter der Hyundai Motor Group ohne offengelegte Runde; null bedeutet nicht offengelegt.
Stand: 24. März 2026
Konkurrierende Modellanbieter gehen andere Wege. NVIDIA stellt seine Isaac-GR00T-Modelle für Humanoide offen bereit, Figure entwickelt seine Helix-Modelle für eigene Roboter selbst, und Physical Intelligence veröffentlicht seine Forschung an den π-Modellen, zuletzt am 3. März ein Gedächtnissystem für Aufgaben von mehr als zehn Minuten Länge. Google wählt einen Mittelweg und gibt das leistungsfähigste Handlungsmodell nur ausgewählten Partnern, das Planungsmodell dagegen allen Entwicklern.
Technisch beruht die Kooperation auf Gemini Robotics 1.5 vom September 2025, das zwei Modelle kombiniert. Gemini Robotics-ER 1.5, ein Vision-Language-Modell, plant mehrstufige Aufgaben und kann digitale Werkzeuge wie die Google-Suche aufrufen. Gemini Robotics 1.5, ein Vision-Language-Action-Modell, übersetzt Kamerabilder und Anweisungen in Motorbefehle und denkt jeden Schritt durch, bevor es sich bewegt. Nach Angaben von Google DeepMind funktionierten Aufgaben, die im Training nur dem Forschungsroboter ALOHA 2 gezeigt wurden, auch auf Apptroniks Apollo und einem zweiarmigen System von Franka. ER 1.5 steht über die Gemini-API offen, das Handlungsmodell nur ausgewählten Partnern.
Für den deutschen Maschinenbau ist der Fall lehrreich. KUKA, Schaeffler oder Franka bauen hochwertige Hardware, haben aber keine Basismodelle im Maßstab der großen KI-Labore trainiert. Agile Robots zeigt einen Mittelweg, eigene Modelle auf der Telekom-Cloud in München und zugleich Zugang zu Googles Modellen. Mit NEURA Robotics aus Metzingen hat Agile Robots einen zweiten deutschen Humanoid-Anbieter als direkten Wettbewerber, und der Zugang zu einem führenden Modell wird zum Verkaufsargument gegenüber Automobilherstellern und Zulieferern, die bislang auf klassische Programmierung setzen.
Die offenen Punkte sind handfest. Die Mitteilung nennt weder Zeitplan noch Kunden noch Leistungsziele. Industriekunden messen Roboter an Taktzeit, Verfügbarkeit und Sicherheitszertifizierung, und für keines der Gemini-Robotics-Modelle liegen veröffentlichte Werksergebnisse nach diesen Kriterien vor. Hinzu kommt die Datenhoheit, denn deutsche Hersteller werden wissen wollen, ob Daten aus ihren Werken Modelle trainieren dürfen, die Google später Wettbewerbern anbietet. Mit dem EU AI Act und der neuen Maschinenverordnung, die ab Januar 2027 gilt, wächst zudem der Dokumentationsaufwand für lernende Steuerungen.
Die nächsten Wegmarken sind absehbar. Agile Robots hat den Serienstart von Agile ONE in Bayern für Anfang 2026 angekündigt, Boston Dynamics sprach im Januar von einem Forschungsstart binnen Monaten, und die Hannover Messe im April ist die erste große Industriemesse nach der Ankündigung, auf der eine gemeinsame Vorführung auftauchen könnte.
MEKAWIRE-Analyse
Google DeepMind baut ein Hardware-Partnernetz für Gemini Robotics auf, und Agile Robots zählt darin weniger als Humanoid-Hersteller denn als Betreiber von mehr als 20.000 installierten Industriesystemen, die echte Fabrikdaten liefern können.
Dafür spricht die Abfolge des Quartals. Boston Dynamics bringt den fortgeschrittensten Humanoiden ein, Apptronik einen gut finanzierten zweiten, Intrinsic die Softwareebene für Industriezellen und Agile Robots eine europäische Kundenbasis in Montage und Handhabung. Jeder Partner erweitert die Bandbreite an Körpern und Aufgaben, die die Modelle sehen, und genau das belohnen die Transferergebnisse von Google DeepMind.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass eine Forschungspartnerschaft ohne Geld, Exklusivität und Einsatztermin wenig kostet. Agile Robots trainiert eigene Modelle auf Telekom- und NVIDIA-Infrastruktur, und nichts in der Mitteilung hindert eine Seite daran, mit anderen zu arbeiten. Google könnte am Ende ein Modellanbieter unter mehreren sein statt der Plattform.
Bull Case: Binnen eines Jahres laufen Gemini-Robotics-Modelle in bezahlten Kundenzellen deutscher Werke, Google öffnet das Handlungsmodell breiter, und die installierte Basis wird zu einem Datenvorsprung, den kein Humanoid-Start-up erreicht. Agile Robots gewinnt eine überzeugende Softwaregeschichte für die nächste Finanzierungsrunde.
Bear Case: Die Arbeit bleibt im Labor, Werkskunden verweigern die Datenfreigabe, und europäische Integratoren setzen standardmäßig auf die offenen Modelle von NVIDIA. Die Partnerschaft wirkt dann wie Marketing, und Agile Robots trägt die Kosten zweier KI-Stacks.
- 30. Juni 2026: ob Agile Robots oder Google DeepMind einen ersten Kundenstandort mit Gemini-Robotics-Modellen nennen.
- 30. September 2026: ob das nächste Gemini-Robotics-Handlungsmodell über den Kreis ausgewählter Partner hinaus allgemein verfügbar wird.
- 31. Dezember 2026: der Ausstoß von Agile ONE aus dem bayerischen Werk als klarster Test, ob die Hardware mit den Modellen skaliert.
- 24. März 2026, München
- Agile Robots SE und Google DeepMind
- Integration der Gemini-Robotics-Basismodelle in Hardware von Agile Robots
- Industrielle Anwendungen in der Fertigung
- Nicht offengelegt
- Mehr als 20.000 Robotiklösungen
- 200 Mio. Euro (Unternehmensangabe, November 2025)
- Tester von Gemini Robotics-ER seit 12. März 2025
Warum das wichtig ist
Der Wettbewerb um Robotik-Basismodelle wird zum Wettbewerb um Vertriebskanäle. Ein Modell wird besser, je mehr unterschiedliche Roboter, Aufgaben und Umgebungen es sieht, und ein KI-Labor ohne eigene Hardware muss sich diese Vielfalt bei Partnern leihen. Agile Robots liefert, was Humanoid-Start-ups noch fehlt, eine große installierte Basis in laufender Kundenproduktion.
Für den Standort Deutschland ist die Vereinbarung ein Signal, woher industrielle KI künftig kommt. Der Maschinenbau baut erstklassige Hardware, hat aber keine Modelle im Maßstab der großen Labore. Agile Robots sichert sich doppelt ab, mit eigenen Modellen auf der Industrial AI Cloud und mit Zugang zu Google, und liefert damit eine Vorlage für den Mittelstand.
Wettbewerbsanalyse
Als Modellanbieter konkurriert Google DeepMind vor allem mit NVIDIA, das offene Isaac-GR00T-Modelle samt Rechenhardware anbietet, und mit unabhängigen Laboren wie Physical Intelligence und Skild AI, die allgemeine Modelle für viele Robotertypen entwickeln. Figure entwickelt Helix für eigene Roboter und wirbt nicht um Partner.
Auf der Hardwareseite trifft Agile Robots in Deutschland auf NEURA Robotics sowie auf etablierte Armhersteller wie KUKA und Universal Robots. Die Google-Verbindung ist im Vertrieb ein Unterscheidungsmerkmal, aber nicht exklusiv und durch eine ähnliche Vereinbarung eines Wettbewerbers neutralisierbar.
Bewertungskontext
Die letzte bestätigte Runde von Agile Robots ist die Serie C über 220 Millionen Dollar unter Führung des SoftBank Vision Fund 2 im September 2021, als das Unternehmen eine Bewertung von über einer Milliarde Dollar angab. Eine neuere Bewertung ist nicht offengelegt. Umsatz von 200 Millionen Euro, mehr als 1.000 Beschäftigte und der Serienstart eines Humanoiden deuten auf einen Kapitalbedarf weit über der Runde von 2021.
Partner auf Googles Liste haben zuletzt weit mehr eingesammelt. Apptroniks Serie A überschritt im Februar 2026 935 Millionen Dollar; die Erweiterung wurde nach Firmenangaben zum Dreifachen der früheren Serie-A-Bewertung bepreist, Google investierte erneut. Eine sichtbare Nähe zu Google DeepMind stützt eine höhere Bewertung in der nächsten Runde, Primärbelege für eine laufende Runde liegen MEKAWIRE aber nicht vor.
Folgen für die Lieferkette
Die Vereinbarung berührt drei Ebenen. Modelle und Planung kommen von Google DeepMind, die Trainingsrechenleistung für eigene Modelle aus der von der Deutschen Telekom auf NVIDIA-Hardware betriebenen Industrial AI Cloud, Roboter, Hände und Sensorik aus der eigenen Fertigung von Agile Robots einschließlich des neuen Werks in Bayern.
Für Zulieferer bedeutet das mehr Sensorik je Roboter. Die Hände von Agile ONE tragen Fingerspitzensensoren und Kraft- und Drehmomentmessung in jedem Gelenk, und Modelle, die aus Kontakt lernen, brauchen genau diese Daten. Hersteller von Drehmomentsensoren, taktilen Häuten und kompakten Antrieben im deutschen Mittelstand können profitieren, wenn der Datenkreislauf funktioniert.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens eine benannte Kundenzelle. Erst wenn ein Werk für eine von Gemini Robotics gesteuerte Aufgabe bezahlt, wird aus der Partnerschaft ein Geschäft.
Zweitens die Zugangsbedingungen. Öffnet Google DeepMind das Handlungsmodell allgemein, sinkt der Wert des Partnerstatus; bleibt es geschlossen, gewinnt Agile Robots. Drittens die Stückzahlen von Agile ONE aus Bayern.
Analystensicht
These: Google DeepMind baut das breiteste Hardware-Partnernetz aller Entwickler von Robotermodellen auf, und Agile Robots ist eine nützliche, aber nicht exklusive Ergänzung, deren Hauptbeitrag Industriedaten sind und nicht humanoide Fähigkeiten.
Konfidenz: mittel. Vier Ankündigungen in einem Quartal machen die Richtung von Googles Strategie klar, doch die Mitteilung von Agile Robots enthält weder Geld noch Termine noch Ziele, und die parallelen Investitionen in eigene Modelle zeigen, dass keine Seite alles auf die andere setzt.
Offene Fragen
Welche Gemini-Robotics-Modelle erhält Agile Robots zu welchen Lizenzbedingungen? Wem gehören die in Kundenwerken gesammelten Daten, und dürfen sie Modelle trainieren, die Wettbewerbern angeboten werden?
Wird Agile ONE die erste Plattform sein, oder starten Googles Modelle auf den Armen und Händen, wo die installierte Basis bereits steht? Und wie teilen sich die auf der Münchner Cloud trainierten eigenen Modelle und die Google-Modelle die Arbeit in einem Roboter?