Figure macht Brookfields 100.000 Wohnungen zum Datenlabor für humanoide Roboter

Der US-Humanoidenentwickler Figure AI hat am 17. September 2025 eine strategische Partnerschaft mit Brookfield bekanntgegeben, das mehr als 100.000 Wohneinheiten besitzt. Gemeinsam wollen beide den nach Figures Angaben größten Vortrainingsdatensatz für Humanoide aufbauen und GPU-Rechenzentren sowie Robotereinsätze prüfen, Brookfield hat sich zudem an Figures Series C beteiligt.
Einen Tag später stellte Figure das Projekt Go-Big vor und erklärte, sein Modell Helix habe allein aus menschlichen Videos aus der Ich-Perspektive gelernt, sich in Wohnungen zu bewegen.
Der amerikanische Humanoidenhersteller Figure AI hat eine strategische Partnerschaft mit der Investmentgruppe Brookfield geschlossen. Wohnungen, Büros und Lagerhallen von Brookfield sollen künftig als Aufnahmeorte für jene menschlichen Videos dienen, mit denen Figure seine Roboter vortrainieren will, teilte das Unternehmen am 17. September 2025 mit. Brookfield habe sich im Rahmen der Vereinbarung zudem an Figures Series C beteiligt, hieß es in der Mitteilung. Einen Betrag nannte Figure nicht.
Nach Angaben von Figure verwaltet Brookfield mehr als 1 Billion Dollar und besitzt mehr als 100.000 Wohneinheiten, 500 Millionen Quadratfuß Büroflächen sowie 160 Millionen Quadratfuß Logistikflächen. Ziel der Partnerschaft sei der größte und vielfältigste Vortrainingsdatensatz für Humanoide aus der realen Welt, der Aufbau von KI-Infrastruktur für Helix, Figures eigenes Vision-Language-Action-Modell, sowie der Einsatz von Robotern in neuen kommerziellen Umgebungen. Finanzielle Konditionen, die angestrebte Datenmenge, die Zahl beteiligter Haushalte und ein Termin für erste Einsätze wurden nicht veröffentlicht.
Die Vereinbarung hat drei Säulen. Die Datenerhebung in Brookfield-Immobilien habe bereits begonnen und solle in den kommenden Monaten beschleunigt werden, erklärte Figure. Bei der Infrastruktur prüfen beide Seiten die Unterstützung von GPU-Rechenzentren der nächsten Generation, Flächen für Trainingsumgebungen und kommerzielle Anwendungen im weltweiten Portfolio von Brookfield. Beim Einsatz geht es darum, Humanoide schrittweise in Brookfield-Liegenschaften zu bringen. Figure fügte hinzu, erste kommerzielle Einsätze bei einigen Kunden hätten begonnen, ohne diese in der Mitteilung zu nennen.
Figure-Gründer und Vorstandschef Brett Adcock sprach von einem wichtigen Meilenstein. Brookfields Größe biete eine einzigartige Plattform, um in großer Menge menschenähnliche Navigations- und Manipulationsdaten aus unterschiedlichen Haushalten zu gewinnen. Brookfield-Chef Bruce Flatt ordnete die Kooperation in die Strategie ein, mit künstlicher Intelligenz die Produktivität von Sachwerten und Unternehmen zu steigern. Stewart Upson, bei Brookfield für die globale Strategie zuständig, sagte, die Zusammenarbeit eröffne mit der Zeit direkte Einsatzmöglichkeiten, die den eigenen Betrieb verbessern sollen.
Am 18. September legte Figure mit dem Projekt Go-Big den technischen Unterbau vor, nach eigenen Worten ein Programm für Vortraining von Humanoiden im Internetmaßstab. Bild- und Sprachmodelle seien mit riesigen Datenbeständen wie ImageNet, Wikipedia und YouTube groß geworden, argumentiert Figure, der Robotik fehle ein vergleichbarer Fundus an Verhaltensdaten. Weil ein Humanoid dem menschlichen Körper ähnele, lasse sich gewöhnliches Video aus der Ich-Perspektive in Trainingssignale übersetzen, ohne teure ferngesteuerte Demonstrationen, Handprogrammierung oder Laborumgebungen.
Das erste Ergebnis betrifft die Navigation. Allein mit Ich-Perspektive-Videos, die passiv aufgenommen wurden, während Menschen in Brookfield-Wohnungen Alltagsaufgaben erledigten, trainierte das Team Helix darauf, gesprochenen Anweisungen wie „Geh zum Küchentisch“ oder „Gieß die Pflanzen“ zu folgen und dabei kontinuierliche Steuerbefehle direkt aus Kamerabildern zu erzeugen. Figure spricht von Zero-Shot-Übertragung vom Menschen auf den Roboter und nach eigener Darstellung vom ersten Mal, dass ein Humanoid durchgängig von Bild und Sprache bis zu SE(2)-Geschwindigkeitsbefehlen allein aus menschlichem Video gelernt habe. Ein einziges Helix-Netz gebe nun sowohl Feinmanipulation als auch Navigation aus. Frühere Helix-Vorführungen hatten sich auf Arbeiten des Oberkörpers wie Wäschefalten, Einräumen der Spülmaschine und das Drehen von Paketen beschränkt.
Die Partnerschaft folgte einen Tag auf die Mitteilung vom 16. September 2025, Figures Series C habe mehr als 1 Milliarde Dollar bei einer Bewertung von 39 Milliarden Dollar nach der Finanzierung erreicht. Helix hatte Figure im Februar 2025 vorgestellt, frühere Mitteilungen nennen eine Series B über 675 Millionen Dollar im Februar 2024 und eine Series A über 70 Millionen Dollar im Mai 2023. Drei Wochen nach dem Brookfield-Abkommen, am 9. Oktober 2025, präsentierte Figure den Roboter Figure 03.
In veröffentlichten Zahlen ist der Kapitalvorsprung deutlich. Figure ist in der folgenden Übersicht das einzige Unternehmen mit veröffentlichter Post-Money-Bewertung, und die Finanzierung übertrifft die zuletzt offengelegten Runden von Apptronik, Agility Robotics, 1X Technologies und Sanctuary AI. Der deutsche Hersteller Neura Robotics hat für seine Series C vom Juni 2026 im MEKAWIRE-Datensatz keinen Betrag mit Bewertung hinterlegt. Keiner dieser Wettbewerber hatte zum Zeitpunkt der Mitteilung einen Immobilienpartner von Brookfields Größe genannt.
- Figure AI
- USA
- Keine Daten
- Series C
- 1.000.000.000
- 39.000.000.000
- 2025-09-16
- Apptronik
- USA
- 2016
- Series-A-Erweiterung
- 520.000.000
- Keine Daten
- 2026-02-11
- Agility Robotics
- USA
- 2015
- Series B
- 150.000.000
- Keine Daten
- 2022-04-22
- 1X Technologies
- USA
- 2014
- Series B
- 100.000.000
- Keine Daten
- 2024-01-13
- Sanctuary AI
- Kanada
- 2018
- Series A
- 58.500.000
- Keine Daten
- 2022-03-02
- Neura Robotics
- Deutschland
- 2019
- Series C
- Keine Daten
- Keine Daten
- 2026-06-10
Letzte Wagniskapitalrunde je Unternehmen laut verifiziertem MEKAWIRE-Datensatz. Beträge und Bewertungen wie von Unternehmen oder Investoren offengelegt, nicht geschätzt; — bedeutet nicht offengelegt bzw. im Datensatz nicht als Einzelwert hinterlegt. Figures Series-C-Betrag ist die offengelegte Untergrenze (mehr als 1 Milliarde Dollar). SPAC, Börsengänge und strategische Beteiligungen ohne Betrag ausgenommen.
Stand: 3. Okt. 2026
Technisch geht es um den Engpass Daten. Ferngesteuerte Demonstrationen liefern präzise Trainingspaare, wachsen aber nur mit der Zahl der Roboter und Bediener. Ich-Perspektive-Video wächst mit der Zahl der Menschen, die Kameras tragen, enthält aber keine Gelenkdaten des Roboters und muss die sogenannte Verkörperungslücke überbrücken. SE(2) beschreibt Position und Ausrichtung in der Ebene. Figures Ergebnis betrifft also das Gehen an den richtigen Ort, nicht die schwierigere Übertragung menschlicher Handbewegungen auf Roboterfinger.
Für Europa wirft das Modell zwei Fragen auf. Erstens müsste ein vergleichbares Programm Videoaufnahmen in Wohnungen mit der Datenschutz-Grundverordnung vereinbaren, die für Bilddaten in privaten Räumen hohe Hürden setzt. Zweitens verfügen europäische Wohnungskonzerne, Logistikimmobilienbesitzer und Industriekunden aus Automobilbau und Mittelstand über genau jene Umgebungen, die Figure nun bei Brookfield einkauft. Wer sich als Datenpartner positioniert, könnte bei Preisen und Einsatzbedingungen künftiger Humanoiden mitreden.
Offen bleibt vieles. Figure erklärte nicht, wie Bewohner der Aufnahme zustimmen, wer die Kameras trägt, wie Aufnahmen anonymisiert werden und wie viele Stunden bereits vorliegen. Infrastruktur und Einsatz werden lediglich geprüft. Das Navigationsergebnis ist eine Eigenangabe ohne Erfolgsquote, öffentlichen Vergleichstest oder Fachaufsatz.
Drei Marken zeigen, ob die Partnerschaft mehr ist als eine Datenlizenz. Eine veröffentlichte Größe des Go-Big-Datensatzes in Stunden oder Haushalten, eine namentlich genannte Brookfield-Liegenschaft mit kommerziell arbeitenden Figure-Robotern und eine für Helix reservierte Rechenzentrumskapazität aus dem Brookfield-Umfeld.
MEKAWIRE-Analyse
Figure versucht, Immobilien in einen Datenburggraben zu verwandeln, und die Brookfield-Vereinbarung ist die erste große Humanoiden-Partnerschaft, in der der Zugang zu menschlichen Lebensräumen und nicht der Verkauf von Robotern das zentrale Tauschgut ist.
Dafür spricht die Struktur. Brookfield bringt Videomaterial aus mehr als 100.000 Wohnungen und Hunderten Millionen Quadratfuß Gewerbefläche ein, dazu eine Kapitalbeteiligung und eine Option auf Infrastruktur, während der Kauf von Robotern einer späteren Prüfung vorbehalten bleibt. Das Go-Big-Ergebnis, Navigation allein aus menschlichem Video, liefert das Argument, warum solches Material Geld wert sein soll.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass Navigation die leichtere Hälfte ist. Mobile Roboter bewegen sich seit Jahren durch Gebäude, der kommerzielle Wert eines Humanoiden liegt in der Manipulation, und menschliche Hände unterscheiden sich weit stärker von Robotergreifern als menschliches Gehen von der Fortbewegung eines Roboters. Solange Figure keine überwiegend aus Go-Big-Material gelernten Greiffähigkeiten zeigt, bleibt der Burggraben eine Hypothese.
Optimistisches Szenario. Überträgt sich menschliches Video auch auf Manipulation, erhält Figure Trainingsdaten, deren Kosten mit der Zahl der Kameras statt der Roboter wachsen. Brookfield würde zum größten Datenpartner und zum Ankerkunden in Wohnungen, Büros und Logistik, was einen guten Teil der Bewertung von 39 Milliarden Dollar allein über den Datenvorsprung rechtfertigen könnte.
Pessimistisches Szenario. Datenschutzauflagen begrenzen Erhebung und Speicherung von Haushaltsvideos, Wettbewerber bauen ähnliche Bestände aus öffentlichem Video und kleineren Vermietern auf, und Infrastruktur sowie Einsatz kommen über die Prüfphase nicht hinaus. Dann wäre die Partnerschaft eine Finanzierungsbeziehung mit angehängtem Datensatz.
Zu beobachtende Signale:
- Bis 31. März 2026, also innerhalb der von Figure am 17. September 2025 genannten kommenden Monate, eine veröffentlichte Größe des Go-Big-Datensatzes.
- Im Lauf des Jahres 2026 der erste Einsatz von Figure-Humanoiden in einer namentlich genannten Brookfield-Liegenschaft mit Stückzahlen.
- Vor Figures nächster Finanzierungsrunde offengelegte Brookfield-Rechenzentrumskapazität für das Helix-Training.
- 17. September 2025 (Figure Newsroom)
- 18. September 2025
- Mehr als 100.000
- 500 Mio. Quadratfuß
- 160 Mio. Quadratfuß
- Mehr als 1 Billion Dollar
- An Figures Series C, Betrag nicht genannt
- Menschliches Video aus der Ich-Perspektive in Brookfield-Wohnungen
- Navigation nach Sprachbefehl allein aus menschlichem Video, ohne Roboterdemonstrationen
- Datensatzgröße, Haushalte, GPU-Kapazität, Einsatztermine, Konditionen
Warum das wichtig ist
Seit zwei Jahren streitet die Humanoidenbranche, welche Datenquelle skaliert, Fernsteuerung, Simulation oder menschliches Video. Mit Brookfield sichert sich einer der kapitalstärksten Anbieter erstmals vertraglich einen großen Bestand realer Lebensumgebungen für die dritte Option und legt zugleich ein Ergebnis vor, nach dem ein Humanoid allein aus menschlichem Video lernt, sich durch eine Wohnung zu bewegen.
Auch die Rollen verschieben sich. Ein Vermieter mit mehr als 100.000 Wohnungen und großem Logistikbestand wird Anteilseigner, Datenlieferant und möglicher Kunde eines Roboterherstellers. Figure erhält damit einen Pfad von der Datenerhebung bis zum bezahlten Einsatz bei einem einzigen Gegenüber.
Wettbewerbsanalyse
Apptronik, Agility Robotics, 1X Technologies und Sanctuary AI finanzieren ihre Humanoidenprogramme mit Wagniskapital, 1X zielt am direktesten auf Privathaushalte. Keiner von ihnen hatte bei Bekanntgabe einen Immobilienpartner dieser Größe vorzuweisen. Ihre Datenstrategien stützen sich auf Fernsteuerung und Kundenpiloten, die robotereigene Daten liefern, aber in weit kleinerem Umfang.
In Europa ist Neura Robotics der prominenteste Herausforderer und hat im Juni 2026 eine Series C abgeschlossen. Für europäische Anbieter wäre ein Brookfield-Modell mit Wohnungsgesellschaften oder Logistikimmobilienbesitzern denkbar, müsste aber unter der Datenschutz-Grundverordnung deutlich restriktiver gestaltet werden.
Bewertungskontext
Figures am 16. September 2025 gemeldete Series C überstieg 1 Milliarde Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 39 Milliarden Dollar, Brookfields Beteiligung wurde am Folgetag ohne Betrag genannt. Unter den Humanoidenherstellern im MEKAWIRE-Datensatz hat sonst niemand für die jüngste Runde eine Post-Money-Bewertung veröffentlicht, ein Vergleich auf Basis offengelegter Zahlen ist daher nicht möglich.
Die Bewertung setzt voraus, dass Figure Roboterintelligenz schneller skaliert als Hardware-Konkurrenten. Brookfields Datenzugang ist einer der wenigen greifbaren Belege dafür, deshalb werden Datensatzgröße und Manipulationsergebnisse aus Go-Big den Preis der nächsten Runde mitbestimmen.
Folgen für die Lieferkette
Go-Big verlagert einen Teil von Figures Kosten von Roboterhardware und Bedienern zu Kameratechnik, Speicher und GPU-Trainingskapazität. Die Infrastruktursäule, die Unterstützung von GPU-Rechenzentren der nächsten Generation, zielt auf Letzteres, Brookfields Infrastruktur- und Energiesparten kommen als Lieferanten von Flächen, Strom und Gebäuden in Frage.
Für Komponentenzulieferer, etwa europäische Hersteller von Getrieben, Antrieben und Sensorik, bleibt der Effekt vorerst indirekt. Mehr Trainingsdaten ändern die Nachfrage nach Aktuatoren oder Batterien erst, wenn Einsätze wachsen. Auslöser wären Einsätze in Brookfield-Liegenschaften, für die Figure weder Stückzahlen noch Termine nannte.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens quantitative Angaben, also Videostunden, Haushalte oder Zahl der Brookfield-Objekte im Go-Big-Programm. Figure kündigte am 17. September 2025 eine Beschleunigung in den folgenden Monaten an, eine Aktualisierung Anfang 2026 wäre damit konsistent.
Zweitens ein Manipulationsergebnis, das zeigt, dass Haushaltsfertigkeiten überwiegend aus menschlichem Video gelernt werden können. Drittens kommerzielle Signale, eine namentlich genannte Brookfield-Liegenschaft mit Figure-Robotern unter Vertrag sowie Rechenzentrumskapazität für Helix.
Analystensicht
These: Die Partnerschaft verschafft Figure einen echten Vorsprung bei der Datenversorgung, dessen Übertragbarkeit auf zahlungsrelevante Aufgaben aber unbewiesen ist. Zuversicht mittel. Brookfields Bestandszahlen, die Kapitalbeteiligung und der Beginn der Datenerhebung sind auf Figures eigenen Seiten bestätigt, was gegen eine bloße Absichtserklärung spricht.
Höher fällt die Zuversicht nicht aus, weil das technische Ergebnis eine Eigenangabe ist, nur die Navigation betrifft und ohne Erfolgsquote, Vergleichstest oder Fachaufsatz auskommt. Infrastruktur und Einsatz sind als Prüfaufträge formuliert, der Datenschutz bei Aufnahmen in Wohnungen bleibt in den öffentlichen Unterlagen unerwähnt.
Offene Fragen
Wie stimmen Brookfield-Bewohner der Aufnahme zu, wer trägt die Kameras, wie werden Aufnahmen anonymisiert und wie lange gespeichert? Erhält Brookfield Rechte am Datensatz oder an damit trainierten Modellen?
Wie viele Videostunden und Haushalte stehen hinter dem Navigationsergebnis, und welche Erfolgsquote erreichte Helix? Welcher Teil von Brookfields Series-C-Investment ist an Daten- und Infrastrukturkonditionen gekoppelt, und gibt es Exklusivklauseln gegenüber anderen Roboterherstellern?