Google DeepMind lässt Roboter mit Gemini Robotics 1.5 vor dem Handeln nachdenken und öffnet das Planungsmodell für Entwickler
Google DeepMind hat am 25. September 2025 Gemini Robotics 1.5 vorgestellt, ein Vision-Language-Action-Modell, das vor jeder Bewegung in natürlicher Sprache plant und Fähigkeiten zwischen unterschiedlichen Roboterkörpern überträgt. Das begleitende Reasoning-Modell Gemini Robotics-ER 1.5 steht Entwicklern als Vorschau über die Gemini API offen. Laut technischem Bericht sank die Gesamtfehlerquote bei langen Aufgaben auf 22 Prozent, gegenüber 44,5 Prozent mit Gemini 2.5 Flash als Planer.

Google DeepMind hat am 25. September 2025 zwei Robotermodelle veröffentlicht, die die Arbeit eines Universalroboters in Planung und Ausführung aufteilen. Gemini Robotics 1.5 ist ein Vision-Language-Action-Modell (VLA), das Kamerabilder und Anweisungen in Motorbefehle übersetzt und nach Angaben des Unternehmens seine Überlegungen in Sprache formuliert, bevor es handelt. Gemini Robotics-ER 1.5 ist ein Vision-Language-Modell für räumliches und physikalisches Schlussfolgern, das mehrstufige Pläne erstellt, digitale Werkzeuge wie die Google-Suche aufruft und einzelne Schritte an ein VLA übergibt.
Der Zugang ist sehr unterschiedlich geregelt. Gemini Robotics-ER 1.5 ging laut Googles Entwicklerblog am selben Tag als Vorschau in Google AI Studio und der Gemini API online, unter der Modellkennung gemini-robotics-er-1.5-preview. Gemini Robotics 1.5, das Modell, das tatsächlich Roboterarme steuert, erhalten nach DeepMind-Angaben nur ausgewählte Partner. Die Gewichte beider Modelle wurden nicht veröffentlicht.
Die belastbarste Zahl steht im technischen Bericht, einem nicht begutachteten Preprint, der am 2. Oktober 2025 auf arXiv (2510.03342) erschien. Steuerte Gemini Robotics-ER 1.5 das Ausführungsmodell bei langen Aufgaben, lag die Gesamtfehlerquote der Teilaufgaben bei 22 Prozent. Mit dem allgemeinen Modell Gemini 2.5 Flash als Orchestrator waren es 44,5 Prozent. Planungsfehler fielen von 25,5 auf 9 Prozent, Ausführungsfehler von 13 auf 9 Prozent und Fehler bei der Erfolgserkennung von 6 auf 4 Prozent.
- Planung
- 25,5
- 9
- Erfolgserkennung
- 6
- 4
- Ausführung
- 13
- 9
- Gesamt
- 44,5
- 22
Angaben von Google DeepMind im technischen Bericht zu Gemini Robotics 1.5 (arXiv 2510.03342v1); beide Agenten nutzen Gemini Robotics 1.5 als Ausführungsmodell. Selbst berichtet, nicht unabhängig bestätigt.
Stand: 2. Okt. 2025
Das denkende VLA allein erreichte laut Bericht bei den schwierigsten mehrstufigen Tests einen Fortschrittswert von bis zu 44 Prozent, der vollständige Agent dagegen häufig Werte nahe 80 Prozent. DeepMind gibt an, Gemini Robotics-ER 1.5 auf 15 akademischen Benchmarks für verkörpertes Schlussfolgern geprüft zu haben, darunter ERQA, Point-Bench, BLINK, CV-Bench, RoboSpatial und Where2Place, und dort insgesamt Bestwerte erzielt zu haben. Verglichen wurde mit GPT-5, GPT-5-mini, Gemini 2.5 Pro und Gemini 2.5 Flash. Einzelwerte zeigt der Bericht überwiegend nur in Grafiken, MEKAWIRE gibt sie deshalb nicht wieder.
Die zweite Neuerung heißt Motion Transfer. DeepMind trainierte Gemini Robotics 1.5 mit Daten dreier sehr verschiedener Maschinen: der zweiarmigen Forschungsplattform ALOHA 2, einem zweiarmigen Franka-Aufbau und dem humanoiden Apollo von Apptronik. Aufgaben, die auf einer Plattform gelernt wurden, funktionieren laut DeepMind ohne Spezialisierung auch auf den anderen. Der Bericht grenzt dies von den hauseigenen On-Device-Modellen ab, die für jede Plattform einen eigenen Checkpoint benötigen.
Es ist die dritte Robotikveröffentlichung von DeepMind im Jahr 2025. Am 12. März stellte das Unternehmen die ersten, auf Gemini 2.0 basierenden Modelle Gemini Robotics und Gemini Robotics-ER vor, mit Apptronik als Hardwarepartner und Agile Robots, Agility Robotics, Boston Dynamics und Enchanted Tools als Testkunden. Am 24. Juni folgte Gemini Robotics On-Device, das sich nach DeepMind-Angaben mit 50 bis 100 Demonstrationen an neue Aufgaben anpassen lässt. Google beteiligte sich laut Apptronik an dessen Series-A-Runde über 350 Millionen Dollar im Februar 2025.
Der Wettbewerb ist dicht. Figure AI stellte am 20. Februar 2025 Helix vor, ein System aus einem Sprachbildmodell mit 7 Milliarden Parametern bei 7 bis 9 Hertz und einer Steuerungspolitik mit 80 Millionen Parametern bei 200 Hertz auf eingebetteten GPUs. NVIDIA veröffentlichte am 18. März Isaac GR00T N1 mit 2 Milliarden Parametern zum Download, allerdings unter einer NVIDIA-Lizenz mit Einschränkungen für die kommerzielle Nutzung. Physical Intelligence präsentierte am 22. April pi0.5 und stellte die Basisgewichte im September in das Repository openpi. Figure schloss am 16. September eine Series C über 1 Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar Bewertung nach dem Geld ab.
- Gemini Robotics 1.5
- Google DeepMind
- 2025-09-25
- Nein
- Ausgewählte Partner
- Keine Daten
- Gemini Robotics-ER 1.5
- Google DeepMind
- 2025-09-25
- Nein
- Vorschau in der Gemini API
- Keine Daten
- Gemini Robotics On-Device
- Google DeepMind
- 2025-06-24
- Nein
- Testkunden per SDK
- Keine Daten
- pi0.5
- Physical Intelligence
- 2025-04-22
- Ja (openpi, Sept. 2025)
- Offener Basis-Checkpoint
- Keine Daten
- Isaac GR00T N1
- NVIDIA
- 2025-03-18
- Ja (nichtkommerzielle NVIDIA-Lizenz)
- Download über Hugging Face
- 2
- Helix
- Figure AI
- 2025-02-20
- Nein
- Auf Figure-Robotern
- 7,08
Quelle jeweils Mitteilung, Modellkarte oder Repository des Entwicklers. Helix = 7 Mrd. (System 2) + 0,08 Mrd. (System 1). Leer = nicht offengelegt. Keine Benchmarkwerte, da kein gemeinsamer Test.
Stand: 2. Okt. 2025
Für Europa hat die Veröffentlichung eine besondere Note. Eine der drei Trainingsplattformen hat Münchner Wurzeln. Franka-Roboterarme stammen von Franka Robotics, die zu Agile Robots gehört, und Agile Robots zählte bereits im März zu den Testkunden. Für Maschinenbauer und Mittelständler, die keine eigenen Großmodelle trainieren können, bietet ein per API abrufbares Planungsmodell einen Weg, Bildverstehen und Aufgabenplanung über bestehende Steuerungen zu legen, ohne die Bewegungssteuerung aus der Hand zu geben.
Offen bleiben Punkte, die in deutschen Werkshallen schwer wiegen, etwa die Latenz einer Cloudabfrage im Taktbetrieb, die Kosten im Dauerbetrieb und die Übertragung von Kamerabildern aus der Fertigung auf Server außerhalb des eigenen Netzes. Dazu liefert DeepMind keine öffentlichen Daten. Auch Automobilhersteller, die Humanoide in Pilotprojekten erproben, dürften genau beobachten, ob das Ausführungsmodell über den Partnerkreis hinaus verfügbar wird.
DeepMind veröffentlichte zudem eine überarbeitete Fassung seines Sicherheitsbenchmarks ASIMOV und erklärt, Gemini Robotics-ER 1.5 schneide besser ab als der Vorgänger. Die Ergebnisse stehen jedoch nur in Grafiken, und der Test stammt von DeepMind selbst. Entscheidend wird, wann das ER-Modell die Vorschauphase verlässt, ob Gemini Robotics 1.5 breiter verfügbar wird und ob unabhängige Labore die Ergebnisse bestätigen.
MEKAWIRE-Analyse
DeepMind setzt darauf, dass ein Universalrobotermodell zuerst in der Planungsschicht zum verkaufsfähigen Produkt wird und nicht in der Bewegungssteuerung, und Gemini Robotics-ER 1.5 ist das erste DeepMind-Robotikmodell, das jeder Entwickler abrufen kann.
Dafür sprechen die Zugangsregeln und die Zahlen im Bericht. Das Planungsmodell ist öffentlich, das Ausführungsmodell bleibt beschränkt. Die größte gemessene Verbesserung, die Halbierung der Gesamtfehlerquote von 44,5 auf 22 Prozent, entsteht durch den Wechsel des Orchestrators und nicht des Ausführungsmodells. Allein die Planungsfehler sanken von 25,5 auf 9 Prozent.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass sich ein Cloudplaner leicht nachbauen lässt. Der Bericht selbst vergleicht mit GPT-5, auch allgemeine Großmodelle beherrschen räumliches Schlussfolgern. Schrumpft der Abstand, wird die Planungsschicht zur Massenware, und der Wert wandert zu denen, die Roboterdaten und die unterste Steuerungsebene besitzen, also zu Figure, Physical Intelligence und NVIDIA.
Im positiven Szenario übernehmen viele Roboterhersteller das ER-Modell als Standard für das Schlussfolgern, DeepMind gewinnt einen Vertriebskanal, den Anbieter offener Gewichte nicht haben, und Motion Transfer erlaubt es, das Ausführungsmodell mit wenig zusätzlichen Daten auf neue Plattformen zu bringen. Partner wie Apptronik werben dann mit Gemini an Bord.
Im negativen Szenario scheuen Hersteller und Industriekunden aus Gründen von Latenz, Kosten und Datenhoheit davor zurück, Live-Bilder in die Cloud zu schicken, und greifen zu offenen Checkpoints wie pi0.5 oder GR00T N1, die sich lokal betreiben und verändern lassen. Gemini Robotics 1.5 bleibt ein Laborergebnis auf drei Plattformen mit selbst berichteten Benchmarks.
Drei Signale mit Datum: der Termin, an dem Gemini Robotics-ER 1.5 die Vorschau verlässt, samt Preis pro Token; ob DeepMind Gemini Robotics 1.5 bis Mitte 2026 über ausgewählte Partner hinaus öffnet; und ob ein unabhängiges Labor die Ergebnisse zu langen Aufgaben auf einer vierten Plattform nachvollzieht.
- 25. September 2025
- Gemini Robotics 1.5 (VLA); Gemini Robotics-ER 1.5 (Reasoning-VLM)
- Vorschau in Gemini API und Google AI Studio
- Nur ausgewählte Partner
- ALOHA 2, zweiarmiger Franka-Aufbau, Apptronik Apollo
- 15 akademische Benchmarks, darunter ERQA und Point-Bench
- 22 % mit ER 1.5 gegenüber 44,5 % mit Gemini 2.5 Flash
- arXiv 2510.03342, 2. Oktober 2025, nicht begutachtet
- Nicht veröffentlicht
Warum das wichtig ist
Erstmals bietet DeepMind ein Robotikmodell an, das jeder Entwickler mit einem Gemini-API-Schlüssel nutzen kann. Das ER-Modell vom März und das On-Device-Modell vom Juni waren Testkunden vorbehalten. Robotisches Schlussfolgern wird damit vom geschlossenen Forschungsprogramm zum Cloudprodukt.
Architektonisch macht DeepMind aus dem zweistufigen Roboterstapel, Orchestrator oben, Ausführungsmodell unten, zwei Produkte mit unterschiedlichen Zugangsregeln. Figure kombiniert bei Helix beide Ebenen in einem Roboter. DeepMind kann so die obere Ebene sofort vermarkten und die untere kontrolliert halten.
Wettbewerbsanalyse
Der direkteste Forschungskonkurrent ist Physical Intelligence. Dessen pi0.5 vom 22. April 2025 zielt auf Verallgemeinerung in unbekannten Wohnungen, und die Basisgewichte liegen offen im Repository openpi unter Apache-2.0-Lizenz. Hochschulen und Start-ups können das Modell lokal feinjustieren, eine Option, die DeepMind für Gemini Robotics 1.5 nicht bietet.
NVIDIAs GR00T N1 ist herunterladbar, aber nur eingeschränkt kommerziell nutzbar; NVIDIA verdient an GPUs, Simulation und synthetischen Daten. Helix bleibt Figure-Robotern vorbehalten. In Europa arbeiten Agile Robots und Neura Robotics an eigenen KI-Fähigkeiten, Agile Robots steht zugleich als Testkunde in DeepMinds Partnerkreis.
Bewertungskontext
Google DeepMind ist eine Einheit von Alphabet ohne eigene Finanzausweise, die Veröffentlichung liefert also kein direktes Bewertungssignal. Relevant sind die Marktpreise unabhängiger Wettbewerber. Figure sammelte am 16. September 1 Milliarde Dollar bei 39 Milliarden Dollar Bewertung ein, ein Preis, der stark auf Helix als proprietärem Vorteil beruht.
Kann ein allgemeines Cloudmodell die Planungsschicht für beliebige Roboter übernehmen, gerät ein Teil dieses Aufschlags unter Druck. Googles Beteiligung an Apptroniks Series A über 350 Millionen Dollar zeigt zugleich, dass Alphabet über Hardwarepartner streut, statt selbst Humanoide zu bauen.
Folgen für die Lieferkette
Die Veröffentlichung ist reine Software und ändert keine Bauteilbestellungen. Relevant ist der Ort der Rechenleistung. Das ER-Modell läuft in Googles Cloud, Roboter brauchen dafür weniger Bordrechenleistung, aber stabile Netzanbindung, während die Bewegungssteuerung lokal bleibt. Das spricht eher für Mittelklasseprozessoren und Kommunikationsmodule als für teure eingebettete GPU-Module.
Die drei Trainingsplattformen reichen vom günstigen Forschungsarm über den Industriearm bis zum Humanoiden. Funktioniert Motion Transfer wie beschrieben, ist die Datensammlung nicht an ein Hardwaredesign gebunden. Das senkt die Wechselkosten zwischen Anbietern von Getrieben, Antrieben und Greifern, ein Punkt, der für europäische Zulieferer wie Schaeffler oder Schunk Chancen und Preisdruck zugleich bedeutet.
Worauf jetzt zu achten ist
Erstens der Termin der allgemeinen Verfügbarkeit von Gemini Robotics-ER 1.5 und der Preis pro Token. Zweitens, ob Gemini Robotics 1.5 über ausgewählte Partner hinaus angeboten wird und ob eine Version für den Betrieb auf dem Roboter folgt, wie im Juni beim On-Device-Modell.
Drittens Partnermeldungen, die Gemini Robotics 1.5 in kommerziellen Pilotprojekten nennen, besonders von Apptronik und den Testkunden vom März, Agile Robots, Agility Robotics und Boston Dynamics. Viertens unabhängige Messungen mit ERQA oder Point-Bench auf Basis der öffentlichen Vorschau, auch von europäischen Forschungseinrichtungen.
Analystensicht
These: DeepMind verfügt über das stärkste per API zugängliche Modell für verkörpertes Schlussfolgern, doch die kommerziell entscheidende Ebene, die Echtzeitausführung auf unterschiedlicher Hardware, ist außerhalb der drei DeepMind-Plattformen unbelegt. Zuversicht: mittel.
Nicht hoch, weil die zentrale Verbesserung der Fehlerquote aus DeepMinds eigener Bewertung stammt, die meisten Benchmarkvergleiche nur grafisch vorliegen und der Bericht nicht begutachtet ist. Nicht niedrig, weil das ER-Modell öffentlich testbar ist und der Bericht Fehlerarten aufschlüsselt statt nur Erfolgsquoten zu nennen.
Offene Fragen
Was kostet Gemini Robotics-ER 1.5 pro Roboterstunde im Serienbetrieb, und welche Latenz fügt der Weg zur Gemini API einem Greifzyklus hinzu? Wie viele Demonstrationen braucht Motion Transfer pro neuer Plattform, verglichen mit den 50 bis 100 für das On-Device-Modell?
Welche Partner nutzen Gemini Robotics 1.5 heute, und zu welchen Bedingungen beim Datenaustausch? Wie verträgt sich die Übertragung von Fertigungsbildern in die Cloud mit den Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen europäischer Industriekunden?