Nvidia bringt Blackwell für 1.999 Dollar in Roboter und öffnet GR00T N1.6 und Cosmos Reason 2

Nvidia hat auf der CES 2026 das Robotermodul Jetson T4000 für 1.999 Dollar bei 1.000 Stück vorgestellt und die Modelle GR00T N1.6 und Cosmos Reason 2 veröffentlicht. Qualcomm kam einen Tag zuvor mit dem Dragonwing IQ10 und nannte Figure und Kuka als Partner.
Nvidia hat zum Auftakt der CES in Las Vegas am 5. Januar 2026 einen deutlich günstigeren Blackwell-Rechner für Roboter vorgestellt und dazu eine Reihe offener KI-Modelle veröffentlicht. Das Modul Jetson T4000 kostet bei Abnahme von 1.000 Stück 1.999 Dollar. Begleitet wird es vom Vision-Language-Action-Modell Isaac GR00T N1.6 für humanoide Roboter und vom Sprach-Bild-Modell Cosmos Reason 2.
"Der ChatGPT-Moment der Robotik ist da", erklärte Firmenchef Jensen Huang in der Mitteilung des Konzerns. Nach Angaben von Nvidia liefert der T4000 1.200 FP4-TFLOPS bei 64 Gigabyte Speicher, arbeitet in einem konfigurierbaren Leistungsbereich bis 70 Watt und ist viermal so leistungsfähig wie die Vorgängergeneration.
Was Nvidia angekündigt hat
Laut Nvidias Entwicklerblog kombiniert der T4000 eine Blackwell-GPU mit 1.536 Kernen und Tensor-Cores der fünften Generation, eine Arm-CPU vom Typ Neoverse-V3AE mit 12 Kernen sowie 64 Gigabyte LPDDR5x-Speicher mit 256-Bit-Anbindung und 273 Gigabyte pro Sekunde. Die Leistungsaufnahme liegt zwischen 40 und 70 Watt. Formfaktor und Pinbelegung entsprechen dem Jetson T5000 mit 2.070 TFLOPS und 128 Gigabyte, den Nvidia im August 2025 in einem Entwicklerkit ab 3.499 Dollar auf den Markt gebracht hatte. Hersteller können also eine Trägerplatine für beide Module entwickeln. Mit dem T4000 kam JetPack 7.1, das TensorRT Edge-LLM enthält, eine quelloffene C++-Bibliothek für Sprach- und Bildsprachmodelle auf Edge-Geräten.
Auf der Softwareseite veröffentlichte Nvidia die Weltmodelle Cosmos Transfer 2.5 und Cosmos Predict 2.5, die synthetische Trainingsdaten erzeugen und Robotersteuerungen bewerten, dazu Cosmos Reason 2 und GR00T N1.6. Neu sind außerdem Isaac Lab-Arena, ein quelloffenes Werkzeug für großangelegte Benchmarks von Roboterstrategien in der Simulation, und OSMO, eine Orchestrierungsschicht für Datenerzeugung, Training und Tests. Nvidia zufolge nutzt Hexagon Robotics OSMO, zudem ist es in Microsofts Azure Robotics Accelerator integriert. Für Anwendungen mit Anforderungen an die funktionale Sicherheit verweist Nvidia auf IGX Thor.
Mit Hugging Face vereinbarte Nvidia, Isaac und GR00T in die quelloffene Robotikbibliothek LeRobot einzubinden. Nvidia spricht von einer Verbindung seiner 2 Millionen Robotikentwickler mit 13 Millionen KI-Entwicklern bei Hugging Face. Boston Dynamics, das Londoner Unternehmen Humanoid und RLWRLD haben Jetson Thor in ihre Humanoiden integriert. Neura Robotics präsentierte auf der Messe die von Porsche gestaltete dritte Generation seines Humanoiden sowie ein kleineres, geschicktes Modell. Caterpillar weitet die Zusammenarbeit mit Nvidia bei Autonomie für Bau- und Bergbaumaschinen aus, und Franka Robotics nutzt GR00T-basierte Abläufe zum Training von Roboterverhalten.
Wie die Modelle funktionieren
GR00T N1.6 hat laut Modellkarte bei Hugging Face 3 Milliarden Parameter. Die erstmals am 15. Dezember 2025 veröffentlichte Forschungsseite von Nvidia beschreibt eine interne Variante des Cosmos-2B-Sprach-Bild-Modells, gekoppelt an einen Diffusions-Transformer mit 32 Schichten, doppelt so tief wie die 16 Schichten in N1.5. Das Modell sagt Bewegungen relativ zum aktuellen Zustand voraus statt absoluter Gelenkpositionen. Für das Vortraining kamen mehrere tausend Stunden teleoperierter Daten hinzu, unter anderem von zweiarmigen YAM-Systemen, AgiBot Genie-1, Unitree G1 und einem simulierten Galaxea R1 Pro. Cosmos Reason 2, erstmals am 19. Dezember 2025 veröffentlicht, basiert in der 8B-Version auf Qwen3-VL-8B-Instruct von Alibaba und verarbeitet bis zu 256.000 Eingabe-Token.
Die Lizenzen unterscheiden sich. Cosmos Reason 2 steht unter der NVIDIA Open Model License, die kommerzielle Nutzung erlaubt. GR00T N1.6 dagegen ist nur für Forschung und Entwicklung freigegeben. Wer das Modell in ein Produkt einbauen will, braucht eine gesonderte Vereinbarung.
Wettbewerb
Qualcomm war einen Tag früher dran. Am 4. Januar stellte der Konzern die Serie Dragonwing IQ10 für autonome mobile Industrieroboter und Humanoide in voller Größe vor. Figure arbeite mit Qualcomm an der nächsten Rechenarchitektur, hieß es, außerdem wurden Booster, VinMotion und der Roboterbauer Kuka genannt, mit dem Gespräche laufen. Laut späterer Produktbroschüre bietet das IQ10-Referenzdesign bis zu 700 TOPS, 18 Oryon-CPU-Kerne und 64 Gigabyte LPDDR5x. Figure stand im August 2025 zugleich auf Nvidias Liste früher Thor-Anwender.
- Jetson T4000
- NVIDIA
- 1200
- 64
- 70
- 12
- 17,1
- 1999
- Jetson T5000 (AGX Thor)
- NVIDIA
- 2070
- 128
- 130
- 14
- 15,9
- Keine Daten
- Dragonwing IQ10
- Qualcomm
- 700
- 64
- Keine Daten
- 18
- Keine Daten
- Keine Daten
NVIDIA-Werte sind FP4-Sparse-TFLOPS laut NVIDIA-Technikblog zum Jetson T4000 (5. Januar 2026) und Jetson-Thor-Mitteilung (25. August 2025). Der Qualcomm-Wert ist TOPS laut Produktbroschüre zum Dragonwing IQ10 Robotics Reference Design (Rev. A, Mai 2026); die Rechengenauigkeit ist nicht angegeben, daher nicht direkt vergleichbar. Rechenleistung je Watt = KI-Rechenleistung / Obergrenze der angegebenen Leistungsaufnahme. T4000-Preis je Modul bei 1.000 Stück; für den T5000 ist nur das Entwicklerkit ab 3.499 Dollar bepreist. Veröffentlichte Werte, keine Schätzungen; — = nicht veröffentlicht.
Stand: 1. Okt. 2026
Bedeutung für Europa
Für die europäische Industrie ist die Botschaft zweischneidig. Neura, Franka und Hexagon setzen auf Nvidia-Werkzeuge, und ein Blackwell-Modul unter 2.000 Dollar senkt die Einstiegskosten für mittelständische Automatisierer erheblich. Zugleich hängt die Rechenbasis europäischer Humanoiden damit an einem US-Anbieter, während Kuka laut Qualcomm mit dem US-Konzern im Gespräch ist. Eine eigenständige europäische Roboterplattform auf Chipebene ist nicht in Sicht.
Risiken
Nvidia nennt keinen Modulpreis für den T5000, ein direkter Kostenvergleich ist daher nicht möglich. Die 1.200 TFLOPS beziehen sich auf Sparse-FP4 und lassen sich nicht eins zu eins mit TOPS-Angaben der Konkurrenz vergleichen. Die nichtkommerzielle Lizenz von GR00T N1.6 bremst den Weg vom offenen Modell zum Serienprodukt.
MEKAWIRE-Analyse
Nvidia verkauft den Roboterrechner zum Bauteilpreis und verschenkt die Modelle, um Humanoid-Hersteller an seine Plattform zu binden, bevor Qualcomm und Eigenentwicklungen aufholen.
Dafür sprechen die Produktentscheidungen. Ein pinkompatibles Modul für 1.999 Dollar senkt die Einstiegshürde für Blackwell, die LeRobot-Integration bringt GR00T zu Hochschulen und Bastlern, und Cosmos Reason 2 darf kommerziell genutzt werden. Jeder Schritt verbreitert den Zugang zu Jetson-Hardware.
Das stärkste Gegenargument lautet, dass die größten Humanoid-Entwickler eigene Modelle trainieren und den Chip wechseln können. Dass der frühe Thor-Anwender Figure öffentlich mit Qualcomm kooperiert, zeigt, dass der Rechnersockel im Roboter umkämpft bleibt.
Optimistisches Szenario. Standardisieren mittelgroße Hersteller auf T4000-Platinen und Nvidias offene Modelle, wird Jetson zur Standardposition in der Stückliste von Humanoiden, ähnlich wie CUDA im Training. Serienlieferungen im Jahr 2026 würden das bestätigen.
Pessimistisches Szenario. Die Stückzahlen bleiben klein, die wichtigsten Kunden wechseln zu eigenen Chips oder zu Qualcomm, und Nvidias offene Modelle nützen vor allem Wettbewerbern, die sie anpassen und auf anderer Hardware einsetzen.
- Signal 1. Nvidias Entwicklerkonferenz GTC in San Jose im März 2026 mit der nächsten GR00T-Generation und neuen Thor-Kundenzahlen.
- Signal 2. Ankündigungen von Qualcomm-Partnern im ersten Halbjahr 2026, die IQ10 in einen ausgelieferten Humanoiden bringen.
- Signal 3. Ob Nvidia im Laufe des Jahres 2026 GR00T unter eine kommerzielle Lizenz stellt.
- 5. Januar 2026, CES Las Vegas
- 1.999 Dollar bei 1.000 Stück
- 1.200 FP4-TFLOPS (sparse)
- 64 GB LPDDR5x, 40 bis 70 Watt
- 2.070 FP4-TFLOPS, 128 GB
- VLA-Modell mit 3 Mrd. Parametern, nichtkommerzielle Lizenz
- Offenes Reasoning-Modell, 8B-Version auf Basis Qwen3-VL, 256.000 Token Eingabe
- Isaac und GR00T in LeRobot integriert
Warum das wichtig ist
Mit dem T4000 bepreist Nvidia einen Blackwell-Jetson für Serienroboter statt für Entwicklungstische. Mit 64 Gigabyte Speicher kann er ein VLA-Modell mit mehreren Milliarden Parametern und ein Reasoning-Modell direkt im Roboter ausführen. Das kommt Fabrik- und Logistikkunden entgegen, die keine Cloudabhängigkeit akzeptieren.
Ebenso wichtig ist das Modellpaket. GR00T N1.6 und Cosmos Reason 2 sind auf Nvidia-Hardware abgestimmt, Isaac Lab-Arena liefert einen gemeinsamen Maßstab. Der günstigste Weg für ein neues Robotikunternehmen führt so durch Nvidias Werkzeugkette.
Wettbewerbsanalyse
Qualcomm ist der direkte Herausforderer. Die IQ10-Ankündigung vom 4. Januar nannte Figure, Booster, VinMotion und Kuka, das Referenzdesign bietet laut Broschüre bis zu 700 TOPS und 64 Gigabyte. Executive Vice President Nakul Duggal stellte niedrige Latenz, Sicherheitsniveau und Leistung in den Vordergrund.
Die zweite Konkurrenz sind die Roboterbauer selbst. Große Humanoid-Entwickler wie Figure trainieren eigene Grundmodelle und können den passenden Chip wählen. Nvidia setzt auf Breite und gewinnt mittelgroße Hersteller wie Neura, RLWRLD, Richtech und AGIBOT gleichzeitig.
Bewertungskontext
Nvidia weist keinen eigenen Robotikumsatz aus, die Ankündigung lässt sich daher nicht an Geschäftszahlen messen. Messbar ist die Stückökonomie. Der T4000 bietet 1.200 TFLOPS für 1.999 Dollar, rund 0,6 TFLOPS je Dollar, und 58 Prozent der Rechenleistung des T5000 bei halbem Speicher.
Für Start-ups zählt die Stückliste. Ein Rechner unter 2.000 Dollar rückt die Elektronik von einem der teuersten Posten eines Humanoiden in Richtung der Kosten eines Antriebssatzes, was für Hersteller mit Preissenkungsplänen relevant ist.
Folgen für die Lieferkette
T4000 und T5000 nutzen denselben LPDDR5x-Speicher und dieselben Arm-Kerne und sind pinkompatibel. Für Modulhersteller wie Advantech, ADLINK oder AAEON, die Nvidia als Thor-Partner nennt, vereinfacht das die Lagerhaltung von Trägerplatinen, ebenso für Syslogic, das ebenfalls auf der Partnerliste steht.
Vertrieben wird über Nvidias Onlineshop und Distributoren. Wie viel Blackwell-Kapazität Nvidia bei hoher Rechenzentrumsnachfrage für Edge-Module reserviert, wird sich an den Lieferzeiten für Bestellungen von 1.000 Stück zeigen.
Worauf jetzt zu achten ist
Auf der GTC im März 2026 sind die nächste GR00T-Generation und neue Zahlen zu Thor-Kunden zu erwarten. Im ersten Halbjahr 2026 lohnt der Blick auf Produktstarts von Qualcomm-Partnern mit IQ10 und darauf, mit welcher Plattform Figure Hardware ausliefert.
In Europa ist zu beobachten, ob Neura und Kuka ihre Seriengeräte auf Nvidia oder Qualcomm aufbauen und ob die EU in ihrer Chipförderung eigene Roboterprozessoren adressiert.
Analystensicht
These. Nvidia macht Jetson mit niedrigem Einstiegspreis und kostenlosen Modellen zum Standardrechner für Roboter, und die Strategie trägt 2026 bei mittelgroßen Humanoid- und AMR-Herstellern.
Zuversicht mittel. Preis, Spezifikation und Partnerliste sind konkret veröffentlicht, doch Nvidia nennt keine Stückzahlen, der T5000-Modulpreis fehlt, und die wertvollsten Kunden sichern sich mit Qualcomm und eigenen Chips ab.
Offene Fragen
Wie viele T4000-Module hat Nvidia für 2026 eingeplant, und was kostet ein T5000-Modul bei 1.000 Stück?
Wird GR00T N1.6 oder sein Nachfolger kommerziell lizenziert, und zu welchen Bedingungen? Welche Hersteller haben über die Evaluierung hinaus Seriendesigns mit IQ10 festgelegt?