Wer führt Boston Dynamics? Rohit Prasad, früher Chef von Alexa und Nova bei Amazon, und warum Hyundai einen KI-Manager wählte
Boston Dynamics wird seit dem 7. Oktober 2026 von Rohit Prasad geführt, der zwölf Jahre bei Amazon Alexa und die Nova-Foundation-Modelle verantwortete. Aufsichtsratsvorsitzender ist Hyundai-Vizechef Jaehoon Chang.
Prasad übernimmt Spot, Stretch und den Humanoiden Atlas sowie Hyundais Plan für 25.000 Atlas-Einheiten. MEKAWIRE erklärt, wer er ist und worauf Hyundai setzt.
Boston Dynamics wird jetzt von Rohit Prasad geführt, einem Machine-Learning-Manager, der noch nie ein Robotikunternehmen geleitet hat. Das Unternehmen aus Waltham, Massachusetts, ernannte ihn am 6. Oktober zum Chief Executive mit Wirkung zum 7. Oktober 2026. Zuvor hatte Amanda McMaster das Amt kommissarisch inne; die Mitteilung zur Expansion vom 24. Juni unterzeichnete sie als Interim-CEO.
Hyundai Motor Group, seit 2021 Mehrheitseigner, hat sich damit gegen einen Produktions- oder Robotikmanager entschieden und für den Mann, der Alexa und Amazons Nova-Modelle aufgebaut hat. Die Wahl verrät, wo Hyundai die Wertschöpfung bei Humanoiden vermutet.
26 Jahre Machine Learning, die Hälfte davon für Alexa
Laut Boston Dynamics war Prasad bei Amazon zwölf Jahre lang Senior Vice President und Head Scientist für Alexa und Artificial General Intelligence. Er baute Alexa zu einem Dienst aus, den nach Unternehmensangaben Hunderte Millionen Haushalte nutzen, und leitete zuletzt die Entwicklung der Nova-Modelle für Unternehmenskunden. Davor forschte er knapp 14 Jahre bei Raytheon BBN Technologies. Er lebt seit mehr als 25 Jahren im Raum Boston und soll vorbehaltlich der Zustimmung in den Board einziehen.
Jaehoon Chang, Vizechef der Hyundai Motor Group und Vorsitzender des Boards, nannte die Robotik von Boston Dynamics, Prasads Erfahrung mit KI-Produkten im globalen Maßstab und Hyundais Fertigung und Logistik die Grundlage für Physical AI. Die Mitteilung verwendet den Begriff Physical AI neunmal, das Wort Humanoid nur einmal im Firmenporträt, das Atlas als Plattform in Entwicklung beschreibt.
Drei Roboter und ein Kunde aus dem eigenen Konzern
Kommerziell verkauft Boston Dynamics den Inspektionsroboter Spot und den Paketroboter Stretch; der elektrische Atlas ist noch in Entwicklung. Hyundai hat die Nachfrage bereits organisiert: Auf der CES im Januar zeigte das Unternehmen die Serienversion von Atlas, die gesamte Produktion 2026 ging an Hyundai und Google DeepMind, und Hyundai peilt bis 2028 eine Fertigung von 30.000 Robotern pro Jahr an. Im September eröffnete Boston Dynamics im Werk in Georgia ein Trainingszentrum für Atlas und nannte Hyundais Plan für 25.000 Einheiten.
- 2026-01-05
- Serien-Atlas auf der CES, Produktion 2026 an Hyundai und Google DeepMind
- Hyundai-Ziel 30.000 Roboter pro Jahr bis 2028
- Boston Dynamics, Hyundai
- 2026-06-24
- Zentrum in Waltham angekündigt (Interim-CEO Amanda McMaster)
- 100 Mio. Dollar, 1.250 Stellen, 25 Mio. Dollar Förderung
- Boston Dynamics
- 2026-09
- Trainingszentrum in Georgia eröffnet
- 25.000 Atlas geplant
- Boston Dynamics
- 2026-10-06
- Rohit Prasad zum CEO ernannt (ab 7. Oktober)
- Board-Sitz vorbehaltlich Zustimmung
- Boston Dynamics
Nur Primärquellen. 80.000 Dollar je Stelle (100 Mio. / 1.250), Förderquote 25 Prozent.
Stand: 16. Okt. 2026
Im Juni kündigte Boston Dynamics 100 Millionen Dollar für ein Robotik- und KI-Zentrum mit 323.000 Quadratfuß in Waltham an, verbunden mit 1.250 neuen Stellen bis 2033 und 25 Millionen Dollar Förderung durch den Bundesstaat. Nach MEKAWIRE-Rechnung sind das 80.000 Dollar geplante Investition je zugesagtem Arbeitsplatz; die Förderung deckt 25 Prozent der Kosten.
MEKAWIRE-Analyse: Hyundai besetzt die Modellebene, nicht die Mechanik
Hyundai sieht den Engpass von Boston Dynamics nicht mehr in der Mechanik, sondern in der Fähigkeit, Foundation-Modelle in ein bezahltes Produkt zu verwandeln, und hat genau dafür den passenden Manager geholt.
Die Indizien passen zusammen. Die Intelligenz des Serien-Atlas stammt von Google DeepMinds Gemini Robotics, auch Spots Inspektionssoftware läuft darauf, die Aktuatoren liefert Hyundai Mobis. Es fehlte ein Verantwortlicher für das KI-Produkt, der entscheidet, welche Modelle zugekauft und welche selbst gebaut werden. Prasad hat bei Amazon beide Seiten verantwortet.
Das stärkste Gegenargument: In den nächsten drei Jahren entscheidet die Serienfertigung, nicht die KI-Strategie. Atlas soll nach Hyundais Plan erst ab 2028 Teile sequenzieren und bis 2030 in die Montage gehen, und 30.000 Einheiten pro Jahr sind ein klassischer Industrialisierungsauftrag. Figure etwa baute erst die eigene Fabrik BotQ und brachte dann F.03 zu BMW.
- Boston Dynamics
- Seit 2021 im Besitz der Hyundai Motor Group, keine offengelegte externe Runde
- k. A.
- k. A.
- k. A.
- Figure AI
- Serie C, 39 Mrd. nach Geld
- 2025-09-16
- über 1 Mrd.
- 1,745 Mrd.
- Apptronik
- Serie-A-Erweiterung
- 2026-02-11
- 520 Mio.
- 923 Mio.
- Mind Robotics
- Serie A-1
- 2026-05-13
- 400 Mio.
- 900 Mio.
- Agility Robotics
- SPAC-Fusion (ausstehend)
- 2026-06-24
- k. A.
- 366,9 Mio.
- 1X Technologies
- Serie B
- 2024-01-13
- 100 Mio.
- 123,5 Mio.
MEKAWIRE-Datenbank, nur offengelegte Werte.
Stand: 16. Okt. 2026
Für europäische Anbieter wie Neura Robotics, die Modelle und Hardware selbst entwickeln wollen, ist das Hyundai-Modell der Gegenentwurf: Konzernnachfrage und zugekaufte Intelligenz statt Venture-Kapital und Eigenentwicklung.
Szenarien und Signale
Im positiven Szenario wird Boston Dynamics zum KI-Integrator für Hyundais Werke, Atlas hält den Termin 2028 in Georgia, und die Konzernnachfrage verschafft ein Volumen, das kein wagniskapitalfinanzierter Rivale hat. Im negativen Szenario bleibt eine Softwareorganisation auf fremden Modellen, Atlas verspätet sich, und die 30.000 Einheiten bleiben Ziel. Ein eigenes Foundation-Modell oder die Ernennung eines separaten Produktionschefs würde unsere Einschätzung ändern. Zu beobachten sind Prasads Board-Mandat, der Umzug nach Waltham ab Mitte 2027 und die Atlas-Sequenzierung in Georgia ab 2028.
- Rohit Prasad, ernannt am 6. Oktober 2026, ab 7. Oktober
- SVP und Head Scientist für Alexa und AGI bei Amazon (12 Jahre), Leitung der Nova-Modelle
- Vorsitz Jaehoon Chang, Vizechef Hyundai Motor Group
- 25.000 Atlas-Einheiten, 30.000 Roboter pro Jahr Kapazität bis 2028
- 100 Mio. Dollar, 1.250 Stellen bis 2033, 25 Mio. Dollar Förderung
Warum das wichtig ist
Wer Boston Dynamics führt, entscheidet, ob Hyundais Atlas-Plan als Fertigungsprogramm oder als KI-Produkt gesteuert wird. Für europäische Autobauer, die selbst Humanoiden testen, ist das ein Referenzfall.
Wettbewerbsanalyse
Figure kombiniert eigene Modelle, eigene Fabrik und den Kunden BMW. Boston Dynamics stützt sich bei Modellen auf Google DeepMind und bei Nachfrage und Aktuatoren auf Hyundai. Neura Robotics setzt in Europa auf Eigenentwicklung.
Bewertungskontext
Für Boston Dynamics gibt es keinen Marktpreis und seit 2021 keine offengelegte externe Runde; MEKAWIRE schätzt keinen Wert.
Folgen für die Lieferkette
Aktuatoren von Hyundai Mobis, Modelle von Google DeepMind, Training im Werk Georgia, Forschung und künftige Fertigung in Waltham. Kunde, Zulieferer und Eigentümer gehören zum selben Konzern.
Worauf jetzt zu achten ist
Board-Mandat Prasads, Umzug nach Waltham ab Mitte 2027, Atlas-Sequenzierung ab 2028 und Montage bis 2030, Kapazitätsziel 30.000 Einheiten, mögliches eigenes Foundation-Modell.
Analystensicht
These: Hyundai sieht die Modellebene als Engpass. Zuversicht mittel; die Ernennung und die Gemini-Abhängigkeit stützen sie, der lange Produktionshochlauf spricht dagegen.
Offene Fragen
Baut Boston Dynamics ein eigenes Modell? Wer verantwortet den Hochlauf auf 30.000 Einheiten? Sind Hyundais 25.000 Einheiten feste Abnahmezusagen?