NASA und Google testen Roboter für Medizingeräte an Bord; Pi0 schafft 85 Prozent im Labor
Google Public Sector teilte am 27. Oktober in einem Blogbeitrag mit, gemeinsam mit dem Human Research Program der NASA, dem Robotikteam des Johnson Space Center und dem JPL einen Prototyp gebaut zu haben, der auf Tiefraummissionen Fracht bewegt und medizinische Geräte holt.
Beim Greifen und Absetzen einer Medizintasche erreichte das offene Pi0-Modell von Physical Intelligence eine anfängliche Erfolgsquote von 85 Prozent; das Modell mit 4 Mrd. Parametern wurde in 2,5 Stunden feinjustiert.
Google Public Sector teilte am 27. Oktober in einem Blogbeitrag mit, gemeinsam mit der NASA einen Roboter-Prototyp gebaut zu haben, der Astronauten Routinelogistik abnimmt und im Krankheitsfall eines Crewmitglieds in die medizinische Unterstützung wechselt. In der ersten Labordemonstration sollte der Roboter eine Medizintasche finden und umsetzen. Das quelloffene Vision-Language-Action-Modell Pi0 von Physical Intelligence schaffte das in 85 Prozent der Versuche, was Google als anfängliche Basis bezeichnet.
Autor Jim Kelly, Vice President Federal bei Google Public Sector, nennt drei NASA-Partner: das Human Research Program, das Robotikteam des Johnson Space Center und das Jet Propulsion Laboratory. Das Projekt baut auf dem Crew Medical Officer Digital Assistant auf, einem klinischen Entscheidungsunterstützungssystem, das Google im Vorjahr vorgestellt hatte.
Lastenträger mit Zusatzaufgabe Sanität
Google beschreibt das System als Handhabungsroboter für eine kleine Besatzung. Im Alltag bewegt er Fracht, ordnet Werkzeug und sichert Fächer. Klagt ein Astronaut über starke Rückenschmerzen, etwa als Anzeichen von Nierensteinen, holt und bereitet der Roboter ein Ultraschallgerät vor, damit sich der medizinische Offizier der Crew auf die Untersuchung konzentrieren kann. Langfristig soll das System Sprachbefehle unter direkter Aufsicht der Astronauten ausführen, etwa Vitalwerte erfassen oder einfache Ultraschallaufnahmen unterstützen, ohne menschliche Entscheidungen zu ersetzen.
Der Grund ist die Signallaufzeit. Ein Funkspruch zwischen Mars und Erde braucht hin und zurück bis zu 44 Minuten, heißt es in dem Beitrag. Echtzeitberatung vom Boden ist damit ausgeschlossen.
Von der Simulation auf die Edge-Hardware
Das JPL passt Werkzeuge zur Lageerfassung an, die ursprünglich für die Verfolgung von Objekten im Orbit gebaut wurden, damit der Roboter seine Umgebung allein aus Kamerabildern dreidimensional erfasst. Trainiert wurde zunächst im Physiksimulator MuJoCo von Google DeepMind, getestet dann in der iMETRO-Anlage des Johnson Space Center mit einer Eye-to-Hand-Kameraanordnung. Google gibt an, das Pi0-Modell mit 4 Mrd. Parametern auf G4-Instanzen von Google Cloud in 2,5 Stunden feinjustiert zu haben; das Ergebnis läuft lokal auf kompakter, sparsamer Edge-Hardware. In zwei Jahren testete das Team rund 15 Edge-Rechner.
Nicht genannt werden die Roboterhardware, die Zahl der Versuche hinter den 85 Prozent und ein Termin für Flugtests.
MEKAWIRE-Analyse
Eine Raumfahrtbehörde setzt auf ein offenes Robotik-Basismodell mit Cloud-Feinjustierung statt auf eine Spezialsteuerung. Das macht den Test zum Referenzfall für offene VLA-Modelle.
Physical Intelligence hat Pi0 mit offenen Gewichten veröffentlicht. Die MEKAWIRE-Datenbank führt zwei berichtete Runden: 400 Mio. US-Dollar bei 2,4 Mrd. Bewertung im November 2024 und 600 Mio. US-Dollar bei 5,6 Mrd. im November 2025, das 2,3-Fache binnen eines Jahres (5,6 / 2,4). Bloomberg berichtete am 27. Oktober von Gesprächen über rund 1 Mrd. US-Dollar bei etwa 20 Mrd. Bewertung. Bestätigt hat das Unternehmen keine dieser Bewertungen. Einen Tag nach dem NASA-Beitrag stellte Google Cloud sein eigenes Modell Gemini Robotics ER 2 als öffentliche Vorschau für Unternehmen bereit. Google verkauft damit eigenes Modell und Rechenleistung für das Modell eines Konkurrenten zugleich. Für europäische Industrieanwender ist das Muster interessant, weil ein offenes Modell mit kurzer Feinjustierung die Einstiegskosten senkt. Die Schwäche liegt in der Zahl selbst: 85 Prozent bei einer einzelnen Greifaufgabe im Labor sind ein Anfang, und ein Fehlgriff in jedem siebten Notfall wäre für eine Crew nicht tragbar. Der MEKAWIRE-Erklärartikel zu VLA-Modellen ordnet Pi0, GR00T und Gemini Robotics ein.
Zu beobachten sind die Nennung der Roboterplattform, eine Wiederholquote aus einer größeren Versuchsreihe und ob die NASA das System vor den Artemis-Oberflächenmissionen in eine Analogmission bringt.
- Blogbeitrag von Google Public Sector, 27. Oktober 2026
- NASA Human Research Program, Robotikteam des Johnson Space Center, JPL
- Medizintasche finden und umsetzen, Eye-to-Hand-Kameras
- Anfängliche Erfolgsquote von 85 Prozent mit dem offenen Pi0-Modell
- Pi0 mit 4 Mrd. Parametern in 2,5 Stunden auf Google Cloud G4 feinjustiert, Simulation in MuJoCo
- Läuft lokal auf kompakten Edge-Rechnern, rund 15 Geräte in zwei Jahren getestet
- Roboterhardware, Zahl der Versuche, Termin für Flugtests
